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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- undFeiertage, mit belletristischer Beilage.

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Serantmertt. RÄakteurr T. Schrecker * H««.

Ml. 164 F«rn!prccha»schl»tz Nr. 605.

Mittwoch den 17. Juli

Feri»spr«ch»»schl«tz Nr. 605. 1907

Amtliches.

Eandkreis T)anau.

SttmtNunotn des Mizlicheii LNdrMmtS.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, welche noch mit der Erledigung meiner Verfügung vom 3. April 1902 V 3111 betreffend Einreichung eines Verzeich- niffes über die außerhalb einer Irrenanstalt lebenden Geistes­kranken im Rückstände sind, werden nochmals an die Erledigung derselben mit einer 5tägigen Frist erinnert.

Hanau den 13. Juli 1907.

Der Königliche Landrat.

V 3931 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Stück von einer goldenen Brille, 1 Hunde­halsband mit Nickelbeschlag, 1 Damen-Schirm mit Natur­griff (in einem Geschäft stehen geblieben), 1 neues rotge- streiftes Herren-Biberhemd, 1 Mitgliedsbuch des Marken- Konsumvereins für Juliane MohrS.

Verloren: 1 schwarzlederner Kinderpantoffel.

Zugelaufen: 1 schwarzer Dachshund, 1 getiegerter Dachshund w. Geschl.

Entlaufen: 1 schottischer Schäferhund, 1 grauer Dobermannpinscher, 1 Rehpinscher m. Geschl.

Hanau den 17. Juli 1907.

Hus Hanau Stadt und Eand.

Hanau, den 17. Juli.

Anmeldung neuer Fernsprechanschlüsse. Wir machen die Leser unseres Blattes darauf aufmerksam, daß Fernsprechanschlüsse, deren Herstellung in der Zeit von August bis Oktober gewünscht wird, spätestens bis zum 1. August bei der Fernsprech-Vermittelungsanstalt angemeldet sein müssen, an die die Sprechstelle angeschlossen werden soll.

* Beerdigung. Gestern nachmittag wurde der am Samstag verstorbene Herr Professor Dr. R. Suchier zu Grabe getragen und an der Seite der ihm vor Jahresfrist im Tode vorangegangenen treuen Lebensgefährtin in die kühle Erde gebettet. Herr Pfarrer Wohlfarth hielt eine ergreifende Grabrede und betonte die vorzüglichen Charakter- eigenschaften des Verstorbenen, wie auch die Verdienste des« selben um die heimatliche Geschichtsforschung. Der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Herr Geh. Oberjustizrat Koppen, widmete unter Niederlegung einer Kranzspende dem lieben Verstorbenen ebenfalls einen warmempfundenen Nachruf. Die Zahl der Kranzspenden war eine große, auch das Vereinigte evangelische Waisenhaus (Hanauer Anzeiger") ließ eine Kranzspende niederlegen.' Zu dem von uns gestern dem Verstorbenen gewidmeten Nachrufe ist zu bemerken, daß als Geburtsort Suchiers nicht Karlshafen, sondern Veckerhagen zu bezeichnen ist. In Karlshafen wurde Suchier erzogen.

* Kaufmännische Stellenvermittelung. Neben seinen sozialpolitischen Bestrebungen, durch die der Verband Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig (Leipziger Verband) größte Beachtung in allen kaufmännischen und auch in Re­gierungskreisen gefunden hat, verwendet er besondere Sorg­falt gleichfalls auf seine inneren Einrichtungen, vornehmlich auf seine Stellenvermittelung, die seit ihrem Bestehen bis jetzt 61000 Besetzungen zustande brachte. Bei dem fortge­setzt guten Geschäftsgänge war es dem Verbände möglich, in diesem Jahre schon wieder über 2000 Vermittelungen herbei­zuführen, während eine Menge Aufträge noch ihrer Erledi­gung harrt. Da für manche Geschäftszweige, wie man uns berichtet, tüchtige Bewerber nicht genügend vorhanden sind, so können geschäftsgewandte Stellensuchende durch den V. D. H. rasch Unterkommen bei gutberufenen Firmen finden. Der Leipziger Verband zählt gegenwärtig 80000 Mitglieder, die über ganz Deutschland verstreut sind; an allen größeren Plätzen befinden sich Geschäftsstellen, die jeden Auftrag gewissenhaft ausführen und in Wien, Paris und London bestehen beson­dere Vertretungen. An über 600 Orten im Deutschen Reiche wirken Kreisvereine des Verbandes anregend und belehrend unter den Mitgliedern.

* Katholische Gemeinde Jünglingskongre­gation. Die wöchentliche Konferenz der marian. Jüng- Ungskongregation fällt heute abend aus.

* Gefährdung eines Eisenbahntransportes. Am Sonntag den 9. September v. I., abends gegen 8 Uhr, bemerkte der Führer des Eberbach - Frankfurter Schnellzuges Nr. 174 bei der Einfahrt in den hiesigen Ostbahnhof vor sich in einer Entfernuna von 200300 Metern eine Ma«

schine auf demselben Geleise. Er ergriff sofort die nötigen Maßregeln, hatte aber gar nicht nötig, alle ihm zu Gebote stehenden Hilfsmittel zum Anhalten des Zuges anzuwenden, da der Führer der Maschine den Zug gleichfalls rechtzeitig bemerkt hatte und schleunigst zurückfuhr, womit die Gefahr eines Zusammenstoßes natürlich beseitigt war. Die Ursache des Vorfalles war folgende: Der Frankfurt-Aschaffenburger Schnellzug, der in Gleis 2 einfährt, erhält auf dem hiesigen Ostbahnhofe eine Vorspannmaschine, die für gewöhnlich nach Abfahrt des Eberbach-Frankfurter Schnellzuges auf Gleis 3 dirigiert wird, um auf ihren Zug zu warten. Diesmal hatte letztgenannter Zug 10 Minuten Verspätung. Der Weichen­steller H., der vom Stellwerk aus die fraglichen Weichen zu bebienen hatte, dachte in dem Moment, als er die Maschine auf Gleis 3 dirigierte, nicht an den noch ausstehenden Schnell­zug, sodaß dieser, als er gleich darauf einfuhr, die Vor­spannmaschine, wie eingangs erwähnt, auf seinem Geleise bemerkte. H., der sich gestern vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten hatte, behauptet, er habe beim Anblick des Schnellzuges, da es zum Umstellen des Einfahrtssignales zu spät war, diesem vom Stellwerk aus das Zeichen zum Halten mit einer roten Laterne gegeben, auch dem Führer der Vor­spannmaschine durch Zurufen zum Zurückfahren aufgefordert, doch wurde weder das eine noch das andere von den Be­treffenden bemerkt, was, auch wenn die Behauptungen H.'s der Wahrheit entsprechen, leicht dadurch erklärbar ist, daß beide Beamten ihre ganze Aufmerksamkeit auf das vor sich befindliche Fahrthindernis richteten. Weiterhin entschuldigt sich H. mit Ermüdung. Er hatte fünfmal hintereinander und zuletzt von Samstag auf Sonntag Nachtdienst und mußte bereits Sonntag nachmittag 2 Uhr wieder zum Dienst antreten. Nachdem der Führer des Schnellzuges bekundete, daß er die Maschine unbedingt hätte sehen müssen, auch den Zug auf die erwähnte Entfernung sicher zum Stehen bringen konnte und nachdem auch der Sachverständige dies bestätigt, muß das Gericht zur Freisprechung kommen, da die Fahrlässigkeit, die allerdings in dem Verhalten des H. liege, nicht zur Ge­fährdung eines Eisenbahntransportes führte, weil eben der Zusammenstoß unter normalen Verhältnissen, d. h. bei der erforderlichen Aufmerksamkeit seitens des Zugführers ohnehin unmöglich war.

* Von der Akademie zu Frankfurt a. M. Das neue Vorlesungsverzeichnis der Akademie für das am 22. Oktober beginnende Winter-Semester führt im ganzen 108 Vorlesungen und Uebungen auf. Davon entfallen 22 auf Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeographie, 12 auf Rechtswissenschaft, 7 auf Versicherungswissenschaft, Mathe­matik und Statistik, 14 auf Handelswissenschaften, 37 auf Philosophie, Geschichte, Literaturgeschichte und Neuere Sprachen, endlich 16 auf Technik und andere Hilfswissenschaften. Die Zahl der Dozenten ist auf 37 angewachsen und der Lehrplan ist erheblich weiter ausgebaut worden. So ist jetzt ein be­sonderer Lehrstuhl für Mathematik, insbesondere Versicherungs­rechnung, errichtet worden, der Professor Brendel über­tragen wurde. Ferner werden im Winter Vorlesungen über alte Geschichte, Kunstgeschichte, Arabisch, Türkisch, Technologie der Textilindustrie, sowie ein elektrotechnisches und ein physi­kalisches Praktikum abgehalten. Das Vorlesungsverzeichnis wird unentgeltlich beim Portier der Akademie verabfolgt so­wie von der Quästur auf Verlangen mit Prüfungsordnungen rc. kostenlos zugesandt.

* Atts dem Zoologischen Garten ztt Frank- fnrt a. M. Ein außerordentlich wertvolles Geschenk wurde dem Zoologischen Garten durch Herrn Bankier Gustav Adolf von Neufville überwiesen. Dieser brachte dem Garten von einer Reise nach dem Innern Ost-Afrikas zwei pracht­volle junge Leoparden mit, die als wild eingefangene, nicht verwandte Tiere ein wertvolles Zuchtpaar abgeben dürften. Die Tiere sind noch sehr scheu und bösartig und werden erst allmählich an den Anblick des Publikums gewöhnt. Die Be­stände des Reptilienhauses, der Zierfischanlage und des Jn- sektenhauses erfuhren in letzter Zeit wieder einige Erweite­rungen. Zuchtresultate sind zu verzeichnen von den Sumpf­antilopen, "den Arishirschen, den Damhirschen und wieder von den Sikahirschen. Der ungarische Edelhirsch hat in diesen Tagen mit demFegen" seines gewaltigen, fast abnorm großen Geweihs begonnen. .

* Vorsicht! In der letzten Zeit ist bie Wahrnehmung gemacht worden, daß sich eine fremde männliche Person Sonntags hier einfindet und in ziemlich eindringlicher Welse die Mildtätigkeit hiesiger Einwohner in Anspruch nimmt. Vorsicht scheint am Platze zu sein. .

* Das deutsche Turnfest. Die gestrige Sitzung der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich mit 1 einem Anträge, für das deutsche Turnfest in Frankfurt einen

städtischen Beitrag von Mk. 50000 zu bewilligen. Der Gang der Debatte war folgender: Stadtv. Dittmann be­antragte die Ablehnung des Beitrags. Es gehe nicht an, Mk. 50000 für Vergnügungen auszugeben, nachdem man wiederholt soziale Fortschritte abgelehnt habe. Stadtv. Werner erkannte die Notwendigkeit eines Beitrages an. Stadtv. Rupp wandte sich gegen die Behauptung, als handle es sich bet der Turnerei nur um Vergnügungen. Der ernste und ideale Zweck stehe in erster Linie. Von dem Turnfest werde die Stadt auch große materielle Vorteile haben. Auch jeder Arbeiter werde die vermehrte Arbeitsgelegenheit spüren. Stadtv. Dr. Quarck sprach über dasDenunziantentum" und dasSpitzelwesen" in der deutschen Turnerschaft, das sich gegen die Arbeiter richte. Für derartige politische Ver­anstaltungen nationalliberalen, hochpatriotischen Charakters, die den größten Teil der Bevölkerung ausschließen, bewilligen wir nichts. Stadtv. Dr. Trommershausen betonte dem­gegenüber die hohe soziale Bedeutung des Turnens, das ge­eignet sei, die Klaffenunterschiede zu verwischen. Stadtv. Marx widerlegte die Behauptung Dittmanns, daß in Frank­furt die sozialen Aufgaben leiden. Stadtv. Wedel wies unter Heiterkeit darauf hin, daß die Sozialdemokratie die Turnerei, je nachdem es ihr in den Kram paßte, als politisch und nichtpolitisch bezeichnete. Richtig ist, wenn wir die Summe nicht â fonds perdu geben. Stadtv. Trauner be­dauerte die sozialdemokratischen Angriffe auf das schöne Fest. Wer seinerzeit das Schützenfest und später das Turnfest hier erlebte, dem wird die Erinnerung unvergänglich sein. Das Turnfest ist keine politische, sondern eine deutsch-nationale Veranstaltung, die die Liebe zum Vaterland stärkt. (Beifall. Dr. Quarck: Hurra!) Stadtv. Schneider legte als alter Turner Verwahrung gegendie Behauptung ein, daß in der Turner­schaft ein Spitzelsystem und eine Abneigung gegen die Arbeiter bestehe. Bei uns kann jeder Arbeiter Mitglied werden, ob er Sozialdemokrat ist oder nicht. Wenn in der deutschen Turner­schaft eine i Spaltung eingetreten ist, so ist das eine Folge der andauernden Agitation der Sozialdemokratie. In meinem Turnverein sind fast ebenso viel Sozialdemokraten wie An­hänger anderer Parteien. Beide Teile vertragen sich sehr gut. Aber fortwährend agitiert man von sozialdemokratischer Seite, um die Arbeiter zum Austritt zu bewegen und dem Arbeiterturnverein zuzuführen. Diese Spaltung in der Turnerschaft ist gewiß bedauerlich, abex die Schuld trifft ausschließlich die Sozialdemokratie. (Lebhaftes Bravo.) Stadtv. Dr. Hertz wies darauf hin, daß beim Sängerfest die Tram­bahn eine Mehreinnahme von Mk. 40 000 erzielte. Das zeige die wirtschaftliche Bedeutung solcher Feste. Die Be­willigung eines Beitrages ist eine Ehrenpflicht, sie sollte aber in Form einer Garantieleistung erfolgen. Bürgermeister Grimm trat für die Bewilligung â fonds perdu ein. In Nürnberg wurden Mk. 30 000 â fonds perdu und Mk. 10 000 für den Garantiefonds bewilligt. Der beantragte Beitrag entspricht der Größe unserer Stadt. Die Gegner­schaft der Sozialdemokratie ist nicht erstaunlich. Die Turn­feste haben einen in gutem Sinn patriotischen Charakter. Es ist nur beklagenswert, daß dieser patriotische Grundzug manche Sozialdemokraten fernhält. Die Stadtv. Dittmann und Dr. Quarck vertraten nochmals den sozialdemokratischen Standpunkt. Quarck wandte sich besonders gegen Schneider, der früher selbst in der Arbeiterbewegung gestanden habe Es stehe ihm schlecht an, den Richter zu spielen, nachdem er umgesattelt habe. (Zuruf: Sie haben ja auch umgesattelt. Schallende Heiterkeit.) Stadtv. Schneider: Quarck ist für die Behauptung, daß ein Spitzelsystem bestehe, den Beweis schuldig geblieben. Wenn die Arbetterturnvereine zur deutschen Turner- schaft zurückkebren wollen, werden sie offene Arme finden. (Zuruf: Da könnt ihr lange warten!) Der Antrag wurde an den Finanzausschuß überwiesen.

* Etttschttldimg des GEdbesitzes. In der letzten Sitzung des Ausschusses für Genossenschafts-, Kredit- und Versicherungswesen der Landwirtschaftskammer des^ Re­gierungsbezirks Cassel wurde eingehend die wichtige Frag« der Entschuldung des Grundbesitzes behandelt und folgender Antrag des Landgerichtsrats Klingebiel-Marburg zum Be- schluß erhoben:Der Vorstand wird ersucht, bei dem Kommunallandtag zu beantragen, die Beleihungsgrenze für die Landeskreditkasse bis zu fünf Sechstel des Taxwertes zu erweitern und den über die normale Beleihungsgrenze hinaus­gehenden Kredit zur Entschuldung des ländlichen Grund-; besitzes durch Erwerb und Abstoßung nacheingetragener Hypotheken unter der Voraussetzung zu verwenden, daß ein sicheres, gemeinwirtschaftliches Kreditinstitut die Bürgschaft übernimmt und Garantien gegen Wiederholung einer un­wirtschaftlichen Verschuldung gegeben werden.

* Mainwafferwärme gestern abend 16 Dreck.