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es. Waiftuhaase» ix Hamm.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- aad Landkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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Oecaxheertt. RHakteurr ®. Schrecker tat tynica.
Nl. 145 F«r»spr«chanschl»K Nr. 605
Dienstag dc» 25. Juni
fferuspr.chanschlM Nr. 605. 1907
Amtliches.
Landkreis F^anau.
Sciiinuhntlungen des AiiizliHeil LmideatSiimtS.
Laut Verfügung der kgl. Ober-Ersatzkommission beginnt das diesjährige Ober-Ersatz-Geschäft nicht am 4. sondern am S. Juli und wird am 9. Juli d. J. beendet sein. Ich bringe dies hiermit zur öffentlichen Kenntnis und ersuche die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, für geeignete Verbreitung der Aenderung in ihren Gemeinden Sorge zu tragen. Im übrigen behält es bei meiner Bekanntmachung vom 13. l. Mts. sein Bewenden.
Hanau den 24. Juni 1907.
Der Königliche Landrat.
M 2456 I. V.: Siemon, Reg.-Asseffor.
Der Kaiserliche Automobil-Klub hat sich entschlossen, im Interesse der Sicherheit des Verkehrs und zur möglichsten Verhinderung von Unglücksfällen in ganz Deutschland an den Straßen zur Kennzeichnung besonders gefährlicher Stellen Warnungstafeln anbringen zu lassen. Durch die international einheitlich feststehenden Warnungszeichen soll auf gefährliche Kurven, Vertiefungen im Straßenkörper, Höcker, Bahnübergänge, Straßenkreuzungen und Doppelkurven aufmerksam gemacht werden, die Aufstellung soll gleichmäßig in der ein für allemal festgesetzten Entfernung von 250 Meter vor der gefährlichen Stelle erfolgen.
Das in Aussicht genommene Vorgehen wird gleicher Weise auch den dem Klub nicht angehörigen Automobilfahrern sowie ausländischen Fahrzeugen zu Gute kommen und muß im allgemeinen Verkehrsinteresse als zweckmäßig und erwünscht bezeichnet werden.
Die Ortspolizeibehörden ersuche ich, die Aufstellung der Warnungstafeln, die in der Unterhaltung des Klubs verbleiben, zu gestatten und zu unterstützen.
Hanau, den 21. Juni 1907.
Der Königliche Landrat.
V 4405 v. Beckerath.
Kolonialakademie.
Die Frage der Errichtung eines besonderen Instituts für Bbk wissenschaftliche und praktische Vorbildung unserer Kolo- nialbeamlen und für die Pflege der Wissenschaften, die der Erforschung und Entwicklung unserer Kolonien dienen, hat in der letzten Zeit die kolonialen Kreise lebhaft beschäftigt. Es entspricht der deutschen Neigung zu fundamentaler systematischer und theoretischer Behandlung solcher Aufgaben, daß bei dieser Angelegenheit gewichtige Einflüsse bestrebt sind, das zukünftige Kolonialinstitut oder die Kolonialakademie, oder wie man die neue Organisation sonst nennen wird, an eine große Universität, insbesondere an die Berliner Universität, anzugliedern. Hier muffe man ein großes Institut schaffen, das den Mittelpunkt für alle kolonialen wissenschaftlichen Interessen bilden müsse und sowohl der Sonderausbildung unserer höheren Kolonialbeamten wie der Belehrung weiterer Kreise zu dienen bestimmt sei.
Wenn wir, schreibt in der „Deutschen Kolonialzeitung" eine Hamburger Autorität, ein reiches Land mit Kolonien wären, die über den ganzen Erdball reichten, und von denen uns wenigstens ein Teil, anstatt uns brennende, praktische Aufgaben zu stellen, Muße zu einer mehr akademischen Behandlung ließe, wären solche Bestrebungen gewiß freudig zu begrüßen. Die Not der Zeit läßt das aber jetzt nicht zu. Wir haben schon recht viel Zeit mit akademischer Kolonialpolitik verloren und haben dabei häufig noch große Fehler insofern begangen, als wir von der Nichtigkeit unserer Ansichten überzeugt, unsere eigenen Wege dabei gingen und nach den Erfahrungen älterer Kolonialstaaten nicht viel fragten. Was wir jetzt zunächst brauchen, ist ein Kolonialinstitut, das nicht rein wissenschaftlichen Zwecken dient, sondern zwischen Wissenschaft und Praxis vermittelt, das bie Beamten, Gelehrten, Kaufleute, Pflanzer usw. in unseren Kolonien mit einander in engere Verbindung bringen und sich dabei in steter Rügung mit allen überseeischen Verhältnissen, nicht bloß mit denen in unseren Kolonien halten soll. Der viel beklagte Assessorismus wird erst verschwinden, wenn unseren Kolonialbeamten, ehe sie hinausgehen, für längere Zeit täglich und stündlich, handgreiflich und unvergeßlich die Bedeutung, die innere, gewaltige Kraft und die mannigfachen Formen des Weltverkehrs vor die Augen geführt worden sind. Draußen sehen sie nachher sehr häufig nur noch Teile dieses Getriebes und unterschätzen, weil sie das Ganze nie
gesehen haben, ihre Bedeutung. Auf unseren Universitäten, auch in der Reichshauptstadt, gibt es nur Vorträge, Demonstrationen, Zahlen, Ausstellungen und Museen. Das Alles brennt seine Eindrücke nicht in die Tiefe der Seele. Erst im täglichen und wiederholten Anschauen des Weltverkehrs in unseren großen Häfen wird jedem deutlich, daß der Besitz eigener Kolonien nicht bloß ganz interessant ist und der Würde und Größe des Deutschen Reiches entspricht, sondern daß unsere Kolonien so entwickelt werden müssen, daß sie uns unentbehrlich werden.
Man hat gegen unsere größte Hafenstadt Hamburg als zukünftigen Sitz eines Kolonialiustituts den Einwurf erhoben, daß ein solches Institut dort vorzugsweise den Bedürfnissen der Reeder, Kaufleute, Seeleute usw. dienen, und daß die reine Wissenschaft und die wissenschaftliche Vorbildung unserer Kolonialbeamten dabei zu kurz kommen werde. Das ist durchaus nicht zu fürchten. Die Hamburger wissenschaftlichen Institute sind Staatsinstitute, mit Gelehrten von anerkanntem Ruf an ihrer Spitze; die aus diesen Anstalten hervorgehenden Arbeiten sind ebenso gründlich und wissenschaftlich wie die Arbeiten deutscher Universitätsinstitute. Die Gründung eines „rein wissenschaftlichen" Kolonialinstituts in Berlin kann man füglich späteren Zeiten überlassen, vorläufig tut uns eine enge Verbindung der Wissenschaft mit der Praxis gerade auf kolonialem Gebiet besonders not.
Für eine solche Verbindung weht in Hamburg infolge von Tradition und Milieu die günstigste Luft; auch das Lehr- und Forschuugsmatcrial bietet sich in Hamburg in einer Auswahl und Menge, die anderswo nicht zu haben ist. Man müßte anderswo immer auf Hamburg zurückgreifen. Das Hamburgische Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten versorgt eine große Menge von Dozenten an deutschen Universitäten mit Material für ihre Kurse über Tropenkrankheiten; ähnliches gilt für die Hamburger Institute für Warenkunde, für praktische Botanik, Zoologie, Völkerkunde rc. Auch auf dem Gebiete des Rechts (Seerecht, Handelsrecht, Kolonialrecht 2C.) wirkt das Hamburger Leben durch praklische Beispiele und Gesichtspunkte befruchtend und belehrend.
Hierzu kommt, daß Hamburg seine wissenschaftlichen Anstalten ohne wesentliche Umgestaltung und Vergrößerung und deshalb auch, ohne daß zunächst vom Reich erhebliche Mittel aufzuwenden wären, in den Dienst der kolonialen Interessen stellen kann. Ein Reichskommissar an der Spitze eines Zentralamtes, der mit dem Dozeuteukollegium den Studienplan entwirft, die Vorlesungen und Kurse gegeneinander abgrenzt, für Ausfüllung von Lücken sorgt und die Einschreibungen der Hörer vornimmt, ist vorläufig wohl alles, was nötig wäre, damit man mit der systematischen Vorbildung unserer Kolonialbeamten in Hamburg einen Anfang machen könnte. Für die Kolonial- und Schutztruppenärzte ist das schon längst eingeführt, sie machen alle einen Vorbildungskursus im Hamburger tropenhygicnischen Institut durch.
Man spricht jetzt in Hamburg und auch anderswo viel von der Gründung einer Universität in dieser unserer größten Hafenstadt. Manchem Verständigen aber erscheint zweifelhaft, ob ein Bedürfnis nach einer neuen Universität alten Musters mit Fakultäten, Studenten und Prüfungen überhaupt vorhanden ist, und ob Hambutg die richtige Stätte dafür wäre. Andere haben eine Volkshochschule oder eine Universität nach amerikanischem Muster für Hamburg empfohlen. Aber solche Anstalten sind Fremdlinge, von denen wir noch gar nicht wissen, ob sie sich bei uns akklimatisieren können. Ein Kolouialinstitut wird in Hamburg auf jeden Fall gedeihen und kann den Wurzelstock abgeben für eine künftige größere Organisation wissenschaftlicher Bestrebungen in Hamburg. Diese Organisation würde weder Volkshochschule genannt werden können noch mit den alten Universitäten konkurrieren; eine freie und weiteren Zwecken dienende Ausgestaltung der Erfahrungen, die bei der Vorbildung der Kolonialbeamten in Hamburg zu gewinnen sind, wäre eine originale Schöpfung und könnte zu einer Umgestaltung unseres Bildungswesens auf vielen Gebieten führen.
Hus Bars au Stadt imd Eand.
Hanau, 25. Juni.
* Passiert. Ihre Königl. Hoheit die Großherzogin von Baden passierte heute morgen um 6 Uhr 19 Min. auf dem Wege von Warmbrunn nach Baden-Baden unseren Ostbahnhof.
* Tie Königlich Wissenschaftliche Prüfrurgs- Kommission für die Provinz Hessen-Nassau setzt sich für das Etatsjahr 1907 folgendermaßen zusammen. Zum
Direktor der Kommission und für die allgemeine Prüfung mit Ausschluß der katholischen Religionslehre wurde Gymnasialdirektor Prof. Dr. Aly in Marburg ernannt. Weiter gehören der Kommission zur Prüfung in den verschiedenen Fächern an: allgemeine Prüfung in der katholischen Religions- lehret Dr. Weber, Pfarrer; evangelische Religionslehre: D. Jülicher, Professor, und Dr. Hüpeden, Professor am Friedrichs-Gymnasium in Cassel; Philosophie: Dr. Natorp, Professor, und Dr. Menzer, Professor; Deutsch: Dr. Vogt, Professor, Geh. Regierungsrat, und Dr. Elster, Professor; Lateinisch und Griechisch: Dr. Maaß, Professor, und Dr. Kalbfleisch, Professor; Hebräisch: D. Budde, Professor, Kon- sistorialrat; Französisch: Dr. Wechßler, Professor, und Dr. Gundlach, Prof, am Gymnasium zu Weilburg; Englisch: Dr. Vietor, Professor, und Dörr, Direktor der Liebig-Realschule zu Frankfurt a. M.; Geschichte: Dr. Varrentrapp, Prof., Dr. Klebs, Prof., und Dr. Endemann, Professor am Wilhelms-Gymnasium zu Cassel; Erdkunde: Dr. Fischer, Prof., Geh. Negierungsrat, und Dr. Oestreich, Privatdozent; Mathematik mit Ausschluß der angewandten Mathematik: Dr. Hensel, Prof., und Dr. Neumann, Prof.; angewandte Mathematik: Dr. v. Dalwigk, Privatdozent; Physik: Dr. Richarz, Professor, und Dr. Feußner, Prof.; Chemie nebst Mineralogie : Dr. Zincke, Prof., Geh. Negierungsrat, Dr. Kayser, Prof., und Dr. Fries, Abteilungsvorsteher am Chemischen Institut der Königlichen Universität; Botanik und Zoologie: Dr. Korschelt, Prof., Dr. Meyer, Prof., und Dr. Reichenbach, Prof, an der Adlerflychtschule zu Frankfurt a. M.
* Manenkonzert im „Deutschen Hans". Wie im Inseraten- und lokalen Teil der gestrigen Nummer unseres Blattes bereits bekannt gegeben, findet ^as 1. Abonnementskonzert, ausgeführt von ^-^ samten Ulanenkapelle, heute Dienstag abend b e st i m m t statt. Im Falle ungünstiger Witterung sind die schönen Glashallen und der Saal hergerichtet. Das von Herrn Musikdir. Urbach vorgesehene Programm ist so sorgfältig zusammengestellt, daß es jedem der Besucher etwas bringen wird, u. a. werden einige Piecen, welche hier noch nicht gehört wurden, zum Vortrag kommen. Der Anfang des Konzertes ist vielseitigem Wunsche entsprechend auf präzis 8’/2 Uhr festgesetzt. Abonnements- sowie Einzelkarten find an der Kasse erhältlich.
* Sängerfest in Niederrodenbach. Das am Samstag, Sonntag und Montag in unserem Nachbarorte Niederrodenbach anläßlich des 20jährigen Bestehens des dortigen Gesangvereins „S ü n g e r l u st" stattgefundene S ä n g e r f e st mit Gesangs Wettstreit, über das wir gestern bereits eingehender berichteten, hatte gestern nachmittag und abend wiederum eine zahlreiche Gästeschar in dem Festorte zusanunengeführt. Der Festplatz bot ein Bild, wie es eines fröhlichen Volksfestes würdig ist. Abends verlieh ein prachtvoll wirkendes Brillant- f e u e r w e r k dem Feste einen effektvollen Abschluß. Der Leiter des Feuerwerks, Herr Matth. Will in Hanau, stellte sich durch dasselbe ein ehrendes Zeugnis seiner Leistungsfähigkeit aus. — In den gestrigen Bericht über das am Sonntag stattgesundene Weltsingen hatten sich bezüglich des E h r e n p r e i s s i n g e n s zwei Schreibfehler eingeschlichen: das Resultat war folgendes: Hanauer Sängerquartett 128 Punkte, Frohsinn-Darmstadt 127 Punkte, Rheiugold-Darm- stadt 110 Punkte, Männergesangverein Groß-Zimmern 105 Punkte. Als Preisrichter fungierten in der 1. und 3. Klasse die Herren P aul i -Fechenheim, Kü chl er-Frankfurt a. M. und Lang -Wiesbaden, in der 2. und 4. Klasse die Herren B a s e l t -Frankfurt a. M., A y ß l i n g e r -Offenbach und D e u b I e r -Bieber.
* Konfesstonswechsel von Schulkindern Der Fabrikarbeiter Adam F. in Fechenheim nahm, ärgerlich darüber, daß sein lOjähriger Junge in der Schule als schwachsinnig behandelt wurde, diesen aus der evangelischen Schule heraus und führte ihn der katholischen zu. Ein kurhessischer Obcrschnlratserlaß vom Jahre 1853 aber verbietet einen Religionswechscl der Kinder innerhalb des schulpflichtigen Alters, wenn der Vater nicht selbst zu einer andern Religion übergeht. F., der sich beständig weigerte, den Jungen wieder dem evangelischen Religionsunterricht zuführen 31t lassen, erhielt daraufhin erst ein Strafmandat von 3 Mk., dann von 5 Mk. und schließlich von 10 Mk., gegen welch letzteres er Einspruch erhob, sodann Berufung und endlich Revision einlegte. Letzterer wurde aus einem formellen Grunde statt- gegeben und die Sache an die Berufungsinstanz zurückverwiesen. Die darauf gestern vor der hiesigen Strafkammer stattgefundene erneute Verhandlung endigte wieberum mit der Verurteilung F/s zu 10 Mk. Geldstrafe. Dazu kommen nun allerdings noch die sämtlichen Kosten für vier Termine.