Drittes Matt.
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General-Anzeiger
Kwtl'ches Organ für Stadt- und Landkreis Hanan.
o. NaiftuhaulrS in Hamm.
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Die ffafgespaltene Petitzeile oder beten Nä» 86 W^. bx SieklLMeateil die Zelle 35 Pf-, vermtmartl. RÄakteur: S. Schrecke« l» Har«.
Nr. 137 Fernsprechanschlich Nr. 605,
Samstag den 15. Juni
Fernsprechanschluh Nr. 605. 1907
OK
EandwirtTcbaftlicbes.
Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.
Von den für die Ausfuhr von Getreide, namentlich von Weizen, in Betracht kommenden Ländern haben die in der am 12. Juni abgeschlossenen Berichtswoche erschienenen amtlichen Mitteilungen über den Saatenstand für Ungarn und Rußland die früheren ungünstigen Meldungen voll bestätigt, für Nordamerika ist der Bericht des Washingtoner Ackerbau- ; bureaus etwas besser ausgefallen, als erwartet war. Wenn somit hierin kaum ein Anlaß für eine Abschwächung der Weizenpreise am Weltmarkt gegeben war, so machte sich , gleichwohl eine mattere Haltung dort bemerkbar, und zwar hauptsächlich infolge der unvermindert sehr bedeutenden Weizenverschiffungen Argentiniens. Auch hieß es, daß in dem letztgenannten Lande die Einsaat für die neue Ernte unter den günstigsten Verhältnissen erfolgt sei. Eine weit schärfere Verstauung als am Welmarkte hat sich für Getreide in Deutschland vollzogen. Infolge fruchtbaren Wetters haben sich bei uns die Ernteaussichten ganz wesentlich gebessert, und infolgedessen sahen sich sowohl Landwirtschaft wie Händler zu Abgaben veranlaßt, die bei der vorsichtigen Kauflust ganz erhebliche Preisrückgänge mit sich brachten. Vorher abgeschlossene Käufe ausländischen Weizens wurden vielfach rückgängig zu machen gesucht. Weizen verlor für Juli etwa 8 Mk., für September 5 Mk., Roggen 11 bezw. 8 Mk., Hafer 12 bezw. 7 Mk. Die Haltung wurde im Verlaufe des letzten Tages der Berichtswoche entschieden fester, weil umfangreiche Deckungen auf vorherige Lieferungsabschlüsse vorgenommen wurden. Auch Mais schwächte sich, wenn auch weniger erheblich ab, weil Ware von den Donauländern, von Rußland und Amerika billiger und dringender angeboten wurde. Gerste gab unter günstigeren Ernteaussichten Rußlands für diese Frucht gleichfalls im Preise nach. Die Preise für Lieferung im Juli stellten sich wie folgt: Weizen 199,50 Mk., Roggen 196,25 Mk., Hafer 186,25 Mk., Mais 138,50 Mark.
Preise des städtischen Schlachtvieh-Marktes. I. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 76 bis 79 Mk., b) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete 68 bis 72 Mk., c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 65 bis 67 Mk., d) gering genährte jeden Alters 62—64 IT. Bullen: a) vollfleischige, höchsten Schlachtwertes 72 bis 75 Mk., b) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 65 bis 68 Mk., c) gering genährte 60 bis 64 Mk. III. Kühe: a) vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt, 68 bis 70 Mk., b) ältere ausgemästete Kühe und weniger gut entwickelte jüngere Kühe 64 bis 65 Mk., c) mäßig genährte Kühe 57 bis 62 Mk., d) gering genährte Kühe 50 bis 55 Mk. IV. Kälber: a) feinste Mastkälber und beste Saugkälber 90 bis 94 Mk., * b) mittlere Mastkäl-er und gute Saugkälber 80 bis 85 Mk., ! e) geringe Saugkälber 59 bis 64 Mk., d) ältere, gering ! genährte Kälber 58 bis 62 Mk. V. Schafe: a) Mastlämmer } und jüngere Masthammel 78 bis 81 Mk., b) ältere Mast- ' Hammel 72 bis 76 Mk., c) mäßig genährte Hammel und Schafe 63 bis 68 Mk. VI. Schweine: a) vollfleischige, i kernige Schweine feinerer Rassen und deren Kreuzungen von höchstens l1^ Jahren 51 Mk., b) fleischige 48 bis 50 Mk., ' e) gering entwickelte 44 bis 47 Mk., d) Sauen 45 Mk. '
Koloniales.
Tabakbau in den Kolonien.
Der Deutsche Tabakverein verhandelte in Mannheim auf ferner Jahresversammlung u. a. auch über die Frage, ob und mit welchen Aussichten unsere Kolonien für den Tabak- * bau und damit für die deutsche Tabakindustrie nutzbar ge- ' ^achl werden können. An den Beratungen nahm der neue Gouverneur von Kamerun, Dr. Seitz, als Vertreter des Kolo- ; malamts teil. Die bisher gemachten Versuche, den Tabakbau in unseren Kolonien heimisch zu machen, waren mit teils | untauglichen, teils unzulänglichen Mitteln unternommen. ; Lrotzdem ergaben Proben aus D e u t s ch - O st a f r i k a, wie m der Versammlung betont wurde, daß sich dort mit » Leichtigkeit ein qu alitativ hochstehender,! für die Zigarrensabrikation brauchbarer Tabak gewinnen läßt. Deshalb werden vor allem in Deutschostafrika die Versuche ! jetzt in großem Umfange wiederholt, und in allernächster Zeit ' wird Landesinspektor Wunderlich-Heilbronn zu diesem Zwecke ; nt die Kolonien reisen. Auch in Kamerun und Neu- s Guinea, wo die bisherigen Tabakkultur-Experimente fehl- ‘ schlugen, werden diese wieder ausgenommen, da sie, wie sich { herausgestellt, gerade in dem am wenigsten geeigneten Boden i angestellt wurden. Der Deutsche Tabakverein ‘ wird nichts ■
unterlassen, um die für die Kolonien und das deutsche Tabak- gewerbe gleich wichtige Frage zu einer befriedigenden Lösung zu bringen.
Der Juhresbericht des Verbaudes der Vereine Kreditreform e. V. in Leipzig
über vas 25. Geschäftsjahr 1906/07 ist soeben erschienen.
Er zeichnet sich durch die Mannigfaltigkeit des darin behandelten Stoffes und namentlich auch dadurch aus, daß er auf alle das Auskunfts- und Kreditwesen berührenden wichtigen Fragen ausführlich eingeht und zugleich auch für deren Beurteilung wichtiges Material beibringt.
In Bezug auf die Geschäftslage stellt der Bericht fest, daß, wenn auch an manchen Stellen bereits mit dem Abflauen der glänzenden Konjunktur gerechnet werde, doch in vielen Branchen ein Rückgang noch keineswegs zu bemerken ist. Im Gegensatz zum Jahre 1900 wird die heutige Lage als durchaus gesund und namentlich das Kursniveau der Jndustriewerte als keineswegs übertrieben bezeichnet, sodaß man der Zukunft in Ruhe entgegensehen kann. Das während des Geschäftsjahres in Handel und Gewerbe erzielte finanzielle Ergebnis wurde vielfach ungünstig beeinflußt durch eine Verteuerung der Erzeugungskosten, hervorgerufen durch hohe Rohstoffpreise, Steigerung der Löhne, Vermeh- runng der Abgaben und teueres Geld. Auch eine schlechte Ernte hat beispielsweise im Weinhandel das Geschäft beeinträchtigt. Dasselbe ist geschehen durch Arbeitseinstellungen und Aussperrungen.
Hinsichtlich der Abgaben und Steuern bemerkt der Bericht, daß Handel und Gewerbe an der Grenze ihrer Tragfähigkeit angelangt sind und weitere Belastungen nicht tragen können; namentlich, wenn die Geschäftslage nicht immer so günstig wie jetzt bleibt. „Wohl aber haben Handel und Industrie", so heißt es in dem Bericht, „jetzt auch Anspruch darauf, daß verschiedene der von ihnen schon lange gehegten Wünsche, zu deren Erfüllung es keiner finanziellen Belastung anderer Kreise, sondern lediglich des guten Willens der Gesetzgebung bedarf, nunmehr endlich erfüllt werden." Hierzu zählt der Verband u. a. die Schaffung eines Scheckgesetzes, welches so gestaltet sein soll, daß die Benutzung des Scheckverkehrs auch für kleinere Handel- und Gewerbetreibende lohnend wird.
Auch wäre es an der Zeit, so heißt es weiter, daß die Gesetzgebung, die in den letzten Jahrzehnten alles aufgeboten habe, um den Schuldner zu schützen, sich auch einmal wieder mehr ihrer Verpflichtung zum Schutze der Gläubiger erinnerte. Es müßte vor allen Dingen eine Erleichterung des Wechselprotestes herbeigeführt und durch eine Aenderung der Konkursordnung auch die öffentliche Bekanntgabe der wegen Massemangels abgelehnten Konkurseröffnungen vorgeschricben werden. Der Verband verlangt weiter die Einführung eines gesetzlichen Zwangsvergleichs außerhalb des Konkurses, eine bessere Erschließung der behördlichen Aufzeichnungen, wieder Manifestantenlisten, des Güterrechtsrcgisters, sowie des Grundbuchs, damit die Geschäftswelt wirksamer vor Ver- luften geschützt werden kann. Denn dieses Material ist eine äußerst wertvolle Quelle der ein unentbehrliches Hilfsmittel für den Geschäftsverkehr bildenden Krediterkundigung.
Der Bericht beschäftigt sich dann mit dem Auskunftswesen im Allgemeinen und den sogenannten Reformbestrebungen, wobei er u. a. darauf hinweist, daß alle über das Ziel hinausschießenden Forderungen, wie z. B. Verstaatlichung, Beseitigung der Diskretion, Uebernahme der Haftung rc. nur geeignet seien, den wirklich möglichen Fortschritt zu hemmen.
Ohne daß es möglich ist, aus alle Einzelheiten dieses ganz besonders interessierenden Kapitels näher einzugehen, erscheinen uns doch nachstehende Ausführungen bezüglich der Diskretion der besonderen Hervorhebung wert: „Es bietet sich täglich Gelegenheit zu beachten, wie der Terrorismus im wirtschaftlichen, ebenso wie im politischen Leben eine unheilvolle Rolle spielt. Eine völlige Preisgabe der Gewährsleute durch Abschaffung der Diskretion würde nichts anderes als eine Förderung des Terrorismus bedeuten. Wie aber im politischen Leben die größten Anstrengungen gemacht werden, dieses einer freien Meinungsäußerung entgegenstehende Hindernis zu bekämpfen zum Beispiel durch Sicherung des Wahlgeheimnisses, wie ferner die Presse die Anonymität nicht entbehren kann und wie sich immer größere Kreise sogar für eine Erweiterung dieser Anonymität durch Befreiung der Presse vom Zeugniszwang aussprechen, so kann auch die Krediterkundigung im Interesse einer möglichst freien und unbeeinflußten Meinungsäußerung auf die" Diskretion nicht verzichten."
Einen völligen Schutz vor Verlusten gibt es, wie der Bericht ausführt, nicht. Doch die Geschäftswelt hat es in der Hand, die Verluste auf ein Minimum zu reduzieren, wenn sie in der Auswahl ihrer Informationsquellen vorsichtig ist und von der Krediterkundigung noch viel mehr als bisher und mit dem nötigen Verständnis Gebrauch macht. Allerdings in dieser Richtung wirb, wie dargelegt wird, heute noch viel gesündigt. Hiernebetl bildet die Hauptursache der
großen Verluste zweifellos die heutzutage vielfach herrschende Leichtfertigkeit in der Kreditgewährung.
Mit Recht wirft deshalb der Verband die Frage auf: „Was nützt da eine Reform des Auskunftswesens, wenn der durch dieses gestiftete Segen vernichtet wird durch die unerhörte Leichtfertigkeit, mit der heutzutage Kredite verschenkt werden? Was uns not tut ist vor allen Dingen eine Reform der Kreditgewährung." Der Verband kann sich hier auf eine einen unteressanten Einblick in die Geschäfts- und Kreditverhältnisse gestattende Anzahl Preßäußerungen berufen und legt Verwahrung dagegen ein, daß manche Kreise so leicht bei der Hand sind, immer nur die angeblich zu mangelhaft arbeitende Kreditkündigung als die Ursache so vieler mit dem heutigen Kreditwesen in Verbindung stehender unerfreulicher Erscheinungen unseres wirtschaftlichen Lebens hinzustellen.
Bemerkenswert ist auch die Stellungnahme zu der Frage der Reichshandelsstelle für die Förderung des Außenhandels, zu dessen Entwicklung der Verband durch seine Tätigkeit wesentlich beiträgt. Er steht voll kündig auf dem vom Re- gierungsvertreter in der Reichstagssitzung vom 12. April 1906 eingenommenen Standpunkte, daß die Reichshandels- stelle, für welche die Unterstützung des Reichs verlangt wird, mit den bestehenden Erkundigungsinstituten nicht in Wettbewerb treten darf. Der Bericht warnt auch namentlich die kleinerenHandels- undGewerbetreibenden, welche glauben,durch die Zentralstelle leichter direkte Geschäfte mit dem Auslande machen zu können, vor übertriebenen Hoffnungen, da ihnen sonst schwere Enttäuschungen sicherlich nicht erspart bleiben würden.
Der Bericht gibt ferner ein anschauliches Bild über die Einrichtungen des Verbandes und der einzelnen Vereine, sowie über deren Wirksamkeit, die sich wohl am besten in folgender Statistik wiederspiegelt: Am 31. Dezember 1906 zählten der Verband und die aus diesen heroorgegangenen, mit ihm verbündeten außerdeutschen Verbände 361 Vereine, 367 Filialen und 1 Vertretung. Diese verteilen sich auf das deutsche Reich, Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Norwegen, Oesterreich-Ungarn, Schweden und die Schweiz. Daneben werden noch ca. 60000 Korrespondenten in allen zivilisierten Ländern der Welt beschäs- tigt. Die von 359 Vereinen gelieferten statistischen Angaben über das Jahr 1906 weisen folgendes Gesamtergebnis auf:
Mitgliederzahl 1906
78577
Zum Mahnen angemeldet 1906 Mark 14075665.57
Legitimationskartenausgabe pro 1906 42376
Geordnet 1906 Mark
6 960 946.64
Zahl der schriftlich erteilten Auskünfte pro 1906 2 325 477
Durch die Suchliste ermittelt
1906
275
Alles in allem erscheint der 55 Quartseilen umfassende Bericht als eine Arbeit, die nicht nur Interesse für jeden Geschäftsmann hat, sondern auch den Behörden, dem Vertreter der Volkswirtschaft und dem Juristen sicherlich willkommen sein wird, weil sie geeignet ist, Aufklärung zu schaffen auf einem Gebiet, welches zwar sehr viel erwähnt zu werden pflegte bisher jedoch namentlich in der Literatur noch immer recht stiefmütterlich behandelt worden ist. Dem Bericht wäre weiteste Verbreitung und Beachtung zu wünschen.
Hus Hanau Stadt und £and.
Hanau, 15. Juni.
* Viehseuchen. Im Regierungsbezirk sind zur Zeit folgende Ortschaften verseucht: Tollwut: Kreis Gelnhausen: Gelnhausen, Wächtersbach, Waldensberg; Landkreis Hanau: Enkheim; Kreis Marburg: Marburg (Verdacht); Kreis Schlüchtern: Schlüchtern, Altengronau, Vollmerz, Bellings, Steinau, Jossa (Verdacht), Züntersbach, Kloster- Höfe (Hof Raith); Schweine seuche (Schweinepest): Stadtkreis Eassel: Cassel; Landkreis Cassel: Niederzwehren, Wilhelmshausen, Oberkaufungen, Ihringshausen, Ochshausen, Helsa, Waldau; Kreis Eschwege: Wanfried, Niddawitzhausen; Kreis Fritzlar: Werkel, Metze; Kreis Gelnhausen: Hettersroth, Eidengesâß, Geislitz, Rothenbergen, Kirchbracht;" Land- kreis Hanau: Langenselbold, Langendiebach, Niederdorfelden, Niederrodenbach, Ostheim, Hochstadt; Kreis Hersfeld: Niederaula, Hersfeld, Gershausen; Kreis Hofgeismar: Veckerhagen, Immenhausen; Kreis Homberg: Borken, Homberg, Holzhausen; Kreis Hünfeld: Hünfeld, Wehrda, Rückers, Burghaun; Kreis Melsungen: Altenburg, Spangenberg: Kreis, Rotenburg: Lindenau; Kreis Grafschaft Schaumburg. Domaiie Möllenbeck, Hessendorf; Kreis Witzenhausen. Furstenhagen, Rittergut Hasselbach; Kreis Ziegenhain : Ober- grenzebach ; G e f lü g e l ch o ler a : Kreis Witzenhausen: Vaiibenbacf), fhommerobe; Influenza oer Pferde: (A. ^fluche): Stadtkreis Cassel: Cassel; (B. Pferdeüaupe): Landkreis Cassel: Ochsbausen.