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Netäutdruck und Verlag der Vuchdruckeret del webu ca» SaisenhauftS in Hanau.

Amtliches Orga« für Stadt- «ad Faaddreis Kaaaa.

Erscheint täglich mit Ausnahme der S-un- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

ecrtmtwrtt Redakteur r S. Schrecker « Heu«.

Nr. 109 Fernfprechanfchlntz Nr. 605.

Samstag den 1L Mai

Fernfprechanfchlntz Nr. 605. 1907

Ile heutige Nmiiier «M iwt t.MkhMMck

16 Seiten.

Amtliches.

Eandkreis Banau. MmtmchiM des Königlichen Lnndrntsnnits.

Unter den Schweinen zu Niederdorfelden ist die Schweine- feuche erloschen.

Hanau den 7. Mai 1907.

Der Königliche Landrat.

V 3140 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung

Arbeitsuchende in der Zeit vom 4. bis 10. Mai 1907:

2 Arbeiter, 1 Fabrikarbeiter, 1 Gürtler, 1 Hausbursche, 5 Tagelöhner

Hanau den 11. Mai 1907.

Städtische Arbeitsvermittelungsstelle. 10207

Gtsnndene und derlorene Gtflenstände rc.

Gefunden: 1 Herren-Nickeluhr (innen der Name H. Engel), 1 blaue Schülermütze mit Ueberzug.

Verloren: 1 gold. Halskollier (in d^r Mitte ein Herzchen mit Perlen gefaßt), 1 mattgoldner Anhänger mit 4 Similisteinchen, 1 gold. Anhänger (Scheibe) mit einem Steinchen.

Zugeflogen: 1 Lachtäubchen.

Entflogen: 1 grüner Kanarienvogel.

Zugelaufen: 1 hellgrangestreifte Bulldogge m. Geschl., 1 gelber Bernhardinerhund mit weißen Abzeichen m. Geschl.

Hanau den 11. Mai 1907.

Hus Ban au Stadt und Eand.

Hanau, 11. Mai.

* Der nächste evana» Männerabend wird Mon­tag den 13. Mai, abends S1^ Uhr, imHotel Riesen" ab­gehalten. Herr Pfarrer Lambert spricht über das Thema: Der Einfluß des Protestantismus auf die wirtschaftliche Entwickelung der Völker.

* Besichtigung. Beim Ulanenregiment fanden gestern und heute Besichtigungen statt. Heute weilt auch der kom­mandierende General v. Eichhorn dahier, um an der Besichtigung teilzunehmen.

S. Sonderzug nach München. Am Pfingst- Samstag arrangiert eine Frankfurter Gesellschaft einen Sonderzug nach München, an dem sich jedermann beteiligen kann. Die Abfahrt erfolgt in Frankfurt Hauptbahnhof Samstag nachmittags 12.40, Aschaffenburg 1.40, München an 8.40 abends. Rückfahrt München Hauptbahnhof Dienstag 21. Mai, nachmittags 4 Uhr, Aschaffenburg an 9.55, Frank­furt an 10.58 abends. Der Fahrpreis ist ein sehr billiger und beträgt nur 12.50 Mk. Billete, Reiseprogramme rc. sind bis spätestens Montag abend bei den Herren Barbarino, Cigarrenhandlung, Kaiserstraße 15, Telephon 3391 und Holz, Cigarrenhandlung, Weserstraße 33, Telephon 4439, zu lösen. Dieser außerordentlich billige Fahrpreis dürfte viele unserer Leser veranlassen, über Pfingsten der Kunststadt München mit seiner reizenden Umgebung einen Besuch abzustatten, umsomehr, da niemand nach der Ankunft in München an ein bestimmtes Programm gebunden ist. Wir machen nochmals auf nächsten Montag als Schluß­tag des Billetverkaufs aufmerksam. Der Sonderzug führt auch 2. Klasse. In Aschaffenburg hält der Sonderzug, jedoch sind die Billette nur durch die Frankfurter Verkaufs­stellen erhältlich.

* Die Gauturnfahrt des Maingaues findet morgen nach Bruchköbel statt. Sämtliche über Hanau kommenden Vereine sammeln sich nachmittags in der Bruch­köbelerlandstraße (Patrontasche) und treten von hier Punkt . 3 Uhr den Weitermarsch an. Stärkste Beteiligung ist Pflicht sedes Vereins.

* Acht Jubilare. Der Gesangverein Sums er­zählt unter seinen Mitgliedern bereits eine große Zahl, die länger als 25 Jahre dem Verein angehören. Heute sind es wiederum 8 Herren, die aus eine 25jährige Mitgliedschaft zurückblicken können und findet zu Ebren der Jubilare heute

abend großer Kommers im Vereinslokal (Stadt Bremen) statt.

* Ein Unfall, der unberechenbare Folgen hätte haben können, passierte Donnerstag abend gegen 7 Uhr auf der Ueberfahrt Dörnigheim - Mühlheim. Von Mit­betroffenen geht derOffenb. Ztg." folgende Schilderung zu: Als die mit über 50 Pfersonen und 2 Fuhrwerken besetzte Fähre vom Ufer abstieß, geriet infolge der starken Belastung das Vorderteil der Fähre unter Wasser, das Drahtseil zer­riß und die Fähre trieb mehrere hundert Meter stromabwärts. Im Augenblick der höchsten Gefahr gelang es, den Anker festzulegen und die Fähre zum Stillstand zu bringen. Doch wie Hilfe bringen oder Hilfe holen, da ein Beinachen fehlte und weder Fahrbäume noch Seile für unvorhergesehene Fälle vorhanden waren. Der einzige Nachen, der auf Dörnig- heimer Seite vorhanden war und in dem sich mit der Zeit sechs beherzte Männer durch die Strömung an die Fähre wagten, war am Vorderteil zerbrochen und wenig veriranen- einfloßend, sich damit ans Ufer zu wagen, was endlich den ersten nach fast zweistündiger mühevoller Arbeit gelang. Durch Schilf und Sumpf, bis an den Knien im Wasser, mußten Damen und Herren die Uferböschung emporklcttern, froh jedoch, noch mit heiler Haut davongekommen zu sein. Die Kopflosigkeit des Fährmannes und dessen Unbesonnenheit ver­dienen öffentlich gerügt zu werden, ebenso das Verhalten ber. am Ufer stehenden Menge, welche erst nach Versprechung von Entschädigung sich zur Hilfeleistung herbeiließ, sodaß erst gegen 11 Uhr nach vier Stunden ausgestaudeuer Angst es möglich war, die letzten Personen, sowie die Pferde und die Wagen zu landen. Es ist wohl nicht angebracht, daß, menn über 50 Menschenleben in Gefahr sind, Gehässigkeiten beider Gemeinden bezüglich der vor kurzem in andere Hände über- gegangenen Fähre zutage traten. So mürbe in Mühlheim einem jungen Radfahrer, der bei dem leider abwesenden Bürgermeister Hilfe holen wollte, vor dem Hause desselben von einem der Umstehenden die lakonische Bemerkung zuteil : Laßt sie doch ersaufen!" Ebenso wurden Pferde zum An­landschleppen der Fähre erst nach eingehender Verhandlung über die Frage:Wer bezahlt sie denn?" herbeigeholt. Andererseits muß aber hervorgehoben werden, daß später hinzukommende Mühlheimer sich in eifriger und uneigen­nütziger Weise an den Bergungsarbeiten beteiligten. So war es besonders ein Werkmeister der nahegelegenen chemischen Fabrik, der, nachdem ihm der Unfall besannt geworden, sich in der freundlichsten Weise der Gestrandeten annahm. Wie dieOffenb. Ztg." hört, soll in den letzten Tagen schon dreimal durch Reißen des Seiles die Fähre in Gefahr ge­wesen sein.

* Verbrauchsabgaben. Im Laufe des Monats April 1907 wurden im hiesigen Schlachthause geschlachtet:

114 Ochsen, mehr gegen den Monat April 1906 4 Stück

79 Kühe, weniger

45 Rinder, mehr

ff

ff

ff

24

18

1043 Schweine,

ff

ff

242

378 Kälber, weniger

ff

ff

29

97 Hämmel, mehr

ff

ff

9

5 Lämmer, weniger

ff

ff

4 Ziegen, mehr

ff

ff

m___4

Die Accis-Einnahme hiervon beträgt . Mk. 4251.20

An eingeführten Fleischwaren rc. wurden versteuert: 31 466 Kilogramm, weniger gegen den Monat April 1906: 5820 Kilogramm.

Hiervon die Accis-Einnahme mit , . Mk.1049.87

Summa Mk. 5301.07

Gesamt - Accis - Einnahme im Monat

April 1906 . Mk. 5040.39

Mithin mehr gegen die gleiche Zeit des Vorjahres . \ . Mk. 260.68.

_ * Unfall. An der Bleichstraßenccke mürbe gestern nach­mittag ein Radfahrer von einem Postwagen angefahren. Der Radfahrer, ein Gerichtsbeamter, wurde verletzt und in das St. Vincenz-Krankenhaus gebracht, doch konnte er am Abend wieder entlassen werden.

* Plötzlicher Tod. Gestern kam Herr Rentier Heinrich Sperber zu Gelnhausen von einer Fahrt von Hanau nach seinem jetzigen Wohnorte Gelnhausen zurück und wollte dort in einem Laden noch etwas kaufen. Dabei wurde er von einem Herzschlag betroffen und verstarb nach wenigen Minuten. Der so plötzlich aus dem Leben Geschiedene übte hier früher die zahnärztliche Praxis aus.

* Genickstarre. In Ravolzhausen erkrankte vor einigen Tagen ein junger italienischer Zicgelciarbeiter an der Genickstarre. Zu Besorgnissen ist kein Anlaß, da sofort die erforderlichen Schritte gegen eine etwaige Ausbreitung unter­

nommen wurden. Der Erkrankte, der m das Landkranken­haus nach Hanau gebracht wurde, befindet sich übrigens auf dem Wege der Besserung. In H ö ch st a. M. wurde ebenfalls ein junger Arbeiter von der Genickstarre befallen.

* Neues aus dem Frankfurter Zoologischen Garten. Bedeutende Erweiterungen erfuhren in letzter Zeit wiederum die Bestände des Aquariums und des Rep­tilienhauses. Von den Neuerwerbungen sind besonders hervor- zuheben die interessanten Einsiedlerkrebse, See­spinnen und Krabben, prachtvolle neue Seenelken, Seeskorpione und verschiedene Arten Plattfische. Im Reptilienhause sind als hervorragende Seltenheit sechs afrikanische Grabfrösche ausgestellt, überhaupt wohl zum ersten Male importierte Tiere, in deren Besitz der Garten durch einen glücklichen Zufall gelangte. Sie fallen auf durch be­deutende Größe, den breiten gedrungenen Körperbau und die schöne Färbung, die vom Rücken bis zum Bauch alle Schattierungen von dunkelblaugrün bis zu Hellem Gelb und von Orange zu Zinnoberrot aufweist. Ferner trafen neue Schlangen und Eidechsen aus Dalmatien ein. Auch die Sammlungen deutscher Vögel und kleiner Säuge­tiere erfuhren verschiedentliche Bereicherungen. Als wert­vollste Neuerwerbung aber ist ein munterer, etwa Zjähriger Schimpanse zu nennen, welchem ein von ihm zärtlich geliebter junger Drill als Spielgefährte beigegeben ist. Nur höchst selten ist ein Tiergarten in der Lage, die drei Menschenaffen Schimpanse, Orang-Utan und Gibbon neben­einander lebend ausstellen zu können, eine Sehenswürdigkeit, die zur Zeit der Frankfurter Garten seinem Publikum zu bieten vermag. Acußerst regen Zuspruchs erfreut sich das Jnsektenhaus. Hier sind durch die Wärme der letzten Tage viele seltene und farbenprächtige Schmetterlinge den Puppen entschlüpft und in allen Behältern herrscht ein buntes Gewimmel. Viel Interesse beim Publikum findet der häufig zu beobachtende Akt der Sprengung der Puppenhülle und ber Entwicklung des Schmetterlings, ein Vorgang, der selbst bei den größten Tropenfaltern nicht länger als bis */, Stunde währt.

* Don den Apotheken ist morgen nachmittag von 29 Uhr die Hof-Apotheke geöffnet.

* Kurort Wilhetmsbad. Morgen nachmittag von 4 Uhr ab findet zu Wilhelmsbad grotzes Militär-Konzert der Kapelle des Jnf.-Regts. Heffen-Homburg Nr. 166 statt.

/ Sehenswürdigkeiten.Museum des Hanauer Geschichtsvereins" (Altstädter Rathaus, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Festtagen vormittags von 1112'/, U^r. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt.

* Das Hahnenkammhaus ist täglich geöffnet.

Die Hessische Landeshypothekenbank in Darm­stadt staatlicherseits gegründet und geleitet legt laut Bekanntmachung im Inseratenteil bis zum 17. Mai 4proz. reichsmündelsichere Pfandbriefe und Kommunal-Obligationen â 100,25 Proz. und 3'/- prozentige reichsmündelsichere Pfand­briefe und Kommunal-Obligationen L 93,50 Proz. zur Zeich­nung auf bei den meisten Banken und Bankiers.

* Der Allgemeine Bildungsverein unternimmt morgen mittag einen Ausflug über das Forsthaus, Kloster Wolfgang nach dem Neuwirtshaus. Auch der römische Grenzwall, der hier die Bulau durchzieht, soll besichtigt und dabei gleichzeitig ein kurzer Vortrag über seine Geschichte ge­halten werden. Schönes Wetter vorausgesetzt, wird sich der Ausflug zu einem schönen und auch interessanten gestalten. Abmarsch präzis 2 Uhr an der Brauerei Dörr. Gäste herz­lichst willkommen.

* Apollo-Trio Hanau. Wir weisen nochmals daraus hin, daß morgen unser Ausflug nach Groß-Auheim statt» findet. Auf humoristischem Gebiet ist Herr Schien tätig, die Besucher werden in jeder Beziehung zufrieden gestellt.

* Internationaler Futzball-Wettkampf Paris Hanau 03. Der Hanauer Fußballklub von 1893 hat es sich nicht nehmen lassen, zu Pfingsten den vorjährigen Meister­schaftsklub von Frankreich Cercle Athletic de Paris zu einem Wettspiele am 2. Feiertage zu verpflichten. Cercle Athletic, welchen man als den leistungsfähigsten Klub von Frankreich kennt, obwohl er die diesjährige Meisterschaft knapp verloren hat, wird, wie wir heute schon versichern können, ein musterhaftes Spiel uns vor Augen führen und unsere Hanauer werden einen schweren Stand haben, zumal dieser Klub den Gallia-Club de Paris, welcher vom 2. Osterfeier­tage manchem Leser noch in Erinnerung sein wird, mit dem Resultate von 5:0 schlug, während unsere 93er es nur auf 5:1 bringen konnten. Hieran anschließend, wollen wir noch bemerken, daß dem Klub ein guter Ruf voraus geht und in Frankreich mit zu den besten Vereinen gehört, der Hanauer Fußballklub auch keine Kosten scheute, eine wirklich erst­klassige französische Mannschaft kommen zu lassen zur Aus- wetzung der Scharte vom 2. Osterfeiertage, welche er in diesem Klub gesunden hat. Vom Guten das Best-,