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1. Mak

Mittwoch

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keinen neuen Anlaß zur Trübung unseres Verhältnisses zu Frankreich sehe, vielmehr auf ein allmähliches Schwinden des Mißtrauens zwischen Deutschen und Franzosen hoffe, so stelle ich auch gern fest, daß zwischen uns und England keine Streitfragen sind, durch welche die von den besondern Elementen in beiden Länder unterstützen freundschaftlichen

Bestrebungen gestört werden können. (Beifall.) Auch in Persien nehmen wir ohne politische ^intergebanfcn wirt­schaftliche Bewegungsfreiheit für uns in Anspruch. Gestützt auf Zusicherungen, die uns von beiden Seiten spontan gegeben worden sind, sehen wir dem Abschluß der englisch-russischen Verhandlungen über Persien ruhig entgegen. Der gleiche ruhig abwartende Standpunkt gilt für das, was Rußland und England als asiatische Landmächte über Grenzfragen, sei es in Tibet oder Afghanistan vereinbart haben oder noch ver­einbaren werden/ Ich sehe voraus, daß man mir wieder vorwerfen wird, ich nehme die russisch-englische Annäherung zu gleichgültig hin. Nein, ich nehme sie einfach als das, waS sie ist, nämlich als den Versuch, auf neuem, uns ziemlich fernliegenden Gebiet alte Streitfragen zu beseitigen. Ich nehme' sie aber auch als Bekräftigung einer Ansicht, die ich als nüchterner Beobachter schon vor Jahren aus dem Aus­lande hierher mitgebracht habe, nämlich, daß wir den Gegen­satz zwischen Walfisch und Elefant nicht als unveränderlichen Faktor in unsere politische Rechnung einstellen können, es gibt überhaupt keinen Gegensatz zwischen zwei Mächten, den Deutschland dauernd als eine Gelegenheit für sich und als eine Ungelegenheit für andere ausnutzen könnte. Das kann man offen aussprechen, ohne Leichtherzigkeit, aber auch ohne Pessimismus. Ich will bei dieser Gelegenheit nicht wieder­holen, was ich gelegentlich über die Nachteile einer über­triebenen Kritik der auswärtigen Politik ausgeführt habe. Ich will nur darauf Hinweisen, baß eine ruhige, feste und mutige Beurteilung der Lage noch lange keine Schönfärberei ist. (Sehr richtig)! Daß wir von Schwierigkeiten und Ge­fahren umgeben sind, weiß niemand besser als ich. Sie sind unsere ständigen Begleiter als Folge unserer schon aus geographischen Rücksichten exponierten Lage, aber um solche Schwierigkeiten und Gefahren zu überwinden, ist ruhiges Selbstbewußtsein und Vertrauen in die Kraft der Natton nötig. (Beifall.)

Erhalten wir uns das Vertrauen und die Achtung, die unsere Friedensliebe einflößen, pflegen wir unsere Freund­schaften und unsere Bündnisse, und wir brauchen nicht ängst­lich zu sein, wenn Ententen abgeschlossen werden über Dinge, die uns nicht unmittelbar berühren. Von Feindschaften anderer untereinander können wir nicht leben. Lassen wir andern die Bewegungsfreiheit, die wir für uns selbst in An­spruch nehmen, und bleiben wir uns vor allem bewußt, daß wir Schwierigkeiten um so eher und um so sicherer über­winden werden, je mehr wir eine ruhige, stetige, sachliche, auswärtige Politik treiben, und je mehr wir uns entschlossen zeigen, unsern Frieden, unser Erbe, unsere Weltstellung durch Sammlung aller Kräfte im Innern zu wahren, und wenn es not tut, einmütig zu verteidigen. (Lebhasier Beifall.)

Abg. v. Vollmar (Svz.) ist der Meinung, daß es der Würde und dem Ansehen des Reichstages entspricht, wenn dem Dersteckspielen auf dem Gebiete der auswärtigen Politik ein Ende gemacht werde. Die Annahme der Reso­lution Hompesch erreiche das aber nicht. Der Reichstag müsse auch gewillt sein, die Durchführung der Resolution zu verlangen. Die Schwarzmalerei, die jetzt betrieben wird, ist nur geeignet, militärischen Forderungen Vorschub zu leisten. Es liegt da viel Uebertreibung zugrunde, wenn auch zuzu­geben ist, daß die Lage keineswegs erfreulich ist. Der Schlüssel der ganzen europäischen Lage liegt für uns in dem Verhältnis der beiden Nachbarländer Deutschland und Frank­reich. Dieses Mißverhältnis ist der Ausgangspunkt der zahl­reichen Neugruppierungen, von denen ich übrigens nicht allzu viel halte. 'Denn wenn sie aggressiv werden sollten, würden sie von selbst zusammenbrechen. Daher ist die Masse des deutschen Volkes und auch die Masse des französischen Volkes bereit, einen friedlichen Ausgleich zu schaffen. Es sind oft genug Versuche gemacht worden, vor der Marokko-Konferenz und auch nachher wieder friedliche Bestrebungen zu fördern. Leider sind sie aber immer wieder zerstört worden. D,e sozialdemokratische Partei verdammt auf das entschiedenste jede Art von Störung der Friedensbestrebungen. Wir ver­langen eine friedliche Politik gegenüber allen Ländern, auch Frankreich gegenüber eine Politik der aufrichtigen Aynähe-

^

Aba. Liebermann v. Sonnenberg (Wirisch. Ver.) :

Die Tätigkeit der Sozialdemokratie in Deutschland und überall in der Welt führt nicht zu dem Friedensziel. Der Abg. Vollmar möge bedenken, daß man vor den Wahlen anders sprach und dachte, als es jetzt geschehe. (Sehr richtig!) Der Abg. v. Vollmar hat auch wieder das persönliche Regiment verantwortlich gemacht für unsere Isoliertheit. Wir meinen, die persönliche Politik hat niemals das versäumt, was not­wendig ist, unsere Kriegstüchtigkeit und ^Schlagfertigkeit zu erhalten. Von der periodischen Vorlesung von Weißbüchern verspreche ich mir nichts, denn dir wichtigen Dinge können uns doch nicht mitgeteilt werden. Ich glaube, daß die Ruhe, mir der der Reichstag den internationalen Dingen ins Auge schaut, dazu beitragen wird, die Nervosität zu zerstreuen. Es wäre auch bedauerlich, wenn zwei Völker wie Frankreich und Deutschland, die, wenn sie vereinigt wären, die beste Garan­tie für den Frieden böten, wieder zum Krieg gegeneinander getrieben würden. Deshalb soll man jede Brüskierung ver­meiden. Die Isoliertheit halte ich nicht für so gefährlich, denn an unserer Ostarenze sitzt ein kranker Mann, sodaß der größte Teil unserer Truppen zur Verfügung steht gegen den Hauptfeind im Westen. Jedenfalls haben wir keine Veran­lassung, trübe zu sehen, denn es gilt das Wort: Ein Volk, ein Haus, ein Heer. (Beifall.)

Abg. Schrader (frf. Ver.): Der kriegerische Ton, der aus den Ausführungen des Abg. v. Siebermann klang, ist nicht von Nutzen. Er ruft nur Beunruhigung im Auslande hervor. Der Reichskanzler hat sehr spät das Wort ergriffen und er hat es wahrscheinlich getan, um zu zeigen, daß ohne sein Eingreifen das deutsche Volk in manchen Fragen hinter ihm steht. Die Kritik ist zurückgestellt worden im Vertrauen darauf, daß unser Vaterland festgefügt dasteht. Die Ver­handlungen zwischen England und Japan und England und Rußland über asiatische Verhältnisse berühren uns nur wenig. Uns gehen zunächst europäische Interessen an. Wir begrüßen die Haager Friedenskonferenz, denn sie wird weiter zur Förderung des Friedens beitragen und wir glauben, es hatte auch nichts geschadet, wenn wir unS an der Diskussion über die Abrüstung beteiligt hätten. Jedenfalls müssen wir daran festhalten, daß die Friedensbestrebungen gefördert werden. In erster Linie müssen unsere Diplomaten dafür sorgen, daß die Friedensbestrebungen nicht gestört werden. Der Reichs­tag ist einig in der Beurteilung der auswärtigen Lage und wir können mit Genugtuung behaupten, daß innere Schwierig­keiten im Falle eines Krieges nicht austreten würden, nach­dem sich die Sozialdemokratie dahin geändert hat, daß sie bereit ist, das Vaterland zu verteidigen. Wir müssen ruhig Blut behalten und mit dieser ruhizen Politik, die aller Nervosität obholt ist, werden wir den Frieden fördern.

Abg. ZimmermannlAntis.): Wir fordern eine ruhige, sachliche und stetige Politik, von der wir in den letzten Jahren leider wenig gemerkt haben.

Abg. Semler (ntl.): Als ich von den französischen Journalisten über die jetzige Lage gefragt wurde, hätte ich mich entschließen können, gar nichts zu sagen. Aber ich sah die Lage nicht für so gefährlich an, daß ich nicht offen hätte meine Meinung aussprechen können. In der Übersetzung sind natürlich meine Aeußerungen etwas entstellt worden, aber aus menen Aeußerungen klang doch deutlich der Wunsch nach Frieden hervor. Ich hatte jedenfalls nicht die Absicht, aufreizend zu wirken, wollte mit meiner Meinung aber nicht zurückhalten aus Rücksicht darauf, ob es Herrn v. Vollmar oder der offiziösen Presse gefällt.

Damit schließt die Debatte.

Abg. v. Vollmar (persönlich): Ich habe nicht gesagt.

in

daß der Abg. Semler die Tendenz der Aufreizung verfolgt habe, sondern nur konstatiert, daß seine âleufcerungen

Frankreich aufregend gewirkt haben.

Mittwoch 1 Uhr Fortsetzung.

politische Rundschau.

Die Versastungsrevision in Hessen.

Darmstadt, 30. April. DieDarm st ab ter Zeitung" veröffentlicht den Worllaut des Gesetzentwurfes betreffens Revision des landständischen Wahlgesetzes. In der Zu­sammensetzung der Ersten Kammer sott insofern eine Aenderung eintreten, als außer den vom Großheizog zu ernennenden Mit- fSffMMIffla.^^^ nMwmuB nniWiTI

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schalt und ein Verireter des Handwerks auf Vorschlag der gesetzlich eingerichteten Berufskorperschasten berufen werden i sollen Die Zweite Kammer soll gebildet werden aus 15 Abgeordneten derjenigen Städte, denen ein besonderes Wahl- 1 recht zustcht, und aus 43 Abgeordneten, die von den übrigen Gemeinden gewählt werden. Die Zweite Kammer geht aus unmittelbaren Wahlen mit geheimer Abstimmung hervor. Der Stimmzettel ist in einem amtlich abgrstempelten, mit keinem Kennzeichen versehenen Umschläge, der nicht verschlossen werden darf, abzugeben. Stimmberechtigt bei den Wahlen ! der Abgeordneten sind alle Personen männlichen Geschlechts. ! die zur Zeit der Wahl das 25. Lebensjahr zurückgelegt haben; zur Zeit der Wahl wenigstens drei Jahre im Groß­herzogtum wohnen und wenigstens seit drei Jahren die j hessische Staatsangehörigkeit besitzen und seit Anfang des Rechnungsjahres, in dem die Wahl vorgenommen wird, zu einer direkten Staats- und Gemeindesteuer herangezogen sind.

Diejenigen Städte, die mehr als einen Abgeordneten zu wählen haben, werden für die Wahl in so viel räumlich ab« gegrenzte Wahlkreise eingeteilt, als Abgeordnete zu wählen sind. In jedem Wahlkreis wirb ein Abgeordneter gewählt. Die Wahlkreise sollen je ein zusammenhängendes Ganzes bilden und eine annähernd gleichgroße Zahl Einwohner ent­halten. Die Abgrenzung der Wahlkreise erfolgt im Wege der Verordnung, nach dem die städtische Vertretung hierüber gehört ist. Als Abgeordneter gewählt ist derjenige, der in einem Wahlkreis mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten hat. Hat sich eine solche Mehrheit nicht ergeben, so ist ein zweiter Wahlgang anzuordnen, bei dem derjenige als gewählt gilt, auf welchen die höchste Zahl der abgegebenen gültigen Stimmen entfallen ist. Die Stich« wählen sind damit abgeschafft. Die Abgeordneten zur Zweiten Kammer werden auf die Dauer von sechs Jahren gewählt. Es wird jedoch die Zweite Kammer alle drei Jahre in der Weise teilweise erneuert, daß von den 58 Abgeordneten alle drei Jahre die Hälfte austritt und durch neue Wahlen * setzt wird.

Hus aller Mett.

Massenvergiftung drrrch verdorbene Wurst. Lud­wigsburg, 30. April. Infolge Genusses von Leberwurst sind daS gesamte Pflegepersonal der Wernerschen Kinderheil­anstalt, etwa 20 Persouen, sowie 100 Mann von der Hand- zverkerkomvanie des Bekleidungsamtes, die in der Kanzlei­kaserne gespeist werden, an hochgradigem Fieber erkrankt, so daß an beiden Orten sofort ärztliche Hilfe in Anspruch ge­nommen werden mußte. Von der Handwerkerkompanie wurde ein Teil der Erkrankten in das Garnisonklazarett übergenlbrt, der andere Teil als revierkrank behandelt. Der Vorfall ist offenbar auf den Genuß der Wurst zurückzu« führen, die in beiden Fällen aus dem gleichen Geschäft stammt. In der Angelegenheit ist bereits gerichtliche Unter­suchung eingeleitet worden.

Vereins- «. 'rerKnü^nnas Nachrichten

für Mittwoch den 1. Mai.

Ou. Männer- w. ^ünqlin innerem: Posaunenblasen (Eo. BeceinShaus.) £umnemeinbe: Abends 910 Uhr: Turnen der Mäanerabteilnng.

TurngesellschaU: Abend« von V-9'/10 Uhr: Turnen der Damenabteilung Turn- ii. Fechtklub: Von 8V210 Uhr: Fechien; von 910 Uhr: Turnen her Männerabteilung.

Turnverein Abends von 810 Uhr: Turnen der Männerabteilung. Deutschuat'vnaler tzandlungsgebilfen-Derband, Ortsgruppe Hanau, Ver- kinSabend imHotel Riesen".

Kaufmännischer Verein Hanau: Vereinsabend im Restaurant Mohr. Gesangverein(Germania": Singstunde imLöwenqârtchen". GelangvereinTonblilthe": Singstunde in derStadt Bremen", ^vnng. "r eitert) erein Singstunde im Vereinslokal (Paradeplatz Nr 1). Nslioua! - S euographenverein: Uebungsstunde für die Praktiker-Abteilung l?okol:Zur großen Krone").

Esperamisten-Gruppe Abends 9 Uhr: Versammlung und Gratisunter- richr in der Esperanto-Spracbe in derCentralhalle".

Kltib der Oester.-Ungarn: Brauerei Orschler.

Kegel-KlubHanowa": GastbauSrur guten Quelle". SchützenvereinTeil" jurWiener Spitze": Schießen. ZimmerstutzengeiellschaftPatrontasche"; Schießen. Zimmerilützengesellichattzur schönen Ausstcht"-Kesselâadt: Schießen. Hanauer Schützenverein: Vereinsabend im Restaurant Mohr. Ge elligr VerbindungHassonia"- Siammtisch imgroßen Kurfürsten». GesellschaftTreu beim^Slten"; Vereinsabend (Brauerei Orschler). .fvinauer Radsport 1895; Vereinsabend in derStadt Bremen" 9 Nhr-Slamm isch-KlubKonkordia* imDeutschen Haus'. Freiwillige Feuerwehr- 1. Komp. imgoldnen Herz", SteigerkorpS in der Brauerei Beck.

VereinbSefeUiqfe t": Monatsversammlung in dergroßen Krone".

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Die Anmeldungen sind vis spätestens 6. Mai an das Sekretariat deS Frank­furter Laudwirlschastlichen Bereius zu fenben, woselbst auch Bestimmungen und Anmeldemuster zu haben sind. 9097s

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Wöchentliches Einlage-Konto . Kartengelder-Konto . . . . Außerordentliches Einlage-

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Zahl der Genossen am Schluffe vorigen Jahres . . 171

Zugang im Jahre 19u6......... g

177"

Abgang im Jahre 1906 ........ . 5

Zahl der Genossen am 31. Dezember 1806 . , , , 172 UUiauftädte« den 29. April 1907.

W. Schmidt, Direktor.

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p Hressel, Rendant.

BAD ORB.

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