Erstes Blatt.
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WsckekiâhrliH 1,80 M., monackich 60 Pfg., für nt* Wktlgr Abonnenten mit dem betrertenben Postallsjchtag, Die eurzelne Nummer kostet Lu Pfz.
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Die säufgespalteue PerüjsUe ss« beten SUslx A Pkß^ tat NektameuttU die ßaU $6 Pfz.
Wotatiovtdruck unb Verlag der Buchdruckers bei verei», ex Wrgnihausrr in H«rau.
Amtliches Organ für SUN* null F-Mreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme ser Lonn- und Feiertage, mü belletristischer Beilage,
Verunivertl. Redakteur: G. Schrecker » 5 anen.
5ÜL 74 Fernsprechanfchltttz Nr. 605*
Lie heMeNumer «wMt aun« -.NsttthânzStlett 14 Seiten.
Bekanntmachung.
Das neue Schuljahr unserer Religionsschule beginnt
Montag, 8. April a. c Anmeldungen nimmt der ^Unterzeichnete an Werktagen in seiner Wohnung sowie am : genannten Tage, nachmittags 5 Uhr, im Schullokale entgegen.
Hanan, 28. März 1907.
Der Provmzial-Rabbiner.
Dr. Bamberger. 6833
Gefundene und titrlorcttt Gcaenstände re.
Gefunden: 1 grüner Tuchgürlel, 2 Päckchen Sattlerschnallen, 1 Quittungskarte vom Sanilâtsverein für Paul Obst, 1 Kneifer mit Futteral,- 1 schwarzer Damenschirm mit Raturgriff (auf der Kreissparkasse stehen geblieben).
Verloren: ca. 11 Meter braunseidenes Band, 2 goldene Broschen, 1 gelbes Zierschürzchen.
Zugelaufen: 1 brauner getigerter Jagdhund.
Hanau den 28. März 1907. ‘
Hus Ran au Stadt und Eand.
Hanan, 28. März.
* Redaktionell. ZM- Des Karfreitags wegen erscheint die itächfte Nummer nnseres Blattes erst Samstag den 38. März .zu gewohnter . Stunde.
* Liturgischer Gottesdienst am Karfreitag. Am morgigen Karfreitag findet in der Johanniskirche, abends um 1/x6 Uhr, liturgischer Gottesdienst statt. Der Kirchen- und der Knabenchor der Gemeinde werden hierbei mitwirken. Die Gemeinde wird freundlichst eingeladen, sich zu dieser, dem Gedächtnis des Todes Jesu geweihten Feier zahlreich einzufinden.
* 3. Bolkskirchenkonzert des Marienkirchen- chores. Wir weisen noch einmal kurz darauf hin, daß das genannte Konzert am Karfreitag abend 8 Uhr in der Marienkirche stattfindet und das Programm für 10 Pfg. zum Eintritt in die Kirche berechtigt. Dieses enthält wahre Perlen aus dem Gebiete der geistlichen Musik. Von den Chören, bereit Texte meistens Schöpfungen Paul Gerhardts sind, mögen folgende besonderer Beachtung empfohlen sein: „Sieh, das ist Gottes Lamm", 3 stimmiger Frauenchor, „O Welt sieh hier dein Leben", ein Meisterwerk der Stimmführung und von ergreifender Wirkung, und „Gib dich zufrieden", ein Chor, dem eben nur der geniale Meister I. S. Bach dieses musikalische Gewand geben konnte. Auch Mergner, der Sänger Paul Gerhardts, ist mit einem seelenvollen Liede, „Sei m i r t a u s e n d - m a l gegrüß t", vertreten. Da die Leistungen des Marienkirchenchores wohl bekannt sind, lind die Namen der Mitwirkenden für eine künstlerische Ausführung ihrer Vorträge bürgen, so steht den Besuchern ein wirklich erhebender „musikalischer Gottesdienst" bevor, den wir aufs wärmste empfehlen. Programme sind im Vorverkauf bei Herrn Spelte! am Altstädter Markt zu haben.
* Christliche Gemeinde (Hospitalstraße 41.) Karfreitag : Vormittags 11 Uhr: Jugendversammlung, nachmittags Uso Uhr: Erbauungsversammlung.
* Die Sonntagsruhe in den Apotheken. Von Ostern ab werden stets 4 Apotheken an Sonn- und Feiertagen schon um 2 U h r geschlossen. Der Schluß erfolgt um eine Stunde früher, weil seit Einführung der Sonntagsruhe die Erfahrung gemacht wurde, daß die Apotheken nach 2 Uhr kaum noch in Anspruch genommen werden.
* Von den Apotheken ist morgen nachmittag von 3—9 Uhr die Löwen-Apotheke geöffnet.
* Slavtthcater. Auf das heute neu einstudiert in Szene gehende Schauspiel: „Die Schule des L e b e n 8" fei nochmals aufmerksam gemacht. Anfang halb 8 Uhr. — Am Ostersonntag kommt nachmittags halb 4 Uhr die überaus er= folgreiche Detektiv-Komödie: „Sherlock Holmes" bei halben Preisen zur Aufführung. Abends geht Shake- speare's Meisterwerk: „Romeo und Iulia" als 11. Vorstellung der 5. Serie neu einstudiert in Szene. Am Ostermontag wird nachmittags halb 4 Uhr bei halben Preisen das beliebte Volksstück: „Die Else vom Erlen- h of" mit Frl. Marie Lautermann als Gast in der Titelrolle nochmals zur Darstellung kommen und abends 7H- Uhr geht als letzte Vorstellung dieser Spielzeit die be
Donnerstag bett 28. März
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deutendste Lustspiel-Novität der letzten Jahre: „H usaren- fieber" in Szene.
* Natiorrattiberale Versammlung. In die „Centralhalle" hatte gestern der hiesige Nanonalliberale Verein zu einer öffentlichen Versammlung eingeladen, der zwar recht zahlreich, aber doch nicht in dem Maße stattgegeben wurde, die man mit Rücksicht auf die vor der Wahl herrschende Begeisterung hätte erwarten sollen. Herr Dr. Heraeus eröffnete die Veriammchng mit einigen hinweisenden Worten auf die vergangene Wahlkampagne und erteilte dann dem Reichstagsavgeordneten Landgerichtsrat Hagemann das Wort zu seinem Vortrag: „Rückblicke und Ausblick e". Redner erörterte vorerst die für die Regierung maßgebenden Ursachen und Gründe der Reichstagsauflö'ung und wandte sich entschieden gegen die Darstellung des Zentrums, als ob die Auflösung eine vorher abgekart le Sache, die ganze Entrüstung über die Ablehnung der notwendigen Kolonial'orderungen nur Mache sei. Man habe lange unter dem Joche des Zentrums gesenkt und als am 13. Dezbr. das erlösende Wort fiel, da habe man es in natioualliberalen Kreisen mit vreuben begrüßt, wenngleich man sich einen solch günstigen Ausgang der Wahl nicht träumen ließ. Hätte das Zentrum aber gehandelt, wie es als nationale Partei hätte handeln müssen, dann hätte man den Sozialdemokraten noch etwa anderthalb Dutzend Sitze mehr abgenommen. Der Teil des Auslandes, der uns wcht freundlich gesinnt ist, hat dem erwarteten Ausgang der Wahl, nämlich dem Anwachsen der regieruugsgeguernchen Karteien, mit Vergnügen entgegengesehen, zu seinem Leidwesen und zu unserem Glücke sich aber enttäuscht. Wäre die Wahl anders ausgefallen, England und Frankreich würden in der Marokknfrage ganz andere Saiten aufziehen, als sie nunmehr aufzuziehen in der Lage sein werden. Redner erörtert, anknüpfend an die diesbezügliche AuAafsung eines Zemrumblaltcs und eines angesehenen kal olischen Professors, die Befürchtung, daß bie ruhigen konservativen Teile des Zentrums mit der Zeit verschwinden und die demokratischen Elemente die ausschlaggebende Oberhand gewinnen werden, um dann auf den Widersinn, auf die Unnatur hinzuweisen, die darin liegt, daß die doch im Glauben wurzelnde katholische Bevölkerung eine Pgrtei unterstützt, die Staat und Kirche beseitigen will, den Atheismus predigt. Zur Illustration des sozialdemokratischen Programm- punktes: „Religion ist Privatsache" verliest Redner einige Stellen aus den Eröiterungen jenes Parteitages, der sich mit der Abänderung dieses Wortes befaßte und den unzweideutigen Beweis lieferte, daß dieses Wort eine Heuchelei darstelle und mit den Ansichten der Führer unb dem wirklichen Ziele der Partei, das auf Beseitigung jeder Religion abziele, nicht übercinstimme. Aus „praktischen" Gründen aber ließ man es unverändert. Im weiteren gibt Redner eine Anzahl interessanter Details aus den Reichstagspolemiken der letzten Zeit und legt dadurch besonders dar, daß man der „Phrasieologie" der Sozialdemokraten, der leeren, tonenden Redeweise ohne Wollen zur Tat, nicht mehr glauben kann, daß diese Reden nur vom Stapel gelassen werden, um im Lande Stimmung für sich zu machen. Und leider gelingt dies, denn die sozialdemokratischen Arbeiter bekommen gar keine andere Presse in die Hand und können dadurch gar nicht kontrollieren, ob die Ausführungen ihrer Führer richtig sind ober nicht. Auf die Kolonialfrage eingehend, charakterisierte er diese vor allem als eine Arbeiterfrage. Würde doch allein ein zu hohes Steigen der Baum- wollpre'se, das durch die Entwicklung der diesbezüglichen amerikanischen Industrie für die Zukunft mit Sicherheit vor- ansgeschen werden kann, eine Million deutscher Arbeiter brotlos machen. Dies erkannte auf eine Anfrage des Redners auch der sozialdemokratische Abgeordnete ßebebour im Reichstage in gewisser Beziehung an, fügte aber hinzu, daß die Sozialdemokratie trotzdem die Kolonialpolitik aus politischen Gründen nicht mitmachen könne. Also nur, weil es in ihr politisches Programm nicht paßt, wird eine Politik, die vor allem auch im Interesse unserer Arbeiter notwenbig ist, rundweg abgelehnt. Und das nennt sich Arbeiterpartei. Neben der Baumwolle fommen vor allem die für unser gewerbliches Leben höchst wichtigen Eisenerze in Betracht, deren man in jüngster Zeit riesige Lager von allerbester Qualität in.unseren Kolonien sestgestellt hat. Aber zur billigen Beförderung dieser Produkte an die Verbrauchsstätten müßten Bahnen gebaut, müßten erst mal Ausgaben gemacht werden. Die leitenden Posten in den Kolonien müßten sachverständigen, praktisch e'fahrenen Männern übertragen werden. Mit dem bureaukratischen System müsse aufgeräumt werben. Nicht ein junger Regierungsassessor gehöre an verantwortungsvolle Stelle, sondern ein gewiegter Kaufmann. Der jetzige Leiter unseres Kolonialwesens und die jetzige Konstellation des
^ernsprecharrschlufz Nr. 605
1907
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Reichstages ließen erhoffen, daß der wirtschaftliche AufschwtM unserer Kolonien nunmehr ein stetiger und unaufhaltsamer werde. Wenn wir das Vertrauen zu den verbündeten Regierungen festigen, dann stärken wir die Arbeit der Regierung selbst. Und das deuische Volk hat bei den Wahlen gezeigt, daß es noch Vertrauen zu der Regierung hat, daß es noch Patriotismus, noch wirtschaftliches und politisches Verständnis besitzt, es hat gezeigt, daß es reiten kann, wenn man es nur in den Sattel setzt. 'Lebhafter Beifall.) Herr Dr. Heraeus gibt einen kurzen Rückblick auf die bekannten Wahlvorgänge, betont aber, daß es nicht seine Aufgabe fein kann, das Feuer aufs neue zu schüren. Wir haben seither mit unseren katholischen Mitbürgern in Frieden und Eintracht gelebt und wollen dies auch ferner tun. Was er sage, könne sich nur auf die Person des Herrn Müller-Fulda beziehen. Besonders verteidigte Redner den nationalliberalen Wahlausschuß gegen den Vor- wurf der Fälschung durch das bekannte gelbe Plakat, das b'e von Müller-Fulda in Oberndorf gegebene Wahlfreiheit bekannt gab. Was diese Wahlfreiheit in Wirklichkeit bedeuten sollte, sei ihm erst später klar geworden. Bezüglich des Dor- ivurfes, daß man bei Aufstellung eines Kandidaten auf die Wünsche des Zentrums keine Rücksicht genommen und da- burJ) dessen Haltung verursacht habe, verwies Herr Dr. Heraeus auf seine einige Tage vorher mit Herrn Müller-Fulda gepflogene Unterhandlung, bei der dieser kein Wort von einem solchen Wunsche geäußert und sich nur dahin ausgesprochen habe, daß ihm Herr Dr. Lucas recht sympathisch sei und daß er wegen anderweiter Arbeit sich hier nicht aufstellen lassen könne.
In der anschließenden Debatte ergriff zunächst Herr Redakteur I ü n g e m a n n- Frankfurt das Wort, um in scharfen Worten den unheilvollen Einfluß des Herrn Müller- Fiilda auf die katholischen Wähler und die Angriffe der ultramontanen Presse besonders in unserem Kreise auf die bürgerlichen Parteien zu beleuchten.
Herr Geschäftsführer Grund schildert den Verlauf der damaligen Order Versammlung, in der bei Bekanntgabe der von Müller-Fulda in Oberndorf proklamierten Wahlfreiheit eine einmütige begeisterte Kundgebung für Lucas erfolgte, bis Herr Kaplan Ruez die bereits früher in unserem Blattè gerügten gänzlich unbegründeten Angriffe gegen Herrn Dr. Lucas losließ und dadurch die Wähler so zugunsten der Sozialdemokratie beeinflußte, wie es bei der am nächsten Tage erfolgenden Stichwahl zum Ausdruck kam.
Herr Conr. W ö r n e r-Hanau wünicht, daß die führenden Männer des Kreises in steter Kühlung mit der großen Masse der Wählerschaft bleiben und daß der Kontakt zwischen Führer und Wähler nicht immer erst kurz vor der Wahl hergestellt wird. Herr Fabrikant Frank- Hanau meint, daß dies nicht nur am Geiste der Führer, sondern auch am Geiste derjenigen Leute liegt, die geleitet werden wollen. Das Interesse für die Partei müsse ein größeres, der Besuch der Versammlungen ein besserer werden. Zum Schlüsse ergreift das Wort noch Herr Amtsrichter Dr. Lucas, freudig und jubelnd von den Anwesenden begrüßt. Er ermahnt, eingedenk zu sein der großen Ziele und Aufgaben, die unser Volk zu erfüllen hat, und erinnert daran, daß wir am 1. April jahrelang den G'burtstag des verstorbenen Altreichskanzlers, des Fürsten Bismarck gefeiert haben, des Mannes, der nicht mit Worten prahlte, sondern Taten zeigte. Zeigen wir, daß wir seiner würdig sind dadurch, daß wir es nicht mit Worten bnumben lassen, sondern tätig sind, tätig in dem Wirkungskreis, in den uns die Verhältnisse gestellt haben. Nicht die großen Versammlungen, sondern Werkstatt und Fabrik, Kleinbahn, Heim- und Hinweg zur Arbeit, das sind die Agitationsstälten unserer Gegner, der Sozialdemokraten, sehen wir zu, daß wir auf diesem Felde von ihnen lernen,^ daß wir unsere Scheu und Scham, er wolle nicht sagen Furcht und Feigheit, Farbe zu bekennen, überwinden. Sehen wir zu, daß wir mehr praktische Arbeit leisten. Diese könne aber nur darin bestehen, daß wir aus unseren politischen Maximen kein Hehl machen. Bekennen wir ruhig unsere Meinung auch im Kreise der Gegner. Nicht mit Hurraschreien sei es getan, nein, auch Opfern, illigkeit müsse der echte Patriot besitzen. In einer Zeit, wo trübe Kräfte an der Achett sind, alles zu bekämpfen, was uns lieb und teuer ist, erwächst jedem einzelnen von uns doppelt die Verpflichtung, treu und eifrig zu sein im Dienste des Vaterlandes, im Dienste der nationalen Ideen. Redner ermahnte die Anwesenden, das, was sie in dieser Versammlung gehört, beim Entfernen aus derselben nicht einfach zu vergessen, sondern die gehabten Anregungen nutzbringend zu verwerten und weiter zu verbreiten. Er erinnerte an den Umstand, daß sich viele zu dem praktischen politischen Arbeiten in der vorerwähnten Form