Erstes Blatt.
Neiger
Bezugspreis:
Wkrieljâhrllch 1,80 Mk., monatlich GO Pfg., für aus» »ärügc Nbsnnentm mit dem b «reisenden Poftanfschlaz, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfz.
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei de» «reis. CT* Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger
Allltillhes Organ für Stadt- und Landkreis Sana».
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EiarückungsgeLühr;
Die M^getzaltrm Petitzvie oder deren Rar« Ä MA» im Reklamen teil die Zeile 55 Pfz.
$1\ 64 Fernsprechanschluß Nr. 605.
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18 Seiten.
Amtliches.
Stadtkreis Fjanau.
Bei einem im hiesigen Schlachthause geschlachteten Schweine des Anton Haas, Lamboystraße 25 d hier wurde die Schweinescuche festgestellt.
Ueber das Gehöft des Haas wurde die Sperre verhängt.
Hanau den 16. März 1907.
Königliche Polizei-Direktion.
I. D.: Siemon, Reg.-Assessor.
Eandkreis Hanau.
Ntkamtmahingm KZ Königülhea Laakatsamts.
Unter Hinweis auf die Bestimmungen im Artikel 83 Nr. 2 der Anweisung vom 6. Juli 1900 zum Einkommen- und Ergänzungssteuergesetz veranlasse ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, die erforderlich werdenden 2htë5 falllisten über Einkommen- und Ergänzungs- steuer in doppelter Ausfertigung nebst Unterlagen (Pfändungsprotokolle, Versteigerungsprotokolle u. s. w.) am Schtuste dieses Monats der Königlichen Kreiskasse einzureichen.
Hanau den 14. März 1907.
Der Vorsitzende
der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.
St 1909 J. V.: Siemon, Reg.-Assessor.
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Mit Einreichung des Jahresberichts für 1906 ist noch eine Anzahl Viehversicherungsvereine im Rückstände.
Ich ersuche die Herren Bürgermeister, von den rückständigen Vereinsvorständen den Jahresbericht in 3facher Aus- fertigung ein wiegen und nach Prüfung hinsichtlich des in meiner Verfügung vom 19. Februar 1906 — V 981 — Nr. 3 der Amtlichen Beilage Rum „Hanauer Anzeiger" — Gesägten binnen 14 Tagen hierher einzureichen.
Hanau den 7. März 1907.
Der Königliche Landrat.
V 1679 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
An die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher.
Im Auftrage des Herrn Regierungs-Präsidenten mache ich auf die als Sonderbeilage zu Nr. 10 des Negierungs-
Feuilleton*
Golgatha.
Passionskantate von C. Ad Loreuz.
(Znm III. Konzert d es Oratorienvereins.)
Wer an den Kulturströmungen unserer Zeit Anteil nimmt, der wird auf dem Gebiete der Musik eine außerordentlich rege Entfaltung aller Kräfte wahrnehmen, die bestrebt sind, über den Rahmen des Althergebrachten, Gewohnten nach Ausdruck und Inhalt hinauszugehen. Die mächtigste Steigerung aller Kunstmittel hatte sich in Richard Wagners musikdramatischen Werken zu einem scheinbar unerreichbaren Gipfelpunkt erhoben. ' Sebou sind aber neue Männer am Werk, die bei einer " ' hörten Häufung der Darstellungsmittel auch die eigentlich Kompositioustechnik zu einem neuen Cresaudo entwickelt, dabei aber mit keckem Wagemut das musikalische Vorstellungsvermögen in neue Bahnen geleitet haben, an die bisher noch nicht gedacht worden ist. Die außermusikalische Idee wird dem modernen Komponisten zum Programm, dem er sich hingibt und nach eigenen subjektiven Gesetzen zum tönenden Bilde umformt. Wieweit man hierin gehen kann, läßt sich nicht immer ermessen, es scheint aber, als ob die Phantasie oft erdrückt würde von dem Gegenstand ihres Programms unb sich des Künsters eine oft erschreckende Ratlosigkeit bemächtigt, die er mit einer glänzenden Technik, einer beispiellos raffinierten Instrumentation zu bemänteln sucht. Stehen wir auch mit derartigen Werken, die aus Gärungsprozessen heraus entstanden sind, auf unsicherer ästhetischer Grundlage, so dürfen wir an dem neuzeitlichen Schaffen nicht achtlos vorübergehen, findet sich doch manches Werk darunter, welches, aus neuem Geist geboren, dennoch in ver-
Samstag den 16. März
Amtsblattes vom 6. d. Mts. veröffentlichte Anweisung vom 31. Januar 1907 zur Ausführung des deutsch-niederländischen Niederlassungsvertrags vom 17. Dezember 1904 (Relchs- Gesetzblatt 1906 Seite 879) aufmerksam.
Hanau den 9. März 1907.
Der Königliche Landrat. n-
V 1343 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Stadtkreis Hanau.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 9. bis 15. März 1907:
1 Arbeiter, 1 Ausläufer, 1 Gärtner, 4 Hausbnrschen, 8 Tagelöhner.
Hanau den 16. Mär; 1907.
Städtische Arbeitsvermittelungsstelle. 5785
Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Telegraphenlinie an dem Wege von Altwiedermuß nach Neuwiedermuß liegt bei dem Postamte in Langendiebach vom 14* März ab 4 Wochen aus.
Cassel, 12. März 1907.
Kaiserliche Ober-Postdirektion. 5748
Konkursverfahren.
Das Konkursverfahren über das Vermögen des Spezereihändlers Jean Lamm, Inhabers der Firma I. Lamm in Kesselstadt wird nach erfolgter Abhaltung des Schlußtermins und vollzogener Schlußverteilung gemäß § 163 Abs. 1 K.-O. aufgehoben.
Hanau den 9. März 1907.
__________Königliches Amtsgericht 5* 5767
Gefundene und verlorene Genenstände re.
Gefunden: Im Stadtschloßsaal 1 Taschentuch (gez. L.), auf dem Wochenmarkt 1 Herren- und 1 Damen-Regenschirm. Abzuholen bei der Armenverwaltung.
Hanau den 16. März 1907.
Hus Hanau Stadt und Eand.
Hanau, 16. März.
* Religiöse Versammlung. Heute nachmittag 4'/s Uhr hält Herr Pfarrer Michaelis Bibelstunde in der Marienkirche. Abends 8^3 Uhr spricht derselbe über das Thema: „D i e Ernte deines Leben s". Morgen .—mm, i— umhhm— MI ■ ml—iw— 'r—» wm———iw^^ trauter Weise zu uns spricht, uns neue Gesichtspunkte eröffnet, ohne den Zusammenhang mit dem historisch Gewordenen zu verlieren.
Nirgends sind solche Werke schwerer zu finden als auf dem Gebiete des Oratoriums. Diese Form steht in den Meisterwerken eines Bach und Händel für alle Zeiten gefestigt da. An ihr hatte selbst Mendelssohn nicht zu rütteln vermocht. Moderne Oratorien geistlichen Inhalts sind sehr spärlich und solange wir noch an den mächtigen Werken eines Bach zu zehren haben, die lebendig fortivirken und in unserer Zeit wieder zu neuer Geltung kommen, dürfen wir ruhig auf neue Offenbarungen warten. Wer unterfängt sich, eine neue „Passion" musikalisch darzustellen? Felix Woyrsch hat den bemerkenswerten Versuch gemacht, der aber im Sinne eines wahren Fortschritts als nicht geglückt anzusehen ist. Dennoch will der Oratorienverein ein modernes Werk einführen, welches uns ein Passionsbild eigener Art aufrollt und in einer eindringlichen Sprache überzeugungsvoll zu uns redet.
Carl Adolf Lorenz ist der Komponist der Passions- kamate „Golgatha", welche am 21. März in der Marienkirche durch den Oratorienverein zur Aufführung gelangen soll. Der Verein hat es als eine Pflicht angesehen, dem kunstliebenden Publikum nicht nur, sondern jedem empfänglichen Gemüt die Bekanntschaft mit diesem Werk zu vermitteln, da er bestrebt ist, an seinem Teile mit beizutragen zur Erweiterung des Blickes und zur Hebung des musikalischen Urteils in unserer Stadt, die gegen kleinere Orte an allgemeinem musikalischen Kunstinteresse nicht zurückbleiben darf. Hierbei muß von vornherein mit dem oft gehörten Vorurteil gebrochen werden, als ob Werke dieser Art nur von musikalisch durchgebildeten Hörern genossen werben können und der Laie dabei leer ausginge. Das ist ganz und gar nicht der Fall. Gerade hier wird die Seele eines jeden Hörers in Mitschwinguna versetzt, weil eben der erhabene Stoff jedem bekannt ist. Er findet burdj die tönende Sprache Eingang
Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1907 r I...irim ,m ■ mmni i m .will m—flj vormittag hat derselbe die Predigt im Haupigottesdienst in der J 0 h a n n i s k i r ch e übernommen und wird Sonntag abend in der Marienkirche über das Thema: „Ein Schwur Gottes" sprechen.
* Höhere Mädchenschule. Die von der städtischen höheren Mädchenschule alljährlich veranstaltete musikalisch- deklamatorische Abendunterhaltung findet Montag den 18. b. Mts., abends 7^2 Uhr, in den Sälen der „Centralhalle" statt. Karten â 1 Mk. sind in den beiden hiesigen Hofbuchhandlungen erhältlich.
* Die Zahlungsschwierigkeiteu der Eisenhandlung Wilhelm Koch Sohn, von denen wir vor einiger Zeit berichtet haben, sind behoben. Das Geschäft wird in bisheriger Weise weitergeführt.
* Der Freigerichter Bund ladet seine Mitglieder auf Sonntag den 17. d. M., nachmittags 5 Uhr, zur Generalversammlung in die Brauerei Stein in Alzenau ein mit der Tagesordnung: Rechnungsablage, Vorstandswahl und Abänderung der Statuten behufs Eintragung in das Vereinsregister und wünscht zahlreiche Beteiligung seiner Mitglieder.
* Lohnbewegung im Schneidergewerbe. Die Kommission der hiesigen vereinigten Arbeitgeber legte gestern abend der Kommission der Arbeitnehmer den neu ausgearbeiteten Tarif vor. Die Verhandlungen sind gerade in diesem Gewerbe um so schwieriger, als die traurigen Verhältnisse unter den kleineren Schneidern (den Hausarbeitern) eine schnelle Erledigung hindern und gerade auch unter Mitwirkung der Arbeitgeber geregelt und gehoben werden sollen.
* Original-Tegernseer-Bauern Theater. Auf das morgen abend im Deutschen Hause stattfindende erste Gastspiel machen wir nochmals aufmerksam. Zur Aufführung gelangt das Sensations-Volksstück mit Gesang und Tanz „Der Lehrer von Seespitz." Anfang abends 8 Uhr.
* Parolemttfik. Bei günstigem Wetter spielt morgen die Ulanenkapelle im Schloßgarten folgende Stücke: 1. „Husarenfanfaren" von Unrat. 2. Ouvertüre zur Op. „Norma" von Bellini. 3. „Am Golf von Neapel," Walzer von Morena. 4. „Frühlingslied" von Sarno. 5. „Waffenruf", Charakterstück von Eilenberg.
* Das Hahnenkammhaus ist nur Sonntags geöffnet.
* Von den Apotheker» ist morgen nachmittag von 3—9 Uhr die Engel-Apotheke geöffnet.
* Hanauer Orpheum. 'Das stets großartige Pro- gramm hat für nächsten Sonntag wieder einige sehr gute Nummern aufzuweisen, sodaß der Besuch ein recht lohnender sein wird, namentlich bem Auftreten der Musikal-Erentrics Moo und Reb werden wahre Lachsalven folgen. Den Besuchern können einige recht vergnügte Stunden verbürgt werden.
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zu unseren Herzen und wie allezeit unser deutsches Volk Lust und Leid in Tönen wiedergibt, so wirb es auch verstehen, wad ihm ein ernster deutscher Tondichter hier zu sagen hat. Worin die im besten Sinn volkstümlich zu nennende Seite des neuen Werkes liegt, wird sich aus den hier folgenden Ausführungen ergeben, die der Novität den Boden bereiten sollen.
Der schon genannte Komponist Lorenz, geb. 1837 zu Köslin, waltet seines Amtes als städtischer Musikdirektor zu Stettin seit 1866 als Nachfolger des berühmten Balladenkomponisten Löwe, der dorten die gleiche Stellung einnahm.
Lorenz schrieb eine Reihe von weltlichen Oratorien, Winfried, Otto der Große, Krösus, Jungfrau von Orleans, sowie 2 Opern.
Die Passionskantate „Golgatha" ist sein 65. Werk. Was Frische der Erfindung, melodiösen Schwung und fesselnde Harmonik anbetrifft, konnte man sich die Kantate eher von einem jüngeren Musiker geschrieben denken. Jugendkraft spricht aus der Komposition des gereiften Mannes, und das ist ein Vorzug, der dem ganzen eignet und keine öden Stellen aufkommen läßt. Die allgemeinen Merkmale dieser Komposition sind eine reich quellende Melodik, welche den Gefübls- ausdruck mächtig vertieft, eine wirksame kontrapunktische Stimmführung und ein glanzvolles Orchesterkolorit, zu dem die Orgel in zartesten Registern bei den Sieben Worten Jesu, in voller Stärke bei den großen Chorsätzen und Chorälen hinzutritt. - Das, was aber dieser Passiouskantaie den echt evangelisch-volkstümlichen Charakter verleiht, ist die hervorragende Stellung, die der Komponist dem Choral zumeist. Dieser wirb in dreifacher Art verwendet: 1) als 4stimmiger Chorsatz in der Art und nach dem Vorbilde Bachs, 2) als Cantus firmus verwoben in das Stimmge- flecht des Chores ober auch in Verbindung mit einer Solo- ftimme gebracht, wobei letztere in scheinbar größter Freiheit ihren eigenen Gang geht, 3) im Orchester den schallkräftigen Trompeten und Posaunen zugeteilt als Gegenthema gegen