Einzelbild herunterladen
 

veraat»»rtl. Redakteur: 0. Schrecke» « H««.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Senn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Avis tieslH ruck und Verlag da Buchdrucker«! des vom«, ei, Waisenhaus«- in Hanau.

Eiurücknngsgebühr

Hit fLoszes-aiteue Petüzvl« »da bereu Stola N^ im Reklamen!«! die Zelle 3h Vfg-

MR*

WertekfZhckèch 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg.» für et* wattige Abonnenten mit dem betreff enben PostauffchlaA, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfz.

Ml. 58 Fernsprecharrschltch Nr. 605.

Samstag den 9. März

Fernsprechanschluß Nr. 605. 1907

Jie heMeNmmer msüt mßek h.llilnhâWiliit IG Seiten.

Kus Hanau Stadt und Eand.

Hanau, 9. März.

* Elektrische Strassenbahn. Die Verträge über die Erbauung einer elektrischen Straßenbahn sind von den Vertretern der städtischen Kommission zur Erbauung einer elektrischen Straßenbahn und der Baufirma Hecker u. Co., G. m. b. H. in Wiesbaden, unterzeichnet worden, sodaß eine Vorlage wohl bald an die Stadtverordneten-Versammlung gelangen und der Bau noch im Laufe dieses Jahres in An­griff genommen werden dürfte. Dem Gesamtunternehmen (kommt zu statten, daß hinsichtlich der beabsichtigten Weiter- führung der Bahn nach den Nachbarorten Groß-Auheim und Groß- und Klein-Steinheim auch wesentliche Zugeständnisse erzielt worden sind. Bekanntlich stieß die Führung der Bahn über die Mainbrücke auf Schwierigkeiten bei der Eistubahndirektion Frankfurt, die anfänglich eine Benutzung der Brücke wegen der ohnehin starken Belastung durch den (Eisenbahnverkehr nicht gestalten wollte. Die hierüber ge­pflogenen Verhandlungen haben das Resultat gezeitigt, daß die Eisenbahnbehörde ihren anfänglichen Widerstand aufge- geben hat und eine Benutzung der Brücke gestatten will, wenn die Verstärkung der Brücke auf Kosten der sich zwecks Bau und Betrieb der Bahn bildenden Aktiengesellschaft (Stadt Hanau und Hecker u. Co.) erfolgt. In den vereinbarten allgemeinen Bedingungen über die Bildung dieser Aktien­gesellschaft ist bekanntlich auch ein Beitrag bis zu 30 000 Mark für Verstärkung der Brücke vorgesehen worden.

* GenoffenfchafLssest zinn Bester» des Penstons- Vonds der Genostenschaft deutscher Bühnen- Angehöriger am Dienstag den 12, März in der Centralhalle". Ihre Mitwirkung für den künstlerischen Teil des Festes haben nunmehr bestimmt zugesagt: Herr KarlGentner vom Opernhaus inFrank- furt a. M., der Hofopernsänger Franz Geß­ner und die Hofopern^ängerin F r I. Walla I a u c z e k, beide vom Hoftheater in Darmstadt. Der ent­zückende Einakter:Unter vier Augen" wird in fol­gender Besetzung neueinstudiert zur Aufführung gelangen: Volkart: Herr Hauser, Hermine, seine Gattin: Frl. Berger, Baron v. Berkow: Herr Hopkirk, Baumann: Herr O. H. Müller. Auch sonst ist dafür Sorge getragen, daß die Langeweile aus den Gefilden der Kinzig vertrieben wird. Die Kinzig-Polizei würde es sehr gerne sehen, wenn die

Feuilleton.

2600 Meter Wem Meer.

Hine wissenschaftliche Ballonfahrt

von

Joseph M. Jurinek-Frankfnrt a. M.

(Nachdruck verboten)

Die Sonnenstrahlen hatten bereits die Erde aus dem nächtlichen Schlummer wachgeküßt, als vorgestern (am Donnerstag den 7. März) morgen der neueste Ballon, der zu wissenschaftlichen Zwecken gebaut worden ist, der Ballon Ziegler" des Frankfurter physikalischen Verein? zu seiner dritten Fahrt hergerichtet wurde. Um 8 Uhr 32 Minuten erscholl das KommandoEinsteigen" und bald darauf ent­schwebte aus Offenbach a. M. die Riesenkugel der abschied­grüßenden Menge .... Vier Personen hatten im Ballon Platz genommen. Der Führer Dr. Curt Wegener, der den Weltrekord als Dauerluftschiffer hat seine längste Ballon­fahrt währte 52 Stunden einer der bekanntesten und kühnsten Frankfurter Sportleute, Otto Gilberger, der Fabri­kant Paul Merzbach und als Vertreter der Presse meine Wenigkeit. Neben dem Vergnügen sollte die Fahrt beson­ders der Wissenschaft gelten, denn der gestrige Tag war ein Termin der simultaneninternationalen Drachen- und Ballon­aufstiege . . . Südöstlich trieb uns der Wind .... Kleiner und kleiner wurde unseren Blicken die Welt . . . Wie Puppen­häuschen dünkten uns die Gebäude, die wir sonst als Riesen­werk anstaunen. Bei 2 Grad Wärme hatten wir die Fahrt angetreten. Schon die ersten Hundert Meter bestätigten die Worte unseres Führers:Meine Herren, wir werden nicht frieren" . . . Die Jugend winkte zu uns herauf. Wir hörten den Jubel der Kleinen, als ob wir mitten unter ihnen wären. Schneller und schneller stieg unser Ballon. Schon hatten wir eine Höhe von 800 Metern erreicht. Die Sonne meinte es zu gut und erwärmte überschnell den Ballon. Eine Wolke hatte Mitleid mit uns und verdeckte uns die

Damen möglichst in hellen Sommerkleidern im Traumlande lustwandeln würden, doch ist auch jedes andere Gesellschafts- oder Phantasie-Habit gestattet. Die Konzert- und Ballmusik wird ausgeführt von der Kapelle des Infanterie-Regiments, der Konzertflügel ist aus dem Magazin des Herrn Kraus­haar. Da die Nachfrage nach Eintrittskarten bereits eine sehr rege ist, dürfte es sich empfehlen, sich rechtzeitig gute Plätze zu sichern. Vorverkauf in beiden Hofbuch­handlungen und an der Theaterkasse.

* Wetterlaunen. Heute vormittag überraschte uns ein heftiges Schneetreiben.

* Nachspiel zur Reichstagswahl. Die Stichwahl- bewegung wird noch ein Nachspiel vor Gericht haben. Wie dieFrkf. Ztg." berichtet und von uns selbst bestätigt wer­den kann, ist ein Strafverfahren gegen den Stadtverordneten Reith aus Fulda eingeleitet worden, der bekanntlich in der Zentrumsversammlung am Abend des 4. Februar d. I. zu Großauheim ein längeres Referat ablas, das beleidigende Aeußerungen enthielt, die sich nur auf den dortigen katho­lischen Pfarrer v. Jagemann beziehen konnten. In der An­gelegenheit haben bereits Zeugenvernehmungen stattgefunden.

* Stiftungsfest. Morgen Sonntag den 10. März feiert der hiesige Ortsverein des Vereins der deutschen Kauf­leute sein 2. Stiftungsfest. Wie wir aus dem Programm ersehen, stehen erstklassige Kräfte zur Verfügung und hat sich das Komitee besondere Mühe gegeben, den Abend zu einem recht genußreichen zu gestalten.

* MarkenkonfurnvereinEinigkeit". Am vor­gestrigen Donnerstag hielt der MarkenkonsumvereinEinig­keit" in seinem VereinslokalKonkordia" seine erste Generalversammlung ab. Der Verein nimmt eine erfreulich gute Entwicklung und ist in stetem Wachsen be­griffen. Als Dividende gelangen gleich dem Vorjahre wieder 67» Proz. zur Auszahlung. An diè noch Fernstehenden richtet der Vorstand die Bitte, sich ihres eigenen Vorteils willen dem Vereine recht bald anzuschließen, zumal zu den Kontrahenten des Vereins die leistungsfähigsten Geschäftsleute gehören.

Weitere BerichteAus Stadt und Land" im zweiten und dritten Blatt.

OcffciitliLrr Wetterdienst.

Dien st stelle Weilburg (Landwirtschaftsschule).

Voraussichtliche Witterung für die Seit vom Abend des 9. März bis zum nächsten Abend.

Veränderliche Winde, veränderliche Bewölkung, keine er­heblichen Niederschläge, nachts kühler, tags wärmer als am Vortage.

i»i°,«».«»m. .

stechenden Strahlen und verschaffte uns damit gleichzeitig den Genuß, in der unteren Schicht zu bleiben und über die Erde in nicht allzuweiter Höhe dahin zu schweben. Der Blick war unverwandt auf die Herrlichkeiten unter uns ge­richtet. Bald rauschte daS Schleppseil über die zu jungem, frischem Grün ausetzenden Baumkronen und brachte uns einige fünfzig Meter tierer, bald breiteten sich Felder und Wiesen, Triften und Halden unter uns aus . . . Ueber uns schoben sich in gewaltiger Hobe lichte Wolkenschleier in- und übereinander. Bald schallte Musik zu uns herauf, bald frohes Kinderlachen, bald staunende Zurufe.Wir haben gute Fahrt", sagte unser Führer. Ueber Sprendlingen und Langen ging es dahin. Ob das Bild auch im Grunde ge­nommen dâs gleiche blieb, es war doch mit jeder neuen Minute neu für das Auge. Darmstadt links liegen lassend, fuhren wir weiter nach Südosten. Schon war die erste Stunde der Fahrt vorbei, wir konstatierten, daß wir mit 30 Kilometer Geschwindigkeit dahin gesegelt waren.Wenn cs so weiter geht, dann . . ." Da packte uns die Sonne von neuem und bald war es klar, daß uns die Strahlen in höhere Luftschichten treiben werden. Die erste Inversion, die Dunstschicht vor den Wollenbergen, hatten wir erreicht. ,Da grüßte uns unter uns der Vater Rhein, der träge seines gewohnten Weges dahinzog......Langsamer wurde die Fahrt, bei Gernsheim gingen wir über den Rhein, Worms lag vor uns. . . . Das war der erste Teil der Fahrt.

Geduld muß der Luftschiffer vor allem haben." Diese Worte hatte uns Dr. Wegener mehr wie einmal zugerufen. Unsere Geduld wurde auch bald auf eine harte Probe gestellt. Kaum war der Rhein überquert, kaum hatte uns die Sonne bis 1800 Meter zu sich hinaufgezogen, da regte sich um uns kein Lüftchen mehr, wir standen still. . . Hatten Zeit, uns das Landschaftsbild dauernd einznprägen. Um 11 Uhr hatte uns der Wind verlassen, bis 3 Uhr kamen wir nicht fündig Meter vom Fleck. Und doch war gerade dieser Teil mit der schönste der Fahrt. Im Osten und Westen, im Norden und Süden türmten sich Wolkenberge auf. SHaurig-schön. Und die Sonne leuchtete auf das Weiß der Wolken mit unge- schwächter Kraft. Heilige Stille um uns. In die Friedlich­keit der ewig schönen Natur bringt das Ticken unserer wissen-

Barometerstand

12 Uhr am 8.,3. 9.,3.

Sehr trocken Beständig

Schön

Veränderlich ° 1 '^=| Regen (Wind?50-M

Viel Regen 740~<S_

Hus Hab und fern.

W. Darmstadt, 8. März. Das Kriegsgericht ver­urteilte nach zweitägiger Verhandlung den Wachtmeister Leyerzapf vom 25. Artillerieregimente wegen Mißhandlung Untergebener in 647 schweren und leichten Fällen zu einem Jahr Gefängnis. In 306 Fällen erfolgte Freisprechung. Auf Degradation wurde nicht erkannt, weil in den letzten drei Jahren keine Mißhandlungen mehr vorkamen.

Hornburg v. d. H., 8. März. Die Stadtverord­neten in Görlitz wählten den Oberbürgermeister Maaß dahier zum zweiten Bürgermeister der Stadt Görlitz.

88 Offenbach a. M., 8. März. In nichtöffentlicher Sitzung beschloß die Stadtverordnetenversammlung eine Er- höbung der Gehälter der beiden Beigeordneten Walter und Zopff um je 1000 Mk. Der erstere wird vom 1. April d. J. ab 9000 Mk., der letztere 7000 Mk. beziehen. DaS Gesuch der über 2600 Mk. Gehalt beziehenden städtischen Beamten um Gewährung einer Teuerungszulage wurde abgelehnt. In einer früheren Sitzung hatte die Stadtverordnetenversammlung bekanntlich den Beamten mit einem Gehalte bis zu 2600 Mark eine Teuerungszulage bewilligt.

W. Kaiserslautern, 8. März. DiePfälz. Presse" meldet aus Frankenthal: Die Strafkammer verurteilte den Weinhändler Ferdinand K e r n aus Neustadt a. d. Haardt wegen jahrelang betriebener Weinfälschung zu zwei Monaten Gefängnis und 2000 Mark Geldstrafe.

Weitere BerichteAus Nah und Kern" im zweiten Blatt.

schriftlichen Luft-, Temperatur- und Höhenmesser, dringt unsere fröhliche Unterhaltung. Bald aber verstummten wir vor dem Ueberwältigenden um uns. Da schob sich eine Wolkenwand gegen uns heran. Wir vier Menschenkinder hier oben in enormer Höhe, über uns das wunderbarste Him­melsblau, neben uns und unter uns ein Branden und Wogen der Wolken. Nur unsere einzige Hoff­nung, unser einziger Verlaß ist die Riesenkugel, die " über unserem Kopse steht, die unseren Korb trägt. Ein unnennbares Sehnen schleicht sich ins Herz. Durch die zerrissenen Wolkengebilde leuchtet der Vater Rhein, von dem unsere Lippen oft so manches Lied schon gesungen, im Umkreis links die Rebengelände, die Ortschaften . . . . Auf den» Rhein ziehen Schlepper dahin, durch das Gelände schlängelt sich wie winziges Spielzeug die Eisenbahn. Hoher und höher zieht uns die Sonne. Wir sind über den Wolken und wahrhaftig jetzt in himmlischen Höhen. 2000 Meter über Meer Zeigen die Apparate. Die Messer werden aufge­zogen, das Summen und Ticken hebt von neuem an. Die Mittagsglocken läuten. Da unten eilen die Menschen int Orte, der uns so nahe dünkt und doch so fern ist, zur Mittagspause. Die Glockentöne stimmten uns feierlich und still und ernst. . .

Acht Grad Kälte konstatiert unser Führer. Dabei haben wir uns wegen der Wärme der Ueberkleidung ent­ledigt, haben die Kopfbedeckung abgelegt und schauen hinab. Verschwunden ist der Ausblick, verschwunden der Rhein, ver­schwunden die Ortschaften, es gilt für uns:

Ueber uns die gelbe Kugel, Unter uns das'Wolkenmeer. >

Wie eine gewaltige Eis- und Schneewüste sieht das Wolken- gebilde aus. Nach Südosten sind die Wolkenkopfe geneigt. Es türmt sich vor uns und über uns aus von Minute zu Minute in immer neuen Bergen. Ruhelos ist die Wolken­schicht, auf der nur etwas Bekanntes uns grüßt: Der Schatten unseres Ballons. Aus dem weißen Gischt macht sich die malerische Regenbogenfarbenpracht des Ballonschattens wie ein märchenhaftes Bild. Wie, wenn uns setzt ein Unheil drohte? Ein Hinabsausen bitrd) die brandenden Wolken, hinab in die Tiefe.--Doch seltsam: So oft au^