Erstes Blâ
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General-Anzeiger
AUiülhts Organ für Stadt- und Landkreis Sanaa.
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«. WaifenhaufeS in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Tonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Dir särlfgespalten« Petttzeil« oder deren Äeaa ® P^ im Siekiameateil »« Zeit« Ä Pfg.
verantmorU. RckaKrurr «. Schrecker in Ham«.
Nr. 38 M-r»ipk-cha»schl«sj Nr. 605. Donnerstag den 14. Ftbrnlir Frr»sprech«»,chlutz Nr. «OS. 1907
Amtliches.
Bekanntmachung.
Der Weg über Sibirien ist von jetzt ab wieder für Brief- sendungen nach und aus Ostasien benutzbar. Die Beförderung über Sibirien findet vorläufig mit den zweimal wöchentlich zwischen Moskau und Wladiwostok verkehrenden Expreßzügen statt und ist auf diejenigen gewöhnlichen und eingeschriebenen Briefe und Postkarten beschränkt, für die der Leitweg über Sibirien durch einen Vermerk des Absenders in der Aufschrift vorgeschrieben ist.
Berlin W 66 den 12. Februar 1907.
Der Staatssekretär des Reich-PostamtS.
K r a e t k e.
Holz-Versteigerung
Dienstag den 19. Februar 1907, vormittags 10 Uhr, im Kaiserhof (Lamboystraße) zu Hanau ans den Distrikten 1 „Scheuer" und 16 „Große Horst".
Eichen: 8 rm Nutzscheit 1. Kl., 149 rm Scheit, 71 rm Knüppel, 137 rm Stockholz, 21,10 Hdt. Wellen Reis,
Eschen, Hainbuchen: 81 rm Scheit, 59 rm Knüppel, 61 rm Stockholz, 16,10 Hdt. Wellen Rei-,
Erlen, Linden: 6 rm Nutzscheit 2. Kl., 74 rm Scheit, 115 rm Knüppel, 85 rm Stockholz, 27,70 Hdt. Wellen Reis,
Kiefern: 1 rm Scheit, 1 rm Knüppel. 8353
Königliche Oberförsterei Hanau.
Gcwcrkschastcn und Wnhlresnltat.
In den Krei'en der Gewerkschafisführer hat der Ausgang 6er Wahlen zum Reichstag noch niederschmetternder gewirkt alS in denjenigen der Parteiführer. In den Gewerkschaften rechnete man auf 4 Millionen Stimmen. Man baute diese Rechnung darauf auf, daß seit dem vorigen Wahlkampfe, seit Mitte 1903, die gewerkschaftlichen Organisationen um fast 1 Million Mitglieder gewachsen sind — von 887 000 auf 1800 000. Sehr bittere Wahrheiten sagen die Gewerkschaftsführer den politischen. Es scheint, als wenn der Aufruf des Parteivorstandes für den späteren Kampf, die Meinungsverschiedenheiten nach Kräften ruhen ju lassen, auf wenig günstigen Boden fallen werde. Die Gewerkschaftsführer kanzeln heute Kie von der Partei seit 1903 geübte Taktik gegenüber den Mitläufern wie folgt ab: „Fragt man sich, was hat die Sozialdemokratie getan, um die unerwartet zu ihr gestoßene Mitläliferschaft festzuhalten unb sich dauernd ein urverleiben, so muß die Antwort leider lauten: das Gegenteil von dem, was sie hätte tun sollen. Sie hat diese Massen durch radikale Phrasen und Anhäufung von Kraftworten erschreckt, sie durch Akte der Intoleranz in ihrem Vertrauen irre gemacht, sie durch Massenstreikideen in Furcht gesagt und sie durch ungeschickte Vertretung der eigenen Grundsätze abgestoßen/ Sehr nikderschlagend hat es in den Geworkschaitskreisin gewirkt, daß in zahlreichen Orten auf dem Lande kaum so viel sozialdemokratische Summen abgegeben sind, als hier die Gewerkschaften Mitglieder haben. In den Kreisen der Gewerkschaften will man daher die ländliche Agitation verdoppeln und energischer als bisher die Organisationen der Landarbeiter in die Hand nehmen. Man behauptet, daß das allgemeine Wahlrecht ohne gleichzeitiges Koalitionsrecht nicht bloß wertlos, sondern eine direkte Gefahr für die Sozialdemokratie sei. Dieses Koaliiionsrecbt wollen nun die Gewerkschaften der Landarbeiterschaft erkämpfen, koste es, was es wolle. — Nun, mit diesem Kampfe wird es wohl windig werden. Denn die Tatsache steht fest, daß seit den letzten Jahren aus zahlreichen Gemeinden die sozialdemokratischen Gemeindevertreter entfernt sind. Immer mehr hat sich gezeigt, daß auf dem Lande die sozialdemokratischen Agitatoren keinen ober sehr geringen Erfolg gehabt haben. In vielen Orten der Mark Brandenburg, Pommenr, Schlesien, Ost- und Westpreußen usw. sind die sozialdeHiokratischen Stimmen seit 1903 zurückgegangm. Einzelne Orte, die am 16. Juni 1903 noch rote Stimmzettel in beträchtlicher Zahl abqaben, sind jetzt sozialistenfrei geworden. Es wird also den Gewerkschaften wohl kaum gelingen, ihr Aktionsprogramm auf dem Lande, die „Landproletarier für den Emanzipationskampf des arbeitenden Volkes zu gewinnen und zu klassenbewußten treuen, verläßlichen Klaffenkämpfern zu erziehen," zu erreichen.
Hus Ran au Stadt und Tand.
Hanau, 14. Februar.
Beamten-Perfonalnachrichtrn.
Ernannt: der bisherige Rektor, Pfarrer extr. R u- dolph zu Sontra zum Pfarrer in Ehlen, Klaffe Zieren- berg, der Referendar Funk zum Gerichtsaffeffor, die Rechtskandidaten Karl Wiegand und Pinder zu Referendaren, der Rechtskandidat Edel zum Referendar unter Ueberweisung an das Amtsgericht in Rodenberg, Trull zum Referendar unter Ueberweisung an das Amtsgericht in Obernkirchen und Uhl zum Referendar unter Ueberweisung an das Amtsgericht in Rinteln.
U e b e r w i e s e n: der Gerichtsaffeffor K l r y k a m p dem Amtsgericht in Rinteln.
* Reifeprüfung. Gestern fand an der hiesigen Oberrealschule unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Kaiser die Reifevrüstmq statt. ES wurde folgenden 10 Oberprimanern das Reifezeugnis zuerkannt: Peter Stöbt (Ostheim), Wilh. Escher (Hanau), Rudolf Hochreu ther (Hanau), Fritz K e u n e ck e (Hanau), HanS N e u f e l d (San Sebastian), Iulius P f a d t (Ran au), Bernhard Pfältzer (Hanau), Wilh. Schmidt (Hanau), Franz Schütz (Hanau), Gustav Stock (Hanau). Vom Mündlichen wurden befreit: Brodt, Escher, Hochreuther, Kennecke, Neufeld, Schütz.
* Viehseuchen. Im Regierungsbezirk sind zur Zeit folgende Ortschaften verseucht: Tollwut: Kreis Fulda: Veitsteinbach (Verdacht); Kreis Gelnhausen: Gelnhausen; Kreis Schlüchtern: Schlüchtern, Altengronau, Vollmerz, Bellings, Steinau, Jaffa (Verdacht); Schweines euche (Schweinepest): Stadtkreis Castel: Cassel; Landkreis Cassel: Vollmarshansen, Oberkanfungen, Heckershausen, Niederzwehren, Ihringshausen, Ochshausen, Oberzwehren, Elgershausen; Kreis Fritzlar: Dissen, Gudensberg, Obervorschütz, Kirchberg, Jesberg, Fritzlar; Kreis Fulda: Mittelkalbach, Kohlhaus, Bachrain; Kreis Gelnhausen: Neuses, Großenhausen; Landkreis Hanau: Rüdigheim, Bergen, Niederdorfelden, Großkrotzenburg, Marköbel, Langenselbold; Kreis Hersfeld : Hersfeld ; Kreis Hofgeismar: Hohenkirchen, Trendelburg, ©reben^ein, Friedrichsfeld, Sielen; Kreis Homberg: Lützelwig, Borken, Holzhausen, Niederhülsa; Kreis Melsungen: Eifershausen; Kreis Rotenburg: Rittergut Lieben;; Kreis Schlüchtern: Reinhards; Kreis Schmalkalden: Herrenbreilungen; Kreis Wolfhagen: Rittergut Hohenborn; Kreis Ziegenhain: Groß- und Kleiuro verhausen; Geflügelcholera: Stadtkreis Cassel: Castel; Influenza der Pferde: (Brustseuche): Stadtkreis Cassel: Cassel; Landkreis Cassel: WolfSanger, Niederkaufungen; Kreis Hofgeismar: Hofgeismar, Westuffeln; Kreis Marburg: Marburg.
• Marktpreise. Im Monat Januar 1907 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 100 k? Weizen Mk. 17.18, Roggen Mk. 16.19, Gerste Mk. 16.88, Hafer Mk. 17.17, Erbsen (gelbe) zum Kochen Mk. 21.—, Speise- Bohnen (weiße) Mk. 28.56, Linsen Mk. 60.—, Eßkartoffeln Mk. 5.88, Richtstroh Mk. 6.10, Krummstroh Mk. 4.90, Hm Mk. 6.75, Rindfleisch im Großhandel Mk. 137.-; im Kleinhandel für 1 k<r von der Keule Mk. 1.70, vom Bauche Mk. 1.50, Schweinefleisch Mk. 2.—, Kalbfleisch Mk. 1.58, Hammelfleisch Mk. 1.50, Speck (geräuchert) Mk. 2.40, Eßbutter Mk. 2.55, Eier ein Schock — 60 Stück Mk. 4.80.
• Ladenpreise. Im Monat Januar 1907 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 1 kß? Mehl zur Speisebereitung aus Weizen 36 Pf., Roggen 28 Pf., Gersteu- Graupe 45 Pf., -Grütze 38 Pf., Hafergrütze 46 Pf., Hirse 33 Pf., Reis, Java (mittlerer) 48 Pf., Kaffee, Java-, mittlerer (roh) 2 Mk. 30 Pf., gelber (in gebrannten Bohnens 2 Mk. 90 Pf., Speisesalz 20 Pf., Schweineschmalz 1 Mk. 80 Pf.
• Silberne Hochzeit feiern heute Herr Formenschreiner Heinrich Ewald und Frau.
* Kirchenchor der JohanniSM-che. Heute abend 8 Uhr findet eine Gssangübungsstunde statt, zu der die -i<t= nlteher hiermit freundlichst eingeladen werden. „
* Kunftin-ustrie-Verein. Auch der letzte der Vortrage in diesem Winter ist vom Redner, wie der vorhergehende, wegen der Reichstagswahlen verlegt worden uno findet nunmehr am Dienstag den 19. Februar statt. Der Redner, Dr. Rudolf Magnus aus Stuttgart, spricht über daS sehr interessante Thema „Auf den ä l t e st e n 2 pur e n der Tiere und des Menschen" und erläutert es I durch eine Reihe farbiger Lichtbilder, Ueber diesen vor ! wenigen Monaten in Königsberg gehaltenen VorUag schrieb j die „'KönigSb. Allg. Ztg " u. a. folgendes : x®^0^1^^ es dem Redner gelungen, den umfangreichen Stoss so zu ' sichten und zu formen, daß nur die wichtigsten Momente
hervorgeholt worden waren imb doch alles Wissenswert« zum Ausdruck kam. Der reiche Inhalt wurde in formvollendeter Weise von Herrn Dr. MagnuS frei vorgetragen, der sich unS wiederum als ein meisterhafter Beherrscher der Sprache und deS Ausdrucks zeigte. Den sowohl inhaltlich wie stilistisch vollendeten Vortrag müssen wir wiederum als eine Musterleistung bezeichnen."
* Kollekte. Von heute ab wird eine einmalige HauS- kollekte für den Evangelischen Verein für Waisenpflege in der Ostmark dahier erhoben. Der Vorsitzende des Hessen- Casselschen Hauptvereins der Gustav-Adolf-Stiftung empfiehlt die Kollekte warm, den Aufruf für dieselbe hat u. a. in Hanau auch Herr Dr. Heraeus unterzeichnet. In dem Aufrufe des ev. Vereins für Waisenpflege in der Ostmark heißt eS: Westpreußen und Posen — zwei Sorgenkinder deS preußischen Staates. Eine seit zwei Jahrzehnten gewaltig erstarkte, polnische Bewegung sucht Haß und Feindschaft gegen das Deutschtum zu schüren, um eS aus der Ostmark zu verdrängen. Aber Westpreußen und Posen auch zwei Sorgenkinder der evangelischen Kirche. Die große WanderbeweAUNg, die den deutschen Landarbeiter und Bauernsohn, anfangs nach Amerika, dann in die Großstädte und Industriegebiete zog, nahm auch der evangelischen Kirche ihren Nachwuchs. Nur noch 330 000 Evangelische wohnen in den westpteußischen, nur noch 220 000 in den posenschen Landgemeinden. Dabei hat die Gesamtbevölkerung des platten Landes nicht etwa abgenommen. Im Angesichte solcher Schwierigkeiten und Gefahren konnte die evangelische Seite nicht müßig bleiben. Es galt Hand anzulegen bei dem früher versäumten Ausbau der Gemeinden, bei der Schaffung von Stützpunkten evangelischen Lebens, bei der werttägigen Förderung seiner Entwickelung. Vieles ist inzwischen bereits geschehen. Der kirchen- bauevde Gustav-Adolf-Verein hat Großes in den Provinzen Westpreußen und Posen vollbracht. Seine Spenden für Kirchenbauten in diesen Landesteilen betragen seit Bestehen des Vereins schon über 4 Mill. M. Zugleich ist emsig am Werk der barmherzige Samariter und die innere Mission. Aber unendlich viel mehr bleibt noch zu tun und es bedarf dazu der Mitwirkung und Hilfe aller Glaubensgenossen und — wie heute die Dinge liegen, dürfen wir hinzusetzerr: aller, denen das Vaterland lieb ist. Nur ein einzelnes Glied in der Reihe dieser Bestrebungen — aber, wie wir hoffen, ein zukunftsreiches und wichtiges — ist die Aufgabe deS 1896 gegründeten „Evangelischen Vereins für Waisenpflege in der Ostmark". Verwaiste, alleinstehende evangelische Kinder des deutschen Westens zu ihrem eigenen Besten und zur Stärkung der deutschen evangelischen Sache in die ländlichen Bezirke der Provinzen Posen und Westpreußen zu verpflanzen, ist die Aufgabe dieses Vereins. Zur Erfüllung dieser Aufgabe ist in dem neugegründeten deutschen Bauerndorfs Neu- zedlitz im Kreise Wi'tkowo das Restgut eines ehemaligen polnischen Herrensitzes augekauft und zu einem Waisenhause eingerichtet worden. Ju diese Sammel- und Durchgangsstelle werden die Kinder zunächst überführt. Ein Teil von ihnen bleibt alsdann in und bei Neuzedlitz, die anderen werden in die mit Neuzedlitz im Verbände stehenden Erziehungsanstalten in Westpreußen und Posen abgegeben und alle diese Anstalten bringen die Kinder, sobald sie körperlich erstarkt und bie" Gefährdeten sittlich fest geworden sind, in geeigneten evangelischen Familien unter und übernehmen die Pflicht, diese Kinder dauernd unter Aufsicht zu behalten. Schon sind auf diese Weise durch unsern Verband 450 Kinder in die Ostmark überführt, etwa 100 davon sind bereits aus der Schule entlassen und ins Berufsleben eingetreten. Eine einmalige Hauskollekte ist ihm bewilligt. Es gilt 130000 Mk. Schulden zu tilgen. Sind sie getilgt, so wird der Verein nicht nur lebensfähig sein, sondern auch eine Arbeit in dem erwünschten Umfange betreiben können. Diese einmalige Hauskollekte soll jetzt eingesammelt werden.
* StaDttheater. (G a st s p i el F o r ch h a m m e r.) Ein ganz außergewöhnlicher Kunstgenuß wird am Freitag bevor- steheu. Der weit über die Grenzen Deutschlands berühmte und gefeierte Heldentenor, der Herzog!. Sächsische Kammersänger Ejnar Forchhammer wird anläßlich des Benefizes für Frau Reinhardt den Abend mit dem Vortrag einiger Lieder einleiten. Der geniale Künstler ist nicht nur als berühmter Wagnersänger sondern auch alS ein Meister deS Lied- und Balladengesanges hochgeschätzt und wählte er zu seinem hiesigen Auftreten am Freitag zwei Lieder deS schwedischen Komponisten Sommerfeld, betitelt „Entflieh mir mir" und „Der Jüngling am Bache", worauf noch Schuberts wundervolle Komposition „Der Erlkönig" folgt. Der Rom« ponift der ersten beiden Piecen, Herr Sommerfeld, wird seine Schöpfungen persönlich am Flügel begleiten und dürft« auch dieser Umstand dazu beitragen, daß ein wirklich seltener prächtiger künstlerischer Genuß geboten wird, wie er sobald nicht wieder zu erwarten sein dürfte. Auch die sich hieran schließende Aufführung des reizenden Lustspiels „Die berühmte Frau" von Schönthan und Kadeldurg, welches sich als ein beliebtes Repertoirstück stets mit außergewvhK' lichem Erfolg bewährte, wird wieder deS stärksten Beifalles gewiß sein, zumal die Besetzung der Hauptrollen eine ganß vorzügliche ist. Die Benefiziantin spielt die „Paula part» wig", die „Ottilie" wird durch Fräul. Sarno eine Itebenl»