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General-Anzeiger

Einrücknngsgrbiihr;

RotatioaLdruck und Berlag der Buchdruckers de» verein.

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanan.

©le fünfgespakeu« Petitzeite oder deren Raum 80 M^ im ReNamenteU bU Zeil« 35 Pfg.

o», WatfeahaufeS in Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: <3. Schrecker in Hanau.

Nk. 19 Fernsprechanschlntz Nr. 605*

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Mittwoch den 23. Joniior

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KernsprechansKlutz Nr. 605. 1907

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12 Seite«».

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Amtliche Beilage Nr. 3."

Amtliches

Bekanntmachung.

Behufs Ermittelung des Ergebnisses der am 25. d. M. stattfindenden Reichslagswahl habe ich nach Vorschrift des n t m T 28. Mai 1870 _ .

$ 26 des Wahlreglements vom 28 ^Hyoz Termm auf

Dienstag den 29. Iannar 1907, vormittags 10 Uhr, in den Sitzungssaal des Kreishauses hierselbst, Hainstraße, qnberaumt.

Hanau den 19. Januar 1907.

Der Wahlkommissar für den 8. Wahlkreis im Regierungsbezirk Cassel.

v. Beckerath.

V 518 Königlicher Landrat.

Der nächste Termin der durch das Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe des Hufbeschlaggewerbes wird hier­selbst am Freitag den 15. März 1907 abgehalten werden.

Meldungen zu dieser Prüfung sind unter porto- und be- stellgeldfreier Einsendung einer Prüfungsgebühr von 10 M. bis spätestens den 2. März 1907 an den Unterzeich­neten zu richten.

Mit der Meldung zugleich sind einzureichen:

1) der Geburtsschein,

2) etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung (Gesellen-, Meisterbrief u. dgl.),

3) eine schriftliche Erklärung darüber, ob der Meldende sich schon einmal der Prüfung erfolglos unterzogen hat. Es werden nur solche Schmiede zugelassen, welche das 19. Lebensjahr vollendet haben und den amtlichen Nachweis erbringen, daß sie die drei letzten Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirk Cassel sich aufgehalten haben.

Schmiede, welche die Prüfung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von 6 Monaten zu einer neuen Prüfung zugelassen werden.

Cassel am 27. Dezember 1906.

Der Vorsitzende der staatlichen Hufschmiede-Prüfungskommission für den Reg.-Bez. Cassel.

Veterinärrat Tietze, Königlicher Departementstierarzt, Parkstr. 9.

Hus Ranau Stadt und Eand.

Hamrir, 23. Januar.

Zur WoWcwcqnng.

Wie wird gewählt?

Viele Leute fühlen ein gewisses Unbehagen, zur Wahl zu gehen, und in letzter Linie ist diese Wahlangst nichts anderes als das der Unsicherheit, entsprungen aus der mangelnden Kenntnis des ganzen Wahlvorganges, daß diese in der Tat selbst bei gebildeten Leuten nicht immer anzu- treffen ist, oder doch im Augenblick, wo eS darauf an­kommt, sich ihrer zu bedienen, nicht zur Verfügung steht, läßt sich in jedem Wahllokal beobachten. Manche Wähler sind aeroben hilflos und haben den Kopf verloren, obwohl tS sich doch um die einfachste Sache von der Welt handelt. Es sei daher der Vorgang der Stimmabgabe in folgendem kurz dargestellt.

Der Vorgang zerfällt gewissermaßen in zwei Akte: Stimmzettelbeschaffung und Stimmzettelabgabe. Der Partei- stimmzettel kann entweder durch die Partei ins Haus geschickt oder er kann vom Wähler selbst vor dem Wahllokal von den dort aufgestellten Stimmzettelverteilern entgegengenommen werden. Sollte indes die Zusendung ins HauS nicht er­folgen, oder sollte eine Verteilung der Parteizettel vor dem Wahllokal nicht stattfinden, so nimmt der Wähler den ent­weder inS Haus geschickten oder am Wahllokal erhältlichen gegnerischen Stimmzettel, streicht den Namen durch und

schreibt den deS eigenen Kandidaten mit Tinte oder Blei darauf, oder der Wähler nimmt einfach ein unbeschriebene-, weißes, unliniiertes Blatt Papier von etwa Handgröße (die Zettel sollen gewöhnlich 12 Zentimeter lang und 9 Zentimeter breit sein) und schreibt den Namen beffen, den er wählen will, darauf. Hat er sich nun mit dem Stimmzettel, der noch nicht herg-richtet oder beschrieben zu sein braucht, aus­gerüstet, so betritt er das Wahllokal und empfängt dort so­fort bei seinem Eintritt ohne jede Aufforderung aus der Hand eines eigen- zu diesem Zwecke Angestellten den amtlich abgestempelten Umschlag, mit dem er sich dann in den Jsolierraum oder die Wahlzelle begibt. Dort schreibt er seinen Wahlzettel, wenn daS noch nötig ist, und steckt dann den Zettel in den Umschlag, der nicht geschlossen werden darf, und begibt sich nun mit dem Umschlag an den Tisch, an dem der Wahlvorstand Platz genommen hat.

Hier beginnt nun der zweite Akt, die Zette l abgab e. Der Wähler nennt zunächst seinen Namen und legt in den Orten, in denen Wahlpo st karten ausgegeben worden sind, die mitgebrachte Karte als Legitimation vor. In Orten, in denen solche Wahlkarten nicht verschickt worden sind, ist eine Legitimation überhaupt nicht nötig. Mittler­weile hat der Protokollführer den Namen des Wählers auf­gesucht bei mehreren gleichen Namen muß der Wähler auf Ansordern auch seine Wobnu"g angeben, worauf er dem Wahlvoisteher seinen Stimmzettel übergibt, der ihn so­fort uneröffnet in die Wahlurne legt. Damit ist der Vorgang erledigt, und der Wähler hat seiner Bürgerpflicht genügt.

Bemerkt sei noch, 1. daß der Wähler den Zettel nicht selbst in die Urne legen darf, 2. daß er den Jsolierraum unbedingt betreten muß, wab daß er deshalb den Zettel nicht vorher vor aller Augen, in den Umschlag stecken darf, auch wenn er z. B. lauter Bekannte oder Parteifreunde im Lokal antreffen würde; 3. daß andere als amtliche, von den Re­gierungen der Bundesstaaten zu liefernde Umschläge nicht verwendet werden dürfen; 4. daß mit dem Schlage sieben die Wahlhandlung zu schließen ist, und daß des­halb nach 7 Uhr Stimmzettel nicht mehr angenom­men werden dürfen, aut wenn der Wahler bereits vor 7 Uhr im Wahllokal anwesend gewesen ist; 5. daß Wahlaufrufe oder Zeitungsausschnitte, die den Namen des Kandidaten enthalten, nicht als gültige Stimmzettel gelten können, da sie ja an^ der Rückseite bedruckt sind.

*

* Kandidatur Dr. L cas. Morgen, Donnerstag den 24. b. Mls., abends 81 /s Uhr, findet in derCentral­halle" eine öffentliche Wählerversammlung statt, in der Herr Dr. Becker, der seitherige Abgeordnete für Offenbach-Dieburg, sprechen wird.

* An die katholischen Wähler wendet sich ein der heutigen Nummer unseres Blattes beiliegender Wahl- Aufruf des Komitees für die Wiederwahl des Amtsrichters Dr. LucaS.

* Arbeiter, Handwerker, Kaufleute, Beamte, laßt euch durch bie gleißnerischen Reden der Sozialdemo­kratie nicht betören! Stimmt vielmehr alle Mann für Mann am 25. Januar gegen bie Kandidaten der Sozial­demokratie und für den Kandidaten Dr. Lucas. Ihr werdet dadurch euren eigenen Interessen wie den Interessen des Vaterlandes den allergrößten Dienst erweisen.

* Mahmtua. Aus dem Stadtkreis Hanau wird uns geschrieben: Nach dem Verlauf der gestrigen Versammlnng der ZentrumS-Wähler ist es leider zur Gewißheit geworden, daß diese Wähler Wahlenlhaltung durchführen werden, wenn nicht gar noch Schlimmeres zu befürchten ist! Es ist dem­nach umsomehr heiligste Pflicht aller anderen Parteien, ihr Wahlrecht auszuüben, und wir richten unsere Aufforderung besonder- an die Frauen» daß auch sie das richtige Verständ­nis für die Wichtigkeit dieser Wahl bekunden und nicht dulden, daß ihre Männer, Brüder von der Wahlurne fernbleiben. Darum auf zur Wahl gegen die Sozial­demokratie für einen Kandidaten der bürgerlichen Parteien!

4» Fechenheim, 22. Januar. Eine sehr statiliche Wahlversammlung veranstaltete gestern abend im Saalbau zur Schanze" dahier der Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, an welcher erfreulicher Weise Angehörige sämtlicher bürgerlichen Parteien recht zahlreich teilnahmen. Der Vorsitzende der hiesigen Ortsgruppe des gen. Verbandes. Herr Kahl, eröffnete dieselbe mit einer kurzen Begrüßung der Erschienenen und erteilte sofort dem Redner deS Abends, Herrn Grund aus Frankfurt, das Wort zu seinem Referate überdie Reichstagswahl." An die Reichstagsauflö'nng an- knüpsend, erörterte er zunächst eingehend die Gründe, die hierfür maßgebend gewesen, deren Richtigkeit und Wahrheit

durch später bekannt gewordene Geschehnisse sich vollauf be­stätigen, und die Absicht der Regierung, sich endlich frei zu machen von dem lästigen Druck unberechenbarer Parteipolitik. Hierauf besprach der Referent den Wert unserer Kolonien. Daß bei der Verwaltung und Bewirtschaftung derselben Fehler gemacht seien, werde von keiner Seite bestritten, daß aber darin nun Wandel geschaffen werde, dafür bürge der richtige Mann an der Spitze der Verwaltung unserer Kolonien. Mit derUngeheuerlichkeit" geschehenerGreueltaten" sei e8 doch eine eigentümliche Sache, denn warum verstummten denn jetzt, wo keine Immunität schütze, die schweren Klagen? Aber ist denn daS deutsche Volk in der Lage noch weiter schwere Opfer für seine Kolonien zu bringen? Wohl habe man immer hohe Summen für sis in den 22 Jahren ihres Besitzes ansgegeben, im Verhältnis aber weit mehr überwiegend ist in derselben Zeit der nationale Wohlstand gestiegen, und eS ist offenbare Unwahrheit, zu behaupten, daß an diesem der geringe Mann und Arbeiter keinen Anteil habe, denn die vielen Millionen der Sparkassen sind gerade von dem kleinen Mann zurückgelegt, waS zugleich die ver­hetzende Lüge, das Volk werde ausgebeutet, klar widerlege. Die Einnahmen auS den Zöllen werden nicht in erster Linie für Heer und Marine, sondern zur Versorgung der Witwen und Waisen verivandt, und wenn die Ausgabe für erstere 20 Mark pro Kopf betrage, warum scheue man sich denn nicht den mindestens dreifachen Betrag für alkoholische Ge­tränke herzitgeben? Ohne Frage seien unsere Kolonien, auch Südwestakrika, der Opfer wert. Ihren Wert müsse ja auch die Sozialdemokratie zugeben, die von einem reichen Besitz der Neger, der ihnen jetzt genommen werde, rede, und könnten denn inWüsten" Viehherden weiden? Oder wie könnten denn von den gegenwärtigen Afrikakriegern 800 Leute um die Erlaubnis zur Ansiedelung gebeten haben, wenn nur eine sandige Wüste dort sei? Der Wert der Kolonien besteht nun darin, uns frei und unabhängig vom Auslande zu machen, sie sollen die Rohprodukten für unsere Industrie, wenigstens zum Teil liefern. So seien die Ver­suche der Baumwollenanpflanzung sehr gut ausgefallen und damit Aussicht vorhanden, der schweren Krisis, die einmal durch die Wirtschaftspolitik Nordamerikas drohe, ohne Ge­fahr zu begegnen. Nach alledem warf der Referent die Frage auf: Wen wählen wir? Von den 3 Kandidaten beB Wahlkreises gehörten 2 den bürgerlichen Parteien an. Er­freulich sei, daß der Freisinn endlich einmal in einer natio­nalen Frage zur Negierung stehe. In Frage komme aber auch ein nationalliberaler Kandidat, der solange er zuletzt den Wahlkreis vertreten, sich als tüchtiger, treuer und seiner Wählerschaft Rechnung tragender Abgeordneter erwiesen habe, und darum am ersten auf eine Wiederwahl Anspruch habe. Der 3. Kandidat sei Sozialdemokrat. Herrn Hoch- Person in Ehren, aber wenn auch diese nicht in Betracht komme, so doch seine Partei. Und wa- ist und will die Sozialdemo­kratie ? Ist sie wirklich eine Arbeiterpartei? Nein, denn einmal zähle die deutsche Arbeiterschaft ca. 13 Millionen und jene habe nur 8 Millionen Stimmen auf sich vereint, dann aber seien diese keineswegs sämtlich Arbeiterstimmen, denn in den sozialdemokratischen Gewerkschaften seien nur */* Mill, organisiert, die auch sozialdemokratisch zu wählen gezwungen seien. Aber auch ihre Gelder werden keineswegs zu Arbeiter- intereffett, sondern für Parteiinteressen und zur Lebenshaltung zahlreicher Führer verwandt. Und unter lederen seien nur 3 Arbeiter gewesen, alle übrigen könnten ja gar nicht wissen, wo den Arbeiter der Schuh drücke. Fördere die Sozial­demokratie die Arbeiterinteressen etwa, wenn sie gegen Heer und Flotte stimme? Wodurch denn anders erhalte daS Reich den für die Arbeiterschaft so notwendigen Frieden? Auch habe sie gegen alle Verficherungsgesetze gestimmt. Redner tzeht nun ausführlich auf die Frage ein: Wie ist die * Sozial­demokratie entstanden? und weist nach, wie die anfänglichen reinen Arbeiterinteressen durch die Verbindung mit der kom­munistischen Idee vernichtet und ihre Ideale zu Utopien ge­worden seien. Um aber ihre Weiterentwicklung zu verhin­dern, appelliere er an da- Pflichtgefühl aller national Ge­sinnten. 3 Mill, haben nicht gewählt, mit ihnen vereint, kann einer großen Gefahr begegnet werden, mit ihnen der 25. Januar ein Siegesmg deS deutschen Bürgertums werden. Aber nach dem Wahltage höre die Verantwortung nicht auf. Man setze Organization gegen Organisation, Ideale gegen Ideale, Opferfreudigkeit, Hingabe und Liebe zur Heimat und zum Vaierlande. Diesen Ausführungen folgte langan« haltender Beifall. Als Diskussionsredner ergriff zunächst Herr Redakteur Jünemann- Frankfurt das Wort. Ei verwahrte die Treue der deutschen Beamtenschaft gegen ol« Verdächtigungen der Sozialdemokratie und beleuchtete deren Zurückhaltung in ihrem Urteil über das Zentrum im Gegen-