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e». Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Ssun- und Feiertags, mit belletristischer Beilage.

Emrückungsgebühr ;

Die fânfgespallrne PetitzeUe oder deren Rau« 20 ^ im Reklamenteil die Zell« 35 Pfg.

«erantwortl. Redakteur: G. Schricker in Hanau.

Nr. 1 @«tiifrr*nWnft Nr. 605. Mittwoch btlt 2. Januar

ffrrnsprechaitschluß Nr. 605. 1907

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Amtliches.

Candkreis Rana«. MmitmlchiW» des Königliche« Lnndratslimts.

In Wachenbuchen ist die Schweineseuche ausgebrochen- Die Gehöftsiperre ist angeordnet.

Hanau den 31. Dezember 1906.

Der Königliche Landrat.

V 9375 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Gefundene mid verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 silberne Herren-Remontoir-Uhr mit Nickelkette, 1 goldner Ring mit 1 Brillant, 1 Kneifer, 1 Kinderportemonnaie mit 20 Pfg., 1 Portemonnaie mit 4 Mark.

Hanau den 2. Januar 1907.

Hus 'Hanau Stadt und Cand.

Hanau, 2. Januar.

Nenjahrsgruß.

Mit ehernem Klange läuteten die Glocken wieder ei^ neues Jahr ein. Und seltsam! Obwohl wir wissen, daß Blühen und Welken, Hoffnung und Furcht, Geborenwerden und Sterben von einem Jahre wie vom andern gebracht werden, obgleich kein Zweifel darüber besteht, daß der eherne Schritt der Zeit gleichmäßig wuchtig und unbekümmert über Menschen­lust und Menschenleid dahinschreitet, sehen wir dennoch zu­meist dem jungen Jahre mit gehobener Seele und leuchten­den Blicken entgegen. Darin liegt das Rätsel des Silvester- glaubens. Weihnachten ist das Fest der Liebe, Silvester der Tag der Hoffnung. Wenn wir vorwärts schauen, soll uns Hoffnung erfüllen. Die Vergangenheit ist die Mutter der Zukunft. Was wir im alten Jahre gesät, soll im neuen Jahre aufgehen und Früchte bringen. Die Jahreswende be­zeichnet aber einen Abschnitt auch im Dasein unseres Blattes, das nunmehr einen neuen Jahrgang beginnt, woraus wir gern Veranlassung nehmen, mit unsern herzlichsten Wünschen heute vor unsere verehrten Leser und Freunde zu treten. Das Band, welches sich um die öffentliche Meinung und ihre Träger schließt, wird gewoben aus den Sympathien, die das Publikum seinen befreundeten Organen der Presse ent­gegenbringt, und indem wir es mit gerechter Freude aus­sprechen, daß die Gunst unseres Leserkreises nicht nur unver­ändert im verflossenen Jahre uns zur Seite gestanden, son­dern auch die Zahl unserer Freunde sich vermehrt hat, geben wir der Hoffnung Ausdruck, daß auch daS neue Jahr die !gj»."^»iw"»"« I I ............

Feuilleton.

Slndttheatcr in Hanan.

Hanau, 81. Dezember.

Als Ludwig Anzengruber, der Sohn eines Beamten, um die Mitte des vorigen Jahrhunderts als Praktikant in eine größte Buchhandlung eintrat, ahnte er wohl noch nicht, daß er 20 Jahre später durch sein gewaltiges VolksdramaDer Pfarrer von Kirchfeld", welches gestern wieder einmal an unserer Bühne zur Aufführung gelangte, mit zu den aller­bedeutendsten volkstümlichen Schriftstellern der heutigen Zeit zählen würde. In diesem Werke behandelt er in geradezu erschütternder, hochpoesievoller Weise Konflikte, die er, unter­stützt durch die Romantik des Schauplatzes, derart meisterhaft löst, daß das Werk sich als ein außergewöhnlich wertvolles Gemeingut der deutschen Bühnenliteralur längst erwiesen hat.

Die Aufführung ging unter der Regie des Herrn Steger in zufriedenstellender Weise von statten. Eine äußerst gute Leistung bot zunächst Herr Hauser alsPfarrer Hell". Der geschätzte Darsteller, der wohlberechneter Weise jedes hohle Pathos vermied, wußte jenen ehrlichen, aufopfernden Cha­rakter einerseits mit einer schlichten, einfachen Natürlichkeit, dann wieder mit einer auS tiefstem Herzen entsprungenen wohltuenden Wärme und Innigkeit überzeugend und bestimmt auf die Bühne zu bringen. Durch die fein ausgearbeitete logische Zergliederung der tief inhaltsreichen Reden, kamen solche im Sinne der Dichtung voll und ganz zur Geltung und konnten auf das Gemüt des Hörers eine starke nach­haltige Wirkung ausüben. Gut gefiel uns dieAnna Birk­meier" des Frl. Holm, die in ihren Zügen das Wesen der Gestalt, die reine kindliche, unbefangene Naivität sehr aus­drucksvoll wiederspiegelte.Wurzelsepp", dieser ursprünglich rachebrütende, abgesagte Feind der Menschheit, der an sich

freundlichen Beziehungen zwischen der Leserwelt und unserer Zeitung erhalten und kräftigen möge. In diesem Sinne reichen wir allen unseren Lesern die Hand mit dem auf­richtigen Wunsche: Glückliches und gesegnetes Neu­jahr!

* Zum neuen Jahre. Oft scheint es uns in der Einförmigkeit des Alltagslebens, als gingen wir stets im Kreise, wären nm Abend wieder da, von wo wir am Morgen ausgingen. Immer wieder dieselben Bilder für das Auge zur Rechten und zur Linken, immer wieder dieselben Fuß­tapfen, in die wir hineintreten, immer wieder dieselben Ge­danken, dieselben Hoffnnngen, dieselben Träume, so Tag wie Tag, so Woche wie Woche. Aber zum Jahreswechsel fühlt ein jeder klar, nein, es geht nicht im Kreise, unser Weg geht schnurgerade, weiter immer weiter, ohne Rast und ohne Ruh, hinter uns diè Sorge mit ihrer Peitsche, vor uns die Hoff­nung mit ihrem ermundernden Zuruf. Zigeunerblut rollt in den Adern von uns allen, wir müssen wandern, immer wandern, und würden Zeit und Ewigkeit durchwandern, brächen wir nicht eines Tages zusammen und würden hinübergerufen zur ewigen Rast. Es ist so, wie wir in der Kirche singen: wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zu andern. Aber derweil wir wandern, bleicht uns das Haar, meist uns das Auge, vertrocknet uns das Herz. Ja, wir müssen Wegezoll zahlen an jedem Schlagbaum, und dieser Wegezoll besteht in einem winzigen Stücklein Jugend, in einer kleinen Münze von Lebenskraft; so verausgaben wir uns, oft lang, lang, ehe wir ein rechtes Unterkunftshaus gefunden haben. Zum neuen Jahre machen wir Halt. Wir stehen am Kreuzweg? Und die mit uns wandern machen Halt und wischen den Schweiß von der Stirn, und setzen sich nieder auf den Waldesrand und Horen, wie die Festtags­glocken läuten, und falten still die Hände und verrichten ihr kurzes Wandergebet. Nun falls weiter gehen. Wieder ein Jahr lang. Wieder durch Sand und Moor, wieder durch Sturm und Sonnenbrand, wieder durch einen Frühling, einen Sommer, einen Winter und wieder wird ein Kreuzweg kommen, und wieder werden wir an einem Neujahrstag da­stehen, und die Hände falten und unser kurzes Wandergebet sprechen. Wieder? Ja, wer will es sagen? Weißt du, ob du dann wieder unter denen sein wirst, die jetzt am Waldes­rande in stiller Andacht saßen, ob dein Fuß noch einmal auf solchem Kreuzweg stehen wird ? Aber weshalb solche Gedanken? Haben wir uns selbst das Dasein gegeben? Die Hand, die uns die unsterbliche Seele gab, hat uns auf die Wanderschaft geschickt. Mr finb von Gott zum Wandern bestimmt. Nun, so laßt uns fröhlich und getrost wandern, so lange er es will und uns die Kräfte dazu läßt. Und wenn er uns zu-

die Wandlung der Seele zu seinem Besten erfuhr, fand in Herrn Steger einen angemessenen Vertreter. Er brachte die Gespräche dieses bekehrten Cynikers, der sich anfangs durch seine eigenen Worte wie durch die Reitpeitsche zu verwerf­lichem Tun anfeuert, mit einer kraftvollen Bedeutsamkeit. Einen frischen, kernigen Bauernjungen,Michel Berndorfer", schuf Herr H o p k i r k, der in der Duoszene des dritten Aktes seine Partie einwandfrei vollendete. Mit gewissenhafter Hingabe erledigte Herr Gehrmann sich der Rolle des Pfarrers Vetter", dem sich das frecheBürschlHans" durch Frl. Berger sehr drollig anschloß. Außerdem waren noch beschäftigt: Herr Kempf (Graf), Herr Krug (Lux), Herr O. H. Müller (Schulmeister), Herr Matter (Wirt), Frl. Reichelt (Wirtin), Frl. I a i d a (Brigitte), Herr Ny g r i n (Lois'l), Herr Heidemann (Thalmeier), Herr Schröder (Toni).

Frankfurter Theater.

Opernhaus. Mittwoch, 2. Januar, nachmittags halb 4 Uhr. Vorstellung bei ermäßigten Preisen.Snee­wittchen". Außer Abonnement. Abends 7 Uhr. Die lustige Witwe". Außer Abonn. Große Preise. Donnerstag, 3. Januar, abends 7 Uhr.Fidelio". Im Abonn. Große Prejse. Freitag, 4. Januar. Ge­schlossen. Samstag, 6. Januar, nachm. halb 4 Uhr. Vorstellung bei ermäßigten Preisen.Sneewittchen". Außer Abonn. Abends 7 Uhr.Die lustige Witwe". Im Abonn. Große Preise. Sonntag, 6. Januar, nachm. halb 4 Uhr. Vorstellung bei ermäß. Preisen. Sneewittchen". Außer Abonn. ' Abends 7 Uhr.Josef und seine Brüder". Im Abonn. Große Preise. Mon- ; tag, 7. Januar, abends 7 Uhr. Vorstellung bei kleinen Preisen.Zar und Zimmermann". Außer Abonn. Dienstag 8. Januar, abends 7 Uhr.Die luftige Wit­we". Im Abonn. Große Preise.

Schauspielhaus. Mittwoch, 2. Januar, abends 7 Uhr. Vorstellung bei kleinen Preisen.Die Jungfrau '

ruft:Komm, du müder Wanderer, kehre ein, ich will dir Ruhe geben und Labsal," so wollen wir getrost und fröhlich ihm entgegenschreiten mit dem letzten Wandermut und dir letzten Wanderkraft. Darum, frisch auf zur fröhlichen Wan­derschaft. Wir haben einen guten Stab, er heißt Vertrauen.

* Auszeichnungen. S«. Majestät der König haben Allergnädigst geruht dem Direktor der Handwerker- und Kunstgewerbeschule zu Altona, Herrn Architekt Mittels­dorf (früher in Hanau), den Charakter als Professor mit dem Range der Räte IV. Klasse zu verleihen. Weiter hat der Herr Minister für Handel und Gewerbe dem Lehrer Bildhauer Hausmann (ein Sohn des verstorbenen Aka­demiedirektors Prof. Hausmann) an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Altona den Charakter alsProfessor" verliehen.

* Berufung. Der Königl. Spezialkommissar Herr Reg.-Rat Dr. Wenke dahier wird zum 1. April d. J. nach Berlin als Hilfsarbeiter an das Königs. Ober Landes­kulturgericht bezw. in das Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten versetzt. Seit 1894 in unserer Stadt als Königl. Spezialkommissar wirkend, hat es Herr Dr. Wenke verstanden, sich in amtlicher und außeramtlicher Tätig­keit die Sympathieen weiter Kreise zu erwerben, sodaß sein Scheiden aufrichtig bedauert werden wird. Bekanntlich ge­hörte er seit Jahren auch als Mitglied der Stadtverordneten­versammlung in Hanau an, in der er eine ersprießliche Tätig­keit entfaltete. Als Spezialkommissar wird Herr Reg.« Assessor Fechner in Stettin nach Hanau versetzt.

* Stadtthsater. Auf das heute abend letztmalig in Szene gehende Lustspiel Victorien SardousFlattersucht" mit Frl. Sarno und Herrn Hauser in den Glanzrollen derCamille" und desHerrn'v. Champignac"' sei nochmals besonders Hingeiviesen. Nachdem die Lustspiel - Novität H u s a r e n f i e b e r" bei der gestrigen Aufführung wieder

geöer ist wahlberechtigt

der am 25. Januar 1907

öcrs 25. Lebensjahr:

vollendet hat und sich im Vollbesitz der bürgerlichen Ehrenrechte befindet. Gerade für diejenigen Wähler, welche erst im Laufe des Januar wahlberechtigt wer­den, liegt die Gefahr vor, daß sie in der Wählerliste vergessen find. Es ergeht deshalb besonders noch an diese das dringende Ersuchen, sich alsbald zu über­zeugen, ob der Eintrag in die Wählerliste erfolgt ist.

von Orleans". Im Abonn. Donnerstag, 3 Januar, abends halb 8 Uhr.Husarenfieber". Außer Abonn. Große Preise. Freitag, 4. Januar, abends 7 Uhr. Husarenfieber". Jin Abonn. Große Preise. Sams­tag 5. Januar, abends 7 Uhr. Zum 1. Male.Elektra". Hierauf: Zum 1. Male.Der Cyklop". Im Abonn. Gew. Preise. Sonntag, 6. Januar, nachm. halb 4 Uhr. Vorstellung bei ermäßigten Preisen.Ein idealer Gatte". Außer Abonn. Abends 7 Uhr.Elektra". HieraufDer Cyklop". Im Abonn. Gew. Preise. Montag, 7. Januar, abends 7 Uhr.Husarenfieber" Im Abonn. Große Preise.

Barometerstand

Sehr trocken Beständig

Schön

Veränderlich

Regen

12 Uhr am 29.-12.

Oeffentlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 2. Jauuarbis zum nächsten Abend.

Starke, westliche Winde, meist trübe, Regenfälle. Tem­peratur nicht erheblich geändert.