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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Lerantwortl. Redakteur: E. Schrecker m Han«

A

$L 305 Fernsprechanschsufj Nr. 605.

Snmstag den 30. Dezember

SerntpredinnfdiWi Nr. 605. 1905

neuen Jahre! ^ ëa

Gleich einem Greis, der in des ZITantds Falten

Gin schönes Anäblein liebevoll geborgen, Der ihm erzählt von Freuden und von Sorgen Und es ermahnt, was es verspricht zu halten

So scheiden sie, das Neue von dem Alten Der Jahreswende folgt ein goldner Nlorgen. Vertrau auf Gott, der treu dich will versorgen, Daß er dein Leben lieblich wird gestalten.

Im Namen Gottes soll das Jahr beginnen, Ihn zu bekennen und sich ihm zu weihen Das sei dein Trachten und des Herzens Sinnen.

Dazu woll er uns allen ZHut verleihen, Ob Stürme droben außen oder innen Was Gott gepflanzt, dem gibt er das Gedeihen.

B. Geering-Thiersch.

Zinn Jahreswcchscl.

Mit einem rauschenden Akkord schließt das Jahr. Weih­nachten mit seinem Lichterglanz, seinem Kinderjubel, seinem Familienglück läßt noch einmal das Gefühl hoch aufwallen. Aber dann schleppt sich das alte Jahr müde und lebensiatt dem Ende zu; es senkt sein ge eertes Füllhorn zur Erde: nicht die geringste Gabe ist mehr darin enthalten; alles ist ausgeteilt. Seine Lebensaufgabe ist gelöst, seine Mission, von Gott aufgetr^gm, erfüllt, nun kann es sich zur Ruhe niederlegen. Horch! da klingen die Glocken vom Turme hehr und feierlich, sie entbie en ihm den Abschiedsgruß/ sie singen ihm sein Schlummerlied; und wenn sie verstummen, ist das alte Jahr entschlafen. Aber siehe da! Jugendlich frisch und freudeverheißend steht schon das neue Jahr vor uns, und von neuem ertönen die Glocken und rufen: Will­kommen, willkommen! Seid fröhlich in Hoffnung!

Ein Jahr, ein kleiner Abschnitt im Leben des einzelnen Menschen, ein winziger in dem der Völker, und für unser Geschlecht, das mit dem elektrischen Funken schreibt, und mit dem Dampfè fährt, und in seinen Werkstätten viel tausend Räder rastlos tr eibt, ist der Augenblick nicht länger geworden; auch das Rad der Zeit dreht sich für uns noch schneller. Aber eins haben wir aus der a'ten Zeit herübergerettet in die neue: die Hoffnung, sie begleitet uns durch alle Jahre, von der Wiege bis zur Bahre. Mauch einer wird sich ja heute an erlittene Mißerfolge oder fehlgeschlagene Hoffnungen des vergangenen Jahres erinnern müssen - aber doch dürfen und sollen wir nicht d m Glauben an Gott, das Ver­trauen zu uns selbst verlieren; der unfruchtbare Pessimis­mus, zu dem sich so viele unserer Zeitgenossen bekennen, darf nicht die Oberhand gewinnen über einen kräftigen, schaffensfreudigen Optimismus. Eine neue Frist des Lebens, des Arbeitens, der Gottesgnade wird uns gewährt. Wiederum wird man zwölf Monate zählen. Der Frühling wird wieder kommen mit seinem Keimen und Sprießen, der Sommer mit seinem Blühen der Rosen; den Sommer wird der Herbst ablösen, von dem wir wieder reichen Segen erhoffen. Hier wird das neue Jahr G ück und Segen, dort Leid und Schmerzen bringen, hier wird es F' ieden schaffen, dort wird Sehnen und Wünschen vereitelt werden, aber über dem allen, im Wechsel der Tage, wollen wir Anker werfen auf das Herz Gottes ; zu dem zuversichtlichen Hoffen sollen sich Glaube und Liebe gesellen; wo dieses Dreigestirn leuchtet, da werden auch die Blüten am Lebensbaum nicht fehlen.

Ein neues Jahr bringt neue Aufgaben. Die Ent­wicklung steht nicht in einem einzigen Jahre still; wie die Wellen eines großen Flusses bewegen sich die Zeitströmungen vorwärts. Auch für unser Volk tun sich vm Jahr zu Jahr neue Gesichtsvunkte auf. Der Weltverkehr, an bem wir unsern Anteil fordern, der Wettkampf, den wir mit den anderen Industriestaaten in allen Weltteilen zu führen haben, erhält von Jahr zu Jahr eine immer mehr steigende Bedeutung Die schaffensfreudige Tätigkeit in der Heimat genügt nicht allein für die Gewinnung eines hervorragen­den Platz auf dem Weltmarkt, cs muß auch eine polnische Machienfallung dazu kommen, die dem Handel als Rückgrat dient. So hoffen wir denn von dem neuen Jahre, daß es uns Dank der patriotischen Einsicht des Reichstages eine wesentliche Stärkung unserer Seeniacht bringen wird.

. Hoffentlicht bleibt uns auch im neuen Jahre der Frieden erhalten. eit Jahren verfolgt Kaiser Wilhelm zu diesem Bebuf eine ausgesprochene Versöhnunaspolink. Im abge-; laufenen Jahre wurde dieselbe hier und dort mit erhöhter Rührigkeit betätigt; den außerhalb der deutschen Grenzptähle wächst die Zahl und das Intrigenspiel unserer Neider. Aber auch innerhalb derselben ^ift der Kaiser bemüht um eine

friedliche, aufwartsstewende Entwicklung; er sucht die viel- artigen Kräfte im Volksleben zu stählen, von deren harmo­nischen Zusammenwirken die Hebung des Wohlstandes und die Erhaltung der Weltstellung der deutschen Nation abhängt. Seinem eifrigen Streben danken wir es, daß Industrie und Handel und in legier Zeit auch die Landwirtschaft wesentlich günstigere Ergebnisse aufzuweisen haben als in früheren Jahren, und die wirtschaftliche Fortentwicklung läßt der Hoffnung Raum, daß diese erfreuliche Aufwärtsbewegung auch im Jahre 1906 anhaften wird. Deutschland hat seinen Nährstano in Stadt und Land und wird und muß ihn be­halten um seiner selbst willen. Dieser Erkenntnis darf sich niemand verschließen, und jeder Patriot muß in diesem Sinne tätig sein.

Wer im Lichte christlicher Weltanschauung steht, dem gibt der Glaube Kraft, das, was kommen mag, sei es im privaten, sei cs im öffentlichen Leben, zu überwinden und mitznnnrken an dem Aufbau der Familie, der Gesellschaft, des Slaaies, der Kirche. In dieser Zuversicht richten wir heute unsre Augen auswärts mit der Neusahrsbitte:

Spr-ch Ja zu mve n Taten, Hilf -elbit daS Veste raten; ^en Anfang, Mut' und Ende,

Ach Herr, zum Besten wende."

Hus Ijanau Stadt und Cand.

Hanan, 30. Dezember.

* Redaktionell. RE" Des Neujahrsfestes halber erscheint die nächste Nrnrrner unseres Blattes erst Dienstag den 2. Januar zu ge­wohnter Stunde.

* Preisrätsel. Wie alljährlich , veröffentlichen wir auch in der heutigen letzten Nummer des alten Jahres ein von Herrn Prof. Dr. S u ch i e r verfaßtes Preisrätsel. Für die besten Lösungen haben wir 12 wertvolle Preise aus­gesetzt. Die Lösungen erbitten wir uns bis Dienstag den 2. Januar, mittags 12 Uhr, in verschlossenem Couvert, ver­sehen mit der AdresseAn die Redaktion des Hanauer An­zeigers".

* Kirchliches. In der Marien- und Johanniskirche finden morgen abend 7 Uhr liturgische Gottesdienste unter Mitwirkung der Kirchengesangvereine statt; Programme wer­den an den Eingängen angegeben.

" Zum Jahresschlusr. Des Jah-es letz'e Stunde naht, und der Wechsel der Zeit, der an die Ewigkeit mahnt, übt auch auf das leichtsinnigste Gemüt seinen Eindruck aus. Der moderne Mensch gibt sich jedoch nicht gern solchen ernsten Stimmungen unb Betrachtungen hin, w il er von ihnen eine Verdüsterung seiner Lebensfreude befürchtet, und so sucht er denn den Ew gkeitsernst, der in der letzten Stunde des Jahres an seiner Seele vorüberzieht und ihr zum Segen werden möchte, möglichst.schnell dadurch loszu- weib n, daß er sich in den Snom des Vergnügens stürzt und über die S^welle des neuen Jahres hinwegtänzelt. So ist es beim leider immer mehr Unsitte geworden, außerhalb der Familie Sylvester zu feiern, und wo noch die alte gute §itte der Familienfeier im H â u s- , H di e n Kreise sich erhalten bat, da ist sie v elfach, auch in den höchsten und aufgeklärtesten Krei en, mit abergläubischen Gebräuchen verbunden, die von dem Ernst der letzten Stunde in bedauerlicher Weise ablenkcn. Da wäre es gut, wenn , eine jede Familie sich bemühte, eine innige, st immun gs- I volle und ernste S y l v e st e r f e i e r im eigenen . H e i m abzuhalten. Der brennende Christbaum, der ins ' neue Jahr hinüberlcuchtet, das Wort des 90. Psalms, das an die Vergänglichkeit des Menschen und an Gottes Ewig­keit erinnert, und das herzliche Austauschen der gemeinsamen

Die heut.ge Nummer umsatzt au^et dem âterhattuugsbtatt 14 Seiten.

Neufahrswünsche geben eine Feier, die besser als alle anderen Feiern das Herz erquickt. In der Stille wird die Kraft geboren, und wenn wir irgend etwas im neuen Jahre brauchen, dann ist es Kraft. Nutzen wir deshalb die letzte Stunde des Jahres mit ihrem Ernst aus, das neue Jahre wird uns dann ein gesegnetes sein.

* Kathot. Kirchengemeinde Hanan. Der Not- burgaverein für katholische Dienstmädchen in Hanau hält im Saale der barmherzigen Schwestern am Montag den 1. Ja­nuar, nachmittags präzis 4l/a Uhr, eine theatralische Weihnachtsfeierlichkeit ab. Der edle Zweck dieses Vereins, seine Mitglieder heranzubilden zu pflichtgetreuen, ge­sitteten, religiösen Dienstmädchen, bürgt uns dafür, daß recht viele, besonders die verehrten Herrschaften der be­treffenden Dienstmädchen uns die Ehre ihres Besuches schenken.

* KttMindustrie-Berein. Am nächsten Donners» tag den 4. Januar hält der bekannte Vortragsmeister Dr. Emil Milan aus Berlin einenDeutschen Balladenabend von Bürgers Lenore bis zur Gegenwart." Indem der Vortragende eine Uebersicht über die deutsche Ballade in ihren schönsten Gebilden gibt, bringt er zum Vortrag Dichtungen von Bürger, Goethe, Schiller, Hebbel, Heine, Uhland, Mörike, Münchhausen, Strachwitz, Konrad Ferdinand Meyer, Fontane und Lilien- cron. Das Programm hat in Hamburg, Berlin, Magde­burg und Köln großen Eindruck hervorgebracht, und da Dr. Milan in Hanau ein beliebter und gern gehörter Redner ist, so wird er auch hier eines großen Erfolges sicher sein.

* Silberne Hoheit feiern morgen Herr Christian Götz und Frau. - Am 1. Januar die Eheleute Justus , Simon, Lamboystraße 32.

* Nach Cbrisrianm, der Hauptstadt Norwegens am Fjord gleichen Namens, in welche kürzlich der neugewählte König Haakon seinen Einzug gehalten hat, richten sich. jetzt mit erhöhtem Interesse die Blicke. Darum ist es freudig zu begrüßen, daß die hiesige Filiale des Kaiser-Panora­mas, Nömerstraße 17p., in dieser Woche eine Reihe präch­tiger plastischer Naturaufnahmen aus der seit 1624 bestehen­den Königsstadt und ihrer romantischen Umgebung zur An­schauung bringt. Eigenartig aber anmutig ist das nordische Leben und Treiben, das wir in den Straßen der Hauptstadt erblicken. Beonders die Karl Jokennstraße mit dem Königs­schloß, das Reichstagsgebüude, die Universität, der Justiz­palast, der große Platz, die Trinitatiskirche, das neue Quar­tier, der Marinenmarkt, der Hafen, die Feste Akerchus re. nehmen unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Darauf bereisen wir den Fjord, zu dem die Fel'en steil abfallen, mit seinen interessanten Schlössern Oskarball und Frederiksburg und den Städten Drammen und Bragernäs. Der Hornefosfall und Holfsfall sind äußerst romantische Partien, die das Auge jedes Beschauers entzücken werden, Jobas? der ganze Cyklus als recht sehenswert zu empfehlen ist.

* Hanauer Orpheum (Brauerei Dörr.) Das vorzügliche Ensemble der Süddeutschen Orpheums- Gesellschaft gibt Sonntag den 31. Dezember sowie am 1. Januar in vorgenanntem Lokale je 2 große Vorstellungen. Wer daher einige Stunden köstlichen Humors genießen will, der muß diese Vorstellungen besuchen. Alles nähere in der Tages-Annonce.

* ImKaiserhof" findet morgen große Sylvester- Unterhaltungsmusik mit Tanz und Montag den 1. Januar großes Neujahrs-Konzert mit Tanzvergnügen statt. Ein Besuch ist zu empfehlen. Der Eintritt ist frei.

* Das Habnenkammhaus ist Sonntags von 11 Uhr ab geöffnet.