Erstes Blâ
General-Anzeiger
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Avtliihts Organ für Stadt- and Landkreis Kanan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
BeronhoortL Redakteur: G. Schrecker m Hanas
Ak. 303 Mer»sprechanschl«tz Nr. 605.
Doiiiicrstlig den 28. Dezember
kferntpreäiansckilust Nr. 605. 1905
Amtliches.
Landkreis Kanan. Stfiiafai^Mütn des Kisizliihcr Lrndritsmts.
Die Herren Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten haben -ur Kennzeichnung von Kraftfahrzeugen im Regierungsbezirk Allenstein die weiteren Nummern 1501 bis 2000 überwiesen.
Hanau den 23. Dezember 1905.
Der Königliche Landrat.
V8155 J. A.: Conrad, Kreissekretär.
Stadtkreis Kanau. ^efonnttnorfiHna.
Die an der Akademiestraße liegenden ^o^vitâl^VlMv- stücke, Karte Nr. 635 88 rc. und 637/91, welche in 9 Bauplätze eingeteilt sind, sollen am Dienstag den 2. Januar, vormittags 11 Uhr, tm unteren Rathaussaale öffentlich meistbietend versteigert werden.
Die näheren Bedingungen werden im Termin bekannt gegeben.
Hanau den 4. Dezember 1905.
Der Allhanauer Hospitalrat.
1 )r. Gebeschus. 23945
Bekanntmachung.
Für Südwestafrika werden sofort Freiwillige, welche als Telegraphisten ausgebildet werden, eingestellt. Gute Schulbildung und Handschrift erforderlich. Leute mit Vorbildung, Feinmechaniker, Elektrotechniker, Monteure, Maschinenschlosser, bevorzugt. Meldung von Mannschaften des Beurlaubtenstaudes sofort beim Hauptmeldeamt.
Hauptmeldeamt Hanau.
Der nächste Termin der durch das Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebenen Prüfung von Schmieden über ihre Befähigung zum Betriebe des Hufbeschlaggewerbes wird hier- selbst am Freitag den 2. März k. J. abgehalten werden.
Meldungen zu dieser Prüfung sind unter porto- und bestellgeldfreier Einsendung einer Prüfungsgebühr von 10 M. bis spätestens den 3. Februar k. J. an den Unterzeich- «eten zu richten.
Mit der Meldung zugleich sind einzureichen:
1) der Geburtsschein,
2) etwa vorhandene Zeugnisse über die erlangte technische Ausbildung (Gesellen-, Meisterbrief u. dgl.),
Feuilleton.
Stadtthcatcr in Hanim.
— Hau au, 27. Dezember.
Von den bedeutenden Werken Friedrich Hebbel's, jenes mit einem besonderen phcmtasieroichen Gestaltlmgsta'ent begabten Dichtergenies, muß zweifellos die am 1. Weihnachts- seiertage an unserer Bühne zur Aufführung gelangte dramatisierte Bearbeitung der „Nibelungen" (1. und 2. Teil) als besonders hervorragende Schöpfung an erster Stelle genannt werden. In dieser Tragödie zeigt sich eine derartige erschütternde Dichterkraft, eine solche unverkennbare Glut der Leidenschaft in den von edler Erhabenheit geadelten sagenhaften Gestalten, daß dem Dichter noch kurz vor seinem traurigen Ende durch Zueignung des Schillerpreises durch den König von Preußen die Anerkennung eines tatenreichen Wirkens nicht vorenthalten bleiben sollte. Der grunddeutsche Zug sowie die ergreifende plastische Form des Nibelungenliedes, welche, wie man annimnit, aus einem Kreise alt- deutscher Sagen entsprungen ist, erheben dieses Heldengedicht zu dem bedeutendsten Erzeugnis der mittelalterlichen Poesie. Es folge in knapper Form der bekannte Inhalt der Siegfried-Sage: ein Königssohn aus den Niederlanden kommt an den Hof des Burgunderkönigs Gunther in Worms in der Absicht, dessen Schwester Crimhild zum Weib zu begehren. Bei seinem Empfang erzählt Hagen, Gunthers Dienstmann, die früheren Heldentaten Siegfrieds, der, nachdem er Gunther im Sachsenkrieg Beistand leistete und für ihn die Walküre Brunhild aus Irenland erkämpfte, Crimhild als Gemahlin erhält. Brunhild, die sich gegen Gunthers Minne mit dämonischer Kraft wehrt, wird durch Siegfried mit Hilfe der Tarnkappe, für Günther gewonnen, während ihr Siegfried gleichzeitig Gürtel und Ring abnimmt, um sie Crimhild zu überlasse». In einem Streit der beiden Königinnen über ihren Rang, beweist Crimhild der Gemahlin Gunthers durch diese Schmuckgegenstünde, daß sie von Siegfried längst besiegt sei,
3) eine schriftliche Erklärung darüber, ob der Meldende sich schon einmal der Prüfung erfolglos unterzogen hat.
Es werden nur solche Schmiede zugelassen, welche das 19. Lebensjahr vollendet haben und den amtlichen Nachweis erbringen, daß sie die drei letzten Monate vor der Meldung zur Prüfung im Regierungsbezirk Cassel sich aufgehalten haben.
Schmiede, welche die Prüfung nicht bestanden haben, können erst nach Ablauf von 6 Monaten zu einer neuen Prüfung zugelassen werden.
Cassel am 6. Dezember 1905.
Der Vorsitzende der staatlichen Hufschmiede-Prüfungskommission für den Reg. Bez. Cassel.
Veterinärrat Tietze, Königlicher Departementstierarzt,
Parkstr. 9. \ 8157
Hus kjanau Stadt und Ëand.
Hanau, 28. Dezember.
* Verliehen. Dem Landgerichtsrat V a r N h a g e N dahier wurde der Charakter a's Geheimer Justiz'at verliehen.
* Veiaetreteu. Der Magistrat der Stadt Hanau ist dem Anträge des Magistrats der Stadt Cassel an den Vorstand des preußischen Städtetages um Einberufung eines außerordent ichen Städtetages behuks Stellungnahme zum Volksschulunterhaltungsgesetz-Entwurfe beigetrelen.
* Vorsicht bei der Auswahl von SLnskunfts- und SchulderreinZielMupebureaup. Die geschäft iche Auskuuflsertcilung ist schon längst ein unentbehrliches Hilfsmittel für Handel und Geiverbe geworden. Im Deutschen Reiche existieren nur wenig Institute, die schon auf ein jahrzehntelanges Bestehen zurückblicken können, die alle Phasen des Auskunftswesens mit durchgemacht haben und über reichhaltige Erfahrungen verfügen. Aus der Widerstandskraft, die sie in dem gerade auch im Auskunftswesen außerordentlich starken Konku'renzkampf bewiesen haben, geht besser als aus allem anderen hervor, daß man es hierbei mit leistungsfähigen Instituten 311 tun hat, zu denen die Geschäftswelt Vertrauen haben darf, was jedoch leider nicht auf ade Untere nehmung-n zutrifft, die jahraus, jahrein auf dem Gebiete des Auskunftswesens entstehen und auch wieder verschwinden. Da es aber gerade die Unternehmungen der letzteren Art mit glänzenden Versprechungen sehr leicht nehmen, und wo dies allein nicht zieht, durch billige Preise ihre Opfer anzulocken suchen, so kann der Geschäftswelt nur dringend geraten werden, bei der Auswahl ihres Auskunftcrtcilers äußerst vorsichtig zu seitt. Bei den sogenannten Inkasso- und Schuldeneinziehungsinstituten liegen die Behältnisse nicht besser, sondern worauf Brunhild auf Rache sinnt, und Hagen zum Morde Siegfrieds anstiftet. Hierauf überbringt Hagen eine falsche Kriegserklärung der Sachsen und erlangt den Beistand Siegfrieds. Crimhild um ihren Gemahl besorgt, markiert Hagen die einzige verwundbare Stelle Siegfrieds zwischen den Schultern durch ein aufgenühles Kreuz und bittet Gunthers Dienstbefohlenen flehentlich um entsprechende Schutznahme im Kampfesgetümmel. Abermals bringt jetzt Hagen die falsche Botschaft einer friedlichen Einigung, weshalb statt baë Kriegszuges eine große Jagd im Odenwald stattfindet, wobei Hagen bei einem Wettlauf Siegfried an der betreffenden verwundbaren Stelle meuchlings mit dem Speer durchbohrt. Als die an Krimhild übermittelte Leiche bei bei Gegenwart Hagens aus der Wunde zu bluten beginnt, weiß die untröstliche Königin, nach einem alten Glauben, in ihm den Mörder zu deuten und schwört unnachsichtliche Vergeltung. Ein weiterer dritter Teil der von Hebbel bearbeiteten Dichtung behandelt in erschütternder Weich „Krimhilds Rache".
Zunächst möchten wir das nicht zu verkennende Verdienst des Herrn Oberregisseurs Steger hervorheben, der durch sein künstlerisches Arrangement im Rahmen unserer Bühne in jeder Hinstcht nicht zum wenigsten dazu beitrug, den erzielten starken Erfolg dieses gewaltigen Werkes vor einem nahezu ansverkausten Hause herbei führen zu helfen. Siegsried, diese gigantische, kraftstrotzende Männergestalt, fand durch Herrn N a ch b a u r im allgemeinen eine glückliche Verkörperung. Wenn wir auch an dem jungen Darsteller noch das für diese Partie notwendig imponierende Wesen vermißten, zeugte doch seine Leistung von guter logischer Auffassung und eingehendem Studium, wie auch die retorische Behandlung des Textes in jeder Weise zwriedenstellen konnte. Aus der düsteren Königin „Brunhild" wußte Fräulein Behrens eine vorzüglich getroffene Charaktertype zu gestalten, indem die Künstlerin alle Skalen der Leidenschaft jener rachsüchtigen, neidischen Walküre mit eindringlicher Glaubwürdigkeit verständnisvoll anzudeuten verstand, während jedoch die physische Kraft des Organs mangelte, um die Partie einheitlich zu Ende zu führen. Obschon Herr Kempf durch bestimmtes Auftreten hie markige raube Reckenoestalt
eher noch schlimmer. Davon wird sich schon mancher aus eigener Erfahrung überzeugt haben, der den Lockungen dieser, oft nicht die geringste Sicherheit bietenden, vielfach sogar auf Schwindel ausgehenden Unternehmer erlegen ist. Mit Rücksicht auf den bevorstehenden Jahreswechsel, mit dem in der Regel eine Erneuerung geschäftlicher Dispositionen verbunden ist, sei auf den Verband der Vereine Credit- reform hingewiesen, der im nächsten Jahre die Feier seines 25jährigen Bestehens begeht und dem auch der hiesige Verein Credit reform als Mitglied angehört. Der Hauptzweck des Vereins ist, seine Mitglieder durch mündliche und schriftliche Auskunftserteilung, sowie durch den provisionsfreien Einzug von Außenständen mittels des Mahnverfahrens vor geschäftlichen Verlusten zu schützen. Näheres ist in dem Bureau des hiesigen Vereins Creditreform Lang str. 451 zu erfahren.
* Karnevalistisches. Die „1. Hanauer Karneval« Gesellschaft" weist nochmals darauf hin, daß außer den reservierten Plätzen in den beiden Hofbuchhandlungen noch einige Billete für Saalplütze zu haben sind. Ferner ist für diejenigen Familien die dem Verein nahe stehen, die Begünstigung getroffen, eine Familienkarie für 4 Perionen zu 6 Mk. und für 3 Personen zu 5 Mk. zu erhalten. Jedoch sind solche nur bei dem Vereinsdiener Herrn Wolff zu zeichnen, oder am Montag den 1. Januar 1906, vormittags von 11—1 Uhr, im Vorverkauf im Restaurant „Rheingold", Paradeplatz, in Empfang zu nehmen.
* Turnerisches. Der kürzlich in Aschaffenburg ge» gründete neue Turngau wurde in der letzten Sitzung des Ausschusses in den Mittelrheinkreis ausgenommen.
* Stadttkeater. „Stein unter Steinen," Sudermanns Schauspiel-Novität, wird morgen zur Wiederholung kommen. Auch hier hat das hervorragende Werk, wie allenthalben, so starken Beifall gefunden, daß man der nochmaligen Darstellung desselben mit größtem Interesse ent= gegenschen dürfte. — Am Sonntag wird die humorvolle Posse mit Gesang: „Robert und Bertram" neu einstudiert als 9. (statt 8.) Vorst. der Isst Serie zur Aufführung gelangen. Das seit längerer Zeit nicht gegebene beliebte und bekannte Stück wird sicherlich eine bedeutende Zugkraft ausüben. Der Beginn der Vorstellung ist auf 6 Uhr festgesetzt. — Am Montag den 1. Januar 1906 geht Blumenthals Verslustspiel „Der Schwur der Treue" als 8. (statt 9.) Vorst, der HL Serie in Szene.
* Sparkasienverband für die Provinz Geffen» Nasiau und das Fürftentè Waldeck. Nachdem Herr Oberbürgermeister Dr. G e b e s ch u s - Hanau sein Ams als Vorsitzender des Sparkassenverbandes für die Provin.
„Hagen" in dieser Hinsicht mit gutem Gelingen zeichnete, versagten auch bei dieser Rolle die stimmlichen Mittel. Die Darstellung der „Krimhilde" vergegenwärtigte Frl. Braune auf interessante fesselnde Weise, während Herr H a u s e r (Gunther), sowie die Damen Müller (Ute) und Iaida (Friggat mit ihren für die entsprechenden Aufgaben verfügbaren künstlerischen Gaben eintraten. Durch lebendiges Spiel fiel Frl. Holm als „Giselher" angenehm auf. Älle übrigen Darsteller unseres Ensembles fanden noch in weniger bemerkenswerten Aufgaben Beschütigung.
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Mit besonderem Interesse sah man am gestrigen Abend der hiesigen Erstaufführung von Sudermann's Schauspiel- Novität „Stein unter Steinen" entgegen. Es muß zugestanden werden, daß sich an diesem Werke der altbewährte Theatraliker und Bühnenroutinier erkennen läßt, indem wirkungsvolle Akischlüsse und höchst geschickt zugechitzte dramatische Szenen den Eindruck eines äußeren Erfolges machen, während das Werk einer gewissen psychologischen Vertiefung sowie Wahrscheinlichkeit der meisten Figuren entbehrt. Die seelische Entfaltung der agierenden Personen, welche zu knapp bemessen erscheint, wird in diesem Drama durch äußere Hilfsmittel zwar ersetzt, jedoch werfen sich außerdem im Verlauf der Handlung zu viel unmotivierte Szenen auf, die Sudermann nach Streichung mancher Binsenwahrheiten als Sujet eines Romanes glücklicher verwenden konnte. Der Autor legt uns in seinem Schaulpiel kein Problem vor, sondern er behandelt nur die Eigenart eines Falles, weshalb dein Stücke der eigentliche Kern fehlt, um den sich d>e Handlung ausbauen sonnte. Den Darstellern bietet das Werk, wie bei Sudermann immer, interessante schauspielerische Aufgaben, deren glückliche Lösung in der Hauptsache zu dein achtbaren Erfolg der Novität an unserer Bühne beitrug. Der Inhalt ist folgender:
Steinmetz Biegler, seines Zeichens ein tüchtiger Handwerker, erschlug im Augenblick der Umnachtung den Mann einer ihm gegenüber kokett gewordenen Schustersfrau. Obschon