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General-Anzeiger

Asltliches Orga« für S1aM= u«S Fesddltls Kana«.

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Berantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hsncm.

Wotatienâbiucf und SB erlag der Buchdruckern des verein, ev. WaijenhaukeS in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feierlage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 301 »mtlvredjanwufi Nr. 605. SiUNstllsi den 23. Dezember ?fernsprc»aschl,ik Nr. 605. 1905

Bum Wcihnachtsfcste.

Stille Nacht heilige Nacht! Dieser alte und doch wiever ewig neue Weihnachtsgesang webt, wenn am Abend des 24. Dezember Lichterglanz und Tannenduft durch die Prunkzimmer der Reichen und die bescheidenen Stübchen der Minderbemittelten fluten, die Fäden zwischen dem in dem Tun des Alltags erstarrten Gemüte und der ergreifenden Poesie des Christfestes. Wenn auch leider die duftigen, zarten Gestalten des Weihnachtszaubers das grelle Licht der Elektrizi­tät fliehen, so wäre es doch ein Irrtum, den Pessimisten G'auben zu schenken, die uns beweisen wollen, daß die weihe­volle Innigkeit der Weihnachlspoesie zu schwinden beginne. In stiller, heiliger Nacht ist einst das Wunder der Gnade geschehen, und noch immer liegt ein hurtiger Schleier, aus heilbringenden Lichtgedanken Gottes gewebt, über der Geburts­stunde Christi.

Man hört so oft sagen: Weihnachten sei recht eigentlich ein Fest der Kinder. Gewiß, man möchte den fröhlichen Jubel aus Kindermund nicht vermissen zur Weihnacht, doch ist er- nur ein Ton, der mitksingt ini vollen Akkorde der Christfestfi eude. Ein Kinderfest ist es allerdings; der Mittelpunkt desselben sind jedoch nicht die über ihre Gaben freudig beglückten Erdenkinder, sondern: das eine Kind in der Krippe zu Bethlehem. Wie sehr bei den häuslichen Weihnachtsfeiern sich dieser Mittelpunkt verschoben hat, offenbart ein flüchtiger Blick da und dort in die Weihnachts- stuben. Unter wie vielen Christbäumen fehlt jede Er- mnerung an das Christkind im Himmel. Anderen wieder, und zwar einer ganzen Masse tinseres Volkes, ist Jesus nichts als der Sozialreformer. Wie wenig erfassen doch diese den wahren Geist Jesu ! Gewiß, durch seine Lehre von her Liebe wird Jesus zum sozialen Bahnbrecher.Koinmet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken", lautet seine Einladung, aber er fordert die vollkommenste Selbstverleugnung, die höchste Opferwilligkeil für die Durchführung des Wahren, Guten, Reinen. Nicht Haß und Ne o predigt er, nicht das egoistische, habgierige Verlangen nach mateiellen Gütern, nach Gnnß, nach Aus- kosten der zeitlichen Lebensfreuden, wie es die modernen Volks- ap »fiel unterer Zeit um, fordert er, sondern auf den Himmel nno seine Freuden verweist er. Seine Li be ist eine sittl'ch ernste und dienende, und die Hebung des Ansehens jeder einzelnen, auch der geringsten Persönlichkeit geht bei ihm Hand in Hand mit der Unterordnung der Persön­lichkeit unter das Wohl her Gesamtheit, der auch er selbst­verleugnend dient. O daß doch unser Volk seiner Lehre in diesem seinem Geiste nachstreben möchte. Die Zeiim sind ernst und schwer. Wohl ist der Donner der Geschütze auf ben

Feuilleton.

«MUtUCRHI

Ererbte Scholle.

Novelle von Klara Düfterlroff.

(Fortsetzung aus dem fünften Blast.)

Ein gescheidter Einfall!" stimmte sie ihr also bei.Ich werde Ihrem Beispiele folgen. Kann ich Ihnen irgendwie behülflich sein? Daß wir in diesem Reste den Luxus einer Kammerjungfer nicht kennen, habe ich Ihnen vorhergesagt!"

Ist auch gar nicht nötig!" erwiderte Helen, gleichfalls einlenkend.Sie wissen, denke ich, daß ich mein Unab­hängigkeitsbedürfnis soweit treibe, mich ohne solchen lästigen dienstbaren Geist zu behelfen !"

Eine sehr praktische Gewöhnung in Anbetracht der hier herrschenden Zustände, meinte Adele, aus vollem Halse lachend, und entfernte sich, indem sie in ihrer lärmenden, männlich schroffen Art die Tür mit einem Krach hinter sich ins Schloß fallen ließ.

Helen saß noch eine geraume Weile regungslos am Fenster und schaute, von der Gardine verborgen, dem Treiben auf dem Gutshoie zu.

Eberhard von Wohlau war offenbar mit Leib und Seele Landwirt. Die Art, wie er als sein eigener Inspektor durch Ställe, Scheunen und Schuppen ging, überall ein wachsames Auge auf die daselbst hantierenden Leute hatte, überall bald tadelnd, bald aufmunternd mit ihnen redete, aber auch beim Tadel niemals grob oder unflätig wurde, und es auch nicht oerschmähte, hier und da ein Wort der Anerkennung zu spenden, diese ganze Art war die eines geborenen Herrschers, dem Anmaßung und Ueberhèbung fern lag. Er flößte ihr unwiderstehlichen Respekt ein und verwischte den ungünstigen Eindruck wieder, den sein unbegreiflich launenhaftes Be­nehmen von vorhin auf sie gemacht hatte.Wer weiß," dachte sie, was für Sorgen und Erwägungungen ihm durch den Kopf gegangen sind und den merkwürdigen Umschwung in seinem Wesen hervorgebracht haben; er war doch zuerst f o verbindlich und gewinnend und beweist sich auch hier, wo

Feldern Ostassins verstummt. Aber wenn wir auf unser Nachbarland Rußland blicken und die inneren Wirren dort sehen, haben wir Deutsche allen Grund, an hüfern Weihnachts­feste Gott zu danken, daß er unter dem starken und doch alle Stände in Liebe umfassenden Reg mente unseres Kaisers die wohltuende Ordnung aufrechterhalten sein läßt, allen Grund, in unsere Weihnachlsgedanken die Mahnung klingen zu lassen, alles daran ui setzen, daß uns der innere und äußere Friede gewahrt bleibe.

Wie fest verankert die Liebe zum Vaterlande in den deutschen Herzen immer noch ist, davon legt kaum eine andere Ffftzeit so sprechende Beweise ab, als das vom Palast bis zur Hütte im wesentlichen in derselben Art und in demselben Geiste gefeierte Weihnachts-Friedensfest. Möcht? der Segen dieser schönsten deutschen Heimatsfeier in ungezählten alten und jungen Herzen die Bande neu kräftigen, die sie an das Vat-rland schließen und mit der Aufgabe verknüpfen, immer wieder mit frischen Kräften in den Kampf ums Dasein ein- zutreten, wie für sich, jo für die Nächsten, und darin anszuharren mit alter deutscher Festigkeit. In solchem Sinne sollen sich in den weihnachtlichen Höhestunden die Herzen näher rücken und ein neues selbstloseres Lieben der Ertrag der festlichen Tage werden. Dazu

Geregnete Weihnacht!"

Ueber Zukinistsniifileben in Dentsch- Siidwcstlifrika

führte Heâ Missionsinspektor Haußleiter aus Bannen in einem in der großen Aula der Universität Gießen gehaltenen Vortrag ungefähr folgendes aus:

Südwestafrika ist jetzt mit so schweren Op'ern erkauft, daß es nie wieder aufgegeben werden kann. Unserem Volk ist darin ein Uebungskeld, nicht nur für unsere Truppen, die sich da aufs Aeußerste bewährt haben, sondern für jede Seite unserer Begabung, ein Prüsungsfeld vor allem für unseren sittlichen Charakter, ob wir noch ein christliches Volk sind, gegeben. Zunächst ist es. vielleicht von den höher ge­legenen Teilen im Innern von Ostafrika abgesehen die einzige Siedelungskolonie, in der sich auch dem Baller und Arbeiter eine Zukunft eröffnet. Daß diese Hoffnung nicht unbegründet sei, beweist ein Blick auf das Kapland, das unter denselben geographischen Bedingungen steht, aber durch die Kultur weiter entwickelt ist. An Größe kommt Deutsch- Südwestastika dem Deutschen Reich samt Deutsch-Oesterreich gleich. Dagegen ist es sehr schwach bevölkert. Von den Be­wohnern sind uns durch den Krieg am meisten besannt ge­worden die Hereros und die Nama-Hottentotten. Beide sind in das Land eingewandert und haben die Ureinwohner, die Samara und die Buschleute verdrängt oder unterjocht. Jene, schwarze Bantuneger von kräftigem Wuchs und stolzem er sich unbeobachtet glaubt und völlig in seinem Elemente ist, als ein geborener Edelmann.

Und mit einem leisen Seufzer erhob sie sich und begab sich ans Auspacken und Umkleiden.

IIL

Die erste Stunde, die Helen im Herrenhause zu Wohlau erlebt hatte, war vorbedeutend für ihre weitere Stellung zu den einzelnen Fauliliengliedern.

Mit Albere war sie äußerlich notgedrungen stets zu­sammen, innerlich aber tat sich eine Kluft zwischen ihnen auf, die bei der außerordentlichen Verschiedenheit ihrer Ansichten und Neigungen eigentlich nur natürlich war. Das einzige, was diese Kluft überbrückte, war die unbändige Freude am Lernen, die beiden gemeinsam war, die sie auch ursprünglich zusammengeführt hatte. Sie war's auch jetzt, die ihre erkaltende Freundschaft dennoch zusammenhielt. Sie lasen einander die Bücher vor, die sie nach Anweisung ihrer Professoren lesen sollten, sie arbeiteten gemeinsam die Vor­lesungen aus, die sie gehört hatten, und dergleichen mehr. Was jenseits dieser Interessen lag, namentlich alles, was das Landleben, das Verhältnis zur Großmutter und die Wertschätzung des alten Familienbesitzes anging, sahen jedoch beide von dem denkbar verschiedensten Standpunkte an unb hatten manches Wortgefecht deswegen. Beide gestanden sich im stillen ein, daß es zu diesem Besuche in Wohlau nie ge­kommen wäre, hätten sie in ihrer bisherigen Lebenssphäre Gelegenheit gehabt, sich über ihre Auffassung dieser Fragen auszusprechen.

Dazu kam, daß sich auch das Verhältnis mit dem jungen Gutsherrn nicht gemütlicher gestaltete als am ersten Tage, so daß augenscheinlich das Ziel, das Adele bei ihrer Ein­ladung zu dem gemeinsamen Besuche in Wohlau im Auge Ükhabt hatte, die Verheiratung ihres Bruders mit der Millionärstochter, ganz und gar nicht erreicht werden sollte. Eberhard kam, außer bei den Mahlzeiten, fast nie mit den Damen zusammen. Fortwährend schützte er dringende Be­schäftigung im Feld, Wald und Wiese vor und zeigte sich sogar bei Tische von einer Zerstreutheit, Einsilbigkeit und Zurückhaltung, wie sie sonst niemand an ihm gekannt

Selbstgefühl, sind Viehzüchter und, wie es ihr Beruf mit sich bringt, in festen Stammesverbänden unter Häuptlingen ge­ordnet, vor dem Krieg etwa 60000 Köpfe; diese, etwa 20 000 Köpfe, gelbe Hottentotten vom Kap sind kühne Jäger und Reiter, ohne feste Verbände, nur zeitweilig von hervor­ragenden Häuptlingen, wie Hendrik Witboi, zusammen ge­halten, die außer von Jagd besonders von Beutezügen gegen die reichen Viehbesitzer im Norden lebten. In dem nördlichen Flachland wohnen noch die Ovombo, reiche Kornbauern und tapfere Krieger.

Die Arbeit der Rheinischen Missionsgesellschaft unter diesen Völkern setzt von vereinzelten früheren Vorstößen abgesehen im Jahre 1844 ein. Vom Kapland kamen die Missionare zuerst zu den Namas, dann zu den Hereros, unter denen zuerst der bedeutende Hugo Hahn bahnbrechend wirkte. Eine große Kulturarbeit bat' die Mission in diesen 60 Jahren an dem Volke getan. Der Vortragende betonte es ganz besonders, wie es die Mission auch unter diesen völlig kulturlosen Völkern durch ihre Leistungen bewiesen habe, daß sie der Mahnung, über dem Beten das Arbeiten nicht zu vergessen, nicht bedürfe. Auch die Haltung der eingeborenen Christen während des Auf­standes habe dazu viele Belege geliefert. Eine ganze Reihe von Stationen, wie Keetmannshoop, Bethanien, und Ber­saba, seien ganz oder doch zum Teil treu geblieben. Der ehrwürdige Häuptling Christian Goliath von Bersaba er­klärte, obwohl ihn die Regierung ohne Schutz ließ:Da mache ich nicht mit, wenn es die ganze Gemeinde, unser Vieh unser Leben kostet, denn von den Deutschen haben wir das Beste, das Evangelium, erhalten!" Viele zogen ge­zwungen mit. Freilich sind unentschuldbare Greuel vorge­kommen. Aber auch die Wildesten haben die Missionare geschont, und im allgemeinen ist das auch Frauen und Kindern geschehen. Das wäre früher undenkbar gewesen. Hendrik Witboi hat der Größenwahn verführt und der Trunk.

Und jetzt? Zur richtigen Beurteilung ist zu beachten daß Deutsch-Südwestafrika bisher nur Schutzgebiet war; die deutsche Herrschaft ruhe nur ans Verträgen mit den Häupt­lingen, die beiden Teilen Rechte gab, Pflichten auferlegte Mögen die Ursachen der Erhebung sein, welche sie wollen, mag auch auf deutscher Seite viel gefehlt worden sein, sie war nicht ein Aufstand von Untertanen gegen ihre Obrigkeit, sondern treuloser Vertragsbruch. Das wird nun anders. Der durch schwere Opfer' ersäufte Sieg setzt nun das deutsche Reich erst in den wirklichen Besitz des Landes. Das Interesse des deutschen Volkes fordert nun nicht nur, daß dieser Besitz behauptet und gegen jeden weiteren Angriff gesichert, sondern daß er so gestaltet und regiert werde, daß die Opfer nicht vergebens gebracht sind. Die Rädelsführer müssen natürlich zur Rechenschaft gezogen werden. Aber das verführte Volk sollte man schonen. Es ist für seinen Treubruch schon genug bestraft. Ein Drittel bis zur Hälfte des Volkes ist umgefommen, seine Herden, sein Land sind dahin. Im Konzentrationslager zn Okahandja sind nicht mwxmwrmuMr roh w m .um% jbu, i^!^^ ^.^.t1 '»MMti^T*raärasffl«znm^^ ft hatte. Die Blicke der Großmutter und der Schwester ruhte oft genug mit Verwunderung und Aerger auf ihm, er aber tat, als bemerke ec's nicht.

Endlich konnte die energische Adele ihren Ingrimm nicht länger bei sich behalten und führte gewaltsam ein Alleinsein und eine Aussprache mit ihm herbei, so geflissentlich er auch bis dahin beiden ausgewichen war. Als sie ihn einmal gegen Abend mit der Flinte in den Wald gehen sah, schützte sie Kopfschmerzen vor, die ihr einen einsamen Spaziergang wünschenswert machten, und eilte mit ihren männlich langen Schritten dem Bruder nach.

Sage bloß, Eberhard, was soll ich von Dir denken?" begann sie gereizt ohne jede Vorbereitung, sobald sie ihn eingeholt hatte, und fuchtelte nach ihrer Art wütend mit- ihrem Schirme in der Lust herum.

Er schwieg und ließ geduldig die Strafpredigt über sich ergehen, die ihm, wie er wußte, bevorstand.

Sie fuhr fort:Du beniwn st dich mir und meiner Freundin gegenüber wie ein Botokude, nicht wie ein zivili­sierter, wohlerzogener Mann von vornehmer Herkunft Eine beleidigendere Vernachlässigung als die Du uns zu zeigen geruhst, kann ein Mann nicht wohl hervorkehren. Willst Du mir nicht gefälligst den Schlüssel zu deinem auffallenden Benehmen verschaffen?"

Ich dächte, den hättest Du allein finden körnen," gab er ihr gelassen zur Antwort.Ich war es müde, mir von Dir immer von neuem eine Braut ruführen zu sehen, und wußte mir nicht anders zu helfen als indem ich Dir die Lektion etwas handgreiflich erteilte/

Nun," versetzte sie bitter,wer ^abei den Kürzeren zieht, kannst Du Dir ja wohl allein sagen. Daß ich es gut mit Dir meinte, indem ich Dich mit einer unvermeßlich reichen Erbin bekannt machte, mit deren Hilfe Du Dich zu einer menschenwürdigen Existenz ausschwingen konntest, hätte Dir allenfalls auch ohne weitere Erklärungen einleuchten können. So hoch glaubte ich deine geistigen Fähigkeiten laxieren zu dürfen. Daß ein Edelmann ohne hinreichendes Vermögen eine äußerst jämmerliche Rolle in der Welt spielt, weißt Du so gut wie ich. erfährst es alle Tage am eigenen Leibe,

(Sorticäuna feiat)