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Deutscher Reichstug.
Sitzung vom 14. Dezember.
Am Bundesratstisch: Graf Posadowsky, von Richthofen, von Stengel, von Einem, von Tirpitz, von Rheinbaben, Krätke, Schulz, Erbprinz zu Hohenlohe-Langenbyrg.
Präsident Graf Ballestrem eröffnet die Sitzung um j Uhr 20 Min. Handelsprovisorium mit England. Zur dritten Lesung steht der Gesetzentwurf betreffend die Handelsbeziehungen zum britischen Reiche. In der General- Diskussion spricht
Abg. Schlumberger (nat.-lib.) sich als Vertreter der elsässischen Baumwollindustrie gegen die Vorlage aus, weil sie die Baumwollgarnzölle wesentlich herabsetze und dadurch die heimische Industrie erschwere.
Unterstaatssekretär Dr. Wermuth weist dieses Bedenken zurück und bemerkt insbesondere, daß eS sich bei diesem Vertrage um die Meistbegünstigung überhaupt nicht handle.
Abg. G o t h e i n (fr. Vgg.) Der Abgeordnete Schlumberger'sprach als Vertreter der Baumwoliindustrie. Bisher war es üblich, hier als Vertreter des deutschen Volkes zu sprechen. Ich nahm bisher an, Herr Schlumberger sei als Vertreter des deutschen Volkes gewählt, jetzt scheint er mir aber als Vertreter der Baumwollindustrie gewählt zu sein. Es fragt sich, ob er das Recht dieses Mandats nachweisen kann. Ein großer Teil der Baumwollindustrie ist mit der Herabsetzung der Garnzölle durchaus einverstanden. (Zustimmung links.) Die Industrie der Baumwollgarnkonsumenten beschäftigt viel mehr Arbeiter als die Baumwollspinnerei. Am Zolltarif sind allerdings die Zölle gerade für die mittleren Garnnummern, wie sie die elsässische Spinnerei herstellt, ermäßigt worden, aber wenn Herr Schlumberger sich darüber beklagt, dann hätte er doch seinerzeit gegen den Zolltarif sprechen und stimmen müssen.
Darauf wird die Vorlage in ihren einzelnen Teilen und im ganzen endgültig angenommen.
Ohne Debatte wird ferner in dritter Lesung der Handels-, Zoll- und Schiffahrtsvertrag mit dem Deutschen Reich und Bulgarien endgültig genehmigt.
Flotten- und Steuervorlagen.
Das Haus setzt darauf die erste Lesung des Etats mit den Flotten- und den Steuervorlagen fort.
Abg. Graf Udo v. Stolberg (bt): Ich will keine Flottenrede halten; mir scheint die Notwendigkeit einer Ver- mehrung und Verstärkung der Flotte so nachgewiesen, daß sie jedenfalls vom Hause angenommen werden wird. Ueber die Steuern werden meine Freunde nach Neujahr sprechen. Ich habe das Wort nur ergriffen, um einer Aeußerung des Stellvertreters des Reichskanzlers, Grafen Poladowsky, entgegenzutreten. Er hat die sehr interessante Frage erörtert, wie es kommt, daß gerade in Deutschland im Gegensatz zu anderen Kulturländern die Sozialdemokratie eine so rapid schnelle Entwickelung genommen hat. Er sagte, das käme von der rapiden Entwickelung der Industrie, von der schnellen Industrialisierung großer Teile unseres deutschen Vaterlandes her. Darin bin ich mit ihm vollkommen einverstanden. Dann sagte er weiter, er glaube nach der Art unserer Verwaltung auch in den lokalen Instanzen, daß noch manche kleinen Gesichtspunkte aus dem alten Polizeistaat herübergenommen seien, die in unsere Zeit nicht mehr paßten. Das mag sein, aber wenn es der Fall ist, dann würde es Sache des Reichskanzlers sein, zu veranlassen, daß in den einzelnen Regierungen der Zopf oder die Zöpfe abgeschnitten werden. Der Staatssekretär sagte weiter, daß im Laufe der letzten 30 bis 40 Jahre die Lebenshaltung der besitzenden Klassen sehr erheblich sich gebessert habe, und daß dies die Mißgunst der Arbeiter heroorgerufen habe. Das kann ich nicht leugnen, aber die Lebenshaltung der Arbeiter hat sich auch gehoben und zwar weit höher als die der besitzenden Klassen. (Zustimmung rechts.) Wollen Sie mich nicht mißverstehen, ich freue mich darüber, daß die Löhne der gewerblichen rind auch der landwirtschaftlichen Arbeiter gestiegen sind. Der Staatssekretär sagte dann weiter, daß mit dem wachsenden Wohlstand nicht in gleichem Maße die Opferfreudigkeit gestiegen sei, die Großherzigkeit in wirtschaftlichen Dingen, welche die besitzenden Klassen auszeichnen müßten. Da kann ich nur bedauern, daß er diese Rede nicht gehalten hat vor der Rede seines Kollegen von Rheinbaben. (Zustimmung rechts.) Es gibt keine bessere Widerlegung dieser Behauptung, raire.^qwi^Mptt^ii'-i-^ ------ CTffgaPMMwm^
was man eine komplizierte Natur nennt: launenhaft, widerspruchsvoll, kapriziös —"
„Aber, Mary," sein Ton klang heiß und innig, „eben darum Hebe ich Sie. Ich liebe Sie mit ihren Tugenden und Ihren Fehlern, ich will Sie so wie Sie sind, und nicht anders."
Sie lächelte glücklich. „Dank, mein Teurer. Aber ver- mehmen Sie, ich habe eine Leidenschaft."
Entsetzt schnellte er auf. „So lieben Sie einen anderen noch mehr als mich!"
Sie verneinte. „Da habe ich mich wohl nicht korrekt ausgedrückt. Nicht eine Leidenschaft.....ich habe eine Passion."
Erleichtert atmete er auf. „Aber Liebste, Sie haben mir warm gemacht. Wenns weiter nichts ist. Passionen hat heutzutage doch jeder moderne Mensch, der eine radelt, der andere jeut, der dritte . ."
„Ich habe aber eine sehr unweibliche Passion," unterbrach ihn die Miß, „ich rauche nämlich Zigarren, das Stück zu zwanzig Pfennig."
Der Doktor war total fassungslos. „Zigarren?"
„Ja, Zigarren, Kuba mit Havannadeckblatt."
„Das ist aber schrecklich !" stöhnte der Jurist, vollkommen geknickt.
„Bei uns in London findet man das nicht mehr shocking," belehrte ihn die Geliebte.
„Wir rauchen nur in unserm Boudoir. Früher waren es Zigaretten, jetzt sind es Zigarren. Im Westend von London führen eine Menge Tabakläden besondere Marken für uns Ladies, schöne, schlanke, graziöse Zigarren von entzückendem Aroma. Fast alle meine Londoner Freundinnen rauchen; zuerst tat ich's der Kuriosität halber, und jetzt macht es mir direkt Vergnügen. Ich möchte meine Zigarren nach dem Diner und Souper um nichts in der Welt missen. Und was die Damen der besten Gesellschaft und der höchsten Kreise fair finden, lieber Freund, warum soll ich das meiden?
Freitag
als die Rede des preußischen Finanzministers. (Erneute Zustimmung.) Sie war deshalb so vorzüglich, weil er keine Behauptungen, noch Meinungen ausgesprochen hat, sondern weil er unumstrittenes Zahlenmaterial vorgeführt hat. Deshalb hat seine Rede einen bleibenden Wert. (Zustimmung.) Dann sagte der Staatssekretär weiter, die sozialdemokratische Bewegung Huldige durchaus einer materialistischen Weltausfassung, und er glaube, daß mit unserm Reichtum auch in den besitzenden Klassen die materialistische Weltanschauung, die Genußsucht, gewachsen sei, und das sei sehr bedenklich. (Sehr richtig.) Ich kann mich nicht davon überzeugen. Ich bin auch kein Optimist, dazu bin ich viel zu alt geworden, aber dem deutschen Volke Idealismus abzusprechen, dazu kann ich mich doch nicht aufschwingen. Ich kann mir die Auffassung des Staatssekretärs, die er im einzelnen nicht näher begründet hat, nur daraus erklären, daß er Anstoß nimmt an dem übertriebenen Luxus, der uns ja ab und zu entgegentritt. Aber dieser Luxus beschränkt sich auf kleine einzelne bestimmte Punkte. Er mag in Berlin und andern großen Städten vorhanden sein, daß er aber im ganzen Volke Platz gegriffen hat, kann man wirklich nicht sagen. Es trifft in Sonderheit nicht zu beim Großgrundbesitz (Widerspruch links). Ich kenne die Dinge indem so viel besprochenen Osteibien sehr genau, und ich kann Sie versichern, daß da von einem übertriebenen Luxus nicht die Rede ist (Zustimmung rechts). Die Leute leben außerordentlich einfach, und sie werden oft vielfach falsch beurteilt. Daß die Herren hier in Berlin einmal ein Theater besuchen und eine Flasche Champagner trinken, daraus kann man keinen Schluß ziehen. Die Leute, die hier in Berlin wohnen, haben gar keine Ahnung, wie der Großgrundbesitzer bei uns auf dem Lande lebt. (Sehr richtig! rechts.) Wenn solche Krisen wie die von 1813 ober 1870 — ich wünsche, daß sie uns erspart werden — wiederkommen sollten, dann wird das Volk sicherlich bereit sein. Was mich in dieser Beziehung hierin bestärkt, ist das Verhalten unsrer Schutztruppen in dem gegenwärtigen Kolonialkriege. Im großen und ganzen haben sie sich anwerben lassen aus Vaterlandsliebe, aus Kolonialbegeisterung, nennen Sie es Kolonialschwärmerei, vielleicht auch aus Äbenteuersucht. Jedenfalls sind diese Gründe nicht materialistischer Natur (Zustimmung). Dieser Idealismus ist aber kein Stroh feuer, im Gegenteil, er hat sich bewährt und glänzende Proben gegeben. Unsere Kolonialtruppen haben keine Siege erfechten können wie die von Königgrä'- und Sedan, aber die Leistungen der einzelnen waren viel größer, viel intensiver als die Leistungen von 1870 (Zustimmung). Da muß man doch sagen, es steckt noch ein großes Stück Idealismus in unserm Volke. (Zustimmung.) Ich habe geglaubt, die Worte des Stellvertreters des Reichskanzlers nicht unwidersprochen ins Land hinausgehen lassen zu sollen. (Lebhafter Beifall rechts.)
Abg. Bebel (Soz.): Der Abg. Gröber hat gestern in seinen Ausführungen über die Diätenfrage Andeutungen gemacht, die ich als auf meine Partei gemünzt auslegen mußte. Die Diätenfrage hat uns bisher kühl ans Herz hinan gelassen, obgleich wir allesamt wissen, daß die Diäten verweigert wordt i sind gerade mit Rücksicht auf unsere Partei. Nun ist es aber merkwürdig, daß gerade diejenige Partei, gegen die sich die Diäten!osigkeit richtet, die Diäten am wenigsten entbehrt, während diejenigen Parteien, die am ersten ohne Diäten auskommen könnten, den Wunsch danach am lebhaftesten äußern. Selbstverständlich sind wir Anhänger der Diäten, als selbstverständlich erachten wir es, daß Männern, die verpflichtet werden, viele Monate von der Heimat, vom Geschäft und Beruf entfernt zuzubringen, eine entsprechende Entschädigung .währt wird. Was die Ausführungen des Abg. Gröber über den Kolonialetat betrifft, so hat man auch hier wieder die interessante Beobachtung machen können, daß, wenn zwei dasselbe sagen, es nicht dasselbe ist. Wenn Herr Gröber hier Klagen und Beschwerden über die Behandlung der Eingeborenen in den Kolonien vorbringt, so macht das einen etwas andern: Eindruck, als wenn wir es tun. (Sehr richtig ! bei den Soz.) Wir haben diese Klagen schon vor ein, zwei Jahren ebenfalls hier vor- getragen. Am 9. Dezember hat der Reichskanzler Angriffe gegen unsere Stellung in der Kolomalp" k und besonders gegen den Abg. Ledebour gerichtet. Der Abg. Graf Stolberg hat sich aber selbst veranlaßt gesehen, zu erklären, wie es kommt, daß auch auf Seiten der deutschen Truppen in Südwestafrika sich Anschauungen eingebürgert haben, die sich mit den Begriffen moderner Kriegsführung nicht verein- -
So, nun habe ich mein Geständnis abgelegt, Sie kennen meine Passion, also, bitte, erklären Sie sich. Halten Sie unter diesen Umständen Ihre Werbung aufrecht?"
Der Doktor faßte sich a.i den Schädel. Ihm war ganz wirr zumute. So etwas war ihm denn doch noch nicht erschienen ! Eine hübsche, liebliche, sylphidenhafte junge Dame, die Zigarren rauchte! Richtige, ausgewachsene Zigarren l Wo er selbst passionierter Nichtraucher war I Und in diese Frau war er verliebt! Bis zur Bewußtlosigkeit verschossen! Sodaß er nicht ohne sie würde leben können! Was sollte er da beginnen? Wenn er daran dachte, daß ihr kleines, frisches, rosiges Mündchen beim Küssen nach Zigarrevqualm duften würde — pfui Teufel, das war ein starker Tabak! Mary mit dem Glimmstengel zwischen den rassigen Zähnen!
Nein, das ging nicht. Gin Unding wars! Je mehr er darüber nachdachte, desto ungeheuerlicher erschien dem pedantischen, am Althergebrachten hängenden Manne die Verbindung mit einer Frau, die Zigarren rauchte. Eine passionierte Tabaksqualmerin, die edle Frau, das Muster edler Weiblichkeit! Fehlte nur noch, daß sie Pfeife rauchte. Es schüttelte ihn, ihm wurde schwül bei dem gräßlichen Gedanken ; ein schweres Unbehagen stieg in ihm auf. Die Welt war ein Narrenhaus, aber daß es so toll darin zu- gehen konnte, hatte er sich bisher nicht träumen lassen.
Mit raschem Entschluß erhob er sich. „Mary, ich liebe Sie — ich kann mir ein Leben ohne Sie nicht vorstellen — aber darüber komme ich nicht hinweg. Eine qualmende, paffende Hausfrau ist für mich unmöglich."
Miß Darkson wurde blaß, ihre schönen Augen schimmerten feucht, das hatte sie nicht gedacht, daß er wegen solcher Bagatelle zurücklreten würde. Denn als eine Bagatelle erschien es dem emanzipierten Dämchen. Nun, da sie fürchten mußte, ihn zu verlieren, kam ihr erst zum Bewußtsein, wie sehr ihr Herz an ihm hing.
Der junge Mann beobachtete sie mit spähenden Blicken-
15. Dezember
baren lassen. Auch der größte Kalonialgegner wird die Aus- dauer und Opferwilligkeit der Männer als bewundernswert anerkennen, die dort ihr Leben in die Schanze schlagen. Das kann uns aber nicht zurückhalten, dort, wo wir Fehler gemacht zu sehen glauben, wo wir Dinge sich abspielen sehen, die nach unserer Meinung einer zivilisierten Nation unwürdig sind, uns mit aller Entschiedenheit dagegen zu erklären. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Proklamation des Herrn von Trat ha unter diese Erscheinungen fällt. Der Kanzler hat doch auch sofort, nachdem Sicheres darüber verlautete, durch ein Telegramm Einhalt geboten. Der Kanzler hat in seinen Erklärungen gegen meine Parteigenossen einen Punkt unaufgeklärt gelassen, dec der Aufklärung dringend bedarf, jene in der „Zukunft" veröffentlichte Depesche, wonach die Absicht des Herrn von Trotha, mit Morenga zu unterhandeln, von hier aus oirekt desavouiert worden sei. In der heutigen Sitzung der Budgetkommission soll mitgeteilt worden sein, daß der Kanzler nicht an der Sache beteiligt sei, sondern das Telegramm an den Generalstab gelangt sei und zwischen diesen beiden Instanzen die Sache sich abgespielt habe. (Reichskanzler Fürst Büloiv erscheint am Bundesratstische.) Ich muß aber meine große Verwunderung aussprechen, daß der Kanzler die Sache nicht schon längst selbst richtig gestellt hat und solche Irrtümer so lange im Lande Wurzel fassen läßt. Mit der Kolonialpolitik sind wir griind- lich hineingefallen, das sieht man schon an dem Weihnachtsgeschenk, welches Herr von Stengel uns gestern auf den Tisch legte, dem Nachtragsetat von 30 Millionen. Wir werden uns sicher auch noch mit einem fünften Nachtragsetat zu beschäftigen haben, dessen Höhe ich freilich noch nicht kenne. Herr Gröber sprach von der Notwendigkeit des Ausbaues der sozialen Gesetzgebung und führte eine Anzahl von Materien an, deren Regelung dringend not tue. Er will auch das Genossenschaftsleben fördern, aber in demselben Atemzuge verlangt er Maßregeln gegen die Arbeiter-Konsumvereine I Wie ist dieser Widerspruch zu lösen?
Reichskanzler Fürst von Bülow: Ich werde aus bet Rede des Vorredners nur zwei Punkte herausgreisen. Der Herr Vorredner hat erklärt, daß die deutsche Sozialdemokratie die besten Beziehungen zu England anstrebe. Ich erwidere mit der Gegenfrage, warum, wenn dem so ist, die deutsche Sozialdemokratie fortgesetzt bestrebt ist, gerade in England das Mißtrauen gegen uns zu erregen? Das hat der Vorredner bestreiten wollen, er hat gemeint, die deutsche Sozialdemokratie und die deutsche sozialdemokratische Presse registriere nur die Spannung, die bestehe, und trage zu einer solchen nicht bei. Das bestreite ich auf das allerentschiedenste. Daß wir England gegenüber keine aggressiven Pläne verfolgen, habe ich hundertmal gesagt. Ich habe hundert mal gesagt, daß es Unsinn ist, uns solche Pläne unterzuschieben. Diese unrichtige, diese falsche Behauptung wird fortgesetzt von der sozialdemokratischen Presse wiederholt. Das leitende Blatt der Sozialdemokratie, das Zentralorgan, der „Vorwärts", brachte am 12. August, gerade in dem Augenblick, wo der Besuch der englischen Flotte in der Ostsee weniger bei uns als an unserer Grenze eine gewisse Erregung hervorgerufen hatte, einen Artitel, in dem es wörtlich heißt: „Eines scheint ganz sicher und nicht erfunden: Am Ausgang des vorigen Jahres war Deutschland im Begriff, England den Krieg zu erklären." Das ist eine Lüge I (Hort! Hört! rechts.) Weiter hieß es in dem Artikel: Daß tatsächlich die Flotte damals mobil gemacht worden war, ist seinerzeit von uns aus absolut sicherer Quelle mitgeteilt worden. — Das ist Unsinn, wir haben niemals mobil gemacht. Als das Unwetter vorüber gegangen war, wurde für das harte Wort „Mobilmachung" ein mildernder Ausdruck ersonnen. Darüber besteht nicht der geringste Zweifel, daß man in England genau unterrichtet ist, und daß auf diese Vorgänge die Erregung zurückzufiihren ist. Nur darüber ist man sich im Unflaten, welche geheimnisvollen Vorkommnisse diese Krisis nahegerückt haben sollen. Leute, welche sich für informiert ausgeben, sprechen seit Wochen immer ungenierter davon, daß die Ursache in einem schweren Zusammenstoß zwischen Wilhelm IL und Eduard VII. zu suchen fei. Das ist eine blödsinnige Lüge. (Große anhaltende Heiterkeit.) Und daß solche Aeußerungen Material für die Verleumdung liefern müssen, liegt auf der Hand, und daß das nicht der Zweck solcher Ausstreuungen sein soll, werden wohl nur wenige be- bezweiseln, welche außerhalb des Bannes der sozialdemokratischen Doktrin stehen. Demgegenüber erkläre ich auf das
Er erriet, was in ihrem Innern vorging und, eine glätt* zende Seelenstrategie entwickelnd, nahm er seinen Vorteil war, ging er zur Attacke über. Mit heißen Worten flehte er sie an, von ihrem unweibllchen Rauchen zu lassen, und, wenn sie nur etwas Sympathie für ihn fühle, ihm das Versprechen zu geben, ihrer Passion zu entsagen. In glühenden Farben schilderte er das reine, wolkenlose Glück, das ihrer, die sie beide sich liebten, in der Ebe harrte.
Die Miß war erschüttert. Welch prächtiger, feuriger Mensch. W e gut er zu reden verstand!
Und sie faßte seine Hände, drückte sie zärtlich und rief'. „Pedant! Well, so verspreche ich es, vom Rauchen zu lassen. Höchstens ein Zigarettchen, was mir Euer Wohlgeboren nicht verwehren werden. Ach, Du guter, böser Mensch, Du, küsse mich!"
Was er sich nicht zweimal sagen ließ. Und merkwürdig, diese Küsse schmeckten durchaus nicht nach Zigarrenrauch, im Gegemeil, sie mundeten duftig und süß . . .
Der arme Doktor Müller wurde ob seiner Heirat mit der reichen Engländerin sehr beneidet. Und die Ehe würde ideal und glücklich gewesen sein, wenn Frau Doktor Mary Müllers Küsse nicht hin und wieder einen verdächtigen Zigarrengnalmgeschmack verraten hätten. Als der teure Gatte seine Energie zusammenraffte und sie darüber zur Rede stellte, erwiderte sie kühl: „Lieber Mann, mein Versprechen habe ich Dir ja damals gegeben, das ist richtig« Aber ich befand mich in einer Notlage, da Du mich sonst nicht zur Frau genommen hättest. Die Ausnutzung einer Notlage ist strafbar, und Deine Strafe sei mein Zigarren- rauchen. Verstanden?"
Der Doktor war ein zu tüchtiger Jurist, um seiner klugen Frau nicht recht geben zu müssen, und ein zu guter Ehegatte, um nicht diese Strafe geduldig zu ertragen.