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General-Anzeiger

Allltülhes Organ für LtaU- und Landkreis Hanau.

Di« fünf gespaltene Petitzeil« oder deren Raum 15 Mk im Reklamenteü die Zeile 35 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdrucker« bc8 verein.

ei. Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanans

Nr. 294 Fernspr«l>an,chl«k Nr. 605. Freitag den 15. Dezember ffernkprechankchlust Nr. 605. 19 05

Hus F)anau Stadt und fand.

Hanart, 14. Dezember.

Leßentliche Titzmg der Ttaitvmrdiletkil-Bnsm»ilmg

vom 14. Dezember 1905.

Anwesend die Herren: Dr. Heraeus, stellvertretender Vorsteher; Baader, Bonn, Brüning, Eberhard, Förster, Hoch, Holm, Kehl, Koburger, Kreuter, Loßberger, Müller, Peteler, Reis, Schroeter, Schwabe, Spatz, Steinheuer, Voltz,. Dr. Wagner, Dr. Wenke, Wohlfarth und Wolff; vom Magistrat: Herr Oberbürgermeister Dr. Gebeschus, zweiter Beigeordneter Eisenach. ,

Die Erhaltung der Simultanschule in Hanau.

Don den unten genannten sechs Stadtverordneten ist ein dringlicher Antrag eingelaufen, der folgenden Wortlaut hat:

Die Unterzeichneten beantragen, die Stadtverordneten­versammlung wolle beschließen:

Der Magistrat wird ersucht, bei den zuständigen Stellen die Abänderung des dem Abgeordnetenhaus vor­liegenden Gesetzentwurfs betr. die Unterhaltungspsticht der öffentlichen Volksschulen in der Weise zu veranlassen, daß man der Stadt Hanau ein ihren Aufwendungen entsprechendes Anstellungsrecht für die Lehrkräfte einräumt, sowie ihr auf Grund der historischen Entwickelung ihren Schulen die bestehende simultane Schulordnung gewähr­leistet und ihr dadurch auf dem Gebiete des Schulwesens dieselbe Ausnahmestellung bewilligt, wie dem ehemaligen Herzogtum Nassau.

Vor allen Dingen muß die Stadt Hanau von dem Zwang befreit bleiben, für ihre Kosten auf Antrag eines kleinen Bruchteils der Bevölkerung konfessionelle Schulen zu errichten.

Holm, Kreuter, Küstner, Loßberger, Schwabe, Stübing." Sladiverordneter Schwabe begründet den Antrag und führt aus, der dem Abgeordnetenhaus vorgelegte Ent­wurf über die Schulunterhaltungspflicht enthalte tiefein- schneidende Bestimmungen insbesondere für die Gemeinden mit gemischten Schulen. Dem gesunden Sinn der Hanauer Bürgerschaft sei es gelungen, die Simultanschnle durch alle Stürme zu behaupten und dadurch die Heranwachsende Jugend im Geiste der Toleranz zu erziehen. Wenn man der An- schuung huldige, daß nur die Simultanschule die allein rich­tige Schule ist, dann wäre es wohl das richtigste, gegen den ganzen Gesetzentwurf Stellung zu nehmen, die Siädleordnung verbiete aber der Stadtverordnetenversammlung, sich mit poli­tische Dingen zu beschäftigen, es könne sich daher hier nur darum handeln, das möglichste für Hanau zu retten. Es würde eine neue schwere Belastung für die Stadt bedeuten, wenn sie gezwungen würde, neben den städtischen Schillen noch solche für konfessionelle Minderheiten mit zu unterhalten. Bezüglich des zu fordernden Mübestimmungsrechtes bei der Anstellung der Lehrkräfte sei es wohl nicht mehr wie recht und billig, daß derjenige, der die Lasten zu tragen hat, auch das Mitbestimmungsrecht erhält. Er bitte um Annahme des Antrags, damit der Magistrat die nöligen Schritte in der Sache tun könne. Stadtv. Schroeter hält einen Teil des Antrages für überflüssig, da ja der Entwurf bestimme, daß im Reg.-Bez. Wiesbaden (ehemaligen Herzogtum Nassau) und in einer Stadt im Reg.-Bez. Cassel es beim alten bleiben solle. Diese eine Stadt könne nur Hanau sein. Ober­bürgermeister Dr. Gebeschus führt aus, er sei ebenfalls der Meinung, daß dieeine Stadt" nur Hanau sein könne, der Magistrat stehe außerdem noch auf dem Standpunkt, daß die Regierung zu einer besonderen Erklärung aufgefordert werden müsse, es sei nur Hanau damit gemeint, da sonst die Gefahr bestehe, daß Hanau wegeskamotiert wird. Durch die Bestimmungen im Entwurf würden die bestehen­den Verhältnisse bedeutend verschlechtert. Die bisherige Praxis war die, daß bei einer Neuanstellung für die Volks­schulen 3 Lehrer vorgeschlagen wurden, wovon die Regie­rung dann einen wählte, nach den neuen Bestimmungen würde dieses Recht erst von einer Gemeinde mit mindestens 120 Schulstellen ausgeübt werden können, Hanau würde also dadurch ausgeschaltet sein. Im Magistrat haben bereits Beratungen stattgefunden, wie auf die Negierung eingewirkt werden kann, damit Hanau sein bisheriges Recht erhalten bleibt. Stadtv. Schw abe zitiert die Bestimmung indem Entwurf, wonach eine besondere konfessionelle Schule einge­richtet werden muß, wenn die Eltern von mindestens 120 Kindern einer bestimmten Konfession dies verlangen. Dies würde, wenn es auch für Hanau zuträfe, für die Kinder so­wohl wie für die Stadt von großem Nachteil sein. Stadtv. Hoch bemängelt das Vorgehen der Antragsteller, welche einen

Diecheut.ge Ru

so bedeutungsvollen Antrag nicht einmal vorher im Wort­laut vorgelegt hätten. Dringliche Anträge von ihm habe man früher wochenlang im Finanzausschuß begraben, jetzt zeige man, daß es auch anders gehe. Der Antrag sei so, wie er hier behandelt wurde, gar nicht zu übersehen, er scheine ihm auch gänzlich verfehlt. Er halte es für ganz aussichtslos, daß impreußischen Dreiklassenhause" irgend einem Wunsche weiter Volkskreise Rechnung getragen wird. Daß wir die Simultanschule allein für uns verlangen, da­mit setzen wir uns von vornherein ins Unrecht, dann sei auch die Begründung verkehrt. Herr Schwabe gehe vom Kosten­punkt aus, während die gemeinsame Erziehung der Kinder das ausschlaggebende sei. Er stimme gegen den Antrag, erstens weil es ihm nicht möglich sei, ihn in seiner ganzen Tragweite zu übersehen, zweitens weil er schwächlich und wertlos sei. Stadtv. Reg.-Rat Dr. Wenke: Ich habe aus den Ausführungen des Herrn Hoch entnommen, daß das schwächlichste an dem Antrag das ist, daß er nicht von Herrn Hoch und seinen Freunden gestellt ist. Redner fragt den Oberbürgermeister noch, wie er sich die Sache mit der gemischten Kommission denkt. Stadtv. Schwabe erklärt, Herr Hoch habe ihm wieder einmal das, was er als nebensächlich be­trachtete, so Eingestellt, als betrachte er (Schwabe) es als Hanvtmche und umgekehrt. Auf die übrigen Ausführungen des Herrn Hoch näher einzugehen, halte er nicht für der Mühe wert, er habe aber den Eindruck, als handle Herr Hoch nach dem bekannten Hanauer Grundsatz:Eine gute Ausrede ist drei Batzen wert." Stadtv. Hoch erwidert den Vorrednern, für ihn sei es maßgebend, ob der Antrag gut sei oder nicht, von wem er komme, spiele keine Rolle. Stadtv. Wolff erklärt, er sei ein eifriger Anhänger der Simu' tanschule, der Antiag stelle aber das Prinzip auf, nur für Hanau wollen wir etwas extraes herausbeißen, aus diesem Grunde stimme er dagegen. Stadtv. Schwabe führt noch aus, wir sind nur berechtigt, Stellung zu nehmen, soweit die Sache uns angeht, ein anderer Beschluß würde vom Magistrat sofort anulliert werden. Andere möchten sich doch ebenfalls regen, wenn das geschähe, würde die Be­wegung um so eindrucksvoller werden. Oberbürgermeister Dr. Gebeschus erwidert auf die Anfrage bezüglich der gemischten Kommission, die Bildung einer eigentlichen ge­mischten Kommission sei nicht beabsichtigt, tatsächlich sei sie aber gemi'cht, insofern, als 2 Mitglieder des Maaistrats und 2 Mitglieder der Stadtschuldeputation, die Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung sind, bestimmt wurden, formulierte Vorschläge zu machen. Die Stadtverordneten neigten immer dazu, Politik hineinzutragen, indem sie auch für andere Beschlüsse fassen.wollten, er habe sich deshalb gescheut, eine gemischte Kommission vorzuschlagen. Wir würden uns verbitten, wenn andere für uns Beschlüsse fassen wollten, wir sollten deshalb die unsrigen auch andern nicht aufdrängen. Er sei der Ansicht, wir sollten für uns so viel wie möglich herausschlagen, für andere zu entscheiden, sind wir nicht da.

Der Antrag wiro hierauf mit großer Majorität an­genommen.

Haftpflichtversicherung der Stadt.

Der Allgemeine Deutsche Versicherungsverein zu Stutt­gart, bei welchem die Stadt feit einer Reihe von Jahren ver­sichert ist, hat seine Versicherungsbedingungen einer Revision umerzogen, die dazu geführt hat, daß ein neuer Versicherungs­antrag vorliegt, der mit einer jährlichen Prämiensumme von 1799,47 Mk. ab'chließt. Dies bedeutet eine erhebliche Er­höhung gegenüber den Prämiensätzen der Vorjahre, erklärt sich aber einmal aus der allgemeinen Steigerung der Prämien­sätze des Vereins, hervorgerufen durch erhebliches Risiko, zum andern aus der allgemeinen der gesetzlichen Haftpflicht, Aufnahme einer Versicherung zu Gunsteu Trister und endlich Erhöhung der berufsgenossenschaftiichen Beiträge, nach denen die Prämiensätze berechnet zu werden pflegen. Der vor- gelcgte Vertragsentwurf findet Zustimmung.

Unfallentschädigung.

Am 12. September erlitt der Oekonom Franz Hoff­mann von hier mit seinen mit zwei Kühen bespannten Wagen am Wallweg gegenüber der Schule einen Unfall, der auf ein Loch in dem betr. Weg zurückzuführen ist, in welches das eine Rad hineingeriet und wodurch der Wagen umstürzte. Der dem Oekonomeu erwachsene Schaden beträgt 90 Mk., für welchen die Stadt haftbar ist. Wenn auch der fragliche Weg kein öffentlicher ist, so ist die Stadt doch als Anliegerin (städt. Schule) für die Unterhaltungskosten an der betr. Stelle verantwortlich. Der Allgemeine Deutsche Versicherungs­verein trägt die vertragsmäßigen 80 Prozent, auf die Stadt entfallen die übrigen 20 Prozent mit 18 Mk., deren Bewil­ligung ausgesprochen wird.

mer irmfaßt au^cr dem Uuterhaltunasbla

Bewilligung weiterer Mittel zur Be­schaffung von Säuglings milch.

Der von den Körperschaften für 1905 bewilligte Betrag von 500 Mark zur Beschaffung von Säuglingsmilch ist nahezu verbraucht. Es bedarf der Bereitstellung weiterer Mittel und werden diese in Höhe von 500 Mk. beantragt. Der Betrag wird voraussichtlich bis zum Schluffe des laufen­den Rechnungsjahres reichen. Wird zugestimmt.

Gas- und Wasserleitungsverlegung.

Der Weißbindermeister I. PH. Schütz hat um Verlegung der Gas- und Wasserleitung bis zu seinem Neubau Jabn- straße 22 nachgesucht. Der Weißbindermeister Fr. Wolff hat um die Verlegung der Gasbauptrohrleitunq in der Marien- und Karolinenstraße in Kcsselstadt bis zu seinen dortselbst gelegenen beiden Neubauten nachgesucht. Beiden Gesuchen wurde von der Gaswerkskommission unter den üblichen Bedingungen entsprochen. Dient zur Kenntnis.

Kleinere Vorlagen.

Die gegenwärtig geltende Baufluchtlinie in der Bruch- köbler Landstraße zwischen Fasanerieweg und dem Lohfink- schen Hause erhält eine den Eigentumsgrenzen mehr angepaßte kleine Abänderung, welcher zugestimmt wird. Der neu ausgearbeitete Gebührentarif für die durch das städt. Ver- meffungsamt auszehrenden Vermeffungsarbeiten für Private erhält nebst dem Abänderungsatttrag Dr. Wenke Zustimmung. Der mit der Leipziger Feuerversicherungsanstalt abge­schlossene Vertrag betr. Versicherung des Wasserwerkes I soll vom 23. Dezember ab auf weitere 5 Jahre erneuert werden. Zur Erlangung eines Freijabres wird beabsichtigt, die Prämie für 4 Jahre vorauszubezahlen. Der erforderliche Betrag von 493.70 Mk. wird bewilligt. Die Notbeleuchtung im Stadttheater, welche vertragsmäßig Sache des Direktors ist, soll gegen eine von demselben jährlich zu zahlende Entschädigung von 120 Mark von der Stadt über­nommen werden. Die Vorlage erhält Zustimmung. Das früher Schiebelhuth'sche Haus Badergasse Nr. 11 hat die Stadt erworben. Der bisherige Mieter hat sich zur Zahlung einer Miete von 200 Mk. jährlich er­boten, welche als anoemcffen bezeichnet wird. Wird ge­nehmigt. Die Prüfungen der Rechnung der Gaswerks­kasse für 1904, der Sammelwasenmeisterei, der Begräbnis- kasse, der Asservaten und Vorschüsse, der Stadtkasse Abt. II. B., der Schlachthofkasse und der Maierialiernechnung der Armen- venvaliiing boten zu Erinnerungen keinen Anlaß. Bei einer vorgenommenen außerordentlichen Revision der Spar­kasse wurde alles in Ordnung gefunden. Der Verpach­tung von zwei kleinen Grundstücken in Großauheim wird zugestimmt.

* Direktor der gewerbl. Bortbèwrrngsschnle. Die Stadlverordnetenversammlung stimmte der Wahl des Lehrers Geißler vom Technikum Hildburghausen zum Direktor der städtischen gewerblichen Fortbildungsschule zu.

* Sonderzüge. Freitag den 22. Dezember werden folgende Sonderzüge mit ermäßigten Fahrpreisen nach Berlin gefahren: 1. ab Straßburg 6.10 nachmittags, Sachsenhausen 11.20, Offenbach 11.31, Hanau- Ost 11.49, in Berlin- Potsdamer Bahnhof 12.15 mittags am 23. Dezember; 2. ab Mainz: 10.10 nachmittags, Frankfurt-Hauptbahnhof 11.25, Offenbach 11.50, Hanau-Ost 12.08, in Berlin-Potsdamer Bahnhof 12.45 mittags am 23. Dezember. Die Rückreise kann innerhalb 45 Tagen mit beliebigen Zügen angetreten werden, mit v-Zügen gegen Platzgebühr. Fahrtunter­brechungen sind nur auf der Rückreise gestattet. Freigepäck, .ausser Handgepäck, wird nicht gewährt.

* Jubiläum. Der Verwaltungsschreiber Herr W. Löwer blickt heute auf eine 25 jährige Tätigkeit bei der Kgl. Pulverfabrik Hanau zurück. Seitens der vorge­setzten Behörde wurde er mit einem Geldgeschenk bedacht.

* Stadttheater. Wohltätigkeits-Vorstel­lung zu Gunsten der durch die rusfischenUn- ruhen Geschädigten. Auf die heute zum obigen Zwecke stattfindende Aufführung von Gutzkow's packendem Werke:Uriel A c o st a" mit Herrn Hofschauspieler R o- d i u s als Gast in der Titelrolle sei nochmals besonders aufmerksam gemacht. Beginn 7 Uhr.

* Gastspiel Steinecke.Hanne Nüte's Ab­schi e d".Der Herr Senats r". Eine der präch­tigsten Szenen aus Fritz Reuter's tiefempfundener Dichtung. Hanne Nüte" wird am Sonntag hier erstmalig zur Dar­stellung gelangen. Herr Hofschauspieler Steinecke wird darin die wundervoll gezeichnete Figur desPastor Treu- mann" spielen. Hieran schließt sich die Aufführung des be­kannten und beliebten Lustspiels:Der Herr Senator", i» t 14 Seiten