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Liertel'âhrkich 1,80 Ml., monatlich 60 Pkq., fffr <n* wärnge Abonnenten mit dem bettel enden Postaufjchtag.
Die einzelne Nummer kostet 10 Psg.
General-Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckerei des verein, ei. WayenhauleS in Hanau.
Amtliches Organ für SUM= und Landkreis Kana«,
Die fünf gespaltene Petitzeile oder deren Raum 15 U^ im Rellameuteil die Zeile 35 Pfg.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker irr Hanan
Nr. 284
Fernsprechanschlnß Nr. 605
Montag den 4. Dezember
Fernsprechanschlnß Nr. 605
1905
Amtliches.
Stadtkreis Fjanau.
Bekanntmarhnnq.
Falls bei der diesjähriaen Volkszählung Familien oder Personen Zählpapiere nicht zu- gefteüt erhalten haben oder diese seitens der Zähler nicht wieder abgeholt sein sollten, werden die Betreffenden gebeten, dies im Volks- lählnngsburean, Marienstr. Nr. 2 (Stadtschloß), anznzeigen bezw. die Zählpapiere dort abzugeben.
Kanarr den 1. Dezember 1905»
Der Magistrat.
Dr, Gebeschus. 28583
■ Bekanntmachnnft.
Im Hofe der Kanalmühle gelangen am Dienstag den »♦ d. Mts., nachmittags von 3 Uhr an, alte Baumaterialien (altes Eisen, Bau- und Brennholz, Zink, Blei, Türen, Oefen u. s. m.) meistbietend zur Versteigerung.
Kaufliebhaber werden zu diesem Termin eingeladen.
Hanau den 2. Dezember 1905.
Stadthauptkaffe. 23584
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 25. November bis 1. Dezember 1905:
II Bnreaugehilse,
1 Kettner,
2 Schuhmacher,
2 Daaelöhncr.
Im Monat November erhielten Stellen zugewiesen: 1 Fahrbursche, 1 Glaser, 1 Knecht, 3 Schlosser, 4 Schuhmacher, 1 Schreiner, 13 Tagelöhner, 1 Wagner.
Hanau den 2. Dezember 1905.
Städtische Arbeitsvermittelungsstelle. 23577
Zwangsversteigerung.
Am Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Gemeinde Langenselbold belegene, im Grundbuche von Langenselbold Blatt 2461 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes aus den Namen des Maurers Peter Raab und dessen Ehefrau, Anna Maria Wilhelmine geb.
Weidenbach in Langenselbold je zur ideellen Hälfte eingetragene Grundstück:
Krtbl. 65 Nr. 46/5, Fcldstraße Haus Nr. 44, 3,54 ar, a) Wohnhaus mit Hofraum und Hausgarten, b) Stall,
zu der dem Ehemann zustehenden ideellen Hälfte
am 31. Januar 1906, vormittags 91/2 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht an der Gerichtsstelle versteigert werden.
Langenselbold den 28. November 1905.
_________ Königliches Amtsgericht. 23590
Gcfliiidciit und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 gelber defekter Siegelring mit blauem Stein mit den Buchstaben C. R., 1 Mülleimer, 1 Portemonnaie mit ca. 28 Mk., auf der Ortskrankenkasse ein Paket mit blauer Weste liegen geblieben, Empfangnahme daselbst.
Verloren: 1 braunes Marktnetz, 1 goldene Ankerbrosche, 14 Mk. bar, 1 Schnupftabaksdose mit dem Namen Ludwig Moritz.
Hanau den 4. Dezember 1905.
Hus Fjanau Stadt und Eand.
Hanau, 4. Dezember.
* Graf von Schaumburg *h Der jüngste Sohn Sr. Durchlaucht des Prinzen Philipp von Hanau, Graf von Schaumburg, ist auf Schloß Lehrbach in Oberhessen infolge eines Unglücksfalles plötzlich gestorben. Der Unfall entstand dadurch, daß in dem Walde bei dem Schloß Holz gefällt wurde, wobei der den Arbeiten beiwohnende Graf von einem fallenden Stamme tödlich getroffen worden ist. Der Graf, der im 27. Lebensjahre stand und der einzige noch lebende Sohn des Prinzen Philipp von Hanau war, hatte sich vor 3 Jahren verheiratet.
* Paketverkehr. Die Vereinigung mehrerer Pakete zu einer Postpaketadresse ist für die Zeit vom 10. bis 25. Dezember im inneren deutschen Verkehr nicht gestattet. Auch für den Auslandsverkehr wird dem Publikum anempfohlen, während dieser Zeit in seinem eigenen Interesse zu jedem Pakete besonde'e Begleitpapiere anzufertigen.
* Gs verjähren am 31. Dezember 1905 die Außenstände von Handwerkern, Kaufleuten, Fabrilanten usw. aus dem Jahre 1902. Weiter verjähren Lohne, Zechschulden, Aerzte- Honorare, Pnvaistundengelder u. a. m. aus demselben Jahre. Man schütze sich vor Verlusten, indem man rechtzeitig gerichtliche Schritte gegen die säumigen Zahler einleitet.
* Danktelegramm. Die am Samstag im landwirtschaftlichen Kreisverein versammelten Landwirte sandten dem Landwirischafisminister Exz. von Podbielski für seine warme Verteidigung der deutschen Landwirte im Reichstage ein Danktelegramm.
* Knttstindustrie-Vereitt. Der morgen Dienstag den 5. Dezember stattfindende musikalisch-rezitatorische Abend scheint, aus der großen Nachfrage nach Eintrittskarten zu schließen, sehr reges Interesse zu erwecken. Der musikalische Teil besteht außer dem „Hexenland" im Vortrag von Kompositionen von Schumann, „In der Nacht", Mendelssohn „Presto" (genannt Spinnerlied), Chopin „Tarantelle", Liszt „Gnomenreigen" (Concert-Etüde Nr. 2) und „La Campanella“ (große Paganini-Etüde ens-moll.) Der Konzertflügel ist aus der Pianoforte- und Instrumenten - Handlung von Kraushaar.
* Stadtteater. Wochenspielplan: Mittwoch: Neu einstudiert: „Niobe", Schwank in 3 Akten von Paulton; Freilag : „D e r M e i n e i d b a u e r", Volksstück mit Gesang von Anzengruber; Sonntag: Neu einstudiert: „Maria Stuart", Trauerspiel von Schiller.
* Abendnnterhaltuna. Im Saale zum „Deutschen Haus" veranstalteten am Samstag die Musikschüler der Musiklehrerin Frau A. E i l b e r eine Abendunterhaltung, die den geräumigen Lokaliiäten eine derartig große Besucherzahl zugeführt hatte, daß eine geradezu beängstigende Fülle zu konstatieren war, anderenteils aber dadurch auch der Beweis erbracht wurde, welch großer Sympathie sich diese Veranstaltungen zu erfreuen haben. Die jugendlichen Schülerinnen unb. Schüler boten Klavier- und Violin- sowie Gesangsvorträge, kbenbe Bilder u. a. m. und zeigten sich auch auf humoristischem Gebiete recht gut bewandert, wofür das urgelungene Couplet einer jungen Dame „Die moderne Studentin" glänzend Zeugnis ablegte. Auf weitere Einzelheiten des reichhaltigen und gewählten Programms wollen wir nicht eingehen, dagegen nur noch konstat eren, daß Jugend und weibliche Anmut und Schönheit dominierte, wodurch schon im voraus das Gelingender Veranstaltung in allen ihren Teilen besiegelt war.
* Carnevaliftisches Konzert. Die Erste Hanauer Caruevalsgeielschaft eröffnete gestern die Narrensaison durch ein großes carnevalistiiches Konzert im Deutschen Haus. Das Programm wickelte sich in der üblichen Form ab, Humor und Frohsinn beherrschten bett Abend. Die, Hauspoeten hatten eifrig gedichtet, die Vorträge standen auf carnevalistitcher Höhe. Den Schluß bildete ein Tanzkränzchen, das die Teilnehmer noch lange zusammenhielt.
* Schnee. Heute nacht ist erheblicher Schneefall eingetreten.
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Feuilleton.
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Stadttheater in Hanan.
— Hana«, 4. Dezember.
Nachdem Oskar Blumenthal in vergangenem Jahre nur mit einer einaktigen dramatischen Plauderei „Wann wir altern" aufwartete, schuf er in biefer Spielzeit durch die gestern zur Aufführung gekommene Novität „Der Schwur der Treue", Verslustspiel in 3 Akten, ein Musenkind, das noch des öfteren das theaterfreundliche Publikum in Erheiterung versetzen dürfte. Wenn auch des Verfassers Idee nicht gerade auf eine sonderliche Originalität (wir erinnern beispielsweise an das Sujet von „Cyprienne") oder erstaunliche Tiefe zurückzuführen ist, so belustigen die durch ihre graziöse, liebenswürdige Form entworfenen, munteren pointenreichen Verse umsomehr, als uns durch dieselben manche Lebenslehre niedlich und prickelnd enthüllt wird, allerlei unbestrittene Wahrheiten aus der Liebes- und Ehestrategie zum Vortrag kommen. Ferner übt der äußerst geschickt gewählte Schauplatz zu Ende des 17. Jahrhunderts in Antwerpen, durch das vornehme Kolorit des Zeitalters, einen solch angenehm verblüffenden Zauber auf die Wirkung des neckischen Reimgeplauders wohltuend aus, daß durch den symbolischen Charakter des schalkhaften Vcrslustspiels ein etwa vorzubringender Vorwurf der dichterisch etwas frei ein- gefügten Geschichte des Rembrandt-Bildnisses in die Handlung zur verzeihlichen Erklärung berechtigt. Die Skizze des amüsanten Konfliktes besteht in folgender Ausführung: Veit van Emden, ein Jünger Rembrandt's, verschenkte nach einer förmlichen Skala abenteuerlicher Liebesgeschichten nun end- giltig sein Herz an die liebreizende Claudine van Zuylen Seine logischen Ueberzeugungen haben in ihm jedoch den Grundsatz genährt, nie einer Frau den „Schwur der Treue"
zu leisten, da das hastige Leben in steter Wandlung zwischen Vergangenheit und Gegenwart eine scharfe Grenze ziehe, und somit auch die Treue nur als vorübergehender, impulsiver Wahn zu betrachten sei. So wollte er denn auch in der Ehe seinem extremen Gelübde huldigen, denn in gar nicht allzulanger Zeit soll der Gattin klar werden, daß ihr schwärmerischer — Don Juan an Gräfin Lux, einer blendenden Schönheit, Gefallen findet und auf Abwege 511 geraten droht. Mit Hilfe ihres listigen Erfindungsgeistes weiß jedoch Claudine seine neu entfachte Herzensglut zu dämpfen, indem sie ihm lächelnd die Vorzüge ihrer Rivalin schildert, und, zu seinem Erstaunen, sogar von einem verabredeten Stelldichein klar unterrichtet ist. Und schnell gewandt fängt sie den Schlauen in der eigenen Schlinge. Indem sie ihm die Freiheit gibt, erscheint sie ihm gar nicht mehr verlockend, indeß die Gattin läßt ihn allein. Der letzte Akt bringt die Versöhnuug. Durch Zufall erscheint ein Ma'erkollege, der ein verspätetes Hochzeitsgeschenk Meister Rembrandts überbringt, eine Skizze des berühmten Bildes „Rembrandt unb seine Frau Saskia", und diesem Bilde eine eigene Deutung gibt. Bei der Nutzanwendung schwört Veit seiner Frau was er nie schwören wollte, selbst, als sic keinen Schwur mehr hören will und bleibt in Zukunft rückhaltslos der Ge iebte — seiner Frau.
Mit einem behaglichen, natürlichen Junior stellte Herr Steger in schelmischer Spielweise, unterstützt durch ein ausgeprägtes treffendes Mienenspiel jene bärbeisige Falstaff- Figür „Jobst van Zuylen" in ganz prächtiger Weise auf die Bretter, während die „Claudine von Zuylen" des Frl. Braune ebenfalls bewuudernswert inèVordergrund trat. Was wir an der Leistung besonders schätzenswert erachteten, bestand neben dem liebreizenden, tändelnden Auftreten der Künstlerin in dem verständnisvollen Vortrag der Verse, die sie mit einem bevarti eit angenehmen Wohlklang der Stimmen-Atodulation auszustatlen wußte, daß das schalkhafte Wesen dieses vortrefflichen Luitspielcharakters wohl
mit kaum mehr anheimelnder Liebenswürdigkeit schauspielerisch gegeben werden kann. Interessant und erfolgreich zeichnete Herr Hauser den galanten, lockeren Zeissig „Veit van Emden", ebenso wie Frl. Behrens der „Gräfin Lux" durch imposantes Erscheinen, gepart mit distinguierter plastischer Verkörperung, zu einem sehr gelungenen Erfolg verhalf. Gut gefielen uns Herr Müller, der aus dem Farbenreiber „Peter Volz" ein wackeres Bürschchen gestaltete, ferner noch Frl. Holm als ziersame niedliche Zofe „Malva". In schlichter Art erledigte Herr Oscarsen den erfahrenen Frauenkenner Doktor „Erasmus Wundt". Die Leistung des Herrn Kempf in der Partie des „Pancraz Brüning" stand insofern nicht so ganz auf der Höhe, als der Darsteller seinen Worten zu wenig Nachdruck verlieh, wodurch die vom Dichter entworfene be- geisternde Beschreibung des Rembrandt-Bildes an Wirkung verlor. In Bezug auf szenische.Ausstattung, sowie auch auf flottes Tempo können wir Herrn Oberregisseur Steger für die Inszenierung der Novität unsere ungeteilte Atterkennung zusprechen. Das vortreffliche Werk fand denn auch vor einem ausverkauften Haus (Orchesterraum angeschlossen) einen durchschlagenden, in jeder Weise wohlverdienten Erfolg.
RunTt und Leben.
W Darmstadt, 3. Dezbr. Heute vormittag wurde die 5. Ausstellung der Freien Vereinigung Darmstädter Künstler in der Ausstellungshalle des KunftoereinS eröffnet. Zur Eröffnung waren der Großherzog und die Großherzogin,"Slaats- minifter Rothe, Provinzialdirektor Geheimrat von Grancy, der Oberbürgermeister unb andere geladene Gäste erschienen. Die Ausstellung, an der sich auch die Ehrenmitglieder der Vereinigung, Professor Eugen Bracht unb Prof. Ludwig von Löfftz, beteiligt haben. umfaßt G^w^tde unb Werke moderner Plastik.