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«7. November

Montag

Sette 3

3 u n g das ehemaligeSchloß" zur Etablierung eines Brauereianwesens überlassen. Außer der Zahlung einer be­stimmten Verkau^ssumme mußte sich der Unternehmer zur kostenfreien Unterhaltung eines gemeinheitlichen Fasel stieres und eines Zuchtebers urkundlich verpflichten. Als Aequivalent für diese Reallalt mußten sämtliche Wirte Groß-Steinheims ihren Bierbedarf aus derSchloßbrauerei" decken. Während nun letztere Verpflichtung schon längst ausgehoben wurde, be­steht die erwähnte Reallast der Hofbranerei heute noch un­verändert weiter. Die seit etwa 4 Jahren zwischen dem Brauereibesitzer und der Gemeinde wegen Ablösung dieser l Last schwebenden Unterhandlungen scheiterten stets in der Höhe des angebotenen Ablösungsbetrags. Nachdem auch die von Herrn'Jung in letzterer Zeit offerierte Ersatzsumme von 5 500 M. von der Majorität des Gemeindevorstandes ab­gelehnt wurde, liegt die Sache jetzt dem Offenbacher Kreis­ausschusse zur Entscheidrmg vor. Das Urteil soll nächsten Mittwoch gefällt werden. 'Mit allgemeiner Spannung sieht demselben entgegen.

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DraKtnackrickten.

Der Aufstand in Deutsch-Ostafrika.

Berlin, 27. Novbr. DerBerl. Lokal-Anz." meldet auS 'Dar-es-Saalam: Oberleutnant Grawert zerstörte im laufenden Monate in den Landschaften Ma 1 umbi und Kibatta viele feindliche Dörfer. Die Aufständischen erlitten schwere Verluste, leisteten aber nirgends ernsteren Widerstand. Oberleutnant P a a s ch e meldet, daß sich die Wapogoro in großer Zahl unterworfen haben.

Selbstbcantragte Disziplinarnntersuchnng.

Berlin, 25. Novbr. DerBerl. Lok.-Anz." meldet: Das Lehrerkollegium des Gymnasiums in Garz a. Oder be­antragte gegen sich wegen der am dem Gymnasium vorge­kommenen Schülerselbstmorde eine Disziplinaruntersuchung.

Die Vorgänge in Rußland.

Moskau, 26. Novbr. (Petersburger Telegraphen- Agentur.) Der Kongreß der Semstwo 8 und der Städte hat mit 86 gegen 57 Stimmen beschlossen, zu dem Grafen Witte eine Abordnung zu entsenden, die ihm die Resolution des Kongresses überreichen, nähere Aufklärungen zu derselben geben und die Regierung bitten soll, daß die in der Resolution enthaltenen Forderungen verwirklicht werden. Im Laufe der Verhandlungen wurde noch beschlossen, dem Grafen Witte das Vertrauen, Durnowo aber, der in der alten bureaukratischen Politik fortfahre, das volle Mißtrauen des Kon­gresses auyzudrücken und die sofortige Abberufung Durnowo's zu verlangen. Mehrere Mitglieder des Kongresses brachten einen Protest gegen die Resolution ein und beantragten in Anbetracht der herrschenden Erregung von den der Regierung unterbreiteten Forderungen abzusehen, dem Grafen Witte das Vertrauen des Kongresses auszudrücken und die Fragen der Wahlen und Autonomie für Polen bis zur Einberufung der Duma zurückzustellen.

Sewastopol, 26. Novbr. (Petersb. Telegr.-Agentur.) Hier scheint wieder Ruhe einzukehren. Der heutige Tag ist ohne Zwischenfälle verlaufen. Die staatlichen Gebäude waren von Militär besetzt.

Berlin, 27. Novbr. DerLokal Anz." meldet aus Warschau: Gestern abend würben hier aus einem Cai^ zwei

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Bomben geworfen, welche explodierten, aber niemand verletzten. Die Täter wurden verfolgt, schossen und töteten einen alten Mann, entkamen aber unerkannt.

/ Flsttcndcmonftration.^

Konstant'nopel, 26. Novbr. (Reuter.) Das inter­nationale Geschwader ist vor Mytilene ein* getroffen.

Konstantinopel, 26. Novbr. (Wiener Korr.-Bur.) Das heutige Programm der Flottendemon­stration ist folgendes: Um 8 Uhr früh Uebergabe eines Briefes an den Gouverneur von Mytilene durch fünf Offiziere der fünf Mächte und einem Botschafts­dragoman, in welchem die Veranlassung und der Zweck der Demonstration mitgeteilt und erklärt wird, daß Handel und Verkehr ungestört bleiben; dein Doyen des Konsularkorps in Mytilene wird entsprechende Mitteilung ge­macht. Um 1 Uhr Landung von Truppen und Besetzung des Zollamts und Telegraphenamts, um welche drei Zonen ge­zogen werden. Die erste wird von internationalen Truppen besetzt, die zweite bleibt vollkommen neutral, die dritte wird den türkischen Truppen überlassen. Der Depeschenwechsel des Geschwaders geht über Athm und auch direkt nach Konstantinopel. Bleiben auf letzterem Wege die Telegramme der Kommandanten unbeantwortet, würden sie also in Konstantinopel nicht übermittelt, so wird das Kabel durchschnitten.

Madrid, 26. Novbr. Aus Barcelona wird gemeldet: Eine Anzahl Offiziere begaben sich vergangene Nackt nach der Redaktion eines katalonistischen Blattes, das Karikaturen gebracht hatte, wodurch sich die Offiziere verletzt fühlten. Die Offiziere brachten vor der Redaktion Hochrufe auf Spanien aus und gerieten in Konflikt mit einer aus Katalonisten und Republikanern bestehenden Volksmenge. Weitere Mel­dungen besagen, die Ruhe in Barcelona sei wiederhergestellt. Zivil- und Militärbehörden seien mit der Untersuchung der Vorfälle beschäftigt.

Madrid, 26. Novbr. Der Ministerrat hielt wegen der Vorkommnisse in Barcelona eine Sitzung ab. Kriegsminister Weyler wurde beauftragt, den Behörden in Barcelona die entsprechenden Weisungen zu erteilen. Der Ministerpräsident hielt dem König über die Vorkommnisse Vortrag.

Barcelona, 26. Novbr. den gestern nacht statt­gehabten Zusammenstößen zwischen Offizieren und Katalonisten stürmten die Offiziere die Druckerei des WochenblattsCucat", warfen Möbel, Papiere und sonstige Gegenstände auf die Straße unb verbrannten sie. Darauf zogen die Offiziere nach dem Hanse des kalaloniick n BlattesVeu d' Calaluna" und verbrannten auch dort die Modell D>e Bemühungen des Generalkapitäns, die Offiziere ju beruhigen, bliesen zuerst erfolglos. Doch gelang es später, die Offiziere nach dem Palast des Z'vilgonvernmrs zu bringen.

Barcelona, 27. Novbr. Die der katalanistischen Partei angehörigen Deputierten und Senatoren beschlossen, die Absetzung der hiesigen Zivilbehörden und die Ersetzung der Garnison durch andere Truppen zu verlangen.

Barcelona, 27. Nov. Das BlattVeu be Cataluna" wurde wegen eines Angriffes gegen die Unverletzlichkeit des

Vaterlandes beschlagnahmt. Der Bürgermeistse gab feind Entlassung.

Madrid, 27. Nov. DerJmparcial" meldet: Der Ministerrat erkannte die Notwendigkeit an, der separatilchm Bewegung in Katalonien ein Ende zu machen und die Aus­breitung zu verhindern. Zu diesem Zwecke sollen die ver­fassungsmäßigen Bürgerschaften aufgehoben und ein die Auf­hebung genehmigender Gesetzentwurf im Parlament ein­gebracht werden. Die verantwortlichen Behörden in Barce­lona sollen entlassen werden.

Barcelona, 26. Novbr. Als Soldaten die Rambla ent­lang marschierten, kam es wieder zu einigen Zwischenfällen. Schmährufe gegen Spanien und Hochrufe auf Katalonien er­tönten. Mehrere Personen wurden verhaftet. Die Behörden trafen Maßregeln zur Verhinderung von Ruhestörungen. Die Truppen wurden in den Kasernen konsigniert.

Kopenhagen, 26. Novbr. Nack einer brieflichen Mel­dung aus Oesjord auf der Insel Island wurden dort am 15. d. Mts. nachts mehrere ziemlich starke Erdstöße wahr» genommen.

Christiania, 26. Novbr. Prinz Heinrich von Preußen stattete der Königin anläßlich ihres heutigen Geburtstages heute mittag einen Besuch ab.

Christ rânia, 26. Novbr. Dem Könige sind ans Anlaß seines Regierungs-Antrittes Glückwünsche zugegangen von dem Kaiser von Oesterreich, dem Kaiser von Rußland, dem König von Italien, dem König der Belgier und dem Prinz­regenten von Bayern.

Christiani«, 26. Novbr.Verdensgang" sagt: Der Z u st a n d Henrik Ibsens sei nicht unmittelbar heun* ruhigend. Der Dichter sei in der letzten Zeit schwächer ge­worden, sei aber doch täglich einige Stunden auf und zeige Interesse für die Begebenheiten des Tages.

London, 27. Nov.Daly Telegraph" meldet aus Tokio vom 25. d.: Das Armeemedizinaldepartement teilt mit, daß die japanischen Verluste während des Krieges an Toten und Verwundeten 218 429 Mann, an Kranken 221 136 Mann betrugen. D-e Russen schaffen Dampfer an, um unver» züglich einen planmäßigen Dienst nach dem fernen Osten ein­schließlich Koreas zu eröffnen.

Rom, 26. Novbr. Aus Foggia, Avellino und N e a p el wird gemeldet, daß dort vormittags 7 Uhr 45 Min. Erderschütterungen vorgekommen seien, die keinen Schaden angerichtet hätten.

Nom, 26. Novbr. In der Ortschaft Apice, Provinz Benevento, wurden durch Erdstoß mehrere Häuser darunter eine Carabinier-Kaserne, beschädigt, sodaß sie geräumt werden mußte. In Ariano, Provinz Avellino, wurden mehrere Kirchen, darunter die Kathedrale in Grottaminarda, Provinz Avellino, ebenfalls einige Häuser durch Erdstoß beschäftigt. Verluste an Menschenleben sind nicht zu be­klagen.

Benevent, 26 Nov. Heute früh 7 Uhr 54 Min. ereig­nete sich hier eine r starke, 10 Sekunden dauernde wellen­förmige E r d e r s ch ü 1 t e r u n g. In der Bevölkerung enstand große Unruhe. Sachschaden wurde nicht an­gerichtet.

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