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General-Anzeiger
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
verantwort!. Redakteurr 6. Schrecke« tu H««
Nr. 277
Ferusprechanschlutz Nr. 605
Samstag den 25. November
Fernsprechanschlutz Nr. 605.
1905
W
Hus Fjanau Stadt und fand.
Hana«, 25. November.
• Stadtverordnetenwahlen. Von 709 Wahlberechtigten der 2. Klasse übten bei dem gestrigen Wahlgange 278 ihr Wahlrecht aus. Er erhielten für die Er- gânzungswahl Kaufmann H. I o st jun. 278, Kaufmann L. Loßberger 277, Lehrer H. Wolff 278, Justizrat AUth 278 Stimmen, Fabrikant Hugo Junghenn 1 Stimme. Für die Ersatzwahl: Kaufmann Otto Bernges 278 Stimmen.
* Stadttheater. Anzengruber, einer der bedeutendsten Bühnenschriflsteller, welcher leider zu früh sein ^|| fruchtbares literarisches Schaffen einstellen mußte, kommt morgen an unserer Bühne wieder zu Worte. Ein echter - Dolksichriftsteller war Anzengruber, seine Werke atmen frische I! Bergesluft und seine Gestalten sind wahre Kinder der Natur. Seine Geschichten zeugen von tiefer Empfindung und seltener Beobachtungsgabe. Seine Bühnenstücke sind in ihrer Einfachheit von ergreifender Wirkung. Es seien h'er von seinen dramatischen Schöpfungen die bekanntsten aufgezählt und zwor „Der Pfarrer von Kirchfeld", „Das vierte Gebot", „Die Kreuzelschreiber", „Stahl und Stein", „Der G'wissens- wurm" und „Heimg'funden". Eines der besten ist aber das morgen zur Aufführung gelangende Dolksschauspiel „D e r M e i n e i d b a u e r". Mit schlichten Mitteln verstand Anzengruber gewaltige Wirkungen zu erzielen. Tiefempfundene Stimmungen wechseln in seinen Werken ab mit wuchtigen dramatischen Szenen. Seine Menschen sind nicht erdacht, sondern geschaut, darum sind sie auch mit allen Besonderheiten des wirklichen Lebens ausgestattet und überzeugend in ihrer Wahrhaftigkeit. Sie bieten den Darstellern Aufgaben, die ihnen Freude zum Schaffen geben. In dem morgen zur Aufführung gelangenden Schauspiel wird Herr Oberregisseur Steger, welcher das Werk zugleich inszenierte, die Titelrolle spielen. Frl. Braune wird die „Vrony" darstellen. Herr Hauser den „Franz", die „Creszenz" Frl. H e l l i o t, den „Adamshofbauer" Herr Kempf. In größeren Aufgaben sind ferner noch beschäftigt die Herren Nachbaur, Müller, Oscarsen und Gehrmann, ferner die Damen Müller, Jaida und Stahl. In kleineren Rollen außerdem fast das gesamte Personal. Die zu dem Schauspiel geschriebene stimmungsvolle Musik wird Herr Kapellmeister Schmidt mit bewährter Umsicht dirigieren. — Der Vorverkauf findet heute nachmittag von 4—5 U h r an der Theaterkasse statt.
* Fernsprechverkehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf Sas van Gent, Meerssen, Bergen op Zoom, Beverwyk, Broek op Langendyk, Goes, Hcrrdermyk, Huizen, Medemblik, Naarden, Neuzen, Nykerk, Noord Scharwoude, Oudenbosch, Overschie, Schagen, Steenbergen, Velsen, Vlissingen, Derseke, Zevenbergen, Zuidlaren und Zuid Scharwoude ausgedehnt worden.
* Volks-Kirchenkonzert. Wir weisen noch einmal ruf das morgen abend '/»8 Uhr in der Johanniskirche stattfindende Volks-Kirchenkonzert hiermit hin. Das Programm erleidet insofern eine kleine Aenderung, als an Stelle des Satzes aus dem deutschen Requiem von Brahms „Meine Seele ist stille zu Gott" von Emmerich (Sopransolo) gesungen wird. Es sei noch einmal ausdrücklich hervorgehoben, daß zu dieser Veranstaltung alle Kreise unserer evangelischen Bevölkerung, nicht allein die unbemittelten Stände, eingeladen werden, um sich zu erfreuen und zu erbauen an den für den Tag passend gewählten Gesängen und Orgelvorträgen mit ihrer melodischen und harmonischen Pracht und dem tiefen Stimmungsgehalt. Eintritt i st frei. Programme werden am Eingang der Kirche gegen 10 Pfg. â Stück ausgegeben. Das fragliche Volks - Kirchenkonzert ist die erste derartige Veranstaltung in Hanau, die bereits in anderen Städten mit Erfolg eingeführt sind. Es besteht die Absicht, weitere Konzerte folgen zu lassen. — Die Hauptprobe findet heute abend 8 Uhr in der Kirche statt, zu der die Mitglieder freundlichst eingeladen werden.
* Das deutsche Lied in der bildenden Kunst der Neuzeit wird Herr Dr. Qmllmg tn seinem nächsten Vonrage, dem letzten dieses Jahres, am Donnerstag den 30. November behandeln. Zahlreiche Lichtbilder sowie die Vorträge eines aus Klavier, Violoncello und Violine bestehenden Trio's werden zur Erläuterung des illustrativen und des musikalischen Teiles dienen. Außerdem wird es vermutlich gelingen, einen Sänger zu gewinnen, der die schönsten Lieder zu Gehör bringen wird. Der Vortrag findet in der Aula der Zeichenakademie abends 71/* Uhr statt Eintrittskarten zu Mk. 1.50 sind in den Hofbuchhandlungen und bei A. Zippelius zu haben.
* „D*e edlen Sechs." Die Affaire der sechs armen „Tintenkulis", die im Berliner „Vorwärts" so schmählich auf das Pflaster geworfen wurden, weil sie nicht Ordre parierten, macht der Partei für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bekanntlich viel Kopfzerbrechen. Von diesen „edlen Sechs", wie sie Bebel „geschmackvoll" bezeichnet, hat ein gewisser S. in Hanau auch etwas gelesen oder gehört und er geht auf die Suche, um in Hanau ebenfalls „die edlen Sechs" zu entdecken. Mit welchem Erfolg, ersieht man aus Nr. 274 der Frankf. „Volksstimme", in welcher dieser S. unter dem üblichen und genugsam bekannten Phrasengedresch seinem gepreßten Herzen darüber Luft macht, daß bei der letzten Stadtverordnetenwahl sechs organisierte Buchdrucker „sich zu Kulis des Unternehmertums degradiert" und ihre Stimme den Gegnern, d. h. den Kandidaten der Bürgerlichen, gegeben haben. Mit denselben schwülstigen Phrasen werden die übrigen 10 Buchdrucker, die überhaupt nicht gewählt haben, als „Feiglinge" abgetan und ihnen der „Standpunkt" klar gemacht, worüber sich die „edlen Sechs" sowohl wie die „zehn Feiglinge" wohl kaum besonders aufregen werden. (Sie haben nur ein Lächeln für dieses hirnlose Gewäsch übrig. Der Setzer.) Daß aber gerade der Verband der Deutschen Buchdrucker als Zwangsmittel für die Abgabe eines sozialdemokratischen Stimmzettels an den Haaren herbeigezogen wird, muß höchst verwunderlich erscheinen, da doch das Statut des Verbandes in seinem § 1 ausdrücklich besagt: „Der Verband der Deutschen Buchdrucker hat zum Zweck die Vertretung der gewerblichen, sowie Förderung der geistigen und materiellen Interessen seiner Mitglieder mit Ausschluß aller politischen und religiösen Frage n." Der Verband ist lediglich eine gewerkschaftliche Vereinigung, die ihre Mitglieder in politischer Hinsicht zu gar nichts verpflichtet. In einem gewissen hiesigen Verein mag ja die Sache allerdings leichter sein, da werden die Statuten, sobald sie den Wortführern und Gebietern nicht in den Kram passen, einfach umgemodelt, und wer sich unterfängt, eine andere Meinung zu haben, der „fliegt". Im Verband der Deutschen Buchdrucker ist ihnen aber ein kräftiger Riegel vorgeschoben. Der kostbare Erguß des Herrn ^., dem offenbar die Stadtverordnetenwahlen sehr zu Kopf gestiegen sind und der nun Buchdruckerverband, Wahlert, Abonnementseinladung zur „Volksstimme" und Gott weiß was alles in einen Topf wirft, um wahrscheinlich damit seine Befähigung auch auf journalistischem Gebiet darzutun, endet mit der Aufforderung, die bürgerlichen Blätter zu vertilgen und der „Volksstimme" Platz zu machen. Wahrscheinlich hofft er dann bei den „edlen Sechs", denen damit der Brotkorb höher gehängt wäre, die angekündigte „Aufklärungsarbeit" hoffnungsvoller in Angriff nehmen zu können.
* Bund deutscher Militäranwärter, Zweip- vereitt Hanau. Wie aus dem gestrigen Annoncenteil ersichtlich ist, hält morgen nachmittag 31/» Uhr in der „Stadt Bremen" Herr General z. D. von Kloeden in dem hiesigen Zweigverein einen Vortrag, über „die Zwecke und Ziele des Bundes". Hierbei ist jedem, dem Bunde noch fernstehenden Kameraden Gelegenheit gegeben, sich über die Bestrebungen des Bundes zu unterrichten. Der Bund, der z. Z. über 35 000 Mitglieder zählt, ist über ganz' Deutschland verbreitet und gehören demselben Beamte und Unter- beamte von allen 'staatlichen und städtischen Behörden an. Derselbe steht streng auf dem Boden der bestehenden Gesetze, seine Bestrebungen gehen dahin, neben der Pflege der Kameradschaft Treue zu Kaiser und Reich hoch zu halten, das Ansehen des Militäranwärterstandes zu heben und die wirtschaftliche Lage seiner Mitglieder zu verbessern. Der Bund hat sich mit Abgeordneten aller staatserhaltenden Parteien in Verbindung gesetzt, um seine Interessen bei den bevorstehenden Reichstags- re. Verhandlungen vertreten zu lassen. Die Bestrebungen und Wünsche sind auch von den Herren Abgeordneten anerkannt und ihnen Unterstützung zugesagt worden. Es ist dies um so wertvoller, da gerade in der bevorstehenden Tagung sehr wichtige Gesetze, welche den Militäranwärter in erster Linie betreffen, zur Beratung kommen (Militärpensionsgesetz, Anrechnung eines Teiles der Militärdienstzeit auf das Besoldungsalter, Wohnungsgeldzuschuß usw.). Aus Vorstehendem dürfte wohl hervorgehen, daß es im Interesse eines jeden Anwärters liegt — einerlei welche Stellung er bekleidet — sich den Bestrebungen des Bundes anzuschließen. Denn je mehr Mitglieder dem Bunde angehören, desto größer ist die Aussicht auf Erfolg. Anmeldungen nehmen zu jeder Zeit alle Mitglieder des hiesigen Zweigvereins entgegen.
* Der Ueberschuß des Marken-Konsumvereins, der in diesem Jahre rund 6000 Mark beträgt, wurde laut Beschluß der Generalversammlung wiederum dem Saalbau
Die heutige Nummer umfass Mcher dem uuterhaltuugSblalt 14 Leiten»
überwiesen, um diesem die Mittel für die Ablösung der Brauereihypothek zu gewähren. Nunmehr will der Marken- Konsumverein an die Gründung einer Konsumgenossen- schaft treten.
O Das Trinkgeld verschluckt. Ein Hanauer Man, der gelegentlich der großen Felddienstübung am Dienstag in Seligenstadt weilte, erhielt von einem Einjährigen als Belohnung für eine Gefälligkeit ein Markstück. Der vollauf beschäftigte Ulan nahm das Trinkgeld in den Mund und hatte das Malheur, die Münze zu verschlucken. Hoffentlich sind die beiden, nämlich der Ulan und das Geldstück, friedlich von einander geschieden.
* Fußball-Wettspiel. Morgen Senntag den 26. d. M. spielt der hiesige Fußballklub „Tiktoria" gegen den Frankfurter Fußballklub von 1902 auf fernem Sportplätze Freigerichtstraße.
* Don den Dtpothekrrr ist morgen nachmittag voll—9 Uhr die Hof-Apotheke geöffnet
* Das Hahnenkammhaus ist Kyrrrrtags von 11 Uhr ab geöffnet.
Sprechsaal.
Für die unter dieser Rubrik «inoesandten Noriten übernimmt die Rüiaktta» dem Publikum qegenüber keinerlei Veraniwortunq.
In der letzten Zeit tritt in umfangreichem Maße dar Bestreben von Vereinen zu Tag, für ihre Mitglieder bei Einkäufen Sondervorteile zu erlangen.
Man kann als ziemlich sicher annehmen, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil der hiesigen Bevölkerung an diesen Bestrebungen beteiligt ist.
Die letzteren kommen dadurch zum Ausdruck, daß den hiesigen Geschäften angesonnen wird, den Vereinsmitgliedern auf die Preise der Waren einen Extra-Rabatt zu gewähren.
Die Geschäfte, welche sich darauf einlassen, werden alsdann den Vereinsmitgliedern bekannt gegeben.
Ganz abgesehen davon, daß ein Geschäft, welches aus Vertrauenswürdigkeit Anspruch macht, sich niemals dazu verstehen sollte, einen Teil seiner Kundschaft un* 9 ün [tiger zu behandeln wie den anderen, und daß deshalb Geschäfte, welche solche Forderungen bewilligen, als ganz einwandfrei nicht zu betrachten sind, erscheint der eingeschlagene Weg um deswillen als ein gänzlich verfehlter, weil jeder Rabatt dem Preis zu geschlagen werden muß. Insbesondere ist derselbe in die Preisberechnung einzubeziehen, wenn die Ab- nehmer, denen er zu gewähren ist, einen beträchtlichen Teil der Gesamtkundschaft des Geschäftes ausmachen.
Aus diesem Grunde gehen die Vorteile der höheren Rabattsätze durch die NachteilederhöherenBrutto- preise vollständig wieder verloren, und die Mitglieder der Vereine haben lediglich das Vergnügen, auf einen mit einem größeren Nutzen berechneten Verkaufspreis einen höheren Rabatt zu bekommen.
Nur der nach Abzug des Rabatts verbleibende Nettopreis kann als maßgebend für die Preis- w ü r d i g k e i ^ in Frage kommen, und dieser Nettopreis wird in jedem leistungsfähigen Geschäft nach der Konkurrenz» und Existenzmöglichkeit bemessen.
Demgemäß sind auch diejenigen hiesigen Geschäfte, welche sich zu einer verschiedenartigen Behandlung ihrerKundschaft nicht verstehen können, genötigt, bei Festsetzung ihrer Verkaufspreise die den Vereinen gewährten Vorteile der Konkurrenz in Betracht zu ziehen. Ihr Wettbewerb damit kommt jedoch nicht einem Teil, sondern den sämtlichen Abnehmern zu gut
Es ergibt sich hieraus, daß zwar die Mitglieder von Vereinen nicht ungünstiger bei außerhalb dieser Vereine stehenden Geschäften kaufen, wie bei denjenigen, durch welche ihnen angeblich Bevorzugungen gewährt werden, daß aber diejenigen Käufer, welche keinem Verein angehören, benachteiligt sind, wenn sie in Geschäften kaufen, die den Vereinen Vorteile ihnen gegenüber bewilligen, denn sie müssen die höheren Grundpreise bezahlen, ohne des höheren Rabatt zu bekommen.
* Gcflügesausstellunft in Hanau. Bei bei stattgefundenen Prämiierung erhielten goldene Medaillen für beste Gesamtleistungen in älterem Großgeflügel: Heinrich Roediger Hanau, für diesjährige Zucht: 'Wilhelm Rauch. Hochstadt, für Wassergeflügel: Heinrich Göbel-Oberissigheim, für Tauben: Georg Gerner-Hanau. — Ehrenpreise erhielten für Hühner : Heinrich Roediger-Hanau (2), Wilhelm Rauch-Hochstadt, Karl Belk-Kesselstadt, Jakob Stein Vl.-Hoch- stadt, Georg Gerner-Hanau, Slugust Schlegel-Hanau (2), Theodor Alix-Fechenheim, Dr. Calaminus-öangendiebach, Karl Farr-Hanau, Wilhelm Bergmann-Hanau, H. Heiderich H.» Hanau, Karl Petri-Hanau, Wilhelm Göbel-Langendiebach, Karl Lang-Hanau; für Wassergeflügel: Karl HaaS-Langen- diebach, Heinrich Göbel-Oberissigheim, B. Böhm-Hanau; für Tauben: Louis Hensel-Hanau, G'eorq Gerner-Hanau (3), Sankel-Dörnigheim (2), Karl Berberich-Hanau, Kon- rad Aschenbrenner-Hanau (2), August Schlegel-Hanau ^