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Metatiestdruck und Verlag der Buchdrucker«! de» »erri». n, WaijenhaujeS in Hanau.

General-Anzeiger

Amtlichtg Organ für Stabb nab Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Bertnrtworfl. Vkbakteurr E. Schrecker b Has«

Ml. 275 Fernsprechanschlnß Nr. 605.

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Doiincrstog den 23. November

Fernsprechanschlus! Nr. 605. 1905

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Amtliches.

Stadt- und Eandkreis Fjanau.

Am Samstag den 25. d. Mts., von 12 bis

1 Uhr mittags, wird der Königliche Gewerbe-Inspektor aus Fulda in einem Zimmer des hiesigen Standesamts im Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitern Gelegenheit Pt Besprechungen geben.

Hanau den 23. November 1905.

Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.

P 9811 I. V.: v. Schliebe n, Reg.-Assessor.

Auf Grund ministerieller Ermächtigung ist an den letzten ty 8 Sonntagen vor Weihnachten in allen Zweigen deS Handels- l gewerbeS die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern sowie der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen wie folgt ausgedehnt worden:

Für den 17. Dezember d. J. bis 8 Uhr abends und für den 10. und 24. Dezember d. J. bis 7 Uhr abends auf die Dauer von 10 Stunden.

Selbstverständlich ist an den genannten 3 Sonntagen eine Beschäftigung während der Stunden des Hauptgottesdienstes st nicht zugelassen.

Weiter ist gestattet an dem ersten Weinachtsfeiertage:

») der Handel mit Back- und Konditoreiwaren, mit Fleisch und Wurst, Vorkostartikeln und mit Milch von 5 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags, jedoch mit Ausschluß der für den Hauptgottesdienst festgesetzten Unterbrechung. b ) der Handel mit Kolonialwaren, mit Blumen, Tabak und Cigarren, sowie mit Bier und Wein während zweier Stunden vor Beginn der Pause für den Haupt­gottesdienst und nicht über 12 Uhr mittags hinaus, die Zeitungsipedition aber wie an den sonstigen Sonn- und Festtagen.

Hanau den 21. November 1905.

Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.

P 9661 v. Beckerath.

Landkreis Fjanau.

| BelmtinchmM M Königlichen Lnndratöaints.

Die Polktnsciiche der Schafe.

Die Pockenseuche der Schafe entsteht nur durch Ansteckung und kennzeichnet sich als eine fieber te Ausschlagskrankhe't. Als erste Erscheinung der Seuche ^nd etwa 610 Tage nach stattgehabter Ansteckung an den einzelnen Schafen: Mattigkeit, Unlust, mangelhafte Futteraufnahme, Rötung der Augen und steifer Gang zu beobachten.

Hierzu kommt ein oder zwei Tage später das Auftteten von kleinen, flohstichähnlichen, roten Flecken auf der Haut, namentlich am Kopfe, an den inneren Seiten der Vorder- und Hinterschenkel, an der Brust und am Bauche. In den nächstfolgenden Tagen entwickeln sich aus diesen kleinen Flecken harte, meistens flache Knötchen (Pocken) von Erbsen- bis Bohnengröße, auf denen sich zuweilen kleine Bläschen mit flüssigem Inhalt bilden. Die Haut ist an den erkrankten Körperstellen, besonders im Gesicht und an den Augen, ge­schwollen. Oft lahmen die Tiere mit denjenigen Gliedmaßen, an welchen die Pocken zum Ausbruch kommen. Daneben besteht stärkere Tränenabsonderung, Schleimfluß aus der Nase, Traurigkeit, Hängenlassen des Kopfes, Verringerung des Appetits und des Wiederkauens, Beschleunigung des Atmens und des Herzschlags.

Nachdem die Knötchen und Bläschen in der Haut 34 Tage bestanden haben, wird ihr Inhalt eiterig. Auf der Mitte bildet sich eine Einsenkung und auf der Oberfläche entsteht demnächst ein schwarzbrauner Schorf, der in 814 Tagen mit Zurücklassung einer Naibe abheilt.

Mit der Eintrocknung der Pocken verringern sich die krankhaften Erscheinungen bei den Schafen allmählich und die Seuche führt bei der Mehrzahl der Tiere zur Genesung nach einer Krankheilsdauer von ungefähr 3 Wochen.

Die einzelnen Schafe einer Herde werden nicht auf ein- lnal, sondern nach uud nach angesteckt.

Bei vielen Schafen erfolgt eine sehr reichliche Pocken­entwicklung und mit denselben eine stärkere Entzündung der Haut. Die an manchen Stellen dicht nebeneinander ent­stehenden Knötchen vereinigen sich zu flachen, höckerigen Ge- schwülsteu, die sich im weiteren Verlaufe nicht selten zu größeren Geschwürsflächen umgestalten. Hiermit ist eine hoch­gradige Störung des Allgemeinbefindens verbunden, die sich besonders durch allmählich zunehmende Abmagerung, anhalten­des Liegen, Verminderung der Freßlust und Ausfluß einer

dicken zähen Schleimmasse aus Augen und Nase ausspricht.

Unter diesem Krankheitsbilde geht ein Teil der hochgradig erkrankten Schafe zu Grunde.

Vorstehende Belehrung bringe ich zur Kenntnis der Inter­essenten.

Hanau den 20. November 1905.

Der Königliche Landrat.

I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Konkursverfahren.

In dem Konkursverfahren 1. über das Vermögen der Firma Beislor & Reis, offene Handelsgesellschaft in Hanau, 2. über das Privatvermögen des Kaufmanns Fer­dinand Beisler von Keffelstadt ist zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen Termin auf

den 15* Dezember 1905, vormittags 11 Nbr, vor dem Königlichen Amtsgerichte in Hanau o. M., Markt­platz 18, Zimmer Nr. 5, anberaumt.

Hanau den 18. November 1905. 22900

Der Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts, Abt. 5.

Hus Fjanau Stadt und Land.

Hanan, 23. November.

* Bußtag. Am gestrigen Buß- und Bettage vermochten die Kirchen kaum die Zahl der Gottesdienstbesucher zu fassen.

* Wallonische Kirche. Herr Pfarrer Bertraub aus Paris hat sich wegen Krankheit genötigt gesehen, seine Reise zu unterbrechen und kann die zugesagten Predigten nicht mehr halten. So muß auch der angekündigte Vortrag in französischer Sprache ausfallen.

* Militärische Felddienftübung. In der Nähe von Seligenstadt fand vorgestern eine größere Feldditnst- Übung statt, an der Truppen aus den Garnisonen Hanau (Infanterie und Ulanen), Aschaffenburg (Jäger), Offenbach (Infanterie) und Frankfurt a. M. (Artillerie) teilnahmen. Die Uebung leitete Oberst Tülls, Kommandeur des Hanauer Infanterie-Regiments Hessen-Homburg Nr. 166.

* Sprechstunde des Gewerbeinspektors. Der Königliche Gewerbe-Inspektor aus Fulda wird am Sams­tag den 25. d. Mts., von 12 bis 1 Uhr mittags, in einem Zimmer des hiesigen Standesamts im Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitern Gelegenheit zu Besprechungen geben.

* Schmiede-Berufsgenossenschaft. Die Vertrauens­männer des Vorstandsbezirks Nr. 10, umfassend Hessen- Nassau, das Großherzogtum Hessen und Waldeck, halten am Sonntag den 26. d. M. imElephanten" zu Hanau eine Versammlung ab. Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten findet von nachmittags 3 Uhr ab ein ge­selliges Zusammensein statt, zu dem die Herren Schmiede- m e i st e r aus Hanau und der Umgegend freundlichst ein­geladen sind.

* Hanauer Krieper Verein. In der vorgestrigen Monatsversammlung wurde von der in der Wählerversamm­lung der 1. und 2. Klasse von dem Weißbindermeister Fucker ausgestellten Behauptung, 150 Mitglieder des Hanauer Krieger-Vereins hätten bei der letzten Stadtverord­netenwahl die sozialdemokratischen Kandidaten gewählt, Kenntnis genommen. Die Versammlung faßte einstimmig folgenden Beschluß:

Gegen die Behauptung des Weißbindermeisters Fucker legt der Verein entschiedenen P r o t e st ein. Sollte^ ein'ge wenige Mitglieder des Krieger-Vereins die sozial- dcmokrati'chen Kandida'en gewählt haben, so wird der Vorstand das Erforderliche veranlassen."

Der Krieoer-Verein beschloß ferner, am Tage der silbernen Hochzeit des Kaisernaares eine Feier zu veranstalten. Die diesjährige Weihnacytsfeier wird am Samstag den 30. De­zember stattfinden.

* Ausstellung plastischer Bildwerke. In diesen Tagen übt der Ausstetlungserker der König'schen Kunsthand­lung am Markt wiederum auf alle vorübergehenden Kunst­liebhaber eine große Anziehungskraft aus, indem er zum Be­trachten und Genießen der darin aufgestellten neueren Plastiken unseres heimischen Künstlers $ugo Heck nötigt. Sowohl in der großen Porträtbüste als auch in den zwei Porträtreliefs und der Porträtstatuette, von denen die in Bronze gegossenen des Künstlers Sohn und Töchterlein dar­stellen, findet das Individuell-Charakteristische der Vorbilderden schärfsten Ausdruck; diese Werke geben somit einen schönen Beweis von bei Meisters psychologischer Vertiefung bei seiner

Arbeit. Kraftvolles Leben und innere Erregung verraten dies zu GruppenSklavengeschwister" undGruppe" betitelt vereinigten Figuren, deren musterhafte Komposition besondere Anerkennung verdient. In den recht anziehende Handlungen verkörpernden Gestalten:Anglerin" undFischerin" ist dem Künstler die realistische Durchbildung der Form besonder- gelungen, desgleichen in der einen weiblichen Akt darstellen­den Statuette. Echt poetisches Gefühl spricht auS der den Naturreichtum und die Fruchtbarkeit versinnbildlichenden ideal-schönen weiblichen BüsteHerbst" und eine keritgesunde Kraft und urdeutsche Ehrlichkeit leuchtet auS den Zügen des als Plaguette zur Schau gebrachten Porttäts eines weiter­harten Lotsen. Die reiche Auffassungsgabe, schöpferische Gestaltungskraft und offenbare Vielseitigkeit des Künstler- kommen in genannten Werken voll und ganz zur Geltung; letztere verdienen daher als Schöpfungen heimischer Bild­hauerkunst das weitgehendste Interesse.

* Stadttheater. Das Fulda'sche Lustspiel:D i e w i l d e I a g d", das am Freitag neu e'nstudiert in Szene geht, bildet bei dem Mangel an wirklich guten Novitäten in diesem Genre, eine wahre Erfrischung, denn die gesunde Anlage dieses Werkes und die mit wirklich künstlerischen Mitteln erzielte Wirkung des Stückes kennzeichnet sich durch einen geistvollen Dialog, der mit dem feinen liebenswürdigen Humor Fulda's gewürzt ist und der den Hörer in eine heitere be­hagliche Stimmung versetzen muß. Seit mehreren Jahren nicht gegeben, wird das Fulda'sche Lustspiel jetzt eine umso freundlichere Aufnahme finden, weil die Besetzung in den Hauptrollen eine sehr gute ist. Von Herrn Oberregisseur Steger ist das Stück mit gewohnter Sorgfalt vorbereitet, sodaß ein besonders genußreicher Theaterabend bevorsteht. Anfang 1/i8 Uhr.

* Dortraa. Der auf Veranlassung des AusschusseS für Dolksvorlesungen heute abend im Stadtthearer statt­findende Vortrag des Nervenarztes Herrn Dr. med. O. Dornblüth aus Frankfurt beginnt um 8M, Uhr und machen wir darauf aufmerksam, daß die Eintrittskarten für jedermann unentgeltlich in den Ausgabestellen zu haben find.

* Mit dem Rad um die Welt. In derCentral­halle" hielt am Dienstag abend der Schriftsteller Willy Schwiegershausen aus Leipzig vor ziemlich gut besetztem Saale den angekündigten Vortrag über seine Reise um die Welt mit dem Zweirad. Nach den Ausführungen bei Redner- nahm die Reise 5 Jahre in Anspruch, er verbrauchte auf ihr 4 Räder und 28 Laüfdecken nebst Gummischläuchen, die Kosten betrugen 20 000 Mark, welche durch das Honorar der Zeitungen, für die er schrieb, gedeckt wurden. Von Leipzig aus ging die Reise durch Deutschland nach Frankreich, Oesterreich, Türkei, Kleinasien, Syrien, Palästina, Egypten, die arabische Wüste, in der sein Begleiter den Tod fand, Babylonien, Persien, Belutschistan, Indien. Birma, China, Süd­afrika, Australien, Tasmanien, Neuseeland, Süd- und Zentral­amerika, Mexiko und die Vereinigten Staaten von Nord- Amerika. Der Redner wußte eine lebhafte Schilderung der ausgestandenen Gefahren und Abenteuer zu geben und erntete reichen Beifall. Die Vorführung einer großen Anzahl Licht­bilder vervollständigte die Schilderung.

L. Dom Reichsgericht. (Mißbrauch der Presse zu Betrügereien.) Vom Landgericht Hanau ist am 9. Januar der frühere Schneider, spätere Agent und Privat­detektiv Konrad Grauel, z. Z. in Strafhast in Preungesheim, wegen vollendeter und versuchter Betrügereien zu einem Jahre Gefängnis verurteilt worden. Er siedelte am 1. Mai 1904 von Offenbach, wo er sich einige Monate aufgehalten hatte, nach HaNau über, wo er am 21. Mai auf Grund eines von Frankfurt aus erlassenen Steckbriefes verhaftet wurde. In dieser Zeit beschäftigte er sich mit betrügerischer Ausnutzung von "Zeitungsanzeigen. Suchte jemand eine Stelle, so meldete er sich und behauptete, er könne ihm eine solche verschaffen, müsse aber erst Speien für Einholung von Auskünften usw. in Höhe von 5,20 Mk. haben. Wenn er das Geld bekommen hatte, ließ er nichts wieder von sich hören. Einem Manne, der eine Frau suchte, nahm er eine Provision von 20 Mk. ab, obwohl er nicht daran dachte, ihm eine Frau zu besorgen. Dann wieder wollte er immer gegen eine vorher zu zahlende Provision ein Kind entweder in Pflege nehmen oder ein Kind besorgen. Die Revision des Angeklagten wurde heute verworfen. Ein Rechtsirrtum in prozessualer Hin­sicht lag zwar vor, aber der Angeklagte war infolgedessen besser weggekommen und konnte sich dadurch nicht beschwert fühlen.

* Fahrräder unterschlagen. Ein in einem Ge­schäft der Steinstraße bediensteter Hausbursche hat, wie an­genommen wird, zwei Fahrräder unterschlagen. Eines der- selben soll er schon versetzt haben.