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Erstes Blatt-

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General-Anzeiger

Astillhes Grgas für Stobt- und Landkreis Kanan.

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Ericheim täglich An Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Nr. 273 Rtrnfrr.dfanWttft Nr. 605. Montag btu 20. November

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Fernsprechanschlnß Nr. 605. 1905

Amtliches.

Stadt- und Landkreis Fjanau.

Der Herr Ober-Präsident zu Cassel hat dem Magistrat zu Fulda zu der am 22. Februar 1906 beabsichtigten Ver­losung von Pferden, Wagen, Ackergerätschaften rc. zum Besten der Hebung des Fuldaer Pferdemarktes die Genehmi­gung erteilt.

DaS Absatzgebiet der Lose erstreckt sich u. a. auch auf die Kreise Stadt und Hanau Land.

Hanau den 16. November 1905.

Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.

P 9670 v. Beckerath.

M Landkreis Ranau.

MnntmchllMi des Kiiiiglichell LMdratsamts.

Die Herren Standesbeamten ersuche ich, die Standes- Reaifter für daS Jahr 1906 gelegenUich hier abholen zu taffen.

Hanau dm 18. November 1905.

Der Königliche Landrat.

V 4748 v. Beckerath.

Hus F)anau Stadt und Land.

Hanau, 20. November.

* ^ttm Butz- und Bettag. Als eine vielseitig dank­bar begrüßte Neuerung ist es zu bezeichnen, daß jetzt auch am Bußtag in den beiden Altstädter Gemeinden Abend- mahlSfriern stattfinden. Dieselben schließen sich in der Marien- wie in der Johanniskirche an den Abendgottesdienst an, die Vorbereitung zu denselben geht im Anschluß an den Abendgottesdienst der Abendmahlsfeier unmittelbar voraus.

* Handelsgewerbe und Sonntagsruhe. In diesem Jahre fallen der 24. und 31. Dezember auf Sonn­tage. Infolge dessen ist aus Geschäftskreisen der Wunsch verlautbar worden, an diesen beiden Tagen aus Rücksicht auf den gesteigerten Geschäftsverkehr zu Weihnachten und Neujahr die Geschäftszeit über die regelmäßig zugelassenen fünf Stunden hinaus auszudehnen. Ein ministerieller Runderlaß verfügt demgemäß, daß eine Verlängerung der Geschäftszeit im Handelsgewerbe an jenen beiden Sonntagen, soweit sie nach den örtlichen Verhältnissen gerechtfertigt sein sollte, zu er­folgen hat. Jedoch soll auch im laufenden Jahre keinesfalls eine Verlängerung der Geschäftszeit an mehr als sechs Sonn­oder Festtagen für den Papierhandel an mehr als sieben Sonn- oder Festtagen statthaft sein.

* Postverkehr mit Ruhland. Pakete jeder Art und Wertbriefe nach Orten des General - Gouvernements Warschau (Russisch-Polen) sind wieder zur Beförderung zu- râssig.

* Geschichtsverein. Am nächsten Dienstag den 21. November hält in der Monatsversammlung des Ge- schichtsvereins (im Bürgerverein) Herr Stadtbaurat Thyriot einen Vortrag über die Geschichte der altenKinz- m ü l" und der Kinzig brücke zu Hanau, der von besonderem Interesse sein dürfte. Der Redner wird an der Hand einer Anzahl Karten, Plänen und Abbildungen die topographi'chen Verhältnisse, soweit sie sein Thema berühren, eingehend behandeln, er wird die Lage der ältesten Mühle, sowie der alten Holzbrücke über die Kinzig feststellen und dann die Erbauung der steineren Kinzig­brücke im Jahre 1556 besprechen. Eine Hanauer Bürger­meisterrechnung von 1556, welche der Geschiehtsvercin besitzt und vorgelegt wird, ermöglicht eine ganz besonders genaue Schilderung der Erbauung. Auf die Verhältnisse der Neu­zeit übergehend, wird auch die in letzter Zeit vollendete Verbreiterung der Kinzigbrücke einer fachmännischen Be­sprechung unterzogen werden. Den Freunden der Hanauer Geschichte steht also ein anregender Abend bevor.

§ Die musikalisch-theatralische Abendunter­haltung der M arian'ischen Jünglingskongre­gation hatte gestern, wie alljährlich, den Zentralhallensaal bis auf den letzten Platz gefüllt. Man weiß eben, daß man bei dieser Veranstaltung stets nur Gediegene-zu sehen und zu hören bekommt, und dies war auch grfMit durchaus der Sag. Da ist zuerst ein historisches Schauspiel in 5 Auf- ZÜaen Hu nennen,Elmar" betitelt und nach WebersDreizehn­linden" bearbeitet von Dr. Joseph Faust, dessen zahlreiche und teils sehr schwierige Pollen fast durchweg in besten Händen lagen und dessen einzelne Figuren teilweise geradezu musterhafte Verkörperung fanden. Vor allem die Titelrolle war eine Prachtleistung in Mimik und Ausdruckskraft der

Seelenstimmungen. Einige lebende Bilder vervollständigten das Programm. Der zweite Teil des Abends war dem Humor gewidmet und zeigte, daß auch nach dieser Seite hin die Jünglingskonoregation über vorzügliche Kräfte verfügt. Bei manchen Darbietungen, wiè dem komischen TerzettDas fidele Gefängnis" und dem einaktigen SchwankEin in Gedanken sieben gebliebener Regenschirm", wurden wahrhaft Tränen gelacht. Man darf sagen, das war wirklicher Humor, sowohl in den Stücken selbst als in der Charakteristik der Rollen. Wenn wir noch zwei hübsche Cborlieder nennen und der prächtigen Leistungen der Stadtkavelle anerkennend gedenkm, so ist die Hauptsache über die Veranstaltung ge­sagt und wir brauchen nur noch hinzuzufügen, daß der Ge- samteindruck ein ausgezeichneter war und die Besucher mit voller Befriedigung und in gehobener Stimmung dm Saal verließen.

* Stadttheater. Wochenspielplan: Dienstag (statt Mittwoch) II. Serie Nr. 4.D er Hütten be­st tz er." Anfang 7 Uhr. Freitag: Neu einstudiert: Die wilde Jagd", Lustspiel in 4 Auszügen von Lud­wig Fulda. Sonntag: Neu einftubirrt:Der M ein­et d b au e r", Volksschauspiel von Anzengruber. Neu er­worbenStein unter Steinen", das neueste Schau­spiel Sudermanns. Wegen des Buß- und Bettages findet die nächste Abonnementsvorstellung am Dienstag statt. Das zur Aufführung gelangende Schauspiel Ohnets:Der Hüttenbesitzer" hatte bei der unlängst in neuer Ein­studierung erfolgten Darstellung so starken Beifall gefunden, daß eine Wiederholung geboten erscheint. Die Besetzung des Stückes ist eine vortreflliche. In den Hauptrollen treten die Damen Braune und Behrens, sowie die Herren: Steger, Hauser, Gehrmann und Müller ganz besonders hervor. In Anbetracht der Länge des Stücks wurde der Beginn der Vorstellung auf 7 Uhr festgesetzt. Ende ungefähr/dO Uhr.

* Hessen-Kunst, Kalender für alte und neue Kunst

1906. Im Verlage von Oskar Ehrhard's Universitäts­Buchhandlung in Marburg ist soeben der oben benannte neue Kalender im ersten Jahrgang erschienen. Nach dem vom Herausgeber, Herrn Dr. Christian Rauch - Marburg, beigegebenen Geleitwort soll der Kalender den auf Kunst­pflege und künstlerische Kultur, Denkmalpflege und Volks­kunst gerichteten Bestrebungen in unserem Hessenlande dienen. Der Kalender zeigt in vornehmster künstlerischer Ausstattung bei dem Kalendarium zunächst eine Anzahl berühmter hessischer Baudenkmäler, vornehmlich alte Burgen und herorragend schöne Landschaften und Städtebilder mit kurzer Andeutung ihrer geschichtlichen Daten, im Text behandelt er althessische Kunst und bringt einige geschichtliche Abhandlungen. Jedem Freunde unseres schönen Hessenlandes und allen Förderern der Kunst kann der Kalender aufs wärmste empfohlen wer­den. Das Verzeichnis der Mitarbeiter weist eine Anzahl von Namen der bedeutendsten Künstler und Gelehrten der Gegenwart auf.

* Das Ernteergebnis. Nach den in der Sitzung des landwirtschaftlichen Kreisvereins gegebenen Berichten war in diesem Jahre die Roggen- und Weizenernte eine gute, die Haferernte dagegen schlecht. Gut war auch die Dick- wurz- und Kartoffelernte, die Futterernte dagegen unbe­friedigend. Die Zuckerrübenernte verspricht sich befriedigend zu gestalten.

* Der Diamantschleiferverein hat seinen Beitritt zum Deutschen Metallarbeiter-Verband ausgesprochen.

* Auf dem Rade um die Welt! Herr W. Schwiegershausen aus Leipzig, welcher per Rad die Reise um die Welt machte, wird den angekündigten Vortrag in unserer Stadt Dienstag den 21. November, abends 81/< Uhr, im Saale derCentralhalle" halten, wo wir Gelegen­heit haben werden, seinen hochintereffanten Schilderungen über seine fünfjährige Fahrt durch die fünf Erdteile zu lauschen. Prachtvolle Lichtbilder werden uns in lebendigster Weise mitten in fremde Gegenden, in das sonst noch unbe­kannte intime Leben und Treiben fremder Völkerschaften ver­setzen und in atemloser Spannung werden nur die packenden Szenen, deren Mittelpunkt der kühne Reisende war, miter- leben. Wie begehrt die Vorträge des Reisenden sind, beweist am besten die Tatsache, daß er auf Monate hinaus von Vereinen engagiert wurde und auch nicht einen einzigen Abend mehr frei hat.

* Ein tragisches Vorkommnis hat sich Samstag vormittag 10 Uhr in Bingen zugeiragen. Zwei Smdie- rende des dortigen Technikums machten bei einem ihrer Kollegen in dessen Wohnung in der Waldstraße einen Besuch. Im Scherz nahm der eine von ihnen dem anderen eine Bierflasche weg und lief damit fort in die Küche; als ihn

die beiden anderen dorthin verfolgten, sprang er zum Fenster hinaus in den Hof. Er geriet dabei auf den gußeisernen Deckel der Abortgrube, welcher unter der Last zerbrach, sodaß der junge Mann in der ®mbe versank. Einer der Kollegen suchte ihn zu befreien, wurde aber durch Gase betäubt und verschwand ebenfalls. Durch herbeigeeilte Leute wurden beide herausgeholt; leider war der eine, der 19 Jahre alte Mathias Boely aus Colmar, bereits eine Leiche. Der andere, der 20-jährige Heinrich Heusohn aus Hanau, konnte mit Mühe ins Leben zurückgerufen werden, verfiel aber in Tobsucht und liegt krank darnieder. Gestern war, wie man uns berichtet, in seinem Befinden eine wesentliche Besserung eingetreten.

* Verunglückt. Bei dem Untergänge des Torpedoboots S 126" hat auch ein Hanauer, der Torpedoheizer Will, sein Leben eingebüßt.

* Militärkonzert im Deutschen HauS. DaS gestern abend im Saalbau zum Deutschen Haus von der 11 lernen* kapelle gegebene Konzert erfreute sich trotz oes anhaltenden Regens sehr zahlreichen Besuchs. Beide éäle waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Mit den Darbietungen erntete der Dirigent sowohl wie die auftretenden Solisten lebhaften, wohlverdienten Beifall. An dem Oboist-Chlarinettist, sowie den Geigern besitzt die Kapelle vorzüglich geschult« Kräfte, welche die schwierigen Aufgaben, mit denen sie bedacht, mit vollendeter Technik, vollem, weichem Ton und sicherem Auf­treten lösten. Auch herrschte während der Vorträge eine angenehme Aufmerksamkeit von feiten der Zuhörer. Für alles Gebotene sei hiermit anknilpfend an die vielen DeifallS- salven, welche naef jeder einzelnen Nummer gespendet, dem Dirigenten und seinem tüchtigen Orchester nochmals Dank ausgesprochen, in der Hoffnung auf baldige Wiederholung eines so genußreichen Abends.

* Ausschustfür Bolksvorlefungen. Nächsten Donners­tag abend punkt halb 9 Uhr wird Herr Dr. med. O. Dorn- blüth, Nervenarzt aus Frankfurt a. M., im Stadttheater einen Vortrag überGesunde und franse Nerven" halten. Eintrittskarten imentgeltlich (siehe Anzeige) nur für Er- wachsen« bestimmt. Besuch von Damen erwünscht unb willkommen.

* Die werktätige Hilfe der KriegerverbandSkafse« bei allgemeinen Notständen erweist sich immer mehr als eine soziale Wohltat für die Mitglieder der Kriegervereine. Im Laufe des Jahres sind allein aus den Kaffen beS Deutschen KriegerbundeS und Preußischen Landes-Krieger- Verbandes bei solchen Gelegenheiten (Sturmfluten und Hoch­wasser) 21 320 Mark an Unterstützungen gegeben worden. Davon entfielen auf die Rheinprovinz (hauptsächlich auf bte Eifel) 12 660 Mark, Pommern 2700 Mark, Brandenburg 2600 Mark, Westfalen 2050 Mark, Schlesien 1040 Mar^ verschiedene kleinere Beträge 270 Mark. Ein einziger kleiner Verein von 56 Mitgliedern in einem Dorfe Westfalens, dessen Felder durch einen Wolkenbruch verwüstet worden waren, erhielt eine Unterstützung von 2000 Mark, ein Be­weis, daß die Kriegerverbandskaffen wirksame Hilfe zu schaffen wiffen.

Für bett Stammtisch. Die langen Winterabende sind nun wieder gekommen, und in den Bier- und Wein, stuben sitzt eS sich da doppelt gemütlich am Stammtische. Tagesneuigkeiten werden besprochen, Scherze erzählt und dazu behaglich ein Zigärrchen geschmaucht. Hin und wieder lammt aber doch die Unterhaltung ins Stocken; dafür wiffen wir Rat. Es wird sicher von allseitigem Interesse sein, wenn dann auch einmal ein Rätsel aufgegeben wird. Wie wärS nun mit folgendem? Wieviel Mark fließen den Waisenhäu­sern des Deutschen Kriegerbundes zu, wenn jedes seiner Mft- glieder täglich nur ein einziges der kleinen Enden, die man von der Zigarre vor dem Anrauchen abschneidet, für di« Deutsche .Krieger-Fechtanstalt (Berlin W. 62, Kurfürstenstr. 97) zurücklegt? Wir wollen auch gleich die Lösung geben. Etwa 20 Zigarrenabschnitte wiegen 1 Gramm. Für 1 Kilogramm, also für 20000 solcher Spitzchen, bekommt die Fechtanstalt 1 Mk. Da nun der Deutsche Kriegerbund rund 1500000 Mitglieder hat, so wäre die Einnahme hieraus der stattlich« Betrag von 37375 Mk. Sollte nicht jeder, der die Zi- garrenabschnitte bisher achtlos weggeworfen hat, sich zum Sammeln derselben entschließen, wenn er diese Berechnung kennt? Nun aber zum Schluß noch einen zweiten guten Rat! Die Zigarre brennt viel besser, wenn die Spitze nicht zu Hein abgeschnitten wird!

* Golddiebftäftle vor Gericht. Vor der Strafkammer findet heute die Verhandlung gegen den Juwelier Andrea- Ermold und die Goldarbeiter'Johann Dörr und Karl Rehbein statt. Ermold wird beschuldigt, in nicht rechtS- verjährter Zeit, insbesondere in den Jahren von 1897 bis 1905 große Mengen Gold und sonstige Edelmetalle im Wert« von mindestens 8000 Mark, Sachen, von denen er wußt« oder den Umständen nach annehmen mußte, daß sie gestohlen waren, an sich gebracht zu haben. Dörr wird beschuldigt, bei der Firma Sachsenweger für über 1000 Mark Gold, Rehbein bei der Firma Voltz & Bier für mindestens 1000 Mark Gold entwendet zu haben. Ermold gesteht zu, daß er gestohlenes