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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stabs- and Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die stufgespakene Petüzeil« oder deren Naum 16 WH» in NrNamenteil die Zelle 35 Pt-,
Serantworü. Redakteur: <3. Schrecker in H««».
Mk. 2/1 ftcrirfprechanschlust Nr. 605»
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Hus l)anau Stadt und Eand.
Hanait, 17. November.
* Znm Eisenbahn-Gütertarif für Frankfurt a. M., Offenbach und Hanau im Verkehr mit allen deutschen und ten wichtigeren Auslandstationen von Eisenbahusekretär TB. Henkel im Verkehrsbureau der königlichen Eisenbahn- Direktion ist ein Nachtrag erschienen. Er enthält die seit der Neuausgabe des Tariks im Juli vorigen Jahres eingetretenen Aenderungen und Ergänzungen für mehr als 700 Stationen. Von besonderem Interesse für alle Tarifinhaber wird die Aenderung der Allgemeinen Kilometertariftabelle sein. Der tarif entspricht mit dem Nachtrag wieder vollständig der seligen Tariflage. Der Bemg des Nachtrags kann direkt vom Verfasser, durch die seitherigen Bezugsquellen, auch durch Me Beamten der Abfertigungsstellen geschehen.
* Sprechverkehr. Der Sprechverkehr von Groß- *r atzen bürg ist auf Fro nh au sen (Bezirk Cassel) aus- vdebnt worden.
'Winke für denBijonterie-Export nach Italien. Ein französischer, wahrscheinlich konsularischer Bericht aus Italien bezeichnet Mittel und Wege, wie die französischen Fabriken von Gold- und Silberwaren ihren Absatz nach unserem Dreibundslande erweitern könnten. Trotzdem wahrscheinlich ein großer Teil unserer Fabrikanten orientiert sein wird, wollen wir nicht verfehlen, den Bericht zu veröffentlichen. Mit teuren Waren sei in Italien nicht viel zu machen, da dergleichen im Lande selbst billiger hergestellt werde. Man müsse das Haupt-Augenmerk auf mittlere und ordinäre Ware von geringem Gewichte und billigem Preise richten. Eine Schwierigkeit wird durch die Kosten der unumgänglich nötigen Bereisung des Landes gebildet. Insbesondere folgende Städte sind aufzusuchen: Turin, Alessandria, Mailand, Verona, Venedig, Bologna, Parma, Modena, Lucca, Florenz, Genua, Risa, Palermo, Catania, Gagenti. In jeder dieser Städte gibt es mehrere Iuwelier- firmen, mit denen Verbindung anzuknüpfen der Mühe wert ist Von großer Wichtigkeit ist es auch, daß der Reisende »die italienische Sprache beherrscht, um sich, wenn auch nicht nit tadelloser Korrektheit, so doch wenigstens verständlich luszudrücken. Firmen, die in Italien reisen, dürfen auch sicht die Kosten sog. Reklameartikel scheuen, die etwa zum Selbstkostenpreis abgegeben werden, um überhaupt ins Geschäft zu kommen. Wenn dann später Geschäftsbeziehungen angeknüpft sind, wären solche Opfer weiter nicht mehr nötig. Bezüglich der Auskünfte genügen solche, welche bloß die moralischen Faktoren, wie persönliche Anständigkeit, bisherige Zahlungsweise usw. 'umfassen, nicht. Es müssen noch Mitteilungen über gegenwärtigen Stand und Arbeitsweise der
Feuilleton.
II. Symphonit-Konzert
der Kapelle des Infanterie-Regiments
Hessen-Homburg Nr. 166
unter Leitung des Herrn Stabshobmsten C. Schmidt.
r. Hanail, 17. November.
Am gestrigen Abend bot Herr Kapellmeister C. Schmidt dem hiesigen musiklicbenden Publikum sein 1I. Symphonie- Konzert dar. Die trefflichen Leistungen der unter der feinsinnigen und tatkräftigen Leitung des Herrn C. Schmidt stehenden Kapelle unseres Infanterie-Regiments sind schon des öfteren rühmend hervorgehoben worden : aber der gestrige Abend hat der Kapelle ganz besonders Gelegenheit gegeben, , darzutun, auf welcher Höhe sie steht; denn der technischen Schwierigkeiten waren nicht wenige, und das brillante Zusammenspiel aller Jnstrumewe in einem Guß und einem Fluß wirkte überaus tief und imposant. — Eröffnet wurde der Konzertabend in sinngemäßer und würdiger Weise durch die bekannte Iupitersymphonie von W. A. Mozart; sind doch in diesem Jahre 150 Jahre seit der Geburt dieses Tonheros verfloßen, und konnte man seiner nicht besser ge= denken, als durch Aufführung seiner trefflichen Werke. Letzter ^age erst hat uns der Oratorienverein durch einen Mozartabend erfreut; (Ave veinm, Litanei und Renuiem.)
.Der gestrige Abend hat für den Besucher beider Konzerte eine angenehme Ergänzung gebracht. Die Symphonie selbst fand eine meisterhafte Wiedergabe; jeder Satz wurde der je- weiliaen Stimmung gemäß in sauberer, feinemptunbener Weise jum Vortrag gebracht, und Herr Kapellmeister C. Schmidt betätigte als Leiter von neuem den Ruf eines tüchtigen, erfahrenen Musikers. — Ein eigenartige- Tongemâlde, aber
Freitag den 17. November
betr. Firma hinzukommen. Mit zweifelhaften Firmen macht man am besten überhaupt kein Geschäft. Besondere Vorsicht ist angewandt. Der Reisende muß Vollmacht haben, die im allgemeinen übliche Kreditfrist von 3—4 Monaten zu überschreiten, wenn nötig, bis zu 6 und 8 Monaten. Nicht zu übersehen ist die Frage des Wcchselkursus, der in Italien bisweilen noch immer kleinen Schwankungen unterliegt, während die Rechnungen demnach nur in Lire auszu stellen sind. Bevor der Reisende auf die Tour geht, soll sein Prinzipal an die zum Besuch in Aussicht genommenen Firmen eine italienisch geschriebene Postkarte senden, worin er ihnen die Ankunft seines mit einer Musterkollektion versehenen Reisenden ankündigt.
• Militär - Streich - Konzert im „Deutschen Haus". Zu dem am nächsten Sonntag im Saalbau zum „Deutschen Haus" stattfindenden Streich-Konzert unserer Ulanen-Kapelle liegt uns folgendes interessante Programm vor: „Prinz-Regent Luitpold-Marsch"; Ouvertüren zur Op. „Raymond" von Thomas; „Orpheus in der Unterwelt" von Offenbach; Phantasie auS der Op. „Tannhäuser; Phantasie aus der Op. „Ariele, die Tochter der Luft" von Bach; Walzer von Fctras und Waldteufel; Soli für Violine, Oboe, Klarinette, Piston, Posaune usw. Anfang des Konzerts 8 Uhr, Saalöffnung 7 Uhr abends.
* Goldene Hochzeit. Wie uns erst jetzt bekannt wird, feierte vorgestern der Ehrenbürger unserer Stadt, Herr Joh. Heinr. Nickel mit seiner Gemahlin in voller geistiger und körperlicher Frische das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Dem Jubelpaar wurden zahlreiche Ehrungen bereitet. Herr Erster Beigeordneter Bo de überreichte in Vertretung des dienstlich abwesenden Oberbürgermeisters die von Sr. Mas. dem König verliehene goldene Ehejubiläumsmedaille, außerdem erschienen zahlreiche Deputationen von Vereinen, Korporationen rc., welche den Jubilaren Glückwünsche darbrachten. U. a. erschienen Abordnungen der Wallonisch-Niederländischen Gemeinde unter Führung des Herrn Pfarrer Wessel, von der Loge Braunfels zur Beharrlichkeit, der Vorstand des Kreditvereins und zahlreiche andere Gratulanten. Auch wir bringen dem Jubelpaar noch nachträglich unsere herzlichsten Glückwünsche dar.
* Stadttheatcr. Gastspiel Steinecke, Onkel B r ä s i g. Ein Theaterabend von ganz bedeutendem künstlerischem Interesse, wie er sobald nicht wieder geboten werden dürfte, steht uns heute durch das Gastspiel des berühmten Reuter-Interpreten Steinecke in „Onkel Bräsig" bevor. Das humorvolle Stück mit seinen überaus drolligen Situationen, die Hauptrolle verkörpert durch einen Künstler von hervorragendem Können, unterstützt durch eine vortreffliche Besetzung in den weiteren Partien, dieses alles wird
recht drastisch ausgemalt, brachte der Totentanz (Danse Micahse) von Saint-Sa^ns; es gruselt einem förmlich bei dem Tanz, zu dem der Tod aufspielt; man hört dann sogar, wie die Toten, aus den Gräbern erweckt, mit schlotterndem und klapperndem Gebein sich dem Reigen anschließen.
Auch das letzte Tonwerk, das von der Kapelle geboten wurde, hat etwas düsteres. Jedenfalls hat Herr C. S ch m i d t mit seinen trefflich geschulten Musikern gerade mit dieser Ouvertüre zu „Othello" eine schwieriae Aufgabe, namentlich in technischer Hinsicht, glänzend gelöst. Herr Kapellmeister C. Schmidt kann mit Stolz auf die Leistungen seiner Kapelle, die seinen Intentionen leicht und willig folgte, zu- rückb licken.
Eine angenehme Abwechslung boten die vorgetragenen Lieder der Solistin des Abends, Frl. Clara Funke aus Frankfurt a. M. Frl. Funke hat schon mehrfach hier gesungen. Sie verfügt über eine sympathische, kräftige Stimme. Sie brachte ihre Lieder „Arie aus Orpheus", „O komm im Traum", „Er ist's" und vor allem das „Schlummerlied" in sinngemäßer und wohlempfundener Weise dar und erntete reichen Beifall, so daß sie das letzte Lied (Schlummerlied) da capo sang. Es sei hier besonders freudig anerkannt, daß die geschätzte Sängerin seit ihrem letzten Auftreten in Hanau ganz besonderes Augenmerk auf die Aussprache verwandt hat; denn die Darbietung ihrer Lieder war in Bezug auf die Aussprache tadellos klar.
Herr G u st a v A I t v a t er , der die Klavierbegleitung übernommen hatte, entledigte sich seiner dankbaren Aufgabe mit gewohnter Meisterschaft.
Alles in allem bat Herr Kapellmeister C. Schmidt dem mufifliebenben Publikum mit dem gestrigen Symphonie- Konzert einen genußreichen Abend beschert, wofür ihm der Dank der Konzertbesucher an dieser Stelle dargcbracht sei.
Fernsprechanschlusi Nr. 605. 1905
dazu bei tragen, den Abend zu einem der genußreichsten bet Spielzeit zu gestalten. Sicherlich wird diese außergewöhnliche Darbietung auch eine entsprechende Zugkraft ausüben. Es sei nochmals darauf hingewiefen, daß nur dieses eine Gastspiel stattfindet. Der Beginn der Vorstellung ist auf HxS Uhr festgesetzt. Ende ungefähr 8/il0 Uhr. — Am Sonntag wird Sudermanns Schauspiel „Die Ehre", neu einstudiert, zur Aufführung gelangen.
HK. Kaufmännischer Verein. Am gestrigen Abend hielt der Kaufmännische Verein Hanau seinen zweiten diesjährigen Vortragsabend im Saale zum „Deutschen Hause" ab, welcher, gleichwie der erste, die Derrinsmuglieder fast vollzählig versammelte. Als Vortragender war der Rezitator Herr Lotz gewonnen, besten echt künstlerische Vortragsweise unterstützt durch ein klangschönes Organ hier schon genügend bekannt sein dürfte, sodaß es sich für heute erübrigt, nur den Inhalt der Vorträge kurz zu streifen. Der erste der beiden „Der Vikar", eine Dichtung vom Rhein, behandelt mit höchst glücklicher Milieu-Schilderung ein Thema, das gerade in letzter Zeit öfters als künstlerischer Vorwurf gedient hat. Mit echt dramatischer Wucht baut sich auf dem Grundgedanken die lebendige Handlung auf, schwingt sich zu packender Höhe hinauf, um schließlich in stiller Entsagung zu enden. — Der zweite Vortrag „Schlitzohr" spielt in der nächsten Nähe unserer Heimat, im lieblichen Tale der Elsava im Spessart, und schildert in freundlicher, neckischer Weise die Sage, wie sie dort noch im Volksmund lebt, von den hülsreichen Feen und dem übermütigen Waßerkobold Schlitzohr. Das tiefe sittliche Gefühl, das fast aus unseren sämtlichen deutschen Dolkssagen hervorleuchtet, tritt auch hier deutlich in die Erscheinung, indem die Verherrlichung der ehelichen Treue sich als Leitmotiv durch die ganze Sage hin- durchzicht. — Beide Vorträge gelangten vorzüglich zu Gehör und fesselten das Publikum derartig, daß der Herr Vortragende sich am Schlüsse für äußerst reichen Beifall bedanken konnte.
* Schneefall. Heute nacht fiel auch bei uns der erste Schnee, nachdem die Gebirgsgegenden schon vor Wochen große Schneefälle gemeldet haben.
* Hofbraustaus Hanau Vorm» G. Pst. Nicolay, At.-G., Hanau. Der Bericht des Vorstandes lautet: Die Ergebnisse des am 80. September er. zu Ende gegangenen neunten Geschäftsjahres der Gesellschaft haben unsere im vorjährigen Bericht ausgesprochenen Befürchtungen in Bezug auf ein geringeres Erträgnis bestätigt. Der Bierabsatz betrug 61 386 Hektoliter gegen 63 298 Hektoliter im Vorjahre; mithin ist ein Minderabsatz von 1912 Hektoliter zu verzeichnen, der im wesentlichen durch die vorjährige günstige Obsternte veranlaßt ist. Aus diesem Grunde, sowie infolge der hohen Rohproduktenpreise und der steigenden Ansprüche der Bierabnehmer ist das Gewinnresultat nicht unerheblich niedriger, wie in früheren Jahren. Zwecks Deckung laufender Verbindlichkeiten und zur Beschaffung der neuen EiS- unb Kühlanlage wurde gemäß Beschluß des AufsichtsratS vom 7. November 1904 eine zweite Hypothekar-Anleihe von 300 000 Mk. ausgenommen. Hiervon sind bis jetzt 200 000 Mark begeben; die Zinsen laufen ab 1. Oktober 1904. Für das nächste Geschäftsjahr sind die Aussichten günstiger, da Hopfen wesentlich billiger ist. Die übrigen Rohmaterialen werden zu ungefähr gleichen Preisen zu haben sein. — Der Brutto-Gewinn betrug 206 426.99 Mk. (i. V. 257 763 Mk.). Hiervon wurden zu Abschreibungen verwendet 92 930.01 Mk. (i. V. 96 045,97 Mk.) und verbleibt sonach ein Reingewinn von 113 496.98 Mk., der sich zuzüglich des vorjährigen Gewinnvortrags von 31 205 Mk. auf 144 701.98 Mk. stellt, gegen 194 547.65 Mk. im Vorjahre. Aus diesem Betrage soll laut Vorschlag eine Dividende von 6 pCt. wie in den Vorjahren zur Verteilung kommen.
* * Stadtverorvnetenwastl. Die Stadtverordneten-- wahlen haben mit dem Sieg der sozialdemokratischen Liste geendet. Die ungeheuren Anstrengungen der Sozialisten und die bedauerliche Gleichgültigkeit weiter Bürgerkreise, die auch durch die angestrengteste Tätigkeit des bürgerlichen Wahl- komitee's nicht wett gemacht werden konnte, haben dieses unerfreuliche Resultat zu stande gebracht. Aber leicht ist den Gegnern der Sieg nicht gemacht worden, daS werden sie wohl selber zugeben müssen. Besonders in den letzten Stunden herrschte auf beiden Seiten eine fieberhafte Tätigkeit, die Säumigen aufzurütteln und an die Wahlurne zu schleppen. Radfahrer fausten unablässig hin und her, die „Schlepper" wandten ihre ganze Beredsamkeit auf, das Telephon lautete unaufhörlich. Alle halbe Stunde erhielten die Komitee'- Mitteilung von dem Stand der Dinge auf dem Rathaus, wo die Sozialdemokraten einen Vorsprung von etwa 100 Stimmen hartnäckig bis zum Schluß behaupteten, trotz aller Anstrengungm auf bürgerlicher Seite, die Schlacht p ge-