Erstes ® W
ElurückuugsgebLhr r
vezugS-reiSr
Vierteliâhrlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für ai* bärtige Abonnenten mit dem betreff enben Postausjchlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfz,
NetatieuSdruck und Verlag der Buchdrucker« de» verriu. ei. WaiimhaufeS in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stabt Mb Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die fünf gespaltene Petitzeile oder beren Raum 16 PU im ReltameuteU die Zelle 35 PU,
Verantwort!. Redakteur r G. Schrecker tu Hau«»
Nr. 265
Zyernsprechanschluss Nr. 605
Freitag den 10. November
Fernsprechanschlrtss Nr. 605
1905
Hierzu
„Amtliche Beilage Nr. 18."
Landwirtschafllicher Kreisverein Hanan.
Nächste Versammlung Samstag den 11. d. Mts., aachmittags 2*/» Uhr, im Gasthaus zum goldenen i ß 5 w en hier.
Tagesordnung:
1. Geschäftliche Mitteilungen.
2. Referat des Herrn Kreistierarztes Collmann über die Tuberkulose der Schweine insbesondere durch die Fütterung derselben mit Magermilch.
3. Besprechung über die diesjährigen Ernteerträge,
4. Besprechung über die diesjährigen Güterbereisungen.
5. Besprechung über den am 1. d. Mts. von Fräulein
I Sepfried in Wilhelmsbad gehaltenen Vortrag.
6. Mitgliederaufnahme.
7. Sonstige Mitteilungen.
Die Herren Bürgermeister wollen die vorstehende Bekannt- yiachung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in den Gemeinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen. Hanau den 5. November 1905.
Der Königliche Landrat.
v. Beckerath.
Hus Ran au Stadt und Eand.
Hanau, 10. November.
* Für die evangelischen Gemeinden Hanaus» (Pastor B e r t r a u d aus Paris.) In Frankreich spielen sich zur Zeit auf dem Gebiet der inneren Politik Begebenheiten von weltgeschichtlicher Bedeutung ab. Welche Zukunft wird das Evangelium in Frankreich haben? Das ist die Frage, die auch in Deutschland viele interessiert, die die heutige religiöse Bewegung in den verschiedenen Ländern unseres Kontinents mit Aufmerksamkeit verfolgen. Ueber diese Frage aus dem Munde eines Kenners der inneren Verhältnisse Frankreichs und der dortigen evangelischen Bewegung ein sachkundiges Urteil zu hören, werden die Glieder der hiesigen evangelischen Gemeinden am kommenden Sonntag Gelegenheit haben. Herr Pfarrer Bertrand aus Paris wird am nächsten Sonntag vormittags ‘/elO Uhr in der Johanniskirche und abends um 1 /»6 Uhr in der Marienkirche über das Werk der Evangelisation in Frankreich sprechen. Obwohl Vollblut-Franzose, beherrscht der Genannte doch die deutsche Sprache soweit, daß er deutsch zu predigen vermag. Ueberall, wo er in den letzten Jahren gesprochen hat, in Cassel, Elberfeld, Barmen, Frankfurt a. M. und anderen Orten, haben seine packenden, aus langjähriger Erfahrung schöpfenden Vorträge und Predigten eine große Wirkung hervorgebracht. Gewiß wird derselbe auch in unserer Stadt eine dankbare Zuhörerschaft finden.
* Anmeldunacn s"v die Eberhardschnle. Nach einer amtlichen Bekanntmachung der Stadtschulinspektion werden die Anmeldungen derjenigen Kinder, die vom 1. April 1906 ab die Eberhardschule (Mittelschule) besuchen sollen, in der Zeit vom 6. bis 11. Dezember, vormittags von 11—12 Uhr, im Schulgebäude entgegengenommen. Knaben sind bei Herrn Rektor Bartmuß, Mädchen bei Herrn Rektor Ick he r anzumelden. Hierbei sind die Geburtsurkunden oder Familien - Stammbücher und die Impfscheine vorzulegen. Schulpstichtig werden zu Ostern 1906 alle Kinder, die bis zum 1. Oktober 1906 das 6. Lebensjahr zurücklegen. Kinder, deren Anmeldung an den angegebenen Tagen versäumt wird, können am 1. April in der Eberhardschule nur dann Aufnahme finden, wenn in den vorhandenen Schulklassen noch Plätze frei sind.
* Postverkehr nach Russland. Pakete jeder Art sowie Wertbriefe a) nach Rußland mit Ausnahme deS General Gouvernements Warschau (Russisch-Polen) und mit Ausnahme von Finnland (über Rußland), b) nach anderen rändern im Durchgang durch Rußland werden von den ^Mtanft alten wieder zur Beförderung angenommen. Alle Paket- und Werr'endungen werden über Eydtkuhnen-Kibarty geleitet, Postfrachtstücke jedoch nur insoweit, als der Absender nicht die Leitung über Oesterreich (Podwolüczyska) vor- geschrieben. hat. Pakete nach Finnlaud auf dem direkten • über Lübeck oder über Schweden sind nach wie vor zur Beförderung zugelassen.
Rp' chsbanknebenftelle. Am 1. Dezember b. J. roirb 'n Schwabach eine von der Reichsbankstelle in
Nürnberg abhängige Reichsbanknebenstelle mit beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
* Verbrauchsabgaben. Im Laufe des Monats
ff ff ff
II ff ff ff
II ff
II
II ff ff
II
Oktober 1905 wurden im hiesigen Schlachthause geschlachtet: 119 Ochsen, mehr gegen den Monat Oktober 1904 12
107 Kühe, -
59 Rinder, mehr „
1003 Schweine, weniger „
368 Kälber, mehr „
263 Hämmel, „ „
— Lämmer, weniger „
2 Ziegen, „ „
tf ff
II
II ff
II
ff
D'e Accis-Einnahme hiervon beträgt .
An eingeführten Fleischwaren rc. wurden versteuert: 33 988 Kilogramm, mehr gegen den Monat Oktbr. 1904: 1062 Kilogramm.
Hiervon die Accis-Einnahme mit . .
Summa
Gesamt - Accis - Einnahme im Monat Oktober 1904 .....
II
Stück
ff
ff
11
ff
ff
205
ff
9
ff
ff
II
25
ff
8
lt
II
3
ff
ff
Mk.
4557.20
Mk.
1111.21
Mk.
5668.41
Mk.
5851.48
Mithin weniger gegen den Monat Oktbr.
1905 ....... Mk. 183.07 Accis - Einnahme vom 1. April 1905 bis 31.
Oktober 1905 .....Mk. 37 405.94
Accis - Einnahme vom 1. April 1904 bis 31.
Oktober 1904 . • . . . . 36 560.26
Mithin mehr gegen die gleiche Zeit des
Vorjahres......Mk. 845.68.
* Der Durutag der Gaue Offenbach-Hanau und Maingau, der für nächsten Sonntag in Klein - Steinheim angesetzt war, findet an diesem Tage nunmehr in Fechenheim in der Turnhalle des Turnvereins von nachmittags 21/» Uhr ab statt.
* Stadttsseater. L'Arronge's dramatischen Werken ist immer die besondere Sympathie des Publikums zu teil geworden und viele seiner Stücke wurden auch hier mit größtem Beifall gegeben. „Wir erinnern nur an „Hasemanns Töchter", „Dr. Klaus" und „Mein Leopold". Das heute zur Aufführung gelangende Lustspiel: „Der Weg zum Herzen" findet mit seinem köstlichen Humor und seiner hübschen Handlung wirklich den Weg zum Herzen des Hörers und bildet mit seiner erfolgreichen Vergangenheit gegenwärtig noch immer eines der gerngesehensten Repertoirstücke der deutschen Bühnen und wird sich auch als solches noch lange bewähren. In vorzüglicher Besetzung un^ Vorbereitung verspricht es einen amüsanten Abend, worauf wir nochmals hinweisen möchten. Der Anfang der Vorstellung ist aus */,8 Uhr efstgtsetzt.
8 Leipziger Solognartett. Das am Mittwoch abend in der hiesigen Marienkirche stattgefundene Konzert hatte sich eines sehr zahlreichen Besuches zu erfreuen. Die Sängerver- einigung (2 Damen und 2 Herren) rechtfertigte den vorausgegangenen vorzüglichen Ruf auf das glänzendste. Interessant und lehrreich gestaltete sich das Programm, das in wech'eln- dem Gewände das geistliche Volkslied vom 12. bis 18. Jahrhundert an dem Obr des Hörers vorüberführte. Den drei altdeutschen Volksliedern folgten ebensoviel glaubenS- freudige und glaubensmutige aus der Reformations;eit, von denen der wundervolle Satz von Heinrich Isaak (1500): „O Welt, ich muß dich lassen" und „O Haupt voll Blut und Wunden", in der Bearbeitung von H. L. Hasler, J. Krüger und Joh. Seb. Bach besonders gefielen. Daran schlossen sich drei Lieder aus der böhmisch-mähri'chen Gemeinde, die beredtes Zeugnis ablegten von dem gewaltigen Geist der damaligen Zeit, denen dann weitere drei neuhochdeutsche Lieder sich anreihten. Ein Fastenlied aus dem 17. Jahrhundert, ein trostreiches Zwiegespräch zwischen Engel und Seele, bildete einen würdigen und ergreifenden Abschluß. Die Darbietungen waren künstlerisch-vollendet und tief empfunden. Namentlich verdient die kunstvolle Anwendung der dynamischen Zeichen hohe Anerkennung. Reuend wirkte das prachtvolle „piano" und das allmähliche Verhallen der Schlußakkorde, worin die Vortragenden die größte Meisterschaft zeigten. Mit großer Befriedigung konnten die Konzert- besucher tief erbaut durch die mustergültigen Vorträge das Gotteshaus verlassen.
* * Grossfeuer. Gestern abend kurz nach 10 Uhr ertönten die Feuerglocken, die diesmal die Feuerwehr zu ernster Arbeit riefen. In der Voltz 'schen Dampfwäscherei und Vettfedernreinigungsanstalt in ber Sternstraße war Großfeuer ausgebrochen, dessen greller Schein weithin leuchtete. Ein wahrer Feuerregen ergoß sich insbesondere auf die Messe und die leichte Zeltstadt wurde wohl nur dadurch vom Verderben gerettet, daß der fortwährende Regen der letzten Taae
sie gründlich durchweicht hatte. Die alsbald anrückende Feuerwehr hatte zunächst schwere Arbeit, da der leichte Fachwerksbau im Hof lichterloh in Flammen stand und eine enorme Hitze verbreitete. Nachdem jedoch fünf Schlauchlinien ihre Strahlen entsandten, konnte her Brand bald gedämpft und so weiteres Unheil verhütet werden. Der Ausbruch des Feuers erfolgte in dem im rechten Seitenbau gelegenen Sertterraum der Voltz'schen Wäscherei, wo zum Reinigen bestimmte Federbetten lagerten. Von hier ans schlugen wahrscheinlich die Flammen sofort durch den Nufzugsschacktt in den im hinteren Querbau liegenden Trockenraum und setzten auch dort lagernde Federbetten in Brand, sodaß der vorerwähnte Seitenbau und der den Hofraum abschließenden Hinterbau fast zu gleicher Zeit in Flammen standen. Gegen 10 Uhr erloschen im Hause plötzlich die elektrischen Lichter und als man hinaussah, standen die Hintergebäude schon in Flammen. Ueber dem Sortierraum befindet sich in dem Oberstock des Seitenbauer die Centner'sche Diamantschleiferei, deren Einrichtungen zum größten Teil verbrannte, die Wertgegenstände konnten jedoch gerettet werden. Die Diamantschleiferei beschäftigte etwa 10 Leute, der hier angerichtete Schaden beträgt 7—8000 Mk. Ein Elektromotor, her heute aufgestellt werden sollte, ist mit verbrannt. In der Voltz'schen Wäscherei verbrannte viel fremde Wäsche, u. a. auch größere Mengen Militär- wäsche, jedoch sind hier die Maschinenanlagen zum größten Teil unversehrt geblieben, sodaß man hofft, den Betrieb bis zum Montag wieder voll anfnehmen zu können. Ueber die Entstehungsursache des Brandes hat man nur Vermutungen, jedoch ist anzunehmen, daß Kurzschluß in der elektrischen L-itung die Schuld trägt. Der Gesamtschaden, der leider nur zum Teil durch Versicherung gedeckt ist, ist nach unseren Informationen sehr beträchtlich. Durch das Feuer wurden auch die hinter der gelben Mauer stehenden alten Pappel- bäume versengt.
* Hirvt's Kinematograph bietet von heute ab Bilder von dem am Dienstag erfolgten Einzuge des Königs Altons von Spanien in Berlin. Die gut gelungenen photographischen Aufnahmen sind gestern hier eingetroffen und alsbald eingereiht worden. 'Hieraus ist zu ersehen, daß der Besitzer von Hirdt's Kinematograph stets bestrebt ist, mit aktuellen Darbietungen aufzuwarten, was ihm sicherlich durch zahlreichen Besuch gelohnt werden wird.
* Pforzheimer Hehlereiprozess. Die Karlsruher Strafkammer verurteilte den in Pforzheim wohnhaften Goldwarenhändler Friedrich Wilhelm Engelmann wegen gewerbs- und gewohnheitsmäßiger Hehlerei gestohlener Gold- und S'lberwaren zu 21/® Jahren Zuchthaus und ß Jahren Ehrverlust.
♦ Stadtverordneten-Ergänzungswahlen. Im Saal» bau zum deutschen Hause, fand gestern abend eine öffentliche Wählerversammlung der bürgerlichen Parteien statt, in der die Aufstellung der Kandidaten für die Stadtverordneten- Ergänzungswahlen zur 3. Wahlabteilung erfolgen sollte. Den Vorsitz führte Herr Obersekretär Holm, der nach der Eröffnung der Versammlung dem Stadtverordneten Mittel- schullehrer Wolff das Wort erteilte zur Berichterstattung über die Tätigkeit in der Stadtverordnetenversammlung während der letzten 2 Jahre. Der Referent führte aus, daß er erst in letzter Stunde an Stelle des verhinderten Stadtv. Loßberger den Bericht übernommen habe, der deshalb auf Vollständigkeit und Ausführlichkeit keinen Anspruch machen könne. Er bitte in dieser Hinsicht um Nachsicht. Außerdem sei er aber auch der Meinung, nicht allzusehr mit Einzelheiten aufhalten zu dürfen, da diese, wie er glaube, zu weit von dem Zwecke an heutigen Verhandlungen entfernt lägen. Der Referent fährt fort: Als Beweis aber dafür, daß die bürgerlichen Stadtverordneten stets bestrebt gewesen sind, die Interessen der Stadt nach allen Seiten zu wahren und Beschlüsse zu fassen, die nicht im Interesse einer Partei, sondern im Interesse der gesamten Bürgerschaft liegen, und daß das Amt eines Stadtverordneten an den Einzelnen große Anforderungen inbezug auf Zeit und Arbeitsleistung stellt, möchte ich nur darauf hinweisen, daß in dem Jahre 1904 in 2 2 öffentlichen und 7 geheimen Sitzungen 388 Be- ratungsgegenstände imb im Jahre 1905 bis jetzt schon in 23 Sitzungen 486 Gegenstände ihre Erledigung gefunden haben, wozu noch 42 meist sehr ausgedehnte Kommissionssitzungen kommen. Meine Herren I Die bürgerlichen Stadt- verordneten sind stets bemüht gewesen, die Mittel zu bewilligen, die einen kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung für unsere Stadt bedeuteten, und die neue Mittelschule, die in ihrem Ausbau eine Musterschule bildet, ist keineswegs „über unsere Kraft". Sie ist nur ein Beweis dafür, daß ihnen keineswegs der Vorwurf gemacht werden kann, daß sie ihre Fürsorge nur den höheren Schulen zuwenden, sondern in gleicher Weise den Schulen, die von den Kindern der geringeren und mittleren Volksklassen besucht werden, den Volks- und Mittelschulen. Durch den Ankauf des Hauses