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Anzeiger

«ezugSpreiS:

vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für au* »värtige Abonnenten mit dem bettefsenden Postausschlag.

Die einjelne Nummer kostet 10 Pfg.

gtctaiienäbnid und Verlag der Buchdruckerei bei verein, f». Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für 5'tadt- und Landkreis Sana«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Sinrückmtgsgebühr I

Die sünfgespaltent Petitzeile oder deren Raum 15 PsU>, im Reklameutell die Zelle 35 Pfg.

Lerandoorü. Redakteur: G. Schrecker in Hemau

Nr. 263

^mifyredtaiiWttfi Nr. 605

Mittwoch den 8. November

Aernsprechanschluh Nr. 605

1905

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Polizeiverorduunft,

zur Ergänzung der Polizeiverordnung betr. die Entleerung der Lairinengruben in der Stadt Hanau vom 21. Juni 1894.

Auf Grund der §§ 5 und 6 der Allerhöchsten Verord­nung über die Polizeiverwaltung in den neuerworbenen Lan­desteilen oom 20. September 1867 (G.-S. S. 1529) und der §§ 143 und 144 des Gesetzes über die allgemeine Lan­desverwaltung vom 30. Juli 1883 (G.-S. S. 195) wird mit Zustimmung des Magistrats der Stadt Hanau für den Stadtkreis Hanau nachstehende Polkzeiverordnung erlassen:

Einziger Paragraph.

Der § 12 der Polizeiverordnung betr. die Entleerung der Latrinengruden in der Stadt Hanau vom 21. Juni 1894 erhält folgende Ergänzung als zweiten Absatz:

Die Verwendung von Wasserstrahlpumpen, welche an die städtische Wasserleitung angeschlossen sind, zum Zwecke der Ertleerung der Latrinengruben ist untersagt.

Hanau den 7. November 1905.

P 8278

Königliche Polizei-Direktion, v. Beckerath.

Bekanntmachuna.

Für die mit Ende d. Js. ausscheidenden bezw. bereits ausgeschiedenen Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung sind Ergänzungswahlen vorzunehmen:

III. Wahlabteilung

Kaufmann Heinrich Jost jr., Buchdruckereibesitzer Lorenz Loßberger, Bäckermeister Jean Reis, Dachdeckermeister Karl Lucht.

II. Wahlabteilung

Rechtsanwalt Karl Eberhard, Rentner Georg Heydt, Rentner Ernst Treusch, Lehrer Heinrich Wolff.

T. Wahlabteilung Kommerzienrat Fritz Canthal, Rentner Fritz Voltz, Regierungsrat Dr. jur, Adolf Wenke, Kaufmann Heinrich Ott.

je

Außerdem ist in der IT. und T. Wahlabteilung Ersatzwahl auf eine Wahlzeit bis Ende 1909 vorzunehmen, und

eine

zwar in der II. Wahlabteilung für Herrn Karl Glaser, in der I. Wahlabteilung für Herrn Rudolf Küstner.

Die Wahlen finden wie folgt statt:

Die Wähler der III. Abteilung wählen am Dienstag den 14. November, Mittwoch den 15. November und Donnerstag den 16. November d. I., täglich von vormittags 10 11 hr bis mittags 1 11 hr und nachmittags von 4 bis 8 Uhr und zwar die Wähler, deren Name mit den Buch­staben A bis K beginnt, im unteren Saale, die Wähler, deren Name mit den Buchstaben 8 bis 3 beginnt, int oberen Saale des Neustädter Rat­hauses.

Die Wähler der II. Abteilung wählen am Freitag den 24. November d. A., von vormittags 10 11 hr bis mittags 1 Uhr und nachmittags von 4 bis 8 Uhr im unteren Saale des Rathauses.

Die Wähler der I. Abteilung wählen am Samstag den 25. November d. I., von vor­mittags 10 Uhr bis mittags 1 Uhr im unteren Saale des Rathauses.

Zur I. Wahlabteilung gehören die in der Liste der Stimm­berechtigten verzeichneten Wähler, welche an direkten Steuern (Staats- und Gemeindesteuern zusammengerechnet) in der Stadt Hanau 1676,94 Mk. und mehr, zur H. Wahlabtei­lung diejenigen, welche 206,50 Mk. und mehr bis einschließ­lich 1676,80 Mk. und zur III. Wahlabteilung diejenigen, welche 205,68 Mk. und weniger entrichten.

Für die Wahl kommt die Vorschrift des § 18 der Städte- Ordnung für die Provinz Hessen-Nassau in Anwendung und müssen demzufolge von den in der l 11. Abteilung zu Wählen­den 2 Hausbesitzer, von den in der II. Abteiluna zu Wählen­den 1 Hausbesitzer und von den in der 1. Abteilung zu Wählenden 3 Hausbesitzer sein.

Wahlberechtigt und wählbar sind nur diejenigen Personen, welche in der Liste der Stimmberechtigten verzeichnet sind.

Wir laden hierdurch die Stimmberechtigten zur Teil­nahme an den Wahlen ein.

Hanau den 20. Oktober 1905.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus.

Bekanntmachung.

In die Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika und Kamerun werden noch Sanitäts-Unteroffiziere und Mann- schasten eingestellt.

Freiwillige Meldungen können sofort bei den Bezirks­feldwebeln hier erfolgen.

Bezirks-Kommando Hanau.

Hus Hanau Stadt und Cand.

Hana«, 8. November.

* Geheimrat Sternkops f. Am 6. d. M. starb infolge eines Herzschlags der Geheime Negierungs- und Schul­rat Sternkopf in Cassel. Nach der Pensionierung des Re- gierungs- und Schulrats Falckenheiner wurde er als dessen Nachfolger von Ostpreußen aus an die Regierung in Cassel versetzt, an der er bis zu seiner Ostern erfolgten Pensionie­rung tätig war. In den langen Jahren seiner Wirksamkeit hat er sich durch sein schlichtes, offenes Wesen die Hoch­achtung und Wertschätzung weiter Kreise erworben. Dankbar gedenken seiner die ihm bis Ostern 1905 unterstellten hessi­schen Lehrer, denen er ein gerechter, wohlwollender und freundlicher Vorgesetzter war.

* Kontrollversammlnng. Donnerstag den 9. No­vember, vormittags 9 Uhr, in Hanau (Paradeplatz): Die Reservisten der Jahresklassen 1898 und 1899 von Stadt Hanau; vormittags 11 Uhr in Hanau (Paradeplatz): Die Reservisten der Jahresklassen 1900 und 1901 von Stadt Hanau.

* Fernsprechverkehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf St. Ingbert ausgedehnt worden.

* Ernennung. Die durch Versetzung des Herrn Pfarrer Römer nach Niederrodenbach freigewordene Pfarr­stelle zu Rüdigheim ist vom Kgl. Konsistorium zu Cassel dem Pfarrer R ö m h e l d in Schlierbach übertragen worden.

* Das Kirchenkonzert in der Marienkirche, auf das wir auch an dieser Stelle wiederholt aufmerksam gemacht haben, findet heute abend 8 Uhr statt. Es ist zu erwarten, daß das berühmte Soloquartett aus Leipzig auch in unserer Stadt einen zahlreichen Zuhörerkreis finden wird. Möge sich niemand die Gelegenheit entgehen lassen, sich von solch fachkundiger Seite in den reichen Schatz unserer geistlichen Lieder einführen zu lassen.

* Stadttheater. Auf den heutigen interessanten Lust- spiel-Abend sei nochmals ganz besonders hingewiesen. Die originelle Komödie: ., D a s e r st e Weib" und das Schön- than'sche Lustspiel:Der Klavierlehrer" haben bei der hiesigen Erst-Aufführung einen vollen Erfolg errungen und der neu hinzugekommene EinakterZum Ein­siedler" hat sich in den letzten Jahren ständig mit größtem Beifall auf dem Repertoire fast aller Bühnen be­hauptet. Beginn um ^2 8 U hr.

* Gemälde-Artsftellung In dem Schaufenster von Altmannspergers Kunstialon ist soeben eine für Hanau recht interessante Gemälde-Ausstellung zu sehen. Der Künstler, Herr Kunstmaler J. G. Mohr in Wilhelmsbad, zeigt uns eine Reihe reizender landschaftlicher Motive unserer näheren und nächsten Umgebung. Die kleineren Bildchen von Hochstadt und Wilhelmsbad sind durch ihre Frische und den flotten Vortrag besonders anziehend; ganz herrlich ist derTeich zu Wilhelmsbad" in den leuchtenden Farben des Spätherbstes. Auch die größeren Gemälde, die durch ihre etwas glatte Mal­weise auffallen, sind in der Stimmung trefflich gelungen und die Moiive geschickt gewählt. Einige hübsche Genrebilder und Studienköpfe, in guter Auffassung und geschickter Komposition, bezeugen die Vielseitigkeit des Künstlers.

§ Ueber das Lichtluft- und Sonnenbad sprach gestern im Saalezum deutschen Hause" Herr Dr. Diehl, Leiter des Sanatoriums Stolzenberg, vor einer zahlreichen Zuhörerschar. Der zweistündige Vortrag war ebenso klar und leichtverständlich als fesselnd und interessant, die Zuhörer folgten ihm in allen Einzelheiten mit so gespannter Aufmerk­samkeit und belohnten den Redner mit so lebhaftem Beifall, daß zu hoffen steht, die vielen nützlichen Belehrungen werden auf fruchtbaren Boden gefallen sein und praktische Erfolge zeitigen, auf daß wir ein Luft- und Sonnenbad auch in

Die heutige Stummer umfaßt außer dem Nnterhattuugsbtatt 14 Seiten

unserer Stadt bald unser eigen nennen können. Daß die Luft ein wichtiges Lebenselement ist, bezweifelt wohl niemand, daß der Stoffwechsel nicht nur durch die Lunge, sondern und hauptsächlich auch durch die unendlich vielen Hautporen vor sich geht, ist ebenso bekannt, was ist nun natürlicher, als daß man die heilwirkende und belebende reine Luft auch direkt auf unseren Körper einwirken, sie durch die vielen kleinen Durchzugskanäle unserer Haut eindringen läßt, um die unreinen, krankmachenden Stoffe aus unserem Körper heraus- zutreiben, um das Blut zu kräftigen und zum Kampfe gegen die eindringenden Bakterien befähigter zu machen. Aber in noch stärkerem Maße als der natürliche Hunger nach Luft den Menschen manchmal ins Freie treibt, ist dies bei der Sehnsucht nach der Sonne der Fall. Welche aufheiternde, frohmachende Wirkung übt ein schöner Sonnentag auf jeder­mann und wie deprimierend wirkt dagegen längere Regen­zeit. Der Mensch fühlt eben instinktiv den Wert des Sonnen­lichtes, das aber erst durch das Sonnenbad dem Körper- richtig zugänglich gemacht werden kann. Redner erläuterte die Heilwirkungen des Lichtluft- und Sonnenbades in ein­facher, überzeugender Weise und führte Beispiele aus seiner Praxis an, wo schwere Krankheiten, wie Knochenfraß und Nervenstörungen ausschließlich durch Luftbad und Diät geheilt, andere (ansteckende) Krankheiten, wie Scharlach und Masern, verhütet beziehungsweise in ein Stadium geleitet wurden, wo die Krankheiten ohne Fieber und am Körper kaum bemerkbar vorübergingen. Entschieden wandte sich Redner gegen die Kaltwasserkuren (sog. Kneippkuren), die in den meisten Fällen mehr, schaden als nützen. Die frische Lust genüge zur Ab­härtung voll und ganz. Um die Wichtigkeit der Hautpflege und Hautfunktionen zu illustrieren, verwies Redner auf eine Reihe Krantheitserscheinungen, die allgemein als Hautkrank­heiten bezeichnet würden, die jedoch innerliche Erkrankungen seien und sich nur in der Haut abspielen, denn die Haut an sich sei in solchen Fällen gesund. Mit einem warmen Appell, die Natur wieder als Jungborn der Gesundheit zu betrachten und zu benützen, in Luft und Sonne unseren Körper zu baden und zu stärken, schloß der Vortragende seine eindrucksvollen Worte.

* Hirdts Kinematograph übt auf der Messe nach wie vor die größte Zugkraft aus. Die Darbietungen ent­halten viel Aktuelles, sodaß jeder Besucher beftiedigt die Vorstellungen verlassen haben wird und wir mit voller Ueberzeugung den Besuch nur warm empfehlen können.

* Diebstahl. Gestern abend hatte sich in einem Meß­wagen auf dem Juxplatz ein Kerl eingeschlichen, der zwei Decken stahl. Als er sich mit seiner Beute flüchten wollte, wurde er von den Leuten festgenommen und einem Kriminal­schutzmann übergeben. Der Verhaftete hatte dreierlei Papiere bei sich, die auf den Namen Schwarzhuber, Böltl und Wagner lauteten. Möglicherweise hat man es hier­nach mit einem gefährlichen Menschen zu tun.

* Viehmarkt. Der Auftrieb zum heutigen Viehmarkt stellte sich auf 4 Ochsen, 567 Kühe und Rinder, 55 Kälber.

* In großer Gefahr schwebte, wie uns berichtet wird, gestern ein Oberrodenbacher Fuhrwerk, das den an der Niederrodenbacher Chaussee belegenen Bahnübergang zu passieren harte. Mitten aus dem Geleise befindlich, brauste ein Zug heran und nur dem Umstande, daß das Pferd scheute und dadurch kräftig anzog, war es zu danken, daß ein Unfall abgewendet werden konnte.

* Einen Kuß hat ein Offenbacher Uhrmacher ziemlich teuer zu bezahlen. Als eines Tages ein 16jähriges hübsches Mädchen in sein Geschäft kam, um eine reparierte Uhr zu holen, verlangte er als Bezahlung einen Kuß, und als sich das Mädchen sträubte, hielt er es mit Gewalt zurück. Wegen tätlicher Beleidigung des Mädchens erhielt er dieser Tage von der Darmstädter Strafkammer 10 Tage Gefängnis.

* Konsumverein und Saalbau. Gestern fand vor dem Schöffengericht die Verhandlung in der mehrfach er­wähnten Privatklagesache Hoch gegen den verantwortlichen Redakteur derHanauer Zeitung" Hugo Schenck statt. Der Angeklagte war durch Herrn Rechtsanwalt Dr. Nuß­baum, der Privatklüger durch Herrn Rechtsanwalt Löwen­thal aus Frankfurt vertreten. Zum besseren Verständnis der ganzen Angelegenheit, in welcher ja auch demHanauer Anzeiger" eine Beleidigungsklage angehängt wurde, seien hier einige erläuternde Bemerkungen vorausgeschickt. Es handelt sich bei dem Streit um'die Kritik der Praktiken, welche geübt werden, um den Ueberschuß des Konfumvereins, welchem auch nichtsozial demokratische Mitglieder, kleine Be­amte u. s. w. angehören, in welchem aber natürlich die führenden Genossen Oberwasser haben, in die Kasse des Saal- bauverems zu bekommen. Seit etwa 1892 wird alljährlich der Ueberschuß des Konsumvereins dem Saalbauverein zur Unterstützung des Saalbauunternehmens zugewendet und diese Zuwendungen haben bis jetzt schon die respektable Höhe