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Erstes Vlâ

B^ngSpreiS:

vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Sitionnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Buchdruckern des verein, e». Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Elurückungsgebühr t

Die fünf gespaltene Petitzeile oder deren Raum 1d $$ im Rellavtental die Zeile 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau

Nr. 262 N«rnwr-chans»l«tz Nr. 605. Dienstag -kN 7. November Serwh>re»6nf»r«fi Nr. 605. 19 05

Gefundene nnd verlorene Gegenstssn-e re.

Gefunden: 1 aoldener Trauring(gez. E.ü.24./9.05), 1 mattgoldene lange Damenuhrkette (Umhängekette), 1 Porte­monnaie mit 63 Pfg. Inhalt, 1 weißer breiter Herrensteh- kragen, 1 kleiner weißer Rosenkranz, 1 Portemonnaie mit 30 Pfg. Inhalt, 1 Kneifer mit Futteral, 1 Paar Hausschuhe, abzubolen in der Waisenhaus-Bnchdruckerei.

Verloren: 1 Portemonnaie-Täschchen (Eidechsleder mit Visitenkarten für Johanna Zahn), 1 Portemonnaie mit 14 Mk. Inhalt, 1 dunkelblauer Kinderkragen, 1 schwarzes Chenillentuch, 1 Rasiermesser, 1 Portemonnaie mit 3 kleinen Schlüsseln.

Zugelaufe n: 1 großer Bernhardinerhund, 1 kleiner schwarzer Hund mit weißen Vorderpfoten.

Hanau den 7. November 1905.

Hus F^anau Stadt und £and.

Hanart, 7. November.

* Kantrollversammlmrg. Mittwoch den 8. Novem­ber, vormittags 9 Uhr, in Fechenheim (Schulhof): Sämtliche Reservisten, diejenigen Wehrleute, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1893 eingetreten sind und die zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften von Fechenheim, Provinzial - Infanterie, Re­serve: vormittags 11 Uhr in Fechenheim 'Schulhof): Desgleichen von Fechenheim, Preußische Garde-Mannschaften und Svezial-Waffen der Reserve.

* BibeLstrinde. Heute abend 81/« Uhr Bibelstunde im evangel. Vereinshause, gehalten von Herrn Pfarrer Fuchs.

Postlers onalièn. Bestanden haben die Pâlng zum Postsekretär: die Postassistenten Fresein Fulda, Hahn in Hofgeismar und Wüstefeld in Carlshafen. Versetzt sind: der Postinspektor Cunze in Fulda nach Seesen als Post- bireftor; der Oberpostpraktikant Fritsche von Rinteln nach Fulda als Postinspektor; die Postassistenten Becker von Fulda nach Herleshausen, Lange von Vöhl nach Nieder­hone, Limeroth von Schlierbach bei Wächtersbach nach Hohen­eiche, ClauH von Eschwege nach Cassel, Bl ackert von Cassel nach Carlshafen, Emden von Fritzlar nach Corbach, Heckmann von Marburg nach Kirchhain (Bez. Cassel), Kühn von Veckerhagen nach Wahlershausen, Lübbars von Cassel nach Gudensberg, Kircher von Hanau nach Großenlüder. In den Ruhestand getreten sind: der Tele­graphensekretär Gärtig in Cassel unter Verleihung des Kgl. Kronenordens J V". Klasse, der Ober-Postassistent Kiesel­

Feuilleton

Von Dr. Ouilling.

Tote gabs nicht, als die Ausstellung Sonntag früh er­öffnet wurde, und gar am Nachmittag" (vergl. das schöne Wetter, das Rennen, die Messe rc.) mürben ganze 15 Be­sucher gezählt. Schönes Resultat! Nun es wird wohl im Laufe der nächsten Tage hoffentlich regnets bald besser werden, und für diejenigen, die die löbliche Absicht haben (und auch ausführen) die Ausstellung zu besichtigen, sind die folgenden Zeilen bestimmt. Jede Ausstellung ist nach einem planmäßigen System aufgebaut. Dem Gedankengang, der diesem System zu Grunde liegt, muß der Besucher, vernicht die Materie ganz genau und in allen Teilen kennt, folgen, wenn er den Saal nicht ebenso kenntnisreich verlassen will, wie er ihn betreten hat.

Also:

Anfang <--«

Bitte, meine Herrschaften, vom Ein­

gang, links schwenkt, wo ein zweites Plakat:Anfang" prangt. Hier finden Sie die ganze Familie Dürer mit Ausnahme der Mutter versammelt. »Der alte würdige Pater familias, von dem talentvollen Sohne 1490 unb 1497 in zwei prächtigen Bild­nissen abkonterfeit, dann der kleine Albrecht selbst als i3jähriger frischer Bursche und in drei späteren Selbstporträts entsprechend den weiteren Stadien seiner körperlichen und geistigen Ent­wicklung. Seine Brüder Andreas und Hans, die einzigen seiner 17 Geschwister, die am Leben blieben, sowie seine Frau Gemahlin als Mädchen, junge Frau und in höheren Se­mestern mit bedenklichem Gardinenpredigt-Gesicht.

Auch Dürer's Lehrer, Michael Wolgemut (1434-1519) ist nicht vergessen. Das Bildnis seines 82jährigen Meisters, ba§ der dankbare Schüler im Jahre 1516 anfertigte, ist in zwei Reproduktionen ausgestellt, deren eine am seitlichen Rande eine Erklärung der von Dürer beigefügten interessanten Aufschrift gibt. Daran reiht sich eine Folge von guten

bach in Kirchhain (Bez. Cassel). Gestorben ist der Ober- Postfekretär H ozzel in Cassel.

* Stadttheater. Auf die heute bei bedeutend ermäßigten Preisen ftattfindende Aufführung von: Die Brüder von St. Bernhard" sei nochmals hingewiesen und bemerkt, daß die Vorstellung erst um 8 Uhr beginnt. Morgen gehen die mit so außergewöhnlichem Seifart. aufgenommenen einaktigen Lustspiele:D a s e r st e Werb" undDer Klavierlehrer" nochmals in Szene, ferner neu einstudiert das reizende Stückchen:Z u m Einsiedler" von Bruno Jacob'ohn, welches man in Bezug auf Stimmungsgehalt und Humor zu den besten ein­aktigen Lustspielen zählen kann. Der hübsch arrangierte Theater- Abend wird sicherlich auch morgen wieder verdientes Interesse und eine zahlreiche Hörerschaft finden. Die Aufführung beginnt um ^28 Uhr.

* Turntast. Der Vorstand des Mittelrheinkreises wünscht schon längere Zeit eine bessere Regelung der Grenze zwischen den beiden Nachbargauen Offenbach-Hanau und Maingau, weil namentlich mehrmals zwei Turnvereine an einem Orte sich in beiden Gauen befinden. Bereits hatten die Vorstände der zwei Gaue zu diesem Zweck eine ein­gehende Besprechung, als deren Resultat sie den Vereinen den Vorschlag machen, den Main als die natürliche Grenze anzunehmen. Damit'stch nun hierüber auch die Vereine der beiden Gaue aussprechen können, findet nächsten Sonntag, nachmittags von 2^2 Uhr an, in Klein-Steinheim im RestaurantDeutscher Kaiser" ein gemeinschaftlicher Turntag statt, der wohl sehr stark besucht werden wird. Auch der Kreisvertreter Schmuck-Darmstadt wird dem Turnlag bei­wohnen und über diese Angelegenheit eingehenden Bericht erstatten.

* Prozest Lieber. (Fortsetzung). Zunächst wird mit dem Angeklagten der Fall Dienald erörtert. Von D. hat der Angeklagte von 18991904 für 8521 Mk. Gold gekauft. Auf den Vorhalt des Vorsitzenden, daß dies doch für einen kleinen Geschäftsmann eine große Summe sei und daß D. längere Zeit schon im Verdacht der Hehlerei ge­standen habe, erwidert der Angeklagte, es sei ihm nicht be­kannt gewesen, daß gegen D. irgendwelchen Verdacht vor­liege. Er komme seit 15 Jahren fast gar nicht mehr aus dem Hause, es habe ihm kein Mensch irgend etwas mitge­teilt, auch Kriminalschntzleute nicht, die doch täglich bei ihm Jn- und ausgingen. (Als Goldprobierer hatte L. bekanntlich tch diejenigen Goldsachen abzuschätzen, welche auf dem . Leihhaus versetzt werden sollten. Wenn daher irgend ein Diebstahl an Wertsachen gemeldet war, so wurde dies L. sofort mitgeteilt.) D. habe ihm stets gesagt, was er an Gold verkaufe, seien Rückstände aus seinem Fabrikalionsbe-

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photographischen Abbildungen nach Wolgemuts Hauptwerken, um einen Vergleich zwischen seinen und Dürers Leistungen zu ermöglichen. An diese Arbeiten schließen sich dann in etwa 500 Tafeln die Reproduktionen der Schöpfungen von Dürers Hand an, nach Gemälden, Handzeichnungen, Kupfer­stichen und Holzschnitten geordnet. Neben den z. T. farbigen Darstellungen der Gemälde sind stets die von Dürer dazu hergestellten vorbereitenden Studien und Skizzen zu sehen, die einen interessanten Einblick in die Arbeitsweise des Meisters gewähren. Leider mußten infolge Raummangels einzelne Blätter höher gehängt w^den, als es wünschens­wert erscheint und leider ist von Diesem Mißgeschick gerade eine der wichtigsten Abbildungen betroffen worden, nämlich die des Heller'schen Altarwerkes, das bekanntlich unsere Nachbarstadt Frankfurt in ihrem historischen Museum besitzt. Auf dieses Bild hat der Künstler nach seinen eigenen Mit­teilungen den meisten Fleiß verwendet und die er­haltenen Skizzen dazu in ihrer großen Zahl bestätigen das. Nun hängt die an und für sich schon zu dunkel kopierte Photographie, um die chronologische Anordnung nicht zu durchbrechen^ bedauerlicherweise etwas hoch und be­schattet. Aber, wer sie genauer besehen und mit den neben- hüngenden Studien vergleichen will, kann einen Tritt (Stufen- tritt) erhalten und sich darauf zur Höhe dieses Meisterwerkes erheben.

Sämtliche Ausstellungsgegenstände sind mit erklärenden Beischriften versehen, die allerdings, insofern es sich zugleich um Vorlagen für den Lichtbilder-Apparat handelt, seitlich angebracht werden mußten und daher auf der linken Seite liegen. Trotzdem empfiehlt es sich für den ernsten und auf­merksamen Besucher, der die Ausstellung zu seiner Belehrung besichtigt, diese Beischriften genau zn studieren und einen verrenkten Hals oder einen Hexenschuß nicht zu scheuen. Ueberdies aber ist auch für die nötige Literatur gesorgt. Eine große und eingehende Monographie der Gemälde von Dürer und Wolgemut ist aufgelegt und an dem Tische mit Draht befestigt, damit sie Riner mitnehmen kann. Des­gleichen etwa 20 größere und kleinere kunstgeschichtliche Werke, bei denen der Draht zugleich das Merkzeichen für die auf- zuschlagende Seite bildet. Hier ist jedem Geschmack Rechnung ge­

trieb. Dann habe er vielfach für D. fabrizierte Sachen ab- aeschätzt, die dieser auf dem Leihhaus versetzte. Wenn diese Gegenstände ein Jahr lang auf dem Leihhaus gelegen, seien sie veraltet gewesen und D. habe sie einschmelzen müssen. Da er auch manchmal mit mehreren Leuten gearbeitet habe, so hätten öftere Goldverkäufe D/s für ihn nichts auffälliges gehabt. Von Moritz S ch ö n f e l d hier hat der Angeklagte von 18961904 für 41,740 Mk. Gold gekauft. Der An­geklagte bemerkt hierzu: Schönfeld war Althändler und kaufte von den Fabrikanten das Gekrätz, ferner kaufte er viel von dem auf dem Leihhaus versteigerten Goldwaren, endlich kaufte er auch Altgold oder nahm solches in Zahlung.

Er selbst habe Leute, die alte Goldsachen zum Einschmelzen bringen wollten, an Schönfeld gewiesen. Dadurch hätten Schönfeld's Verkäufe unmöglich etwas auffälliges für ihn haben können. Dem Angeklagten wird hierauf vorgehalten, daß er von Schönfeld, bezw. aus dessen Geschäft Gold kaufte, während er im Gefängnis saß und auch sofort wieder, als er ans dem Gefängnis entlassen wurde. (Schönfeld wurde am 3. August 1903 wegen Hehlerei zu 1Jahr 3 Monaten Gefängnis verurteilt.) Der Angeklagte erwidert, bei der da­maligen Verurteilung Schönfelds habe es sich um Hehlerei von Platina gehandelt. Während der S. im Gefängnis ge­sessen, habe dessen Frau das Geschäft weiter betrieben, wenn ihm daher die Fran oder das Dienstmädchen Gold brachten, habe dies nichts Auffälliges gehabt. Kurz nach seiner Entlas­sung habe Schonfeld Goldblanchen gebracht, über deren Ur­sprung er angab, daß sie das eingeschmolzene Gold feien, das s. Zt. bei der Untersuchung über die Platindiebstähle bei ihm beschlagnahmt worden war. (Zu der in Rede stehenden Zeit waren bei Schönfeld mehrere Büchsen mit Goldabfällen beschlagnahmt worden, die ihm nach Verbüßung seiner Strafe zurückgegeben wurden.) Von Christian Schilling hat Lieber von 18961905 für 15,207 Mk., in den Jahren 1884 bis 85 auch schon für etwa 2000 Mk. Gold gekauft. Lieber erwidert auf die Vorhalte des Vorsitzenden, was er sich über die Herkunft einer so bedeutenden Menge Goldes bei Schilling gedacht habe, Schilling habe auch erklärt, es seien Rückstände aus seinem Geschäft, die er einschmelze. Wie viel dieser fabrizierte, habe er nicht wissen können, immerhin sei ihm bekannt gewesen, daß er mit mehreren Leuten arbeitete. Als er einmal auf Verlangen des Gerichts einen Auszug aus seinen Büchern machte, sei er über die sich bei Schilling ergebende Gesamtsumme allerdings selbst erstaunt gewesen. Im einzelnen sei ihm aber bei Schilling so wenig wie bei den anderen etwas aufgefallen; es habe ein lebhafter Verkehr bei ihm geherrscht, den ganzen Tag sei es ein und ausgegangen, da habe er über den einzelnen nicht viel nachdenken können. Von Mehlmann hat Lieber

OB

tragen. Vom dünnsten Leitfaden, der Dürer in 10 Zeilen ab­handelt, bis zum voluminösen Handbuch, das ihm 100 Seiten widmet, und zur Knacksuß'schen Monographie, alles ist vorhanden.. Wer sich also in dem Gewühl der Besucher (um der Statistik auf die Beine zu gelten, lasse ich schon die Schüler der Zeichenakademie mitzählen) ein Plätzchen er­obern kann, der vertiefe sich vor Betrachtung der Bilder zu­nächst in die Literatur; Tische und Stühle sind so ange­ordnet, daß dies ohne Gefährdung der Hühneraugen ge­schehen kann.

Die Erklärung der großen Holzschnittsolgen bietet der den Anfang der Bilderreihe einnehmende Text. Die Apoka­lypse mit ihren phantastereichen Darstellungen bleibt jedoch selbst unter Zuhilfenahme dieses Textes in ihren Einzelheiten unverständlich. Man muß vielmehr die in Betracht kommen­den auf jedem Blatte mit Bleistift angegebenen Kapitel unb Verse der Offenbarung Johannis ins Neuen Testament selbst nachlesen, zu welchem Zwecke eine Bibel rechts daneben aufgelegt ist. Vermutlich wird von der ganzen ausgestellten Literatur Dürers Tagebüchern und Briefen das meiste Interesse entgegengebracht werden. Das sie enthaltende Buch ist deshalb durch eine besondere Beischrist hervorgehoben.

Die Ausstellung ist täglich von von 912 und 25 Uhr und zwar für die Besucher der Dürer-Vorträge gegen Vor­zeigung der Karte, für die übrigen, weit in der Mehrzahl befindlichen Hanauer Sterblichen gegen ein Eintrittsgeld von 20 Pfg. geöffnet. Vereine, Schulen re. haben auf vorherige Anmeldung freien Zutritt. Einer Daseinsbeschränkung der Ausstellung auf drei Tage bedarf es jetzt nicht mehr, sondern sie wird die ganze Woche dauern, da sich der für Donners­tag in Aussicht genommene Redner des Kunstindustrieoereins glücklicherweise erkältet hat.

Allmmblätter.

Flinke Füße, treue Hände, Wahrer Mund und rüffger Fleiß: Wer die vier vereinigt fände, ' mitte aller Diener Preis.