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Bezugspreis:

vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für ou8« »ärtige Abonncntm mit dem betressmden Postaufschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Rotationsdruck und Verlag der Duchdruckerei »es verein, ev. Waisenhauses in Hanmi.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Dit ptafgespadene Prtitzeüe oder deren Raum 15 W' im ReklamenteU die Zelle 35 Pfg.

BerantrosrÜ. Redakteur: G. Schrecker in Hanau

Kr. 253 Fernsprechanschluß Nr. 605

Freitag den 27. Oktober

Fernsprechanschluß Nr. 605. . 1905

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Amtliches.

Eandkrets Hanau.

HekmtmchmM -es towlWu LlUl-rrtsamts.

Die Wahlperiode des Vertreters der Genossen- ichasts-Versammlnnft der Hessen-Nassauischen landwirt- chaftlichen Berufsgenossenschaft und des Ersatzmanns läuft nit dem 31. Dezember d. Js. ab. Es sind daher gemäß z8 6 und 7 des Genossenschaftsstatuts vom 4. Dezember 1901 Neuwahlen vorzunehmen.

Die Herren Bürgermeister ersuche id), durch die Gemeinde­vertretung (in Butterstadt durch die Gemeindeversammlung) je einen Wahlmann alsbald wählen zu lassen. Der Vertreter und der Ersatzmann werden in einem noch vvn mir zu be­stimmenden Wabltermin aus der Mitte der Wahlmänner ge­wählt. Der Erstere muß Eigentümer oder bevollmächtigter Leiter land- oder forstwirtschaftlicher Betriebe sein.

Die Wahlmänuer sind mir bis spätestens den 10. No­vember er. unter Angabe der Vor- und Zunamen, Alter, Stand oder Beruf und Wohnort desselben namhaft zu machen.

Gemeinden, welche diese Frist versäumen, bleiben bei der späteren Wahlhandlung unvertreten.

Vorstehendes findet auch auf die selbständigen Guts- bezirke mit der Maßgabe Anwendung, daß hier die Wahl­männer von dem Gutsvorsteher zu bezeichnen sind. Den Bericht der Herren Gutsvorsteher mit Ausnahme desjenigen von Pulverfabrik, erwarte ich ebenfalls bis zu oben genanntem Tage. Der Gutsbezirk Pulverfabrik bleibt unvertreten, weil in demselben landwirtschaftliche Betriebe nicht unterhalten werden.

Hanau deu 21. Oktober 1905.

Der Vorsitzende des Sektions-Vorstandes. J.-Nr.H2281 I. V.: v. Schlieben, Reg.-Assessor.

Stadtkreis Hanau.

Bekanntmachung.

Nach Beschluß des Landesausschusses vom 13. September d. Js. soll für das Jahr 1906 die Erhebung einer ein­fachen Viehseuchenabgabe für Pferde, Fohlen, Esel u. s. w. 20 Pfg. für jedes Stück und einer dreifachen Abgabe für Rindvieh 15 Pfg. für jedes Stück statt­finden.

Zur Feststellung der Abgaben, sowie zu statistischen Zwecken ist eine Zählung des Viehstandes erforderlich und es wird diese am 2. November d. Js. bewirkt werden.

Das Verzeichnis über den Viehbestand ist zur Einsicht der Beteiligten vom 6. bis einfchl. 19. November d. I. im Stadtsekretariat, Rathaus Zimmer Nr. 11, aufgelegt. Anträge auf Berichtigung sind bis zum 19. November d. I. bei der unterzeichneten Behörde, etwaige Reklamationen gegen deren Entscheidung aber bis einschließlich 29. November d. I. bei dem Königlichen Regierungs-Präsidenten zu Cassel an­zubringen.

Hanau den 23. Oktober 1905.

Der Magistrat.

____ I. A.: Or. Koppen. 21125

Handelsregister.

Firma Ferdinand Killmer jr., Hanau: Unter dieser Firma betreibt der Graveur und Modelleur Ferdinand Killmer in Hanau ein Graveur- und Modellier-Geschäft als Einzelkaufmann.

Hanau den 21. Oktober 1905.

Königliches Amtsgericht 5. 21115

VomVorwärts".

, Die sechs Redakteure desVorwärts", die ihre Kündigung emgereicht haben, erlassen an der Spitze des Blattes eine längere Erklärung, die das Gebaren des Parteivorstandes m eine recht eigentümliche Beleuchtung rückt. Die Redakteure lind mit ihrer Kündigung der Absicht des Parteivorstandes zuvorgekommen, der, ohne wie es sonst üblich ist, einen Ver­treter der Redaktion zuzuziehen, in strengster Heimlichkeit versus beschlossen hatte, zwei Redakteuren sofort, einem ontten gelegentlich zu kündigen. Als Ersatz sollten Stadt- nagen und No'n Luxemburg herangezogen werden.

Wasser der Erklärung geben der Anschauung Ausdruck, die Auffassung des Parteivorstandes die Freiheit uno Unabhängigkeit der Presse bedroht, wenn nicht vernichtet ®.^ Pârteivorstand beschränkt sich demgegenüber auf m i UyV9' daß er vor Ordnung der Verhältnisse in der äiedamon sein Schweigen nicht brechen wolle, und ersucht auch die Parteigenossen, ihr Urteil so lange zurückzustellen.

Berlin, 26. Oktbr. Wenn die sechs Redakteure der Vorwärts" beabsichtigt haben, durch ihre Flucht in die Oeffentlichkeit die in der sozialdemokratischen Parteileitung herrschenden Zustände grell zu beleuchten und der öffentlichen Kritik preiszugeben, so ist ihnen das mit großem Erfolg ge­lungen. DieVolksztg." schreibt u. a.:

Es kommen bei dieser Gelegenheit zur Kenntnis der Oeffentlichkeit Dinge, die, wenn sie sich in der bürgerlichen Presse ereignet hätten, die ganze sozialdemokratische Presse Deutschlands veranlassen würde, Schimpfereien über die verkommene bürgerliche Presse" und diesittlich verwilderte bürgerliche Gesellschaft" auszugießen. Herr Bebel und seine Leute sehen lieber die mißliebigen Vertreter ihrer politischen Ueberzeugung ihr Brot verlieren, als daß sie ihnen ein Recht zugestehen, das zu verteidigen sie dem Arbeiter bisher zur Ehrensache gemacht haben, und was für ein Heidenlärm bricht gegen einen bürgerlichen Arbeit­geber los, wenn er sich weigert, mit den Arbeitern über vorgekommene und beizulegende Differenzen zu verhandeln! Im Falle desVorwärts" lehnen die Arbeitgeber jede Verhandlung mit den Arbeitern, will sagen mit den Re­dakteuren, ab 1 In ängstlich geheim gehaltenen Konventikeln wird über die Anlegenheit verhandelt! Ein Mann aber, der sich als Vertrauensmann von Bebels Schützling in Leipzig, als schreibseliger Informator Mehrings hinter dem Rücken der dem Herrn Mehring verhaßtenVorwärts"- Redakteure zu bewähren suchte, wird als Nachfolger der aufs Pflaster geworfenen" in Aussicht genommen! So sieht es mit Herrn Bebels und der Seinen Hilfe aus, um die soziale und politische Gerechtigkeit, um die Gleichheit und Freiheit, um die Unabhängigkeit der Preise, in einem sozialdemokratische» Betriebe, von dem aus Jahr aus Jahr ein zum Teil in der unflätigsten und unanständigsten Kampfesweise über die Pressekorruption in der bürgerlichen Presse, über die soziale Verkommenheit der bürgerlichen Gesellschaft gewettert worden ist. Man darf Herrn Bebel und seinen Leuten zu ihremSiege" das aufrichtigste Beileid aussprechen. Von der publizistischen Tätigkeit der Streikbrecher aber, die jetzt den streikenden Genossen in den Rücken fallen werden, wird man sich netter Dinge im Vorwärts" versehen dürfen, vorausgesetzt, daß sich Streik­brecher in genügender Zahl finden, die sich unter das kau- dinische Joch der sozialdemokratischenUnternehmer- brutalität" beugen l

DieVoss. Ztg." urteilt:

Wie diese Vorgänge die Arbeitsverhältnisse in der Partei desZukunftsstaates" grell beleuchten, so zeigen sie auch deutlich, wohin Herr Bebel und seine Freunde steuern. Herr Stadthagen und Dame Rosa Luxemburg sind die Erkorenen. Die blutdürstige russische Revo­lutionärin wird die Pythia der Partei sein und der wilde Fanatiker Stadthagen ihr Hohepriester. Die Fraktion Mehring-Kautsky" bekommt das Heft in die Hand und alles, was nur entfernt des Revisionismus verdächtig er­scheint, wird schonungslosan die Wand gedrückt"; denn Herr Bebel führt ein'streng Regiment und wer nicht Kotau macht, der wirdzerschmettert".

Hus Hanau Stadt und Eand.

Hanan, 27. Oktober.

* Kaiserdenkmal. Der von dem Magistrat ver­waltete Fonds für die Errichtung eines Standbildes für Kaiser Wilhelm I. ist zu der stattlichen Höhe von mehr als 60 000 Mark angewachsen. Als Standort für das Denk­mal ist bekanntlich der Paradeplatz bestimmt worden.

* Reichsbanknebenftelle. Am 15. November d. I. wird in Münsterberg in Schlesien eine von der Reichsbank- Hauptstelle abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kassenein­richtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.

* Pfarrstelle. In die durch Versetzung des Pfarrers Rollmann nach Schlüchtern frei gewordene Pfarrstelle zu Berkersheim ist vom König!. Konsistorium in Cassel Pfarrer Schöner von Bieber berufen worden. Er wird seine Stelle anfangs Dezember daselbst antreten.

* Verliehen. Dem Eisenbahn-Betriebswerkmeister am Ostbahnhof Herrn Ferdinand Arnhardt wurde anläßlich seiner Pensionierung am 1. Oktober der Kronenorden 4. Klasse verliehen.

* Für den Crweiternnasban des evaneel. Diakonissenheims sind 20 'Mk. in Brief eingesandt worden, für welche unterUngenannt" quittiert werden soll. Solches geschieht hierdurch mit bestem Dank gegen den Ein­sender, dessen Brieftiegel G. A. trägt.

* Kirchenchor der JohannMirche. Heute abend, pünktlich 8 Uhr, Probe für Damen.

* Stadttheater. Auf die heute stattfindende Wieder­holung von Jbsen's ergreifendem SchauspielN o r a" sei nochmals ganz besonders aufmerksam gemacht. Am Sonntag gelangtDer Hochtourist" von Kraatz und Neal, neu einstudiert, zur Aufführung. Der überaus lustige Schwank

wurde seinerzeit mit dem stärkstes Beifall ausgenommen, sodaß die Wiederaufnahme desselben in das Repertoire allgemeine Anerkennung finden dürfte.

* Konzert des GesangvereinsSnmser". In derCentralhalle" fand gestern abend das angekündigte Konzert des GesangvereinsSumser" statt, das den er­warteten prächtigen Verlauf nahm. Raummangel zwingt uns, die ausführliche Besprechung für die nächste Nummer zurückzustellen.

* Mit dem Löhnnngsbetrage dnrchgegangcn. Am Montag wurde in Gelnhausen, wie man uns berichtet, der Schachtmeister Wilhelm Lotz von Gießen verhaftet. Lotz hatte am Freitag ihm zur Auszahlung an zahlreiche in Gießen Gasleitungen legende Arbeiter der Firma Olg u. Co., Saarbrücken, übergebene Lohnbeträge unterschlagen und war damit durchgegangen, Frau und Kinder im Stiche lassend. Es wurde festgestellt, daß er in Mannheim war und sich auf der Rückreise nach Gießen befand. Auf telegraphische Requisition wurde er nun Montag in Gelnhausen verhaftet. Am Dienstag waren die zahlreichen Italiener, welche vergangene Woche vergeb­lich auf Zahlung des Geldes gewartet und auf telegraphische Anfrage aus Saarbrücken die Verhaftung des Schachtmeisters erfuhren, bereits in Gelnhausen und stellten die Persönlich­keit des Verhafteten fest. Von den unterschlagenen 14 000 Mark hatte der Schachtmeister bereits nicht weniger als 4000 Mark verausgabt.

* Berliner Bauernfänger. Wie Berliner Bauern­fänger im Lande arbeiten, zeigte eine Verhandlung vor der Mainzer Strafkammer, vor der sich wegen gewerbsmäßigen Glückspieles die Reisenden Julius Karl Schröder aus Berlin und sein Komplize, der in Strelitz geborene Wilh. Rachow zu verantworten hatten. Der eine hat schon 10 Jahre, der andere aber etwa 15 Jahre wegen gewerbsmäßigen Glück­spiels :c. im Gefängnis gesessen. Ein 19jähriger Bäcker­bursche, der in Hanau in Arbeit gestanden hatte, erzählte, wie er ihnen ins Garn gegangen ist, etwa folgendermaßen: Er stand an einem Schaufenster in Frankfurt a. M., als der Rachow auf ihn zukam und ihn nach seinem Gewerbe fragte. Als er ihm erzählte, daß er Bäcker' wäre, behauptete er das auch von sich und lud ihn für den Abend in ein Wirtshaus ein. Als er nicht kam, suchte ihn Rachow wieder­holt in seinem Logis auf und veranlaßte ihn schließlich mit ihm nach Wiesbaden zumachen", um dort Arbeit zu suchen. Als man auf der Zwischenstation Kurve-Biebrich ausstieg, kam von ungefähr der Schröder vorüber undverlor" seine Geldbörse, die Rachowfand", wofür er 10 Mark Trink­geld erhielt. So kam man ins Gespräch, Schröder, der sich als Fellhändler Heinrich Krause aus Köln ausgab, suchte zufällig für seinen Bruder, einen Bäckermeister in Köln, einen Burschen und natürlich wurde der junge Mensch sofort engagiert. Dann erzälteHerr Krause" von seiner reichen Frau und daß er vor einigen Tagen 150 000 Mark in der Lotterie gewonnen hatte. Rachow erklärte, daß müßte mit einem Trunk ge­feiert werden und der reiche Fellhändler ließ sich auch nicht lange nötigen. Man ging in eine Wirtschaft und trank wacker darauf los, wobei der Fellhändler immer vergnügter wurde und schließlich sein letztes Erlebnis zum besten gab. Im Hotel hatte er sich in ein Zimmermädchen vergafft, aber gleichzeitig auch ein anderer Gast. Da hätten sie um das Mädchen gelost und zwar mit Karten. Herr Krause zog drei aus der Tasche und zeigte auch gleich wie. Der Bäcker- bursche mußte ziehen und jedesmal gewann er. Bei solchem Glück war er leicht überredet, einmal im Ernst zu ziehen. Der Einsatz betrug einen Hundertmarkschein und diesmal hatte der Bursche Pech er verlor! Rasch waren ihm auch noch die restlichen 30 Mark abgegaunert, und als er dann sein Geld zurückverlangte, erklärte man ihm, alles sei nur Spaß gewesen; wenn er erst in Köln die Stellung an­getreten hatte, bekäme er es wieder. Er dürfe aber nichts verraten, sonst könne er wegen Glückspiels zwei Jahre ins Zuchthaus fommen. Dann, als der Bursche in Köln die aufgegebene Adresse des Bruders nicht fand, merkte er erst den Schwindel und erstattete trotz der Warnung Anzeige. Die beiden Gauner wurden schließlich in Kastel in einem Wirtshaus erwischt und festgenommen. In der Verhandlung betrugen sie sich unglaublich frech und behaupteten, ihre Ge­ständnisse seien ihnen erpreßt worden, während durch die Aussagen des Gefängnisoirektors nachgewiesen wurde, daß Schröder beim Verhör vor dem Staatsanwalt gegen ihn vor­gegangen war. Die beiden Kerle, die sich mit unglaublicher Zungenfertigkeit verteidigten, wurden jeder wegen gewerbs­mäßigen Glückspiels zur höchsten zulässigen Strafe von zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem soll jeder 2000 Mk. Geldstrafe zahlen, oder er hat ein weiteres Jahr Gefängnis