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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

iBeröntrowfl. Redakteur: 9. Schreiter « H««»

Nr. 245

Fernfprechanschlutz Nr. 605.

Mittwoch den 18. Oktober

Fernfprechanschlutz Nr. 605

1905

Amtliches. .

Stadt- und Eandkreis Fjanau.

Am Samstag den 21. d. Mts., von 12 bis

1 Uhr mittags, wird der Königliche Gewerbe-Inspektor aus Fulda in einem Zimmer des hiesigen Standesamts im Mtstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitern Gelegenheit zu Besprechungen geben.

Hanau den 17. Oktober 1905.

Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.

P 8632 I. V.: v. Schlieben, Reg.-Assessor.

Hus F)anau Stadt und Eand.

Hana«, 18. Oktober.

* Missionsfeft. An dem Missions'est für äußere Mission, das, so Gott will, am nächsten Sonntag hier in Hanau startsinden soll, wird nicht Herr Pfarrer Mehling, wie früher mitgeteilt wurde, sondern Herr Pfarrer Dett­mering vom Diakonissenhause in Frankfurt die Festpredigt nachmittags 4 's Uhr in der Marienkirche halten. Diese Zeit für den Festgottesdienst ist gewählt, da­mit auch die Missionsfreunde aus der Umgegend von Hanau an demselben teilnehmen können. In dem Festgottesdienst wird noch Herr Pfarrer Hehle aus Stuttgart über seine Missionsarbeit berichten. Derselbe arbeitete eine Reihe von Jahren als Missionar in K u m a s e in Westafrika, wo einst die allen Missionsfreunden wohlbekannten Missionare Rem- feyer und K ü h n e so schwere Leiden in der Gefangen­schaft zu erdulden hatten und dann eine wunderbare Be­freiung erleben durften.

* Die nächste Vollversammlung der Hand- werikskammer ist auf den 5. November festgesetzt worden. Die Tagesordnung wurde in der gestrigen Vorstandssitzung wie folgt bestimmt: 1. Geschäftsbericht; 2. Bericht über den Handwerkskammertag in Köln; 3. Abnahme der Jahres­rechnung; 4. Neuwahl der Ausschüsse nach Paragraph 80 des Statuts a) des Ausschusses für das Lehrlingswesen, b) des Berufungsausschusses, c) des Rechnungsausschusses; 5) Beschlußfassung über die Unterstützung der praktischen Meister­kurse in Frankfurt a. M.; 6. Beschlußfassung über Neu­regelung des Beauftragtemvesens; 7. Beschlußfassung über Gewährung einer ständigen Beihilfe zu der in Cassel zu er­richtenden Lehrschmiede; 8. Beschlußfassung über einen An­trag der Handwerker-Vereinigung zu Eschwege, daß die Kura­torien der gewerblichen Fortbildungsschulen zur Hälfte aus Mitgliedern der städtischen Behörde, zur Hälfte aus Hand­werksmeistern bestehen sollen und daß letztere von den Hand- werkervcreinigungen zu wählen sind; 9. Mitteilungen ver­schiedener Art. '

* Anmeldnng täglich oder werktäglich a«s- ziisührender Gespräch sverbindnngen im Fern­sprechverkehr. Im Fernsprechverkehr können vom 15. Oftober ab zunächst versuchsweise Gespräche, die auf den Fernlinien sich zwischen denselben Teilnehmern täglich oder werktäglich zu derselben Zeit wiederholen sollen, ein für allemal bei den Fernsprech-Vermittelungsanstalten angemeldet werden. Diesen Gesprächen steht ein Vorrang bei der Her­stellung der Verbindungen gegenüber anderen Gesprächen gleicher Gattung, die vor der angegebenen Zeit angemeldet werden, nicht zu. Die Gespräche können entweder ein für allemal als gewöhnliche oder ein für allemal als dringende angemeldet werden. Wünscht der anmeldende Teilnehmer ausnahmsweise statt des gewöhnlichen Gesprächs ein dringen­des oder statt des dringenden ein gewöhnliches Gespräch zu führen, so hat er dies an dem betreffenden Tage dem Amte besonders mitzuteilen. Eine Gewähr für genaue Ausführung der Gesprächsverbindungen zu den von den Teilnehmern ge­wünschten Zeitpunkten kann mit Rücksicht auf die besonderen Eigentümlichkeiten des Fernsprechverkehrs von der Reichs- postvrrwaltung nicht übernommen werden.

* Sprechstunde des Gewerbeinspektors. Der Königliche Gewerbe-Inspektor aus Fulda wird am Sams- den 21. d. Mts., von 12 bis 1 Uhr mittags, in einem Zimmer des hiesigen Standesamts im Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitern Gelegenheit zu Besprechungen geben.

Stadttheater. Die kleine KomödieDas erste r"«ib wurde letzten Sommer von der Uebersetzerin dem ?^^kktor Jaritz zur Begutachtung und eventuellen Aufführung eingereicht. Inzwischen kam das Stückchen am Hager in Friedrichshafen zum Geburtstag der Königin Charlotte von Württemberg zur Darstellung und fand soviel Beifall, daß es sofort vom Intendanten Baron von Putlitz dem Repertoire des Hoftheaters eingefügt worden ist. Der

Die üerrkae Mu,

hiesigen Uraufführung auf öffentlicher Bühne darf mit größtem Interesse entgegcngeschen werden. Die beiden auf obige Einakter-Novität folgenden WerkchenDer Klavierlehrer" undBeckers Geschichte" werden durch ihren prächtigen Humor ihre Wirkung auch nicht verfehlen, sodaß wir noch­mals auf den heutigen genußreichen Theaterabend ganz be­sonders aufmerksam machen möchten.

* Französischer Klub. Der bereits seit einigen Jahren an hiesigem Platze bestehendeFranzösische Klub" beginnt nächsten Freitag den 20. ds. Mts., abends 8l/s Uhr, wieder in seinem Klublokalzum Bernhardseck" (Leipziger­straße) die regelmäßigen wöchentlichen Uebungsabende aufzu­nehmen. Es ist hier einem jeden Hemm, der genügende Dorkenntnisse und ernstes Streben besitzt, unentgeltlich Ge­legenheit geboten, sich in der französischen Sprache zu ver­vollkommnen, resp. sich vollständig auf dem Laufenden zu erhalten. Geleitet werden die Uebungen, wie bisher, von Herrn B. Pfeifer, Direktor der hiesigen Kaufmännischen Fortbildungsschule, sodaß wir allen Interessenten zum Bei­tritt raten können. Der Geschäftsführer des Klubs, Herr I. Grünbaum hier, Hammerstraße 9, ist zu weiteren Aus­künften gerne bereit.

* Verein Merkur. Vorgestern abend hielt das be­kannte Mitglied des Frankfurter Schauspielhauses, Herr Mar Bayrhammer, dem als Rezitator und ganz be­sonders als Melodramsprecher ein vorzüglicher Ruf voraus­geht, indem er mit Wüllner und Possard vergleichend genannt wird, im Verein Merkur einen Vortragsabend, der von dem äußerst zahlreich erschienenen Publikum mit stärkstem Beifall ausgenommen wwde. Als Eröffnungsnummer rezitierte der KünstlerDas eleusische Rest", feinsinnig begleitet am Klavier von Herrn Adler. Bei diesem Vortrag konnte man neben der hochkünstlerisch zu nennenden Sprachtechnik des Rezitators noch das herrliche Organ bewundern, das, mit der Musik vereint, die mächtige Dichtung Schiller's wirksam zu Gehör brachte. Innig rührend ließ der Künstler dann Heine's Hastings" folgen, um bald darauf mit seltener Zungen­fertigkeit als Abschluß des ernsten Teiles Göthes Hochzeits­lied in das Programm einzufügen. Eine Dichtung Lilien- kron's, sowie ein paar humoristische bäuerische Dialektvorträge erheiterten noch die Hörer in hohem Maße.

* VolksvorlesttNft. Vor gut besetztem Hause hielt gestern abend Herr Lehrer Volk von Offenbach im Stadt­theater einen Vortrag über:Ernstes und Heiteres aus dem Volksleben unserer engeren Heimat." Der Herr Vortragende ist als Kenner und Interpret unseres Volksempfiudens und nicht zum mindesten durch selbstverfaßte treffende Gedichte in heimischer Mundart schon längst über unseren engeren Heimat­gau hinaus bekannt, und so konnte man mit Recht auch für gestern einen interessanten Abend erwarten. In fesselnder humorvoller Weise sprach der Herr Redner zunächst über die hauptsächlichsten charakteristischen Merkmale des hiesigen Dialektes, öfters von den Zuhörenben durch verständnis­innigen Beifall unterbrochen. Hierauf ging er zur Schilderung des ländlichen Lebens selbst über, indem er an der Hand kleiner stimmungsvoller Gedichte, kurzer treffender Kernsprüche und packender Balladen in unverfälschtem heimischen Dialekt bunte Bilder entstehen ließ. In schnellem Wechsel traten wir einen Blick in die Spinnstuben, lernten die derbe, treffende Bauernphilosophie über den Wert des Geldes kennen, freuten uns mit über die Aeußerungen des ländlichen Liebeslebens und empfanden die stille Resignation des arbeitslosen Mannes. Alles aufzuzählen verbietet der Raum, doch sei noch des längeren Schlußgedichtes besonders gedacht, in welchem in sarkastischer Weise und doch auch wieder mit tiefstem Empfin­den das noch bis in die neueste Zeit in einzelnen ländlichen Bezirken herrschende völlig unzureichende Armenpflegesystem gegeißelt und der dickköpfigen Starrheit eines Dorfoberhauptes in höchst drastischer Weise zu Leibe gerückt wird. Lauter reicher Beifall lohnte den Herrn Vortragenden am Schluffe seiner Ausführungen, durch welche er es verstanden hatte, sämtliche Zuhörenden in vollstem Maße zu fesseln, da wohl jedes Wort des Vortrags im eigenen Herzen verwandte Saiten anklingen ließ, und die Liebe zu unserer schönen Heimat neue Nahrung fand. Ein Dank den Veranstaltern des schönen Abends.

* Schlecht belohnte Vertrauensseligkeit. Die Ehestau H. Hier hat die Vertrauensseligkeit des mit ihr be­kannten, etwas beschränkten Dienstmädchens Z. schwer miß­braucht und sich dessen Spargroschen im Gesamtbeträge von 62 Mk. angeeignet. Die H. bat das Dienstmädchen um ein Darlehen von 20 Mark, worauf dieses ihr in Erwiderung einer früher erwiesenen Gefälligkeit sein auf 50 Mk. lautendes Sparkassenbuch aushändigte mit der Erlaubnis, 20 Mk. da­von abzuheben. Die H. nahm die Gelegenheit beim Schopf rmer umsakt auüer dem UnterbattunaSblai

und hob statt 20 gleich 35 Mk. ab. Die Z. war hiervon gerade nicht sehr erbaut, ließ es aber hingeben. Bald nach dieser Anleihe benötigte die H. Geld, um ein Fest (!) mit­machen zu können und da sie das Sparkassenbuch noch im Besitz hatte, so machte sie damit reinen Tisch und hob die übrigen 15 Mk. auch noch ab. Um die Inhaberin des Spar­kassenbuches zu beruhigen, flunkerte sie dieser vor, es müsse ein neues Buch ausgestellt werden und erhielt darauf noch 10 Mk., welche sie wieder auf der Sparkasse auflegen sollte. Die H. betrachtete ihre Freundin nun einmal als ebenso er« giebige wie bequeme Geldquelle und behielt auch diese 10 Mk., ebenso weitere 2 Mk., welche sie zum Einkauf von Strümpfen erhalten hatte. Die H. suchte gestern vor dem Schöffengericht unter einem großen Wortschwall darzulegen, daß alles nur als ein Darlehen angesehen war, welches sie nach und nach zurückbezahlen wollte. Das Gericht ließ diesen Einspruch wohl bezüglich der ersten 35 Mk. gelten, nicht aber bezüglich der weiteren 27 Mk. und erkannte gegen die schon Vorbestrafte auf 5 Wochen Gefängnis.

* Ans bet Untersuchungshaft entlassen wurde der Goldarbeiter Diehl, der in Pforzheim wohnhaft ist. Das Verfahren nimmt aber seinen Fortgang.

* BeleidigunflSprozest. Die Klage der elf bürger­lichen Stadtverordneten gegen den soz. Stadtverordneten G. Hoch wegen Beleidigung durch die Presse ist jetzt gegen den für die inkriminierten Artikel derVolksstimme" ver- antwortlichen Redakteur Zielowski ausgedehnt worden.

* Vrehnrarkt. Der Auftrieb zum heutigen Viehmarkt betrug: 4 Ochsen, 480 Kühe und Rinder, 92 Kälber, 1 Pferd, 1 Dulle.

Gerichtssaal.

Sitzung deS Schöffengerichts vom 17. Oktober.

Ein Bettler erhält 14 Tage Hast. Der Invalide H. hat am 15. September aus dem Fenster seiner Wohnung heraus geschimpft und skandaliert, sodaß ein Menschenauflauf entstand. H. erhielt ein Strafmandat von 15 Mk., wogegen er alter Gewohnheit gemäß Einspruch erhob. Diesmal hat er damit entschiedenes Pech, denn das Gericht zieht noch seine zahlreichen Vorstrafen wegen Gewalttätigkeiten in Rechnung und erkennt statt der 15 Mk. Geldstrafe auf drei Wochen Haft. Der Taglöhner S. erhiel? ein Strafmandat von 6 Mk., weil er in der Leimenstraße durch Schimpfen und Skandalieren einen Aüflauf verursacht hat. Er hat ebensowenig Glück wie der vorige, denn statt der Geldstrafe wird auf drei Tage Haft erkannt. Der Kaufmann L. er­hielt ein Strafmandat, weil er durch das Stehenlassen eines Wagens die Passage am Marktplatz versperrt hatte. Zur Begründung seines Einspruchs berief er sich auf sein her- kommliches Recht, das er durch jahrzehntelange Benutzung des Platzes, ohne daß polizeilicherseits eine Einwendung erfolgte, erworben habe. In einer früheren Verhandlung, war dem Angeklagten aufgegeben worden, dieses angebliche Servitut im Zivilrechtswege von der Stadt zu erstreiten. Da die Brauerei Beck inzwischen mit einem ähnlichen Anspruch abgewiesen worden ist, so hat der Kaufmann L. jetzt auch auf die Geltendmachung deS obengenannten Rechtes verzichtet und den Einspruch gegen das Strafmandat zuriickgezogen. Mm 25. Juli überschritten bei der Viehausladerampe am Ostbahnhof fünf Viehhändler die Geleise und erhielten des­halb Strafmandate. Vier von ihnen haben sich dabei be­ruhigt, der Isak G. von Wächtersbach jedoch hat Einspruch erhoben und will nicht bei den Ausgeschriebenen gewesen sein. Es stellt sich heraus, daß der Angeklagte nicht bei den betreffenden Leuten gewesen ist, daß also dem Beamten ein falscher Name angegeben wurde. Der Angeklagte wird frei­gesprochen. Der vielfach vorbestrafte Weißbinder K. hat am 4. September wieder einmal nach reichlichem Alkohol­genuß einen nächtlichen Skandal aufgeführt, daß die Nach­barschaft aus dem Schlaf erwachte. Der Einspruch gegen das polizeiliche Strafmandat hatte denErfolg", daß statt der Geldstrafe auf 3 Wochen Haft erkannt wird.

Hus Hab und fern.

Frankfurt a. M., 18. Oft In der gestrigen Stadt­verordnetensitzung machte zum Ostbahnhof-Neubau Herr Stadt­rat Dr. Matti für Herrn Oberbürgermeister Adickes, der wegen Erkrankung an der Sitzung nicht teilnehmen konnte, der Versammlung folgende Mitteilung: Die langjährigen Verhandlungen bezüglich des Ostbahnhofs sind in diesen Tagen zum Abschluß gelangt. Wie bekannt, handelte es sich um eine ganze Reihe von Fragen. Mit der Verlegung und Er­weiterung des Ostbahnhofs stand in Zusammenhang die An- läge von Drraßen, der Bebauungsplan, die Kanalisation, die Einführung der Verbindungsbahn in den neuen Bahnhof, der Anschluß des Osthafens usw., ferner der Austausch von Ge­lände zwischen Staat und Stadt. Nach iabrelanaen Verhand­

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