Erstes Blâ
iinM
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 M., monatlich 66 Pfg., für an» ivärtig« Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag.
Die einzelne Nummer kostet 10 PsS-
Avtatisutdruck und Verlag der Buchdrucker« bä verein.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Ltadt- und Fandkrtis Kanan
Tlurückungsgebâ-r t
Dit stuf gespaltene Petttzeile oder deren Raum 16 W tot Skeklamentell die Zeile 36 Pfg.
a. Waisenhaus«» in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme den Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Verautmortl. Rebaktem: S. Sch rock er tu $««
ß Nr. 233
F«r»spr«ch<mlchl>itz Rr. 605.
Amtliches.
Landkreis F>anau.
BekmtmAiW des Köntzlicheii LmdwtSamts.
Aus Staatsmitteln können zu Gemeinde-Obstpflan- z«nge« ««d Musteranlagen Beihülfen gewährt werden, die je nach der Leistungsfähigkeit stets nur einen Teil der mit dem Ankauf und der Anlieferung der Bäume verbundenen Kosten ausmachen sollen. Sie werden ferner nur dann bewilligt, wenn die Bodenverhältnisse sich für den Obstbau überhaupt eignen, die pflegliche Unterhaltung und Behandlung durch Uebernahme entsprechender Verpflichtungen, wie Bestellung von Baumwärtern gesichert ist und nur gutes sortensicheres Material aus einheimischen Baumschulen in möglichst wenigen anbauwürdigen Sorten verwendet wird.
Etwaige Anträge auf Gewährung von Beihülfen im Jahre 1906 sind mir bis zum 15. November d. J. einzureichen. Dem Anträge ist ein Kostenanschlag beizufügen und anzugeben, in welcher Höhe die Beihülfe erbeten wirb.
Hanau den 2. Oktober 1905.
Der Königliche Landrat.
V 6847 v. Beckerath.
------------------------—-
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 Lehrzeugnis für Johann Schäffer, 1 Schlüsselbund (3 Stück), 1 alte unechte Uhrkette, 1 Damenschirm mit silbernem Griff.
Verloren: 1 Zehnmarkstück, 1 altes rotbraunes Lederportemonnaie mit 3,50 Mk., 1 oxydierte Damenuhr mit goldner Kette, 1 Trauring (gez. K. W. 1898), 1 Kinderschirm, 1 Knabenmütze. .
Zu gelaufen: 1 junger schwarzer Pinscher m. Geschl.
Entflogen: 1 Wellensittig.
Zugeflo gen: 1 gelbes Huhn.
Hanau den 4. Oktober 1905.
Hus F)anau Stadt und fand.
Die Hessische Pastoral - Konferenz.
-r. Marburg, 3. Oktober.
Wie vor 4 Jahren so weilen auch seit heute wieder zahlreiche evangelische Geistliche aus allen Teilen Kurheffens in unserer Stadt, um den verschiedenen Tagungen, wie der Hauptversammlung des Vereins zur Unterstützung von elternlosen, nicht mehr pensionsberechtigten Töchtern evangelischer Geistlichen des Konststorialbezirks Cassel, der Pastoral-Konferenz und dem Jahresfest des Landesvereins für Innere Mission beizuwohnen. Ueber die beiden ersten Versammlungen, die heute mittag im Restaurant Seebode stattfanden, ist weniger zu berichten, da es sich meist um internere Angelegenheiten handelte. Bei der Pastoral-Konferenz, die von etwa 100 Geistlichen besucht war, hatte Pfarrer Landau- Fronhausen den Vorsitz, der auch zunächst eine kurze Begrüßungsansprache hielt. Es folgte eine erbauliche Ansprache des Pfarrer Göbels- Hanau und ein Vortrag des Pfarrer Ramdohr-Viermünden über „Die Pflege des evangelischen Bewußtseins in Predigt und Unterricht". In längeren Ausführungen verbreitete sich alsdann Pfarrer Schuchardt-Treysa, der bekannte Leiter der Jdiotenanstalt Hephata über „Die männliche Diakonie und ihre Arbeitsgebiete." Er schilderte die Ausbildung der Diakonen und wie sich ihre Tätigkeit bis in die kleinsten Gemeinden hin segensreich gestaltete. In den Krankenhäusern habe die Diakonenpflege bis jetzt nur in Hanau Eingang gefunden. In der Diskussion, die sich anschloß und an der sich auch General-Superintendent Werner- Cassel beteiligte, bezeichnete man die Unterstützung des Wirkens der Gemeinde-Diakonen als recht erwünscht. Den Schluß dieser Nachmittagsverhandlungen bildete ein kurzer Rechenschaftsbericht des Pfarrers Dr. Heußner-Cassel über die Begräbniskaffe. Um 7 Uhr fand dann in der reformierten Kirche ein Festgottesdienst statt, die Predigt hatte Pfarrer Reulus-Allendorf übernommen.
Die öffentliche Abendversammlung, welche um 8'/, Uhr im großen Museumssaale begann, hätte etwas besser besucht skin können. Pfarrer Wiffemann-Hofgeismar, der den Vorsitz .^* ei"e Begrüßungsansprache und gedachte dabei der Tätigkeit der Inneren Mission; die evangelischen Familien und dervl Söhne und Töchter möchten ihren Stolz darin suchen, die Anstalten der Inneren Mission in jeder Beziehung, besonders durch Eintritt, zu unterstützen. Der Verband „Frauenhilfe", der in Deutschland über 1000 Frauenvereine tn sich schließe, habe jetzt auch in Kurheffen einen Unterver
Mittwoch den 4. Oktober
band mit 40 Vereinen. Hilfskräfte seien also immer nötig und in dieser Beziehung müsse sich das evangelische Bewußtsein noch bedeutend heben. Superintendent Wissemann- Hofgeismar entwarf dann ein glänzendes Bild über die Verhandlungen des 33. Kongresses für Innere Mission, der kürzlich in Leipzig getagt und dem er beigewohnt habe. Was kirchliches Wirken anbelange, so könne sich Leipzig damit wohl sehen lassen. Als letzter Redner des Abends erschien dann Pfarrer W i t t e k i n d t - Caffel, der über das Thema sprach : „Was können wir gegen die Alkoholgefahr in unserem Volke tun ?" Der Redner verstand es in zu Herzen gehender Weise, die bösen Folgen des Alkohollasters in der Familie, in der Gemeinde und im Volke zu schildern. An der Hand einer Statistik zeigte er, welche Unsumme von Unglück mit dem Alkoholgenuß verbunden ist und welches Volksvermögen dabei verloren geht. Auch hier habe das Evangelium seine helfende Hand angesetzt und die Blauen Kreuz-Vereine hätten schon manchen Trinker der Familie und sich selbst wiedergegeben. Mit der Beseitigung der Alkoholgefahr würde sofort ein gutes Stück sozialer Not aus der Welt geschafft und es gäbe keine dankbareren Menschen, wie gerettete Trinker und deren Frauen. Die einzelnen Pausen zwischen den Vorträgen wurden durch Darbietungen des reformierten Kirchenchors ausgefüllt und so verlief der Abend in schönster Weise. Morgen früh findet die Hauptversammlung statt.
32. SWtmsanmliW des hessischen BolkSschnIlchmnemns in hMm.
A Homberg, 3. Oktober.
Den ausgedehnten Verhandlungen folgte am gestrigen Abend eine musikalische Unterhaltung, in welcher der Lehrersängerchor unter Leitung des Seminarlehrers Wehe-Homberg, sowie einzelne Musikvirtuosen Proben ihres musikalischen Könnens ablegten. Ein anschließender Kommers hielt die Amtsgenoffen noch manche Stunde bei Becherklang und Liedersang froh zusammen. — Der heutige zweite Verhandlungstag, zu dem etwa 700 Teilnehmer erschienen waren, wurde um 9 Uhr durch den gemeinsamen Gesang des Kirchenliedes : „Gib, daß ich tu mit Fleiß" eröffnet, worauf »die Reihe der Begrüßungen durch den Vertreter der König!. Staatsregierung, Herrn Regierungs- und Schulrat Mühlmann- Cassel, in herzlicher Weise eröffnet wurde. An diese reihten sich die Begrüßungsansprachen des Herrn Kgl. Landrats von Gehren, des Herrn Seminardirektors Dr. Frenzel, des Herrn Metropolitans und Kreisschulinspektors Schotte, des Herrn Kurators Hild und des Herrn Bürgermeisters Löber, welche alle in treffender und inniger Form von dem Vereinsvorsitzenden, Herrn Grebe- Cassel, erwidert wurden. Nun erstattete dieser den Jahresbericht, nach welchem die Zahl der Mitglieder 2481 beträgt. In eingehender Weise erhielten die Zuhörer auch Kenntnis von der Tätigkeit des Vorstandes während der Dauer des letzten Jahres. Mit einem Mahnruf zur vollsten Einigkeit und treusten Pflichterfüllung schloß diese interessante Berichterstattung, die ebenso wie die vorangehenden Begrüßungen mit lautem Beifall ausgenommen wurde. Nachdem die bereits festgesetzte Tagesordnung die Genehmigung der Versammlung gefunden hatte, erhielt Herr Rektor Kreitz- Cassel, das Wort zu seinem sehr interessanten, beifällig aufgenommenen Vortrage: „Die Lehrerinnenfrage", dem nachstehende Leitsätze zu Grunde lagen:
1. Der Mitarbeit der Lehrerinnen an der öffentlichen Jugenderziehung stehen grundsätzliche Bedenken nicht entgegen.
2. Die Vorbildung der Lehrerinnen muß derjenigen der Lehrer- gleichwertig sein. K
3. Das wichtigste Arbeitsgebiet der Lehrerin ist die Mädchenschule, in der sie grundsätzlich zum Unterricht auf allen Stufen ztizulaffen ist. Das Lehrerkollegium muß jedoch aus erzieherischen Gründen zur Hälfte aus männlichen Lehrkräften bestehen.
4. In der Knabenschule findet die Lehrerin nur ausnahmsweise (als Vertreterin) Beschäftigung. Dagegen ist von einer Anstellung der Lehrerin an der Knabenschule Abstand zu nehmen.
5. In der drei- und mehrklassigen gemischten Schule kann eine Lehrerin auf der Unterstufe Beschäftigung finden und ihre Tättgkeit auf die Mittelstufe ausdehnen.
6. Die Leitung der öffentlichen Volksschule kann der Lehrerin aus gewichtigen Gründen nicht eingeräumt werden.
7. Die Besoldung der Lehrerinnen erfolgt am besten nach dem Grundsätze: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.
Im Anschluß an eine kurze Debatte wurden die Leitsätze angenommen und in eine halbstündige Pause eingetreten. —
Fernsprechanfchlnß Nr. 605. 1905
Nach Verlauf derselben nahm Herr Lehrer Chr. Heck« mann- Caffel das Wort zu seinem Vortrag über „die Simultanschule", diese zur Zeit sehr brennende Frage, dessen Grundgedanken in nachfolgenden Leitsätzen Ausdruck finden: 1. Die Volksschule ist eine Veranstaltung des simultanen Staates und muß deshalb auch simultan sein.
2. Die Simultanschule ist nach den Bestimmungen des „Allgemeinen Landrechts" und der „Verfassung" mit der Konfessionsschule mindestens gleichberechttgt.
3. Sie hat sich in den Gebieten des deutschen Reiches, in denen sie seit längerer Zeit besteht, durchaus bewährt.
4. Die Simultanschule verdient aus pädagogischen, religiösen, hygienischen und ökonomischen Gründen den Vorzug vor der Konfessionsschule.
5. Ihre Erhaliung und weitere Ausbreitung ist aus nationalen und deutsch-kulturellen Gründen unbedingt notwendig und würde nicht nur Preußen, sondern ganz Deutschland zum Segen gereichen.
6. Aus diesen Erwägungen fordert der hessische Volksschullehrerverein, daß die Simultanschule auch in dem kommenden Volksschulunterhaltungsgesetze als eine der Konfessionsschule gleichberechtigte Schuleinrichtung festgesetzt werde.
Auch diesem Redner wurde wohlverdienter Beifall seitens der Zuhörer und des Vorsitzenden gezollt. Nach einer ziemlich lebhaften Debatte hielt noch Herr Seminarlehrer W e h e - Homberg einen Vortrag über : „Die Dramen unserer Klassiker und ihre Verwertung auf musikalischem Gebiete", welcher mit Beifall ausgenommen wurde. Gegen 3 Uhr hatte hiermit die zweite'Hauptversammlung ihr Ende erreicht. Schon um 4 Uhr waren die Festteilnehmer in der schönen Stadtkirche versammelt, um einer geistlichen Musikaufführung beizu- wohnen, in der durch gemischten Chorgesang, Orgel- und Saitenspiel den Zuhörern rechte Genüsse bereitet wurden. Den Schluß dieses Tages bildete das um 6 Uhr beginnende Festessen im Waltherschen Saale, daß durch zahlreiche Toaste und eine gediegene Tafelmusik — ausgeführt von der Kapelle des Infanterie - Regiments Nr. 167 — gewürzt wurde. Durch Gesangsvorträge, heitere Theateraufführungen und frohe Kommerslieder wurde die heitere Stimmung in Spannung erhalten; sodaß auch dieser Tag als ein schöner bezeichnet werden muß.
Hana«, 4. Oktober.
* Preußische Klassenlotterie. Die Erneuerungslose, sowie die Freilose zur 4. Klasse der 213. Königlich preußis chen Klassenlotterie sind nach den §§ 5, 6 und 13 des Lotterieplans unter Vorlegung der bezüglichen Lose aus der 3. Klasse bis zum 6. O k t o b e r d. I., abends 8 Uhr, bei Verlust des Anrechts einzulösen. Die Ziehung der 4. Klasse dieser Lotterie wird am 10. Oktober d. I., morgens 8 Uhr, ihren Anfang nehmen.
* Stadtiheaier. Wie bereits berichtet, geht heute als erste Abonnements-Vorstellung Schillers „Kabale und Liebe", neu einstudiert, in Szene und möchten wir nicht verfehlen, nochmals besonders darauf hinzuweisen. Am Freitag gelangt als erste Novität dieser Spielzeit Dreyers Schauspiel „Die Siebzehnjährigen" zur Aufführung. Der Verfasser ist durch seinen „Probekandidat" auch hier besonders bekannt und zählt sein neues Werk zu den epochemachendsten Erscheinungen in der gegenwärtigen Bühnenliteratur. Allerorten erzielte es die stärksten Erfolge und darf man dem neuen Stücke mit größter Spannung entgegensehen.
* Turngemeinde. Das Wetturnen der Zöglinge am Sonntag vormittag zeitigte Resultate, welche die Gewähr bieten, daß der „Turngemeinde" ein leistungsfähiger Nachwuchs gesichert ist. Prächttge Leistungen waren in den beiden Altersklassen, 14—16 Jahre und 16—18 Jahre, zu beobachten, welche den fleißigen Besuch des Turnplatzes, die ernste Arbeit der Turnenden und die geschickte Leitung erkennen ließen. Die Preisverteilung, am Abend vorgenommeu, zeigte folgendes Resultat:
1. Abteilung (16—18 Jahre)
1. Preis Wilhelm Dürr, 62 Punkte,
2. „ Otto Seitz, 508/* „
3. „ Karl Bieg, 50 „
Außer Konkurrenz turnten in dieser Abteilung mit unb errangen
Friedrich Krebs 63l/i Punkte, Karl Hof 63
2. Abteilung (14—16 Jahre)
1. Preis Ernst Schnarr, 611/* Punkte,
2. . „ Georg Wolf, 598/* „
3. „ Hans Gertenbach 548/a „