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Erstes Blâ

Hanauer U Anzeiger

vezagSpreiSr

MerteljLhrUch 1,80 W., monatlich 60 Pfg., für aus» »artige Abonnenten mit dem betretenden Postausschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Eümckt und verlegt in der Buchdruckerei verein, rv. Waisenhauses in Hanau.

Gcneral-Anzeigtk

Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Edrrückmrgs gebührt

Die sünsgespalten« Petitz«!« oder der« Raum 15 PfS» im Sieklamenteü die Zeile 36 PkS-

Derantwortl. Redaltemr e. Schrecker in Ham«.

Nr. 229

Fernfprechanfchlsttz Nr. 605.

Freitag den 29. September

Fernsprechanschltttz Nr. 605.

1905

Amtliches.

Landkreis Fjanau.

Beklliuitmachanßci! des Königliche» La»dr»ts»mtS.

Die Herre:: Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten haben zur Kennzeichnung der Krafffahrzeuge im Regierungsbezirk Hannover die weiteren Nummern 8, 22012800 und im Regierungsbezirk Gumbinnen C 10011500 überwiesen.

Hanau den 27. September 1905.

Der Königliche Landrat.

V 6072 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Wie bereits in den Jahren 1887 und 1888 durch das Amtsblatt bekannt gegeben worden ist, gibt der Deutsche Samariterverein, um die Kenntnis der zur Wiederbelebung Ertrunkener geeigneten Maßregeln in möglichst weiten Kreisen zu verbreiten, Blechtafeln, auf denen eine durch Zeichnungen erläuterte Anweisung zur Wiederbelebung anscheinend Er­trunkener abgedruckt ist, an alle Eigentümer und Führer preußischer See-, Fluß- und Binnenschiffe, die in der Emp­fangsbescheinigung sich zur Anheftung der Tafeln auf ihren Schiffen verpflichten, unentgeltlich ab. Dom 1. Januar d. J. ab werden diese Tafeln kostenlos nur noch an Königliche Behörden unter der Voraussetzung, daß in den Bestellungen die unbedingt notwendige Anzahl angegeben wird und zu­gleich die Ortschaften oder Stellen namhaft gemacht werden, für die sie in Aussicht genommen sind, abgegeben; au Private dagegen erfolgt die Abgabe nur noch gegen Erstattung des Selbstkostenpreifes.

Die Tafeln werden im nächsten Jahre in besserer Aus­stattung hergestellt und durch eine Einweisung zur Errettung Ertrinkender ergänzt werden.

Anträge auf unentgeltliche Ueberweisung solcher Tafeln, die sich auf die Fälle eines unmittelbaren Bedürfnisses zu beschränken haben, sind an die Königlichen Polizeidirektoren und Landräte des Bezirks zu richten. (A. II. 7633.)

Cassel am 6. September 1905.

Der Regierungs-Präsident.

J. D.: Mejer.

Vorstehende Bekanntmachung wird veröffentlicht.

Hanau den 22. September 1905.

Der Königliche Landrat.

V 6148 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

In Bergen-Enkheim ist die R o t l a u f s e u ch e (Backsteinblattern) ausgebrochen.

Gehöftsperre ist angeordnet.

Hanau den 26. September 1905.

Der Königliche Landrat.

V 6244 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Stadtkreis F)anau.

Am Montag den 2. Oktober d. I., vormittags von 10 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neu­städter Rathauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Kaufmannsgerichts statt, in welcher Parteien etwaige Streitigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.

Hanau den 28. September 1905.

Der Vorsitzende des Kaufmauusgerichts.

Dr. G ebeschus. 19022

Handelsregister.

Firma Bein & Kreist in Hanau: Die bem. Kaufmann Otto Glöckler in Hanau erteilte Prokura ist erloschen.

Hanau den 26. September 1905.

Königliches Amtsgericht 5. 18971

Hus F)anau Stadt und Land.

Hanau, 29. September.

Beamten-Perfonalnachrichten.

Ernannt: der Pfarrer Rüger zu Halsdorf zum ersten lutherischen Pfarrer in Gemünden, Klasse Rauschen­berg.

B e st e l l t: der Pfarrer extr. H ufschmidt aus Melsungen zum Gehilfen des Pfarrers Rabe in Gotts­büren.

Beauftragt: der Regierungssekretar Gerke mit Wahrnehmung der Geschäfte des Landesrentmeisters.

Versetzt: der Regierungsrat Liste mann an die Königliche Regierung in Allenstein, der Rendant der Re­gierungshauptkasse, Landrentmeister Cichos und der Re­gierungshauptkassenbuchhalter Kraft an die Königliche Re­gierung zu Allenstein, der Oberförster B o n s e in Germerode, Oberförsterei Meißner, auf die Oberförsterstelle in Rüdes- heim, der Steuersekretär Bayer von Hofgeismar an die Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission des Stadtkreises Caffel.

Uebertragen: die Oberförsterstelle Meißner in Germerode dem Oberförster v. Eschwege in Neu-Böddeken.

* Seuchen. Im Regierungsbezirk find zur Zeit folgende Ortschaften verseucht: Tollwut: Kreis Fritzlar: Ober­vorschütz, Werkel (Verdacht); Kreis Kirchhain: Holzhausen; Kreis Witzenhausen: Kleinalmerode (Verdacht); Kreis Esch- wege: Wellingerode (Verdacht). Schweineseuche (Schweinepest) : Stadtkreis Cassel: Cassel (Stadt); Land­kreis Cassel: Dörnhagen, Bergshausen, Vollmarshausen, Weimar, Sandershausen, Bettenhausen; Kreis Eschwege: Schafhof; Kreis Fritzlar: Kirchberg, Haddamar, Gudens­berg, Dissen,'Dorla, Wichdorf; Landkreis Hanau: Ravolz­hausen ; Kreis Hersseld: Hersfeld (Stadt), Mecklar, Asbach, Leimbach, Sölzer-Höfe (Gemeindebezirk Sorga); Kreis Hof­geismar: Immenhausen, Trendelburg; Kreis Homberg: Mühlhausen, Oberhülsa; Kreis Melsungen: Melsungen, Wolfershausen; Kreis Rotenburg: Hübenthal, Hornel, Braach; Kreis Wolfhagen: Dom. Rangen, Dom. Burg­hasungen. Influenza der Pferde (Brustseuche): Stadtkreis Cassel: Cassel (Stadt); Kreis Fritzlar: Fritzlar.

* Biehseuchen-Abgabe. Der Landesausschuß hat in seiner Sitzung vom 13. d. Mts. beschlossen, für das Jahr 1906 die Erhebung einer einfachen Viehseuchen-Abgabe für Pferde usw. 20 Pfg. für jedes Stück und einer dreifachen Abgabe für Rindvieh 15 Pfg. für jedes Stück anzuordnen. Zur Erhebung der dreifachen Abgabe für Rindvieh ist die nach § 10 des Reglements erforderliche Genehmigung des Herrn Oberpräsidenten erteilt worden.

* Erledigte Pfarrstellen. Geeignete Bewerber um die durch das Ableben ihres seitherigen Inhabers zur Er­ledigung gekommene Pfarrstelle zu Mariendorf, Klasse Grebenstein, haben ihre Meldungsgesuche durch Vermittelung ihres zuständigen Superintendenten binnen 4 Wochen an Königl. Konsistorium in Cassel einzureichen. Die Pfarr­stelle zu Lingelbach ist infolge Versetzung des seitherigen Inhabers anderweit zu besetzen. Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungsgesuche unter Anschluß der Zeugnisse bis zum 20. Oktober d. I. an die Freiherrlich v. Dörnberg'sche Ver­waltung zu Breitenbach a /Herzberg einsenden.

* Bon der Casseler Gewerbe-Ausstellung. Der Finanz-Ausschuß der Jubiläums-Gewerbe- Ausstellung hielt am Dienstag abend in der Gewerbehalle eine Sitzung ab, in welcher die vorläufigen finanziellen Resultate der Aus­stellung festgestellt wurden. Obgleich sich die noch zu er­füllenden Verbindlichkeiten naturgemäß noch nicht vollständig übersehen lassen, kann doch dem Vernehmen nach schon jetzt mit Sicherheit angenommen werden, daß der Gesamtabschluß der Gewerbe-Ausstellung ein so günstiger sein wird, wie ihn wohl nur wenige ähnliche Veranstaltungen zu verzeichnen gehabt haben. Die Gesamt-Einnahmen der Ausstellung über­steigen die Summe von 300 000 Mk.; in erster Linie^stehen hierbei die Einnahmen aus den Dauerkarten mit nahezu 70000 Mk. und aus den Tages-Eintrittskarten mit über 80000 Mk. Diesen Einnahmen stehen ja auch gewaltige Ausgaben gegenüber, man glaubt aber nicht fehl zu schließen, wenn der bestimmt zu erwartende Ueberschuß auf mindestens 80000 Mk. veranschlagt wird.

* Gesellenprüfung für Gold- und Silberschmiede. Alle Prüflinge vorgenannten Handwerks, welche ihre Prüfung demnächst ablegen wollen, haben sich in der Zeit vom 1. bis 15. Oktober unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebens­laufes, des Lehrvertrags, sowie des Lehrzeugnisses bei dem Vorsitzenden des Prüfungsausschusses ^errn Louis Bercher, Hanau, Leipzigerstraße 57, zu melden. Zugelaffen werden nur diejenigen, welche zur Lehrlingsrolle angemeldet sind.

* Der landwirtschaftliche Kreisverein Hanan hat, wie auch schon an anderer Stelle bekanntgegeben worden ist, am nächsten Sonntag den 1. Oktober, von nachmittags 4 Uhr ab, eine Versammlung für seine Mitglieder und deren Angehörigen im großen Saale des Kurhauses Wilhelmsbad angesetzt. In die Tagesordnung ist ausgenommen ein Vor­trag des Frl. Thekla Seyfried ans Auma über die Er­ziehung der Töchter auf dem Lande, ein Thema, .das gewiß die ©amenwelt sehr interessieren dürfte. Nach Erledigung der Tagesordnung ist noch ein geselliges Beisammen­sein vorgesehen.

* Seibstmopdv crf;,ch? Von Heldenbergen wurde gestern auf Anordnung eines dortigen Arztes ein Mann

ins St. Vincenz-Krankenhaus gebracht, der eine Schußwunde im Kopfe hatte und sich in bewußtlosem Zustande befand. Die Männer, welche den Verletzten brachten, wußten nur anzugeben, daß er Lindner heiße, der Wohnort war ihnen unbekannt.

* Unfall. Beim Vilbel-Stockheimer Bahnbau ereignete sich heute morgen in der Nähe von Heldenbergen ein be­dauerlicher Unfall. Einem kroatischen Arbeiter ging ein be­ladener Rollwagen über das Bein, wodurch der Unterschenkel oberhalb des Knöchels schwer gequetscht wurde. Der Ver­unglückte wird wahrscheinlich den Verlust des Beines zu be­klagen haben.

* Stadttheater. Der Vorverkauf für das am Sonntag als Eröffnungs-Vorstellung außer Abonnement in Szene gehende historische Schauspiel:Die Karls- s chü ler" wird morgen Samstag nachmittags von 45 Uhr an der Theaterkasse ftattfinben. Zu dieser Zeit werden noch beabsichtigte Neuanmeldungen zum Abonnement vom Kassierer Kempf-Bamber ger entgegengenommen.

Als erste Novität der Spielzeit wird, wie schon mitgeteilt, am kommenden Freitag Dreyer's erfolgreiche Komödie: Die Siebzehnjährigen" zur Aufführung gelangen. Als zweite Novität ist das gegenwärtig an allen Bühnen mit so großen Erfolgen gegebene Schauspiel:Die Brüder von St. Bernhard" von Ohorn erworben worden.

* Aufführung im dram.-literarifchen Verein. An zwei Abenden dieser Woche, Dienstag und Mittwoch, bot der dramatisch-literarische Verein Hanau der großen Zahl seiner passiven Mitglieder die Aufführung einer dreiaktigen Komödie von Jon Lehmann, betiteltAugen rechts". Das Stück ist, wie schon eine Vornotiz besagte, eine politische Satire, von einer Registrierung des Inhalts können wir wohl absehen, auch unterlassen wir es, über den literarischen Wert und Unwert des Stückes zu befinden. Der rührige Verein hatte weder Mühen noch Kosten gescheut, das Werk, das ja für Hanau neu war, stimmungsvoll herauszubringen, der Erfolg war auf seiner Seite. Trotzdem man 15 bezw. 14 Stellen zu besetzen hatte, konnte diese schwierige Aufgabe gelöst werden, ein Zeichen dafür, daß der Verein über Kräfte verfügt, die allen Anforderungen gewachsen sind. Einzelne darstellerische Kräfte herauszuheben, wollen wir unterlassen, doch muß konstatiert werden, daß die Mehrzahl der Einzel­leistungen auf einer beachtenswerten Stufe standen. So steht zu hoffen, daß bei rührigem Weiterstreben auf der be­schrittenen Bahn noch manche schöne Veranstaltung geboten werden wird.

* Ferienkurse und Sprachstudium. Während bet bevorstehenden Herbstferien wird Herr Sprachlehrer Chr. Dippel wieder Ferienklaffen abhalten, zu denen Knaben und Mädchen aller Klassen der höheren Schulen angenommen werden. Herr Dippel hatte mit den ihm anoertrauten Schülern sowohl mit denen, die für gewisse Klaffen der Oberrealschule vorbereitet wurden, wie mit denen, welche lediglich Nachhilfeunterricht genossen bisher so über­raschende Erfolge, daß die Zahl seiner Schüler im steten Wachsen begriffen ist und es sich empfiehlt, Anmeldungen alsbald zu bewirken. Auch Erwachsene, die sich in den neueren Sprachen oder in Mathematik gründlich ausbilden resp, ver- vollkommnen wollen, finden im Institut des Genannten hierzu die beste Gelegenheit, da es sich hier um Lehrer handelt, welche durch langjährigen Aufenthalt im Auslande Diese Sprachen vollkommen beherrschen. Im übrigen sei auf die an anderer Stelle stehende Anzeige verwiesen.

* Stiftungsfest. Der Verband deutscher Friseur^ gehilfen, Zweigverein Hanau, begeht Sonntag den 1. Oktober sein 5. Stiftungsfest. Das reichhaltige und bestens vorbe­reitete Programm dürfte durch die Dèitwirkung des hier all­gemein beliebten Humoristen Herrn Huber noch an An­ziehungskraft gewinnen. Ein Besuch ist bestens zu empfehlen.

* Michaelistag. Der Michaelistag, der 29. Sep­tember, verdankt seinen kalendarischen Namen dem biblischen Schutzpatron des jüdischen Volkes St. Michael, jenem obersten der sieben Erzengel, der nach altisraelitischer Legende über die Leiche des Moses, die ihm zur Bestattung übergeben war, tapfer mit dem bösen Satanas gekämpft haben soll. Die volkstümliche Meinung von der göttlichen Machtentfal- tung und von dem damit verbundenen allmächtigen Einflüsse Michaels, der auch bei den ersten Christen des neuen Testa­ments seine herkömmliche Würde beibehielt, war bei der be­ginnenden Bekehrung unserer heidnischen Vorfahren zum Christentum schon so tief eingewurzelt, daß sich die Bekehrten bei ihrer Taufe die Versicherung geben ließen, durch diesen heiligen Akt werde der göttliche Michael zum vielvermögenden Schutzpatron der neuen Christen ausersehen. Was die be­kehrten Anhänger des alldeutschen Heidentums bisher ihrem allmächtigen Göttervater Wodan zugetraut hatten, das über- llmgen sie nun auf den bewährten und starken Kämpfer