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83. September __________

Gelnhausen, 22. Septbr. Lehrer Hufnagel in Haitz, welcher am Dienstag zur Lehrerkonferenz in Bieber war, wurde bei seiner Rückkehr von . Herzkrampf befallen und ver­schied alsbald, kurz nachdem er fid) noch in das nächste Haus begeben.

Tann i. d. Rhön, 21. Sepi. Vorgestern wurde die 40 ^abre alte Hausiers-Ehefrau Petry aus Hertlingshausen (Rheinland) Neuhof von einem Milchfuhrwerk überfahren. Dasselbe ging der Unglücklichen über den Unterleib und trotz sofortiger Ueberführung in das Fuldaer Landkrankenhaus verstarb die Frau einige Stunden nach ihrer Einlieferung.

A Klein-Krotzenburg, 22. Septbr. Auf der Flucht ergriffen wurde Ende August er. der 23 Jahre alte Tüncher­geselle August Koppe von hier in demselben Augenblick, als er den OzeandampferMoltke" in Kuxhaven zur Ausreise nach dem fernen Westen betreten hatte. Der junge Mann machte sich vor einigen Monaten gelegentlich eines Wirtshaus­disputs dèr Körperverletzung schuldig und suchte sich törichter Weise der ihm drohenden Bestrafung durch die Flucht zu ent­ziehen. Dieser Tage wurde er von Herrn Gendarmerie- Wachtmeister Kern aus Seligenstadt von Ritzebüttel bei Hamburg nach Seligenstadt eskortiert und gestern vom dortigen Schöffengerichte zu 26 Tagen Gefängnis verurteilt. Von der erlittenen Untersuchungshaft gelangten 19 Tage zur Anrechnung. Zu den erwachsenen bedeutenden Transpott- und Gerichtskosten gesellt sich auch noch das verfallene Fahrgeld nach Amerika.

Erbach L O., 20. Septbr. Der einzige Sohn des regierenden Grafen von Erbach-Erbach, der 21jährige Erb­graf Erasmus, verließ kürzlich, It.Worms. Ztg.", an der Seile eines Mädchens, dessen Mutter eine hier wohl bekannte Waschfrau ist, in aller Sülle unser Städtchen, um sich in London trauen zu lassen. In einem dieser Tage stattgehabten Familienrat wurde nun an Stelle dieses Grafen der 15- jährige Graf Eberhard, der zweitälieste Sohn des gleichfalls hier ansässigen Grafen Arthur von Erbach, eines Bruders des regierenden Grafen, zum Erbgrafen erhoben.

Drahtnachrichten.

Die marokkanische Angelegenheit.

/ . - n, 22. Septbr. Gegenüber gegenteiligen Meldungen clfahrt der Pariser Korrespondent derKöln. Ztg." ans

Samstag

eingetveihten Kreisen, daß der Verlauf der Unterredung zwischen Rouvier unb Herrn Rosen durchaus befriedigend war. Nur ein Punkt, zu dem Rouvier weitere Erklärungen sich vorbehielt, blieb unerledigt. Das Blatt erklärt, wenn angeblich französische politische Kreise glauben, bei einer weiteren Verzögerung des neuen Vertrages könnten die be­stehenden Schwierigkeiten schiedsrichterlich geschlichtet werden, so glauben wir nach Lage der Dinge versichern zu können, daß der Stand der Verhandlungen einem solchen Vorschläge nicht entspricht. Auch die widersprechenden Meldungen über den Wechsel des deutschen Standpunktes hinsichtlich der Frage des Ortes der Konferenz erklärt dieKöln. Ztg." als un­richtig.

Paris, 22. Septbr. (Agence Havas.) Der Gesandte Rosen hatte heute vormittag wiederum eine Unterredung mit Revoil. Nachmittags empfing Rouvier den Fürsten Radolin.

Verhau-lungen.

Berlin- 23. Septbr. DieNationalzeitung" schreibt: Die Verhandlungen im Handelsministerium wegen Beteiligung des Staates an der Rheinisch-Westfälischen Bergwerksgesell­schaft nahmen einen befriedigenden Verlauf, sodaß ihr Abschluß bereits in den ersten Tagen der nächsten Woche ermattet werden darf. Der Erwerb der Hibernia für den Staat und der Eintritt der fiskalischen Zeche Gladbeck in das Kohlen­syndikat dürfte im Zusammenhänge mit der Regelung der Hüttenzechenfrage gesichert sein.

Streik.

Lodz, 23. Septbr. Hier streiken die Arbeiter von 80 kleineren Fabriken der Damenstoffwarenbranche, insgesamt fordern eine vierprozentige Lohn-

20 000 Arbeiter. Sie erhöhung.

Aussperrung.

Berlin, 23. Septbr. LautVorwärts" beträgt die Zahl der ausgesperrten Arbeiter und Arbeiterinnen bei der Allgemeinen Elektrizität - Gesellschaft 6000 und bei den Siemens-Schuckertwerken 2500.

Dersozialdemokratische Parteitag sürdenMassenstreik.

Jena, 22. Sept. Der sozialdemokratische Parteitag nahm heute nach sehr langer und heftiger Debatte mit allen gegen zehn Stimmen den Antrag Bebels an, gegebenenfalls einen politischen Massenstreik vorzunehmen.

Reichsgerichtsentscheidung.

Berlin, 22. Sept. DasBerl. Tagebl." meldet aus Leipzig : In dem Prozeß gegen den Reich 8p o stf i s k«8 wegen Anrechnung des Probejahres bei beut Besoldungs­dienstalter, wies das Reichsgericht die Revision des Klägers, Obertelegraphisten Tews- Hamburg, zurück. Das Land­gericht und das Oberlandesgericht in Hornburg hatten bereits die Klage abgewiesen

Aus Not.

Dünkirchen, 23. September. Im Kanal von Bour- bourg ertränkte sich ein isländischer Fischer namens Watte- bled mit seiner Frau und seinen Kindern. Das Motiv ist die große Not der Familie.

Grotzfeuer. ~

Fiume, 23. Septbr. In der Maschinen- und Schiffs- reparatur-Fabttk Lazaru ist heute nacht Feuer ausge­brochen, durch welches die Fabttk vollständig nieder­brannte. Das Feuer soll durch Entzündung von,Putz­flachs entstanden sein. Ein Feuerwehrmann wurde schwer verletzt.

Seenot.

London, 23. Septbr. Der englische Fischdanmfer R i v e r s d a l e" ist in G r i m s b y mit der Mannschaft des deutschen DampfersMalin" eingelaufen. Der Riversdale" sah denMatin" in der Nordsee mit Not­signalen und nahm ihn zuerst in Schlepptau; derMatin" sank aber später.

Nach der Hamburger Cholera-Epidemie ist it. a. eine Ver­öffentlichung des Kaiserlichen Gesundheitsamtes von grundlegender Bedeutung geworden, wonach alle Arbeiten der bakteriologischen Unter­suchung bezüglich der Uebcrtragbarkeit der Cholerakeime durch Nah- rungs- und Genußmittel darin übereinstimmen, daß Cholera- und Typhuskeime in Wein und Bier nur kurze Zeit entwicklungsfähig bleiben, daß diese Getränke geradezu keimtötend wirken. Es ist ja bekannt, daß zur Zeit der Cholera die Hamburger Brauereien den Verlust keines ihrer Angestellten zu beklagen hatten und doch tranh jeder dieser tausende sein gewohntes Quantum Bier und blieb gesund, weil er es nach seiner unveränderten Gewohnheit trank. Die letzte .Typhusepidemie unter den Mannschaften einer Mainzer Kaserne war einzig und allein auf den Genuß von infiziertem künstlichen Selters­wasser zurückzuführen, und können derartige Wasser und Limonaden nie als einwandfrei gelten, ebenso wenig wie rohes Wasser. Ein das allgemeine Wohlbefinden förderndes Glas Bier oder Wein bietet da- gegen eine nicht zu unterschätzende Gewähr gegen Ansteckung, Für Wein hat man nicht immer Geld, ein gesundes Glas Bier kann sich jedoch jedermann leisten. Auf die Herstellung, genügende Lagerung und den Abzug in Fässer, Kannen und Flaschen verwendet die Kaiser'sche Brauerei besondere Sorgfalt, weshalb auch die Biere ge- naunter Brauerei sich des altbekannten Rufes erfreuen. 18571h

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