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Zweites Blatt.

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General-Anzeiger

Amtliches OrgLn für Stabt und Landkreis Kanan.

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Warsenhaujes in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. DcrantmorL. Redakteur r ^. Schrecker in Harran

Mk. 223 F-^«spre»anschlus! Nr. 605.

greifen den 22. September

Fernsprechanschlutz Nr. 605.

1905

WW

politiTcbe RundTebau.

Der Kaiser, die Kaiserin, sowie die Prinzessin Viktoria Louise sind gestern abend 7 Uhr 30 Min. mit Sonderzug von Wildparkstation nach Rominten abgefahren. Im Gefolge befanden sich Oberhofmarschall Graf Eulenburg, General­leutnant von Plessen, Flügeladjutant Graf Schmettow, Flügel­adjutant von Neumann-Kosel, Stabsarzt Dr. Niedner, Kammerherr von Wiedebach, sowie die Hofdame Gräfin zu Rantzau. Außerdem schlossen sich an Admiral von Hollmann und Fürst zu Eulenburg und Hertefeld.

Garuison-Wechsel. Blättermeldungen zufolge ist die Verlegung des Feldartillerie-Regiments Nr. 8 von Saarlouis nach Saarbrücken verfügt worden.

©erstorben» Wirkl. Geh. Rat Otto v. Hoffmann, Präsident der Reichsschulden-Verwaltung und der preußischen Hauptverwaltung der Staatsschulden, ist gestern morgen in Berlin nach längerer Krankheit im Alter von 72 Jahren gestorben.

Landtagsersaftwahl. Bei der gestern im 17. Wahl­kreis von Schleswig-Holstein stattgehabten Landtagsersatzwahl wurden insgesamt 157 Stimmen abgegeben. Hiervon erhielt der Gutsbesitzer Johanssen (kons.) 91, Wriedt-Stakendorf (kons.) 49, Dr. Struve-Kiel (Freis. Volkspartei) 14 und Amtsgerichtsrat Echte-Plön (freit.) 3 Stimmen. Johanssen ist somit gewählt.

Die Hauptversammlung des Gnftav - Adolf- Bereins, die für den 18. September nach Bromberg ein­berufen war, hat der Choleragefahr wegen abgesagt werden müssen. In einigen Tagen wird nun durch den Zentral- vorftand in Leipzig der ursprünglich für die Dromberger Versammlung bestimmte Bericht über die Arbeit des Gesamt­vereins im abgelaufenen Geschäftsjahre versandt werden. Der äußere Bestand des Vereins zeigt abermals einen Fortschritt. Die Zahl der Zweigvereine hat sich von 1957 auf 1970 «höht, die Zahl der Frauenvereine von 641 auf 644. Dem­gemäß ist auch die Jahreseinnahme des Vereins auf Mark 2 585 408.15 (gegen 2 251 987.85 Mark im Vorjahre) und das kapitalisierte Vermögen des Gesamtvereins, durch Ver­mächtnisse und Stiftungen von 5 179 262 Mark auf 5 870 837 Mark gestiegen. Einzelheiten hervorzuheben, ist hier nicht angängig; ein Hauptabschnitt des Berichts ist der eingehenden Schilderung der weitverzweigten Arbeit gewidmet.

Hi« sei nur erwähnt, daß neben der Diaspora des Deutschen Reiches vor allem die evangelischen Gemeinden in der öfter« reichisch-ungarischen Monarchie die Hilse des Gustav-Adolf- Vereins «fordern. Endlich wachsen die Anforderungen der deutschen evangelischen Gemeinden des näheren und ferneren Auslandes, die durch den Weltverkehr an immer mehr Orten sich bilden und für Errichttmg und Erhaltung von evange­lischen Kirchen und Schulen d« Hilfe des Gustav-Adolf- VereinS dringend bedürfen. Besonders groß sind die Auf­gaben, die in Rio Grande do Sul (Südbrasilien) gestellt find, wo mehr als 150 000 deutsche Protestanten noch viel fach d« genügenden Versorgung durch Kirche und Schule entbehren. D« Bericht ruft die Glaubensgenossen in der Heimat zu energischer« Hilfeleistung für diese bisher Ver- >nachlässigten aufs wärmste auf.

Keine abgekürzten Seiniirarkurse. DieNordd. Allg. Ztg." schreibt: DieTägl. Nundsch." vom 20. Sep- tember bringt unter Bezugnahme auf eine Mitteilung der Preuß. Schulztg." die Nachricht, die Staatsregierung plane, zum Zwecke der Beseitigung des Lehrermangels abgekürzte Seminarkurse zur Ausbildung von Lehrern einzurichten, die vornehmlich zur Besetzung von Stellen auf dem platten Lande bestimmt sein sollen, und eigene Seminare zu gründen, in denen nur Landlehrer ausgebildet würden. Diese Mitteilung ist in allen ihren Teilen «funden.

Resolution zur Fleischteuerung. Eine von dem deutschen Fleischer-Verband, Abteilung Bayern, einberufene, sehr zahlreich besuchte Versammlung hat folgende Resolution angenommen: Oeffnung der Grenze zur Erleichterung der Einfuhr von Schlacht- und Magervieh, Milderung der Ein­fuhrerschwerung, Auflassung der Quarantänen und Tuberkulin- Impfung, Aufhebung der Viehzölle, Revision des am 1. März 1906 in Kraft tretenden Zolltarifs und keine weitere Er­höhung der Zölle auf Futtermittel. Im Laufe der Diskussion hatte Ministerialrat Keller eine Erklärung abgegeben, daß das Ministerium des Innern nicht abgeneigt sei, die Fleischversorgungs-Kommission, die schon vor einigen Jahren getagt hatte, wieder einzuberufen, wenn ein positives Er­gebnis zu erwarten sei.

Die Unruhen in Deutsch-Oftafrika. Nach einem Telegramm des Kommandanten desB u s s a r d" vom 20. Sevtemb« aus Dar-es-Salaam wollte der Kreuzer am

Morgen des 21. September in See gehen, um das Mrogoro- Detackement zu instradieren. Es besteht aus dem Leutnant Engelbrecht, dem Marineoberassistenzarzt Deutz, 34 Mann, 1 Maschinengewehr, zusammen mit Hauptmann Freiherr v. Wangenheim, 2 Unteroffizieren und 15 schwarzen Soldaten und Trägern.

Der Aufstand in Deutsch-Südweftafrika. D« Köln. Ztg." wird aus Berlin gemeldet:Die üb« Kapstadt durch das Reutersche Bureau übermittelte Nachricht, daß inKeetmanshoop ein deutscher Trans­port mit 1000 Stück Vieh und 122 Wagen unter Nieder- machung d« Begleilmanschaft von Witboi-Hottentotten ge­nommen worden sei, verdient keinen Glauben. Amtlich liegt über das angebliche Mißgeschick der deutschen Truppen noch keinerlei Nachricht vor. Eine solche müßte aber, da der Ort d« Handlung und seine Umgebung das heliographisch mit Windhuk verbundene Keetmanshoop gewesen sein soll, viel rascher über Swakopmund als auf dem Landweg über Kap­stadt nach Deutschland gelangen. Ein Transport von 122 Wagen, der etwa 2000 Zugochsen bedingen würde, gehört nicht in das Reich d« Möglichkeiten. Wenn der Nachricht überhaupt ein tatsächlicher Vorgang zu Grunde liegt, kann es sich jedenfalls nur um die Wegnahme eines unbedeutenden Transportes, die d« telegraphischen Berichterstattung nicht wert erachtet wurde, handeln. Es unterliegt indessen bei d« Kampfesart Witbois keinem Zweifel, daß d)e deutschen Trup­pen bei dem kürzlich gemeldeten siegreichen Gefecht gegen Witboi nur einen Teil der Anhänger des alten Hendrik Witboi vor sich gehabt haben können, während ein Teil davon sich abgezweigt hatte, um die anderweitige Beschäftigung der deutschen Hauptmacht zu einem Raubzuge zu benutzen." Wie man demselben Blatte weit« aus Berlin meldet, wird Gouverneur v. Lindequist voraus­sichtlich am 30. September die Ausreise nach Deutsch- Südwestafrika antreten.

Gegen die angeblick geplante Sonderbesteue« rang der Zigaretten in Höhe von 2.50 Mark für das Tausend hat der Verband deutscher Zigarettm- fabrikanten in Dresden am 13. September eine vertrauliche Versammlung abgehalten. Nach einem Bericht derSüdd. Tabakstg." erklärte sich die zahlreich besuchte Versammlung gegen die angeblich beabsichtigte Sonderbesteuerung nur eines der fünf Zweige des deutschen Tabakfabrikationsgewerbes. Inzwischen soll dem Deutschen Tabakverein das Ansuchen unterbreitet werden, seinerseits für die Zigarettenindustrie als eines d« fünf Zweige des deutschen Fabrikationsgewerbes Stellung zu nehmen gegen die Bestrebungen, welche bezwecken, die Zigarette zu Gunsten ander« Fabrikate höh« zu belasten und in der Entwicklung aufzuhalten. Nach angestellten Er­hebungen wurden im Jahre 1903 etwa 3,2 Millionen Mille Zigaretten erzeugt; die Steuer von 2,50 Mark würde also 8 Millionen Mark einbringen, vorausgesetzt, daß durch die Steuer der Zigarettenkonsum nicht vermindert wird.

Arbeiterverstcherungskongrest in Wien. In d« Debatte über die Vereinheitlichung der Arbeiterversicherung erklären sich Bischoff-Graz und Gebhard-Lübeck gegen, der Delegierte Jagwitz für die Zusammenfassung der verschiedenen Versicherungskategoricn. Hierauf wurden einige Referate er­stattet. Marquis Ferero di Cambian-Turin erstattete Bericht üb« die italienischen nationalen Versicherungskassen für die Jnvaliditäts- und Altersversorgung. Elle-Weimar befür- wo,tet die Errichtung von Jnvalidenhäusern. Dr. Schröder- Cassel erörtert die Kapitalsanlage bei den deutschen Landes­versicherungsanstalten. Bielefeld-Berlin bespricht das soge­nannte Heilverfahren, Dr. Mugdan-Berlin den Einfluß der Rentenfestsetzung. Sodann wird die Diskussion über die Vereinheitlichung der Arbeiterversicherung ausgesetzt. Cohn- Berlin tritt für die Vereinigung der Versicherungsarten und ebenso für die absolute Selbstverwaltung ein. Dr. Becher- Berlin ist ebenfalls für eine Verschmelzung und verlangt die freie Aerztewahl. Kommerzienrat Vetter-Wien spricht sich für die Vereinigung der Invaliden- und Krankenversicherung aus und für die Selbstverwaltung unter Parität der Arbeit­geber und Arbeitnehmer. Redner beleuchtet im besonderen die Verhältnisse Oesterreichs und erklärt, die österreichischen Industriellen seien bereit, soweit ihre Kräfte es erlauben, an der Verwirklichung der Arbeiterversicherung und an .der Einführung der Invalidenversicherung mitzuwirken. Am liebsten wäre es den Industriellen, in dieser Frage mit den Arbeitern zusammen wirken zu können. Eldersee - Brünn polemisiert gegen jene Aerzte, die auf dem Kongreß für,freie Aerztewahl eingetreten sind und spricht sich besonders für die Selbstverwaltung aus. Dr. Pisbauer-Prag tritt für freie Aerztewahl ein, ebenso Dr. Scoll-München. Hierauf wird die Diskussion geschlossen und die Sitzung auf heute vertagt.

Die Lage in Unaarn. Fast die gesamte Presse be­urteilt die Lage infolge der Berufung der Koalitionsführer zum König günstiger, da alle Anzeichen darauf deuten, daß nun auf beiden Seiten Geneigtheit zur Nachgiebigkett vor­handen ist. Trotzdem ist ein gewisser Zweifel geboten, da die radikalen Mitglieder d« Opposition nach wie vor auf voller Durchführung des militärischen Programms bestehen. Sehr bemerkt wird, daß die Berufungen nicht in der üblichen Weise durch das Ministerprästdium, sondern unmittelbar durch die Kabinettskanzlei erfolgt sind. Gegenüber der Ansicht fast aller Blätt«, daß Baron Banffy nun keinerlei Verdacht der Teilnahme an der Zeysigschen Sache trifft, hält d« Az Ujsag seine bisherigen Beschuldigungen gegen Banffy auf­recht und veröffentlicht auch einen angeblich von dem aus Berlin geflüchteten Baneth stammenden ältern Brief, worin er sich bereit erklärt, eine Rolle in d« geplanten politischen An­gelegenheit zu übernehmen, wenn ihm Banffy, dessen Name übrigens nicht voll ausgeschrieben ist, materielle Sicherstellung bieten würde.

Das Attentat gegen Alfons XIII» Aus Paris wird gemeldet: Durch einen Beschluß des Untersuchungs­richters Leydet wurden die Anarchisten Harvey, Vallina, Malato und Caussanel vor die Anklagekammer verwiesen. Die beiden erstgenannten unter der Anschuldigung des Mord­versuchs auf den Präsidenten Loubet, den König von Spanien und 18 Soldaten d« Eskorte, sowie unter der Anschuldigung, eine verbrecherische Verbindung zur Anfertigung von Explosiv­stoffen eingegangen zu sein. Die beiden letztgenannten wegen der Mitschuld an diesem Verbrechen.

Die Marokkofrage. Der Gesandte Dr. Rosen hatte gestern nachmittag eine einstündige Unterredung mit Ministerpräsident Rouvi«. Dem Vernehmen nach führte die Unterredung zwischen Rosen und Revoil noch nicht, wie man gehofft hatte, zu einer Entscheidung. Man glaubt aber immer noch, daß es zwischen beiden Diplomaten zu einer Verständigung kommen wird, doch wirlMbends behauptet, daß infolge der von Dr. Rosen gestellten Forderungen ober der von ihm erhobenen Einwendungen, besonders bezüglich d« Polizei in Marokko und bezüglich des in diesem Lande einzuführenden Finanzregimes, die Verständigung vielleicht nicht mehr so unmittelbar bevorsteht als man allgemein vor­ausgesetzt hatte. Die Verhandlungen werden fortgesetzt und man ist trotz der neuen Schwierigkeiten überzeugt, daß sie zu einer für beide Teile befriedigenden Lösung führen werde.

Zur Auflösung der skandinavische« Union» Gestern abend von */i7 bis 1/sl0 Uhr fand eine Sitzung d« Delegierten statt. Die nächste Sitzung ist heute.

Die New-Norker Handelskammer richtete an die Handelskammern und ähnlichen Körperschaften in alle« größeren Städten ein Schreiben mit der Aufforderung, ein­mütig auf den Abschluß von Gegenseitigkeitsverirägen mit Deutschland, Frankreich und Rußland hinzuwirken.

Unrichtige Angaben.

Durch die Mitteilung der Nordd. Allg. Ztg. Über dir Kritik der Kölnischen Volkszeitung an der Kolonialverwaltung hat diese Ktttik eine gewisse Bedeutung gewonnen. Die Kolonialverwaltung hat das Blatt ausgefordert, den Beweis für die Behauptung anzutreten, daß sie bei der Beratung der Vorlage über die Kameruner Eisenbahn der Budget­kommission unrichtige Angaben gemacht habe. Darauf hat die Kölnische Volkszeitung eine längere Darlegung ver­öffentlicht, die wir nachstehend zusammenfassen wollen.

Die angefochtenen Angaben betreffen zwei Punkte: 1. das Renèsche Werk über die Tschadseebahn. In der Budgetkommission kam zur Sprache, ob man sich nicht durch die Bewilligung d« Bahn von Duala nach bar Manengubabergen für das Ganze bis zum Tschadsee binde. Der Kolonialdirektor erklärte, für seine Verwaltung gebe es nur das vorliegende Projekt, die Weiterführung zum Tschadsee stehe nicht zur Erörterung, das Renèsche Buch sei reine Privatarbeit. Dem wird nun entgegen* gehalten, am 17. Februar 1905 habe eine Sitzung des Kamerun-Eisenbahnsyndikats stattgefunden. Anwesend waren Direktor Stübel und eine ganze Anzahl seiner Räte, welche die Kölnische Volkszeitung namentlich anführt. @8 handelte sich darum, unter welchen Bedingungen das Syndikat auf seine Konzession von 1902 verzichten wolle. Als fünfte Bedingung war gestellt: Beitrag zu den Druck- kosten des Buches über die Tschadsee-Eisenbahn. Damit war außer dem neuen Konzessionär auch die Kolonialv«- waltung einverstanden, und nun räsoniert die Kölnische Volkszeitung wie folgt: Das Reich übernimmt die Zttrs» gewähr für die Kamerunbahn, damit auch die Gewähr für diesen Druckkostenbeitrag, und ein Beamter des Reichs« darf nicht mehr sagen, daß das Buch eine reine Privat arbeit sei. Von der Tatsache des DruckkosteubeitrageS war