22. September
Freitag
Mus Hab und fern.
W. Kaiserslautern, 22. Septbr. Zum rechtskundigen Bürgermeister in Kaiserslautern wurde, der „Pfalz. Presse" zufolge, mit Wirkung vom 1. Januar 1906 Dr. Hans Küfner, zur Zeit rechtskundiger Bürgermeister in Weißenburg a/Sand, gewählt.
Weitere Nachrichten „Aus Nah unv Fern" im zweiten Blatt.
Drahtnachrichten.
Eine zweite Haager Konferenz.
Paris, 22. Septbr. Der „Eclair" glaubt, Witte habe fön Präsidenten Loubet im Auftrage des Zaren besucht, hauptsächlich, um ihm das Programm der vom Zaren geplanten . Haager Konferenz vorzulegen und den Beitritt Frankreichs zu derselben zu erlangen.
Die Vorgänge in Nutzland.
Berlin, 22. Septbr. Der „Berl. Lok.-Anz." meldet: In Lodz streiken die Arbeiter aller Wolltuchfabriken, etwa 8000 Mann. — In Pinsk, Gouv. Minsk, wurde auf den Polizeimeister ein Bombenaltentat verübt, welches aber mißlang.
Minister Witte.
Paris, 22. Sept. Minister Witte ist gestern Abend wieder in Paris eingetroffen.
Arbeiterentlastungen.
Berlin, 22. Sept. Die Morgenblätter melden: Nachdem die Lagerarbeiter des Kabelwerkes der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft und die Schraubendreher des Wernerwerkes von Siemens & Halske die Arbeit nicht wieder ausgenommen haben, wurden diese Werke von den genannten Firmen geschlossen. Die Zahl der entlassenen Arbeiter beträgt etwa 10000.
Arbeiterversicherungs-Kongretz.
Wien, 21. Septbr. Zu Ehren der Teilnehmer an dem Arbeiterversicherungs-Kongreß hatte die nieder- österreichische Handels- und Gewerbekammer einen Emp- sangsabend veranstaltet, zu dem sämtliche hiesige und fremde Delegierte, der Leiter des Handelsministeriums Graf Auersperg und zahlreiche Kongreßteilnehmer erschienen. Handelskammerprüsident von Kink begrünte die Erschienenen und gab der Genugtuung Ausdruck, daß der niederösterreichischen Handelskammer die Organisation dieses Kongresses übertragen worden sei, sowie, daß auf dem diesjährigen Kongresse zum ersten Male Vertreter der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zu gemeinsamer Arbeit sich zu- sammengefunden hätten. Redner schloß mit dem Wunsche, daß die gemeinsame Arbeit zu einer guten Lösung der Aufgaben führen möge, und brachte ein Hoch auf die Gäste aus. Geheimrat Dr. B ö d i k e r-Berlin dankte im Namen der Gäste den Kammern und ihrem Präsidenten für den glänzenden Empfang und die geleistete organisatorische Arbeit imd brachte ein Hoch auf die Handelskammer und deren Präsidenten aus. Dubai s-Belgien verwies auf den Jahrhunderte alten, innigen Zusammenhang zwischen Oesterreich und Belgien und erklärte, von seiner Regierung beauftragt hu sein, der niederösterreichischen Handelskammer, welche die österreichische Abteilung auf der Lütticher Weltausstellung organisierte, ihren Dank für die schöne Ausstellung zu übermitteln. Einer Ehrenpflicht entledige er sich mit dem Hoch auf die Kammer und deren Präsidenten. Graf Skarzynsky- Rußland erstatte, er habp während des Kongresses Gelegenheit gehabt zu beobachten, wie die verschiedenen Nattonalitäten und Konfessionen in Niederösterreich wohl, wie überall, ein wenig miteinander streiten, trotzdem aber mustergilttg nebeneinander leben; er trank auf das schöne Land Niederösterreich. Die Teilnehmer blieben lange in angeregter Unterhaltung beisammen.
Privatarveit.
Berlin, 22. Sept. In einer an mehrere Morgenblätter gerichteten telegraphischen Erklärung stellt Karl R6n6 fest, daß sein Wett „Kamerun und die deutsche Tschadsee-Eisenbahn" lediglich eine Pttvatarbeit darstelle und weder von der Regierung veranlaßt, noch finanziell aus Reichsmitteln sub- venttoniett wurde.
„Wollen Sie mir gestatten, ebenfalls etwas zu ihrer Belebung beizutragen?" fragte er, das Juwelenetui aus der Tasche langend.
„Wie?" rief sie erstaunt, als er ihr das geöffnete Etui hinhielt. „Hat die junge Dame Ihre Juwelen noch nicht erhalten?"
„Nein. Wollen Sie die Wirkung der Brosche nicht einmal probieren?"
„Warum nicht? O, wie sie funkelt. Und wie schön sie sich auf den schwarzen Spitzen ausnimmt. Ich muß einmal hineingehen und es Mama zeigen."
Watten Sie ein wenig, ich will Ihnen auch das Armband umlegen."
„Aber Sie glauben doch wohl nicht, daß ich mit solch geliehenem Gut ins Theater gehen werde?"
„Es ist kein Leihgut. Sie sollen es behalten."
, „Behalten? Und Ihre Nichte?"
„Ich habe keine Nichte. Ich habe diesen Schmuck für Sie gekauft."
„Aber Sie kannten mich ja garnicht."
„Ich hatte mir vorgenommen, Ihre Bekanntschaft zu machen."
„Das ist mir ein viel zu kostbares Geschenk, Herr Stein, ich kann es unmöglich-annehmen", sagte sie ernst, während sie das Schloß des Armbandes wieder öffnete.
Er aber brücfte es wieder zu.
„Liesbeth, lassen sie es mich recht fest um Ihre Hand legen und lasten Sie mir Ihre Hand dazu!"
„Wie — wie meinen Sie das?"
„Ganz einfach: — daß wir uns verloben sollten. Hätten nicht Lust, sich zu verloben?"
„ "Ich weiß wirklich nicht. Ich habe es noch nie oer-
„Dann sollten Sie eS probieren. Sie sollen sehen, es ist ganz angenehm."
„Wirklich? Sie verstehen sich also schon darauf?"
„Ja, ich habe es einmal in meiner Jugend versucht. Doch scherzen wir nicht über eine so ernste Sache. Glauben Sie, daß Sie lernen könnten, mir ein wenig gut zu sein, Lies bett?"
Besuch des Fürsten von Bulgarien in Paris.
Paris, 22. Sept. Dem „Figaro" zufolge umfaßt das Festprogramm des vom 16. bis 19. Oktober auberaumten Besuches des Fürsten von Bulgarien ein Galadiner mit Empfang im Elysee, ein Garnisonmanöver in Vincennes, ein Dilier im Ministerium des Aeußeren, sowie eine Rundfahrt in Paris nebst Besichtigung des städtischen Museums Caruavallet. Es sei möglich, daß der Fürst auch nach bem 19. Oktober noch einige Tage incognito in Patts verweilen werde.
Resolution.
Paris, 22. Sept. Der Jahreskonvent der F r e i m a u r e r- loge nahm eine Resolution an, in welcher die antipatrio- tischen und antimilitaristischen Treibereien Herve's entschieden verurteilt werden.
Marine-Rekrutierung.
Paris, 22. Sept. Der „Moniteur de la Flotte" meldet, der Mattneminister bereite einen Gesetzentwurf über die Rekrutierung der Marine vor, welcher insbesondere die Ver- änberungen betrifft, die das Gesetz über die zweijährige Militärdienstzeit auch für die in die Mattnerollen eingeschriebenen Seeleute, sowie für die Rekrutterung der Flottenmannschaften überhaupt zur Folge haben könnte.
Schweden und Norwegen.
Christiani«, 21. Sept. Nach einem aus Karlstad ein- getroffenen Telegramm erwartet man, daß die Verhandlungen morgen zum Abschluß kommen.
Mit dem Automobil verunglückt.
Frix (Dep. Ariège), 22. Septbr. Der ehemaige Minister Delcasss verunglückte mit dem Automobil. Er erlitt schmerzhafte, aber nicht gefährliche Verletzungen.
Erschossen.
Mailand, 22. Septbr. General Quaratisi, vor dem Kttege Instrukteur der japanischen Artillerie, erschoß sich aus Schwermut über den Tod seiner Frau.
Selbstmord?
Berlin, 22. Sept. Die „Voss. Ztg." meldet aus Posen: Der polnische Bankdirektor Dr. Karas, bekannt aus dem polnischen akademischen Geheimbundprozesse, wurde von dem Breslau-Posener Frühzuge überfahren und getötet. Anscheinend liegt Selbstmord vor.
Verstorben.
Kapstadt, 21. Septbr. Colonel Frank Rhodes, ein Bruder Cecil Rhodes, ist heute gestorben. Er war als einer der Johannesburg-Reformer im Jahre 1896 zum Tode verurteilt worden.
Für Errichtung eines Slnssichtsturmes aus dem Buchberge bei Langenselbold gingen ein von
H. Zw........10.- Mk.
K. H. . . . . . • 1.— „
Voriger Betrag.....319.81 Mk.
Zusammen bis jetzt 330.81 Mk.
Weitere Spenden nimmt gerne entgegen die' Redaktion des „Hanauer Anzeiger."
Mus aller Mett.
Unschuldig gehängt. 30 Jahre nach Verübung eines Verbrechens hat dieser Tage ein aus Deutschland stammender Mann namens Harzig in Amettta aus Gewissensbissen Selbstmord begangen. Er wurde, wie aus New-Dork geschrieben wird, bei Minot (Nord-Dakota) an einem Baume hängend gefunden, auf der Brust einen Zettel befestigt, worin er bekennt, vor 30 Jahren in Ohio ein Mädchen namens Lizzi Grömbacher ermordet zu haben, als deren vermeintlicher Mörder später ein gewisser Charles Sterling gehängt wurde. Um seinen Hals hatte Harzig ein Stück des Schleiers geschlungen, mit dem er das Mädchen erdrosselt hatte. Sterling hatte bei seiner Hinrichtung laut seine Unschuld beteuert und verkündet, der wirkliche Mörder würde gefunden werden und bekennen. Nach der Hinrichtung Sterlings floh Harzig nach Colorado, wo er sich verheiratete. Zufällig siedelten sich in
„Ich bin Ihnen ja schon jetzt so sehr, sehr gut", flüsterte sie errötend, mit gesenkten Lidern.
Er schlang den Arm um sie und zog sie an sich.
In diesem Augenblick erschien Frau Berger.
„Was — was ist denn das?" fragte sie betroffen.
„Nur ein alter Knabe, der seinen Jugendtraum noch einmal zu träumen wagt und so leichtsinnig gewesen ist, hinzugehen und sich zu verloben."
„Ja, es fft leichtsinnig, sich mit einem Mädchen zu verloben, das Sie buchstäblich auf der Straße gefunden haben", bemerkte sie lächelnd.
„Nein, ich fand sie im Kleinodien-Basar."
„Ja, unter den „Eine Mark fünfundzwanzig Pfennig- Sachen", fiel Liesbeth lächelnd ein.
„Jedenfalls warst Du in meinen Augen der schönste Gegenstand auf dem gan Basar", sagte er, ihre Hand drückend.
„Jugend ist immer schon", bemerkte Frau Berger, mit einem eigenen feuchten ©djimmer im Blick. Aber vielleicht rührte dieser von den Bttllanten an Lisbeths Brust her. Sie funkelten so stark, daß es den Augen wehe tat.
TeleMischer Wetterbericht der deutschen Leemrte.
Telegramm aus Hamburg vom 22. September.
9 Uhr 28 Min.
Ein Maximum über 776 mm lagert über Nord-Norwegen, eine Depression unter 758 mm jenseits der Alpen. In Deutschland wehen schwache nördliche und nordöstlliche Winde, die Witterung ist meist trübe, ziemlich kühl, im Süden ist stellenweise Regen gefallen.
Prognose für den 23. September: Fortdauer beherrschenden Witterung wahrscheinlich.
Albumblätter.
Der tragische Dichter gibt mit Recht den gemischten Charaktern den Vorzug, und das Ideal seines Helden liegt in gleicher Enfernung zwischen dem qana Verwerflichen und bem Vollkommenen. Schiller.
der gleichen Gegend einige Leute aus Ohio an. Harzig glaubte infolgedessen, man sei ihm auf der Spur, uey seme Familie im Stich und ging nach Dakota, so verbrachte er, von Gewissensbissen gepeinigt, 30 Jahre seines Lebens m unstäter Wanderschaft. _
Bahnunfall. Am 20. September, 9 Uhr 32 dRmuten abends, fuhren auf dem Bahnhof Martinstein St. Wendel infolge Ueberfahrens des Einfahrtsignals zwei Guterzuge auseinander. Entgleist sind sieben Güterwagen, davon sind drer stark beschädigt. Menschen wurden nicht verletzt. Der Verkehr wird durch Umsteigen an der Unfallstelle auftechterhalten.
Ereignisreiche Wochen
wird aller Voraussicht nach das letzte Viertel des Jahres 1905 bringen. Der preußische Landtag und der deutsche Reichstag treten in allernächster Zeit wieder zusammen und beide Körperschaften werden sich mit Gesetzesvorlagen von hervorragender Wichtigkeit zu befassen haben. Auch sonst passiert auf dem Welttheater allerlei, was das Lesen einer guten Tageszeitung zu einer unbedingten Notwendigkeit für jedermann macht. Die langen Winterabende
naben heran
und bringen auch dem Landmann nach dem arbeitsreichen Sommer wieder Gelegenheit zu regelmäßiger Lektüre. Bei genauem Prüfen und Vergleichen wird wie senher
der
Ranauer Anzeiger
auch im kommenden Vierteljahr wieder seinen Platz in jeder Fämilie finden. Allzeit bestrebt, allen Anforderungen gerecht zu werden, die man an eine gutgeleitete moderne Tageszeitung stellen darf, wird er auch fernerhin feinem alten Rufe treu bleiben: er
berichtet über Alles rasch, zuverlässig und in anregender Weise; sein Ziel ist stets: ein treuer Freuud seiner Leser zu sein.
Man abonniert für 60 Pfennige monatlich, 1.80 Mark vierteljährlich bei allen Postanstalten der Kreise Hanau Stadt und Land.
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