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Erstes Blatt

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vierteljährlich 1,80 M., monatlich 60 Psg., für aus» »ârttge Abonnenten mit dem betreffeildcn Postausjchlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Psg.

VÄmckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ey.

Geueral-Anztiger

Amtliches Orga» für Stadt- und Landkreis Kanan.

EinrücknugSgebâh» i

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Vellage.

Die fünf gespalten» Petitzeile oder deren Naum 15 ^ im RülamenteU die Zeile 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: V. Schrecker in Hanau.

Nr. 221 Mernsprecha«schl«tz Nr. 605.

Mittwoch den 20. September

^ernsprechanschlitst Nr. 605

1905

Amtliches.

Stadtkreis Hanau.

Der Herr Reichskanzler hat die Vornahme statistischer Erhebungen über die Dauer der täglichen Arbeitszeit und der Ruhepausen der in Plätt- und Waschanstalten be­schäftigten Personen angeordnet.

Zu diesem Zwecke werden für alle in der Stadt Hanau vorhandenen Plättanstalten und nicht als Fabriken und Werk­stätten mit Motorbetrieb anzusehenden Waschanstalten, in welchen zur Zeit der Umfrage und regelmäßig mindestens eine nicht zur Familie des Geschäftsinhabers gehörige Person als gewerbliche Hilfsperson oder Lehrling (Lehrmädchen) be­schäftigt wird, in der Zeit vom 2. bis 7. Oktober d. Js. Fragebogen zur Beantwortung ausgegeben und zwar für die Hälfte der Betriebe an die Arbeitgeber, für die andere Hälfte an je eine gewerbliche Hilfsperson (Plätterin oder Wäscherin).

Die Erhebcküg soll ein möglichst zuverlässiges Bild von der Arbeitszeit und den Pausen in der Erhebungswoche vom 9. bis einschl. 14. Oktober d. Js. geben. Es ist daher für jeden Tag dieser Woche der Anfang und das Ende der Arbeitszeit einzutragen. Die Scheidung der Betriebe er­folgt in der Weise, daß für die nach der alphabetischen Reihen­folge erste Hälfte der Betriebe die Fragebogen an die Ar­beitgeber, für die zweite Hälfte die Fragebogen an die ge­werblichen Hilfspersonen ausgehändigt werden.

In Betrieben mit mehreren gewerblichen Hilfspersonen haben sich die letzteren darüber zu einigen, wer von ihnen die Fragebogen behufs Beantwortung in Empfang nehmen soll, andernfalls wird der Fragebogen der am längsten im Betriebe tätigen gewerblichen Hilfsperson ausgehändigt. , *

Die Fragebogen werden durch die Schutzleute zugestellt und spätestens in der Woche vom 16. bis 21. Oktober d. J. wieder abgeholt.

Ich ersuche, die Fragebogen bis zum Abholungstage mit der größten Sorgfalt auszuMen.

Hanau den 18. September 1905.

Königliche Polizei-Direktion.

P 7234 v. Beckerath.

F e st g est e l l t: die Backsteinblattern in Breitenborn A.B., Kreis Gelnhausen.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 Portemonnaie mit 21 Pfg. Inhalt, 1 Glieder-Armband mit imitierten Glassteinen, 6 Stück Reservetroddeln, 1 hellgestreifte Pferdedecke, 1 kurze Leder- Uhrkette mit einem kleinen Steigbügel (Imitation), 1 gelber Manschettenknopf mit blaugrünem Stein.

Feuilleton.

Ueber das Meteor vom 3. August 1905.

Mitteilung des Astronomischen Instituts Heidelberg-Königstuhl.

Dr. V. Heidelberg, 4. September.

Nachdem die Berechnungen über diese glänzende Er­scheinung zum Abschluß gelangt sind, dürften einige Mit­teilungen über die Ergebnisse auch von allgemeinem Interesse sein. Der Bearbeiter des dem Astronomischen Institut zuge­gangenen reichen Materials, Herr Dr. M o s ch i ck , Assistent des Astronomischen Instituts, hat die Resultate im folgenden zusammengestellt. Zugleich spricht Herr Professor Dr. Valentiner namens des Instituts allen, die Berichte einsandtn, den aufrichtigsten und wärmsten Dank für die freundlich gewährte Hilfe aus. *)

Am 3. August erschien abends 8 Uhr 55,8 Minuten mitteleuropäische Zeit ein glänzendes Meteor, das wegen seiner intensiven Leuchtkraft und seines verhältnismäßig lang­samen Fluges die Aufmerksamkeit aller auf sich lenkte. Dem Umstand, daß an diesem warmen Sommerabend sich noch viele im Freien befanden, verdanken wir es, daß den in den Zeitungen von uns erlaffenen Aufforderungen, Beobachtungen an die Großh. Sternwarte einzusenden, in so reichem Maße entsprochen werden konnte. Ueber 250 Briefe, Karten und Zeitungsausschnitte standen uns zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung, und bei den vielen folgenden, schriftlichen und mündlichen Nachfragen fanden wir fast überall das größte Entgegenkommen, so daß wir eine einigermaßen sichere Bahnbestimmung dieses interessanten Meteores vor­nehmen konnten.

* Eine vor kurzem in verschiedenen Zeitungen als eineMit­teilung der Direktion der Sternwarte" abgedruckte Notiz über das Meteor ist trotz dieser Bezeichnung gänzlich obne Wissen und Zutun der Astronomischen Instituts erschienen.

Verloren: 1 schwarzes Portemonnaie mit 78Mark Inhalt.

Zugelaufen: 1 schwarzer Spitzhund mit weißen Ab­zeichen w. Geschl.

Hanau den 20. September 1905.

Hus Hanau Stadt und £and.

Hanau, 20. September.

* Geflaggt. Kronprinzessin Cecilie feiert heute ihren 20. Geburtstag. Aus diesem Anlasse tragen die öffentlichen Gebäude Flaggenschmuck.

* Mainkanalisation. Bei dem Herrn Regierungs­Präsidenten in Cassel ist seitens der Stadt der Antrag ge­stellt worden, die Verleihung des Rechts der Enteignung des zum Bau des Hafens und der Nebenanlagen erforderlichen Geländes Allerhöchst zu erwirken.

* Jnvalidenkarteu. Wir machen die zum Militär­dienst einberufenen Mannschaften in ihrem eigenen Interesse darauf aufmerksam, daß die Jnvalidenkarten an den zu­ständigen Stellen vor Eintritt zum Militär abzugeben sind.

* Ueber bevorstehende Beförderungen bei der Reichspost wird mitgeteilt : Die charakterisierten Sekretäre, welche bis einschließlich 30. September 1903 die Sekretär- prüfung bestanden haben oder denen anderweitig ein ent­sprechendes Rangalter beigelegt ist, werden zum 1. Oktober in etatsmäßige Sekretärstellen einrücken. Auch sollen diejenigen Assistenten aus der Klasse der Zivilanwärter, die bis ein­schließlich 31. März 1900 die Prüfung bestanden haben oder denen anderweitig das Dienstalter bis 31. März 1900 bei­gelegt ist, als Post- oder Telegraphenassistenten etatsmäßig angestellt werden.

* Bevölkerungsziffer. Nach der bei dein städtischen Einwohnermeldeamt geführten Statistik hatte laut Ver­waltungsbericht Hanau am 1. April der Jahre 1905 31253, 1904 30 967, 1903 30 538, 1902 30 576, 1901 29 944, 1900 29 846, 1895 27 655, 1890 25 029 Einwohner ein­schließlich der Garnison.

* Anträge auf Bauerlaubnis wurden bei der städtischen Baupolizeiverwaltung gestellt: 1904 214, 1903 225, 1902 200, 1901 203/1900 245. Die nachgesuchte Bauerlaubnis wurde in 1904 erteilt in 187 Fällen, versagt in 18 Fällen, 7 Anträge wurden zurückgezogen. In zwei Fällen wurde die erteilte Banerlaubnis wegen Nichtaus- führung der Arbeiten zurückgenommen. Von den genehmigten Baugesuchen entfallen auf neue Vordergebäude 39, neue Hintergebäude 7, Auf-, Um- und Anbauten 31, Ställe und Scheunen 3, Hallen, Remisen und Schuppen 1*4, Fassaden­

Die Sichtbarkeit der Erscheinung erstreckte sich über ein ungemein großes Gebiet; das Meteor wurde in der ganzen Schweiz, in Bayern, Württemberg, Baden, in der Pfalz, in Hessen, dem Rheinland und Thüringen beobachtet; es liegen uns weiter Berichte aus München, Prag, Leipzig und Berlin vor, ja selbst in Moskau konnte es gesehen werden, denn wir haben keinen Grund, an der Wahrheit der betreffenden Notiz zu zweifeln oder eine Verwechslung mit einer zweiten an demselben Abend erschienenen Feuerkugel zu vermuten. Die Zeitangabe und die Bewegungsrichtung stimmt mit den übrigen uns zugegangenen Nachrichten überein, und auch die durch Rechnung gefundene Höhe des Meteors ist eine solche, daß es tatsächlich in Moskau beobachtet werden konnte.

Als das Meteor während seines Laufes im Raum in die Nähe der Erde kam und deren Lufthülle durchschnitt, erhitzte es sich infolge der Reibung mehr und mehr, bis die dadurch entstehende Temperaturerhöhung hinreichte, um es zur inten­siven Weißglut zu bringen und es so für uns sichtbar zu machen. Wo dieses Ereignis eintrat, können wir nicht mit Bestimmtheit angeben, und das ist ganz natürlich. Denn wenn ein Beobachter nicht zufällig den betreffenden Punkt des Himmels fixiert, so muß er erst, aufmerksam gemacht durch die Helligkeit, seinen Blick dorthin richten. Von da an bis zum völligen Erfassen der Erscheinung vergeht bei der Plötzlichkeit des Ereignisses immer einige Zeit, die genügt, um das Meteor an einem vom Anfangspunkte schon weiter entfernten Orte dem Beobachter erscheinen zu lassen. So können wir denn auch nur sagen, daß das Meteor sicher leuchtete, als es sich über dem Orte mit der Länge 13°26:0 ö. Gr. und der nördlichen Breite 48°8!0 in 152.0 Kilo­meter Höhe befand. Dieser Punkt liegt in der Nähe von Frankenburg in Oesterreich ob der Enns. Mit einem hohen Grad von Wahrscheinlichkeit können wir jedoch behaupten, daß das Aufleuchten noch um weitere 130 Kilometer nach Südost verschoben'wird, so daß wir auf einen Punkt in den Seckauer Alven (Steyermark) und eine Höbe von 183 Kilo­

veränderungen 19, sonstige bauliche Herstellungen und Ver­änderungen 74.

* Ein strenger Winter in Sicht? Wer jetzt die Waldungen durchstreift, dem ist es gewiß schon aufgefallen, daß die Ameisen beschäftigt sind, ihre Baue möglichst hoch anzulegen. Vielfach wird das als ein Anzeichen dafür an­gesehen, daß ein strenger Winter bevorsteht.

* Einen ungewöhnlich strengen Winter stellt der Gothaer Wetterkundige Habenicht in Aussicht. Er stützt sich dabei aus die Berichte über die Eisverhältnisse im hohen Norden. Von anderer Seite wird dagegen gesagt, daß wir am Beginn einer Reihe von außergewöhnlich milden Wintern stehen. Herr Habenicht will, wenn er Unrecht hat, seine Eis- und Wetterberichte einstellen. Wir aber müssen ab­warten, was uns die Zukunft bringen wird, und das Wetter nehmen, wie es ist.

* Die Beleidigungsklage gegen den Stadtv. Hoch wegen Beleidigung einer Anzahl Mitglieder der Stadtv- Äersammlung konnte gestern wieder nicht zu Ende geführt werden, da der vorgeladene Zeuge Redakteur Zielo wsky von derFrankf. Dolksst." sein Zeugnis verweigerte. Wie schon früher mitgeteilt, bilden den Hauptgegenstand des Strafantrags der Stadtverordneten gegen den Stadtv. Hoch zwei in derFrankf. Volksstimme" vom 19. und 22. April enthaltene Artikel, in welchen den Stadtverordneten vorge­worfen wird, wider besseres Wissen gehandelt zu haben, ferner eine Rede des Stadtv. Hoch in der Sitzung der Stadtv.- Vers, vom 20. April d. I., in welcher Hoch die gleiche Be­hauptung ßuffteHte. In dem ersten zur Hauptverhandlung angesetzten Termin erklärte Herr Hoch zu aller Ueberraschung, den Verfasser der beiden inkrimminierten Artikel nicht zu kennen, die beleidigenden Behauptungen in seiner Rede vom 20. April gebe er zu, er habe sich in seiner Eigenschaft als Stadtverordneter verpflichtet gehalten, seiner Ueberzeugung Ansdruck zu geben. Daraufhin wurde die vorige Verhandlung abgebrochen und die Ladung des verantwortlichen Redakteurs derVolksst." zur Vernehmung über den Verfasser der er­wähnten Arükel beschlossen. Die Stadtverordneten waren als Antragsteller und Nebenkläger wiederum durch Herrn Justiz­rat Uth von hier, der Angeklagte durch Rechtsanwalt M erz- b a ch aus Frankfurt vertreten. Der Angeklagte Hoch gab in der gestrigen Hauptverhandlung dieselben Erklärungen ab, worauf sofort mit der Zeugenvernehmung begonnen wurde. Redakteur Zielowski leistete vorschriftsmäßig den Eid und gab hierauf die Erklärung ab, es sei nicht üblich, daß der verantwortliche Redakteur den Verfasser eines unter Anklage gestellten Artikels preisgebe, er lehne es daher ab, den Verfasser zu nennen. Der Vorsitzende machte den Zeugen auf die gesetzlichen Folgen seiner Hand­

meter kämen. Ja wir können sogar noch weiter gehen und sagen, daß wir selbst hiermit noch nicht den Anfang der für uns sichtbaren Bahn erreicht haben. Die übereinstimmenden Aus­sagen der Thüringer Beobachter und jenes Berichts aus Moskau verlegen den in Frage stehenden Punkt noch weiter nach Südost. Leider ist es nicht möglich, bei der Unbe­stimmtheit der vorliegenden Angaben weitere, sichere Zahlen zu ermitteln.

Von jenem Punkt über Frankenburg, den wir als sicher beobachteten Anfang zugrunde legten, flog unser Meteor nach West-Nordwest, kreuzte die deutsche Grenze in der Nähe von Braunau, flog weiter südlich von Regensburg, Nürnberg, Würzburg. Als es sich ungefähr 10 Kilometer nordöstlich von Aschaffenburg befand, teilte es sich, das kleinere Stück fiel 1 Kilometer gegen die Erde zu, um dann zu erlöschen, während der Hauptkörper seinen Weg noch bis Hanau fortsetzte und an dem Ort mit der Länge 8°55.'5 ö. Gr. und der Breite 50°716 in 58,9 Kilometer Höhe raketenartig zerstiebend verschwand. Dieser Hemmungspunkt liegt, wie schon angedeutet, in unmittelbarer Nähe von Hana u.*) Mit dieser errechneten Bahn stehen denn auch die beobachteten Tatsachen in völliger Uebereinstimmung. Für die Orte in Baden '(Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim) mußte die im Südosten beginnende, im Norden endigende scheinbare Bahn einen flachen, gegen die Horizontale nur wenig geneigten Bogen in ungefähr 26o Höhe beschreiben; in Thüringen sah man das Meteor von Südost nach West bis Südwest ziehen, in Frankfurt und am Rhein zwischen Mainz und Rüdesheim lag der Endpunkt genau im Osten, während die in Köln, Düsseldorf und Siegen beobachtete stark verkürzte Bahn fast senkrecht zum Horizont aufstieg. Ein scharf beobachtender Arzt in Münster bei Cannstadt beschreibt sehr anschaulich, wie sich das Meteor mit der zunehmenden

*) Auch von Hanau aus wurde eine Beobachtungs/Mittellung an die Sternwarte Leidelbers einaesandt.