Freitag den 15. September 1905.
„Genossen" als Arbeitgeber.
Zu diesem „erfreulichen" Kapitel erzählt das Berliner anarchistische Blatt „Der freie Arbeiter" folgendes anmutige Idyll aus dem dortigen roten Gewerkschaftshaufe:
„Schon vor anderthalb Jahren find die Angestellten bei der Verwaltung des Gewerkschaftshauses vorstellig geworden, um die Beseitigung des Kost- und Logiszwanges sowie die Einführung der zehnstündigen Arbeitszeit zu fordern. Die Aufhebung des Kost- und Logiszwanges wurde rundweg abgelehnt und den Arbeitern die Ermahnung mit auf den Weg gegeben, „das Gewerkschaftshaus durch solche Forderungen nicht noch mehr zu belasten."
Die zehnstündige Arbeitszeit wurde zwar bewilligt, doch werden wir später zeigen, wie eine solche sich in genanntem Institut mit der Zeit ausdehnen läßt. Trotzdem man also versprochen hatte, eine Verkürzung der Arbeitszeit eintreten zu lassen, schwankte bis zum Mai d. Js. die Arbeitszeit zwischen zwölf und vierzehn Stunden täglich, allerdings bei einem horrenden Monatslohn, der neben Kost und Logis die stattliche Höhe von 50 Mark erreichen konnte. Hatte der „zehnstündige" Dienst sein Ende erreicht, so war damit für die Angestellten aber noch nicht Feierabend; dann sorgte schon der humane Herbergsverwaller Busse dafür, daß die Arbeiter nicht von der Langeweile geplagt wurden. In der liebevollen Art, die diesem Herrn eigen sein soll, gab er dann noch jedem, dessen er habhaft werden konnte, Gelegenheit, für das Gedeihen des Instituts ein kleines Opfer zu bringen. Von kompetenter Seite ist uns versichert worden, daß die Angestellten in ihrer freien Zeit die entlegensten Orte aufsuchten, nur um dem gestrengen Herrn nicht in den Weg zu laufen.
Da ist es denn auch erklärlich, wenn sich die Verwaltung dagegen sträubte, den Kost- und Logiszwang aufzuheben; denn in diesem Falle hätten ja die Arbeiter nach Beendigung der festgesetzten Arbeitszeit sofort das Gewerkschaftshaus verlassen und dadurch Ueberstunden ohne Bezahlung unmöglich gemacht.
So kam es denn, daß die Angestellten in diesem Jahre abermals gezwungen waren, bei der Verwaltung vorstellig zu werden; diese aber erklärte:
„Wir verhandeln nicht mit Euch, sondern nur mit dem Verband, dem Ihr angehört."
Ist das nicht ein wenig „Herrenstandpunkt", der Herr im Hause bleiben will, lieber „Vorwärts"?
„Doch hören wir", fährt das Blatt fort, „was für unverschämte Forderungen die Arbeiter oorzubringen hatten.
Genau wie im vorigen Jahre:
1. Beseitigung des Kost- und Logiszwanges,
2. Einführung der zehnstündigen Arbeitszeit und
3. verlangte man alle acht Tage einen freien Tag.
Welche unerhörte Dreistigkeit! Einen freien Tag, als Angestellte im Gewerkschaftshause? Das ist wohl doch ein bißchen zu viel verlangt. Wenn man einen Sonntag haben will, da muß man schon bei einem kapitalistischen Unternehmer arbeiten.
Und dann die Abschaffung des Kost- und Logiszwanges. Man braucht nur an die Flugblätter zu erinnern, die anläßlich des letzten Bäckerstreiks in Berlin verteilt wurden; da wurde diese Forderung als eine Kulturnotwendigkeit bezeichnet, in den schärfsten Ansdrücken wandte man sich gegen die Meister, die sich ablehnend verhielten. Im eigenen Hause aber bestehen diese kuliurwidrigen Zustände nicht nur ungehindert fort, sondern werden noch protegiert; ist doch Herr Sassenbach, soweit uns bekannt, Mitglied der Generalkommission, und hatte er damals seine Zustimmung zu dem Boykott der Bäckereien bekundet, so mußte er auch hier mit aller Schärfe für die gleichen Forderungen der Gewerkschaftshaus-Angestellten eintreten. <
Aber! wenn zwei dasselbe tun oder fordern, so ist es nicht immer dasselbe. So auch hier.
Es kam zu Verhandlungen zwischen der Verwaltung des Gewerkschaftshauses einerseits und dem ersten Vorsitzenden des Handels- und Transportarbeiter-Verbandes Werner andererseits, zu der auch später die Angestellten hinzugezogen wurden.
Der freie Tag wurde gewährt, ebenso — wie schon beim ersten Mal — die zehnstündige Arbeitszeit.
Die Aufhebung des Kost- und Logiszwanges wurde auch diesmal abgelehnt und von Werner dahingehend motiviert, daß man doch erst einmal diese Frage „wo anders" regeln müsse. Das wird von denselben Leuten erklärt, die, wenn es sich um eine Erhöhung ihrer Gehälter, um ihre Pensionierung u. s. w. handelt, den Arbeitern stets ans Herz legen, daß sie in diesen Fällen den Unternehmern vorbildlich sein müßten.
Ein Vertrag, aus dem doch sonst die Arbeitervertreter bestehen, wurde nicht abgeschlossen; man gab ein Versprechen, und damit war die Sache erledigt." — Wie aber solch ein Versprechen gehalten wird, dafür erbringt „Der freie Arbeiter" noch Beispiele, daß man den ausbedungenen Lohn kürzte, daß man nicht den Arbeitsnachweis der Organisation, sondern ein bürgerliches Vermittelungsbureau benützte bei Vakanzen u. s. w. Kurz, das genannte Blatt hat ganz recht, — und man braucht dem nichts hinzuzufügen — wenn es zum Schlüsse ausruft: „Fürwahr I Humane Arbeitgeber, die vArbeitervertreter" im Gewerkschaftshause!"
Die HauptbeschiiftMMN der Bwölkcunig Rußlands.
Nach den bei der ersten allgemeinen russischen Volkszählung vom 28. Januar (9. Februar) 1897 festgestellten und kürzlich veröffentlichten Daten finden, wie wir den vom Reichsamt des Innern herausgegebenen „Nachrichten für Handel und Industrie" entnehmen, 75, OIN/o der gesamten Bevölkerung des russischen Reiches ihre Existenz im ausbeutenden Gewerbe, 9,34°/o in der bearbeitenden Industrie und Bautätigkeit,
5,530/o im Handel und in der Transporttätigkeit, während 10,12°/o der Gesamtbevölkerung Rußlands angegeben haben, daß sie von anderen Beschäftigungen ihren Lebensunterhalt beziehen.
In dem a u ß b e u t e n d e n Gewerbe erscheint die Land - tv i r t s ch a f t als die überwiegende Beschäftigung ; sie gibt 74,570/g der russischen Bevölkerung Lebensunterhalt, und zwar beschäftigen sich davon 7O,27°/o mit Ackerbau, 3,59°/o mit Viehzucht und 0,7 P/o mit den übrigen Zweigen der Landwirtschaft (Waldwirtschaft, Baumzucht u. s. w.). Der Bergbau gewährt nur O,44°/o der gesamten Bevölkerung Rußlands die Hauptexistenzmittel. Die bearbeitende Industrie gibt 7,82ö/o der Bevölkerung den Lebensunterhalt, darunter: die Bearbeitung von Metallen l,35°/o, die von Mineralien O,27°/o, von Holz O,87°/o, von Nahrungsmitteln O,85°/o, von tierischen Erzeugnissen O,32°/o, von Faserstoffen 1,32°/», die Anfertiguug von Kleidungsstücken 2,18°^o und die übrigen Zweige der bearbeitenden Industrie O,66°/o. Außerdem bieten die Bauarbeiten l,52°/o der Bevölkerung die Existenzmittel.
Vom Handel leben 3,98°/o der Bevölkerung des Reichs und von der Tätigkeit und dem Dienst im Transport- geschäft 1,550/o.
Was die Beschäftigungen außer dem Gewerbe und d'e m Handel anbetrifft, so finden ihre Existenz im Verwaltungsdienst O,76°/o der gesamten Bevölkerung, im Kirchendienst der verschiedenen Konfessionen 0,630/o, in den freien Berufsarten O,64°/o, im Dienst in privaten Unternehmungen, Anstalten und bei Privatpersonen 4,62°/o, während die übrigen 3,47°/o ihre Einnahmen aus Kapitalien oder Jmmobilienbesitz oder aus sonstigen Mitteln beziehen, die ihnen von der Krone, verschiedenen Anstalten und Privatpersonen geboten werden, sodaß zu dieser Gruppe auch die Personen, die sich in den Regimentern, Krankenhäusern, Armenhäusern, geschlossenen Lehr- und Erziehungsanstalten, Gefängnissen usw. befinden, sowie Personen mit unbestimmtem Beruf zu rechnen sind.
Die Einteilung der städtischen Bevölkerung in Rußland nach dem Beruf und der Beschäftigung, woraus sie ihren Lebensunterhalt bezieht, unterscheidet sich wesentlich von der allgemeinen Einteilung der Bevölkerung im ganzen Reich. So leben von der gesamten städtischen Bevölkerung in Rußland 36,84°/o von Beschäftigungen außerhalb des Gewerbes, von eigenen Mitteln, von Kron- und Privatmitteln 26,23°/o von der bearbeitenden Industrie, 17,O2°/o vom Handel, nur 9,36°/o von der Landwirtschaft, 5,87°/o von der Tätigkeit und dem Dienst im Transportgeschäft, 4,45°/o von der Bautätigkeit und 0,230/0 von der Montanindustrie.
Das Verhältnis der wichtigsten Berufsarten, d. h. der Landwirtschaft, der bearbeitenden Industrie und des Handels ist in den einzelnen Teilen des Reiches sehr verschieden, wie die nachstehende Tabelle erkennen läßt.
Land
Acker
Vieh- Bearb. Han
wirtschaft
bau
zucht Jndustr. del
°/o
0/o o/o o/o
Im europäischen Rußland 74,92
73,56
0,76 7,93 3,87
im Weichselgebiet . ♦ . 56,64 55,15 1,19 13,60 6,91 im Kaukasus . . . . 78,85 74,49 3,58 4,92 3,43 in Sibirien . . . . . 80,22 68,70 8,44 4,34 2,27 in Mittelasien .... 82,75 45,01 37,06 5,65 3,63 Die Landwirtschaft ist ein Hauptexistenzmittel in folgenden GouvernementsdeseuropäischenRußlands: Wologda (85.85°/o), Wjatka (89,22 °/o), Kasan (86,05 °/o), Ufa (86,99 °/o), Ssamara (85,99 °/o), Ssimbirsk (84,28 °/o), Pensa (85,71 °/o), Woronesh (85,17 °/o), Olonez (83,83 °/o), Pskow (86,62 °/o) und Smolensk 83,49 °/0) Am wenigsten beschäftigt man sich mit der Landwirtschaft in den Gouvernements: St. Petersburg (25,26 °/0), Moskau (27,89 °/o), Wladimir (58,32 °/o) und in den drei Ostseegouvernements: Livland (55,36 °/o), Kurland (58,860/o) und Esthland 60,30,.
Als die bedeutendsten industriellen Gouvernements er
scheinen: Moskau (32,85 °/o der Bevölkerung beschäftigen sich dort mit der bearbeitenden Industrie), Wladimir (20,91), Niihny-Nowgorod (12,35 0/0), Jaroslaw (9,27 °/0), Kostrama (8,41 %), St. Petersburg (22,29 °/o), Esthland (12,27 0/0), Livland (15,95 °/0), Kurland (12,06 °/0), Grodno (10,03 °/o), Chersson (8,87 °/o), Kiew (8,36 °/'o) und Perm (8,36 °/o). Die Montanindustrie ist nm meisten verbreitet in ganz Sibirien (mit Ausnahme des Gouvernements Tobolsk, wo aus diesem Industriezweige nur 1,19% der Bevölkerung ihren Lebensunterhalt beziehen), namentlich im Amurgebiet (6,31 0/0), im Gebiet Jakutsk (3,51 °/o), im Gouvernement Jenisseisk (2,70 °/0) und im Transbaikalgebiet (2,05 °/o). In den mittelasiatischen Gebieten lebt man von der Industrie nur im Gibie, Siemipalatinsk (1,11 °/o), im Kaukasus, im Gouvernement Baka (1,00 «0), im Weichiel- gebiet fast nur in den Gouvernements Piotrkow (3,33 °/o) und Radom 1,17 0 0). Im europäischen Rußland haben in der Montanindustrie im ganzen nur 0,43 °/o der Bevölkerung ihre Beschäftigung und zwar ist diese Beschäftigung am meisten verbreitet in den Gouvernements: Perm (6,02 °/o), Orenburg (2,76 0/0), Ufa (0,99 °/°), Wjatka (0,60 °/o), sodann im Gouvernement Jekaterinoslaw (2,22 0 0), im Gebiet des dorischen Kosakenheeres (1,30 °/o) und zum Teil auch in den Gouvernements Wladimir (0,67 °/o) und Nishny- Nowgorod (0,52 °/o). Das Baugewerbe ist am meisten in Sibirien verbreitet, wo von ihm 2,09 °/o der Bevölkerung ihren Lebensunterhalt beziehen.
Kaisermanövcr 1905.
IX.
W. Coblenz, 13. Septbr.
Der gestrige Nachmittag führte uns wieder hierher zurück. Das Diner für die Rheinprovinz fand in denselben Räumlichkeiten statt, wie vorgestern die Paradetafel. Der Kaiser sprach wiederum, diesmal in eben so beredten als poetischen Worten die Konsessionen im schönen Rheinlande zur Eintracht auffordernd. Die Musik setzte nach feinem, „Hurra auf die Rheinländer" mit der „Wacht am Rhein" ein. Mancher hatte gehofft, hierbei eine Probe des Redetalents des neuen Oberpräsidenten fennen zu lernen, aber dieser schwieg ebenso wie gestern General Deines. Dabei ist nichts Wunderbares und keinerlei geheimnisvoller Zusammenhang. Es ist nicht üblich, daß in einem königlichen Schlosse die Gesundheit des Königs ausgebracht wird. Das ist alles! — Und in Homburg sprachen die Herren v. Eichhorn und v. Windheim im Kurhause!
Nach der Tafel fuhren die Majestäten und ihre Gaste hinunter, um eine „Dampferfahrt bei Beleuchtung der Ufer" zu unternehmen. Das klingt harmlos, aber es ist nicht übertrieben zu sagen, diese Dampferfahrt war etwas noch nicht Dagewesenes etwas Unbeschreibliches, etwas Feenmärchenhaftes ein Feuerzauber, eine unglaubliche bacchantische Symphonie- in Gold und Farben von einer Dimension und Intensität, wie kaum zuvor. Sie übertraf die ähnliche Veranstaltung von 1897 bei weitem. Das Malerische der Rheinufer bei Coblenz ist bekannt. Die Uferstraße selbst mit den großen Hotels, dem alten Schloß, dem neuen gewaltigen romanischen Regierungsgebäude, den Kaiserin Augusta-Anlagen, den Brücken und Schiffen, dem Deutschen Eck mit seinen ins Riesenhafte gehenden Kaiser - Wilhelm - Denkmal. Gegen- Über die trotzige Veste Ehrenbreitenstein, die Höhen des Astersteins und Lahneck, dann die Hügel der Moselufer. Und dieses prächtige Stück Erde, unter einem Himmel, von dem der leicht bedeckte Vollmond einen schwachen Silberschimmer herabsandte, getaucht in ein Chaos von Lichtern, Sonnen und Farben, das nichts Einzelnes erkennen ließ, das nur den einzigen Eindruck hervorrief: es ist unbeschreiblich schön! Hier waren lange Fensterreihen mit Lichtern bestreut hier umzogen flimmernde Gaslinien die Fassaden, dort wanden sich bunte Schnüre vielfarbiger Lämpchen um Säulen und Pavillons und schwangen sich von Baum zu Baum, Lampions hingen dort im Tauwerk der großen Rheindampfer, Flambecmx lohten rötlich gelb von den Conturen des Ehrenbreitstein, Fackeln flammten am Ufer auf, blendende Sterne elektrischer Körper verbreiteten Tageshelle, die alte Pontonbrücke verschwand in einer Wolke von Grünfeuer, die steilen Felsen der hochragenden Veste starrten in düster rötlicher Glut, hoch oben von den bewaldeten Höhen blickte es festlich aus erleuchteten Häusern, Holzstöße loderten da oben auf, goldig schimmerten die hochgespannten Bogen der Brücken. Nun stiegen Raketen auf, ein Regen bunter Leuchtkugeln ging hernieder, goldschwänzigen Kometen gleich sausten Feuerwerkskörper in gewaltigen Bogen über den Fluß, Sterne leuchteten wie vieltausend Brillanten, Fontänen in gleißenden Tönen sprudelten empor, und überall rieselte und flammte, strahlte und wogte Licht und Feuer und Glut. Ueber diesen Eindrücken, die das Auge kaum bewältigen konnte, vergaß das Ohr fast, auf die rauschenden Klänge her Musikkapellen, auf die donnernden Böllerschüsse und auf die Hochrufe der Menge zu lauschen, die wie eine unendliche Brandung anschwellend und abschweltend sich fortpflanzten.
Das Kaiserschiff durchfuhr zunächst die Schiffbrücke und ging rheinaufwärts bis zur großen (Metzer) Eisenbahnbrücke, wo man Halt machte, um das Schauspiel eines Wasserfalls zu genießen, der in goldigen Wellen von der Brücke herabfloß. Dann ließ der Kaiser wenden, an Coblenz wieder vorüber zum deutschen Eck, wo lange gehalten wurde und das Feuerwerk seinen Höhepunkt erreichte, dann weiter rheinabwärtS, wo Neudorf mit seinen gleichmäßigen erleuchteten Giebel- fronten sich besonders hübsch ausnahm, und endlich zurück zu den Schiffsbrücken. Dem Kaiserschiff folgten die Dampfer der Stadt und der Provinz, der Regierungsdampfer fuhr voraus. Es war eine prächtige Stimmung unter den Teilnehmern der Fahrt; Offiziere und Stadtoberhäupter, hohe Beamte und Mitglieder der Hofgesellschaft, die hohe katholische Geistlichkeit und die fremben Militärattachees — alle waren einig darin, einer einzigartigen Augenweide teilhaftig geworden zu sein.
Während so Coblenz in Flammen zu stehen schien, bereitete sich wenige Kilometer südwärts ein anderes nächtliches Schauspiel vor, vielleicht nicht minder interessant, aber ebensosehr das Licht scheuend, als jenes die Helligkeit gesucht und geschaffen hatte. Bei St. Goar und bei Boppard waren Pontonbrücken über den Rhein geschlagen worben, und im Dunkel der ersten Morgenstunden gingen hier große Truppen- maffen des 8. Korps über den Strom.
X.
W. Bogel bei Nastätten, 13. Septbr.
Ueber die Stärke der Truppenteile, welche bei Coblenz und weiter rheinwärts bereits gestern den Rhein überschritten hatten, waren wir getäuscht worden; nur eine Division deS 8. Korps, die 41., hatte hier das rechte Rheinufer betreten und sich später südwärts gezogen, dem Feind entgegen. Im Laufe des 11. September waren nämlich Nachrichten eingetroffen, daß der im Vormarsch auf Wiesbaden und Cronberg gemeldet gewesene Feind auf Bleidenstadt—Idstein—Esch weitermarschiert sei und starke Kavallerie Camberg erreicht habe. Die 41. Division ging also bis Braubach vor, wo das Divisionskommando Quartier nahm, und dehnte ihre Biwacks westlich bis Becheln—Dachsenhausen aus. Außerdem befand sich ja, wie wir gestern gesehen hatten, die Ka- üaUerte A rechtsrheinisch auf dem Marsche. Sie war von Ems über Nassau und Schweighausen noch über Miehlen südwärts hinausgegangen und brachte die Nacht bei der Endlichhofer Höhe zwischen Miehlen und Ruppershofen— Bogel zu. Die Vorpostenkette erstreckte sich von Dornholzhausen