Einzelbild herunterladen
 

8

Mittwoch

13. September

nicht so, daß die öffentliche Ruhe gestört wurde. Er wird freigesprochen. Der früher hier ansässig gewesene Pantoffel- fabrikant Franz W. wird des Betrugs beschuldigt, weil er bei einem auswärtigen Leistenfabrikanten Bestellungen machte und hierbei verschwieg, daß daS Geschäft auf den Namen seiner Schwester eingetragen war. Als der Angeklagte schließ­lich einen größeren Betrag für erhaltene Waren schuldig bleiben mußte, stellte sich heraus, daß er bereits den Offen- barungSeid geleistet hatte und daß bei ihm nichts zu holen war. Die Verhandlung ergibt, daß den Angeklagten keiner­lei betrügerische Absichten leiteten, weshalb seine Freisprechung erfolgt. Der Schriftsetzerlehrling B. zerrte sich mit einem Altersgenossen auf der Wilhelmsbrücke umher, sodaß der Ver­kehr gestört wurde. Er wird mit 1 Mk. bestraft. Der Metzgermeister R. erhielt einen Strafbefehl, weil er in über­mäßig schnellem Tempo um die Straßenecken geradelt sein soll. Der Angeklagte will nachweisen, daß er der betr. Rad­fahrer gar nicht gewesen sein kann, weil er an dem in Frage kommenden Tage ganz wo anders beschäftigt war. Der Schutzmann erklärt, daß bei der Schnelligkeit, womit der betr. Radler an ihm vorbeigesaust sei, ein Irrtum nicht ganz ausgeschlossen, wäre. Der Angeklagte wird freigesprochen. Der Fahrbursche T. soll ein Pferd öffentlich roh mißhandelt haben. Die Zeugenbekundungen sind so unbestimmt, daß der Angeklagte freigesprochen wird. Die Oekonomensehe- leute S. sind der Milchfälschung angeklagt, es stellt sich aber bei der Verhandlung heraus, daß die Probe, welche Herr Dr. Rau als gefälscht nachwies, am 2. Juni gebracht wurde, während der zur Anklage stehende Fall am 2. Mai passiert sein soll. Es muß daher schon dieses Formfehlers wegen auf Freisprechung erkannt werden. Der Goldarbeiter E., welcher einen kleinen Gemüsehandel betreibt, hatte einen Strafbefehl von 6 Mk. erhalten, weil er den Anordnungen der Marktpolizei nicht Folge leistete. Der erhobene Ein­spruch wird als gänzlich ungerechtfertigt angesehen und des­halb die Strafe auf 10 Mk. erhöht. Noch größeres Pech bat der Bäckergeselle M. mit seinem Einspruch gegen ein Strafmandat in Höhe von 3 Mk., das er wegen Uebertretung der Radfahrer-polizeiverordnung erhalten hatte. Weil näm­lich die Verhandlung ergibt, daß M. schon mehrfach mit den Polizeiorganen wegen Uebertretungen in Konflikt geraten war und der vorliegende Einspruch als ungerechtfertigt an­gesehen wird, wird die Strafe auf 12 Mk. erhöht. Der Zigarrenhändler P. hier hatte einen Strafbefehl von D Mark erhalten, weil er am Sonntag den 18. Juni (ersten lleßsonntags seinen Laden von 37 Uhr nachmittags offen elt. Der Angeklagte ist der Meinung gewesen, weil in I rüderen Jahren an den beiden Meßsonntagen eine ver­längerte Beschäftigungszeit zugelassen war, sei es auch dies­mal der Fall. Von der Polizeidirektion war jedoch nur der zweite Meßsonntag freigegeben. Der diesbezüglichen Mit- teilung eines Schutzmannes hatte der Angeklagte keinen Glauben geschenkt. Die Strafe wird auf 10 Mark ermäßigt. Der Volksschüler K. hat gemeinsam mit einem andern noch nicht strafmündigen Jungen 1,20 Beutner dem Kohlen­händler H. gehörige Kohlen entwendet. Weil es ein erster Versuch ist, kommt er mit einem Verweis davon.

Vereins- u. Vergnügungsnachrichten

für Mittwoch den 13. September.

KonzerthausGermania": Konzert der GesellschaftD'Möllthaler". Mark^n-Konsum-Verein: Abends Uhr: Generalversammlung im Ver- rinSlokal, Mülllstraße 2.

E». Männer- u. JünglingSverein: Posauumblasen (Gv. VereinshauS.) Turngemeinde: Abends 910 Uhr: Turnen der Männerabteilung.

Turn- u. Fechtklub: Bon 8'/»10 Uhr: Fechten; von 910 Uhr: Turnen der Männerabteilung.

Turngesellschaft: Abeuds von 7h,9 Uhr: Turnen der Männerabteilung. Kaufmännischer Verein Hanau: Vereinsabend im Restaurant Mohr. GesangvereinGermania": Singstunde imLöwmgärtchen". GesangvereinToublüthe": Singstunde in derStadt Bremen". Evang. Arbeiterverein: Singstunde im Vereinslokal zumElephanten". National - Steuographenverein: Uebungsstunde für die Praktiker-Abteilung (Lokal:Zur großen Krone"). GesellschaftTreu beim Alten": Vereinsabmd (Brauerei Orschler). Hanauer Radsport 1895; Vereinsabmd in derStadt Bremen". Thater-Klub: Zusammenkunft in dm3 Hasen". MittwochS-Kegelgesellschaft imLöwengärtchen": Abends 9 Uhr: Kegeln. Kegel-Klub: Gasthauszur guten Quelle". GchützmvereinTell" zurWiener Spitze": Schießm. ZimmerstutzengesellschaftPatrontasche"; Schießen. Zimmerstutzmgesellschaftzum Schwauen"-Kesselstadt: Schießm. Hanauer Schützmverein: Vereinsabend im Restanram Mohr. Freiwillige Feuerwehr, 3. Komp, imKarpfen".

Freiwillige Feuerwehr: 1. Komp, imgoldnen Herz", SteigerkorpS in der Brauerei Beck.

Barometerftand

mittags 12 Uhr am 12./9. 13.^9.

Sedr trocken Beständig

Schön veränderlich Regen (Wind)

viel Regen Sturm

ldtpii!)Wt Wetterbericht bei deutschen Teewurte.

Telegramm aus Hamburg vom 13. September.

9 Uhr 35 Min.

Ein Maximum über 770 mm erstreckt sich von Nord­frankreich bis Mecklenburg, ein Minimum unter 755 mm lagert nördlich Schottlands. In Deutschland ist die Witte­rung ruhig, kühler, an der Küste heiter, im Binnenland ziem- üch trübe, der Westen hatte vielfach Regen.

Prognose für den 14. September: Ziemlich kühles und trübes Wetter, im Westen stellenweise Regen wahrscheinlich.

Hus Hab und fern.

Petersberg bei Fulda, 10. Septbr. In dem Konkurs über das Vermögen des hiesigen Konsumvereins, in welchem Herr Rechtsanwalt Dr. Pfeiffer in Fulda als Konkursverwalter bestellt worden ist, beläuft sich der vor­handene Massebestand, einschließlich von 500 Mk. gesicherter Forderungen, auf etwa 5000 Mk., welchem Passiva von rund 12 000 Mk. gegenüberstehen, so daß die Gläubiger unter Berücksichtigung der durch das Verfahren entstehenden Kosten etwa 40 Prozent ihrer Forderungen erhalten werden.

Frankfurt a. M., 13. Septbr. In der Eisengießerei von Mayfahrt & Cie. an der Höchsterstraße war am Montag abend um halb 10 im Dachgeschoß auf bis jetzt unaufgeklärte Weise Feuer ausgebrochen. Sämtliche drei Feuerwachen waren zur Stelle erschienen. Mit acht Schlauchlinien von der Höchsterstraße und vom Hofe der Fabrik aus wurde das Feuer angegriffen und bereits um 1 Uhr gelöscht. Die Aufräumungsarbeiten hatten die Feuerwehr noch bis zum frühen Morgen in Anspruch genommen. Die hohen Brandmauern verhüteten ein weiteres Umsichgreifen des FeuerS. Holzmodelle, Formen zum Gießen, Maschinen und Fabrikmaterial im Parterre wurden durch den Brand zerstört. In der Schlosserwerkstätte über dem zu ebener Erde gelegenen Dachstock wurden die Maschinen und Transmissionen vernichtet. Nach Ankunft der Feuerivachen war die Dachkonstruktion und das Dachgerüste vollständig abgebrannt. Eine Decke brach durch und Maschinen stürzten in die Tiefe. Der Brand­schaden beläuft sich auf etwa 50 bis 60 000 Mark. Der Betrieb der Fabrik ist nicht gestört. (Frkf. Nachr.)

Ransbach, Westerwald, 11. Septbr. Die große Chamotte- und Tonwarenfabrik von Neitzert u. Co. ist voll­ständig abgebrannt. Plötzlich am Hellen Tage schlugen die Flammen viele Meter hoch über den 40 Meter hohen Fabrik­schornstein, die Feuerwehr war machtlos. Auch das mit der Fabrik verbundene Elektrizitätswerk wurde ein Raub der Flammen. Ueber die Entstehungsursache ist nichts bekannt. Unser Ort ist nun ohne Licht und es müssen die Petroleum­lampen wieder gesucht werden. Der' angerichtete Schaden wird von sachverständiger Seite auf eine halbe Million Mark geschätzt.

Darmstadt, 12. Septbr. Heute mittag fand die Er­öffnung ger von dem Heilstättenverein für das Großherzogtum Hessen an dem Südabhange der Neunkirchener Höhe in der Nähe von Winterkasten errichteten Eleonoren-Heilstätte für weibliche Lungenkranke und lungenkranke Kinder statt. Der Vorsitzende des Heilstättenvereins, Regierungsrat Dr. Dietz- Darmstadt, hielt die Eröffnungsansprache. Nach der Er­öffnung fand eine Besichtigung und ein Frühstück in den Räumen der Heilstätte statt.

Vom Neckar, 12. Septbr. Gastwirt und Holz­händler Joseph Fußer aus Dannstadt geriet beim Holzsägen im Benz'schen Sägewerke aus Unachtsamkeit in das Getriebe, wobei ihm die linke Hand gräßlich zugerichtet wurde. Die Verletzungen machten die Amputation von 4 Fingern not­wendig. Zu Oberambringen brachte der Taglöhner August Zimber den rechten Fuß in die Trommel einer Dreschmaschine, wobei ihm das rechte Unterbein buchstäblich abgerissen wurde. Der Unglückliche, der im 39. Lebensjahre stand und Familien­vater ist, erlag bald darauf seiner Verstümmelung.

Pforzheim, 12. Septbr. Eine Goldarbeiter­versammlung, die sehr gut besucht war, hatte aus­schließlich den Zweck, die Erschienenen für den Eintritt in den Metallarbeiterverband zu gewinnen. Herr A. Weiß, der Geschäftsführer des hiesigen Ortsvereins, hatte das Referat, in dem er u. a. ausführte, die Hanauer Arbeiter hätten letzten Samstag in einer dort abgehaltenen Versammlung Mann für Mann ihren Beitritt erklärt. In Hanau hätten bereits 2 große Silberwarenfabriken der Neuregelung des Lohn- und Arbeitsverhältnisses der Silberarbeiter zugestimmt. Aber andere Fabrikanten leisteten Widerstand und es sei leicht möglich, daß es darüber zu Lohnkämpfen kommt. Da­zu, um diese siegreich zu bestehen, sei es notwendig, daß die Pforzheimer Arbeiter den Hanauern den Rücken stärken, was nur mit dem Rückhalt der Organisation geschehen könne. Dazu empfahl Redner dringend den Beitritt zum Metall­arbeiterverband.

Sprechsaal.

Für die unter dieser Rubrik ^ngesandtm Notizen übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.

Gin Ausstchtsturm auf dem Buchberg oder Kuuzuickel?

Es ist sehr mit Freuden zu begrüßen, daß einjh ic/ Naturfreunde die Aufmerksamkeit des Publikums auf die landschaftlichen Schönheiten der Speffartausläuser, insbesondere auf die herrliche Umgebung des idyllisch reizend gelegenen Dörfchens Oberrodenbach durch den Bau eines Aussichts- turmes in jener Gegend zu lenken bestrebt sind. Gar mancher Tourist hat die Gegend schon auf der Landstraße passiert, bekam aber nur einen geringen Einblick in die Naturschön­heiten, da es ihm sehr mit Unrecht nicht lohnend ge­nug schien, einen der bewaldeten Hügel zu besteigen. Gerade deshalb ist die Idee, einen Ausstchtsturm auf eine jener Höhen zu stellen, sehr glücklich. Nur scheint es mir zweifel­haft, ob der Buchberg, wo der Turm erbaut werden soll, der geeignetste Punkt hierfür ist. Mir scheint der Kunznickel nahe bet Oberrodenbach viele Vorzüge vor dem Buchberg in dieser Beziehung zu hab^n. Es ist deshalb rötlich, beider Vorteile vorher vorsichtig abzuwägen, da ein Fehler hierin später schwer aulzumachen ist.

WaS den Zweck deS Aussichtsturmes, eine möglichst große Fernsicht zu gewähren, angeht, so kann vom Buchberg aus fast nur daS Main- und Kinzigtal (Frankfurt-Hanau-Geln- hausen) mit dem Hintergründe Taunus und Ronneburg er­blickt werden. Die übrige Aussicht ist sehr beschränkt, nach Südosten, Osten und Nordosten aber fast vollständig durch Kunznickel, Schäferberg rc. verhindert. Errichtet man den AuSsichtSturm auf dem trigonometrischen Punkte des Kunz­nickels, so erblickt man mit bloßem Auge fast alles Sehens­werte, waS vom Buchberg aus gesehen werden kann dar Main- und Ktnrigtal, die ganze Wetterau, den (Warte-

baum bei Windecken), Homburg, Taunils und Ronneburg. Dazu kommt aber hier noch der Blick auf den Hahnenkamm, Johannesberg, Aschaffenburg, Seligenstadt, die ganze dortige Mainebene bis Frankfurt und Mainz; sogar bis Wiesbaden wollen Weitsichtige bei klarem Wetter gesehen haben. Der Gesichtskreis erweitert sich natürlich, wenn man ein Glas benutzt.

Das also ist sicher: der Aussichtsturm erfüllt seinen Zweck bedeutend besser, wenn er auf dem Kunznickel statt auf dem Buchberge steht.

Aber kann man einwenden der Buchberg ist nur eine halbe Stunde vom Bahnhof Langenselbold entfernt, der Kunznickel aber ist von demselben Bahnhöfe sowie von Mederrodenbach in einer guten Stunde erst zu erreichen! Aber gerade weil er entfernter ist, ist der Punkt um so günstiger. Oder will man den Touristen den Genuß eines Spazier­ganges durch die herrlichen Buchen- und Eichenwälder zum tannengekröuten Kunznickel nehmen? Zudem führt die meisten Touristen, Radfahrer, Wagenpartien rc. die schöne Straße von Hanau über Niederrodenbach nach Oberrodenbach und von da weiter nach Hof Trages, Albstadt, Michelbach, Herrn- mühlerc. Dazukommtnoch ein nicht zu unterschätzender Votteil: Vom Ausstchtsturm Kunznickel ist man in 5 Minuten im Dorfe Oberrodenbach, wo zwei sehr gut eingerichtete Wirt- schaften (mit großen künstlerisch ausgemalten Sälen und Gaslicht) alles bieten, was man verlangen kann. Die Gast­wirtschaft von Fickert (Adler) ist überdies mit einer guten Metzgerei verbunden; hier ist auch Posthilfsstelle mit Tele­phon, Fahrgelegenheit zum Bahnhof rc. Auch in dieser Hinsicht wäre der Kunstnickel der bei weitem bessere Platz.

Aber das Baumaterial ist schwieriger zum Kunznickel zu schaffen, da es weiter hergeholt werden müßte.

Hierauf erwiedere ich: Der Ausstchtsturm auf dem Kunz­nickel braucht lange nicht so hoch zu sein, als der auf dem Buchberg, um die Bäume genügend zu überragen. Daher verringern sich die Kosten 1) des Materials, 2) des Baues und 3) der Herbeischaffung des Materials.

Also ist der Bau des Aussichtsturmes auf dem Kunz­nickel bei allen oben angeführten Votteilen noch überdies eine finanzielle Ersparnis.

Dies unterbreite ich hiermit den Touristen und den wackeren Herren, die sich deren Dank durch Anregung obiger Idee verdienten als Kenner jener Gegend und stelle mich gerne zur Verfügung zwecks örtlicher Besprechung. Meine Adresse bei der Redaktton. A. R.

Hus aller Mett.

Kongreß für das kaufmännische UnterrichtSwesen.

Vom 5. bis 9. September tagte in Wiesbaden der fünfte Kongreß für das kaufmännische Unterttchtswesen. Der etwa von 200 Personen besuchte Kongreß wurde durch den Vor­sitzenden des Verbandes für das kaufmännische Unter- richtswesen, Regierungsrat Dr. Stegemann (Braunschweig) eröffnet. Als Vertteter des Ministettums für Handel und Gewerbe Berlin wohnte Landesgewerberat Dr. Dunker, als Vertreter der Regierung für den Bezirk Wiesbaden Ober­regierungsrat Dr. D. Gizyski und Regierungsassessor Brüning, als Vertteter des Gewerbeschulrats Karlsruhe Regierungsrat Maier, als Vertteter des Senats Hamburg Schulrat Dr. Stuhlmann, als Vertteter der Stadt Wiesbaden Bürger- meifter Heß und Stadttat Vickel den Verhandlungen bei. Regierungsrat Dr. Stegemann begrüßte in einer kurzen An­sprache die aus allen Teilen Deutschlands erschienenen Kon­greßteilnehmer und dankte insbesondere den Vertretern der staatlichen und stüdttschen Behörden für ihr Erscheinen und das damit bekundete Interesse an der gemeinnützigen Sache. Landesgewerberat Dr. Duncker überbrachte die Grüße des HandelsministerS, während Oberregierungsrat Dr. v. Gizyski die Kongreßteilnehmer namens der Regierung für den Bezirk Wiesbaden begrüßte. Seitens der Stadt Wiesbaden hieß Bürgermeister Heß die Teilnehmer auf das herzlichste will­kommen. Nach den Begrüßungsansprachen begannen die fachwissenschaftlichen Abteilungen mit ihren Beratungen. Die Hauptsitzung tagte am 7. und 8. September.

Eine ungewöhnliche Umwandlung hat im altehr­würdigen Städtchen Murten die 19jährige Tochter eines Schuhmachers Cäcilie Waridel durchgemacht. Dieses Mäd­chen wurde nämlich von einem Arzte, der es eines unbe­deutenden Unwohlseins wegen untersuchte, plötzlich als männ­lichen Geschlechts erklärt. Am 7. September war Cäcilie noch als Mädchen zu Bett gegangen, am 8. stand sie als Jüngling auf, ging mit ihrem Vater auf das ZivilstandeS- amt, um hort den Mädchennamen, den sie 19 Jahre lang getragen, abzulegen und sich in aller Form nunmehr inS Mannsgeschlecht einreihen zu lassen. AuS der Cäcilie ist nun ein Cäsar Wandel geworden, der natürlich Korsett und Weiberröcke alsbald ablegte und jetzt unter den höchlich er­staunten Augen seiner Mitbürger als junger Herr daher- stolziert. Cäsar Waridel mißt in der Körperlänge 152 Zenti­meter, also leider wohl etwas zu wenig für die Rekruten­aushebung, zu der er sich im nächsten Monat zu stellen haben wird.

Ueberfchwemmung in Petersburg. In Peterburg ist nach einem Telegramm derVoss. Ztg." gestern bei starkem ©übweftfturm Ueberschwemmung eingetreten. In anderthalb Stunden stiegen die Fluten etwa zwei Fuß. Der Verkehr über die Hofbrücke ist gesperrt, der Boot- und Dampffchiffverkehr eingestellt, die Gas- und die elektrische Beleuchtung versagen. Von der Festung ertönt alle fünf Minuten ein Warnungsschuß.

Panik auf dem Efelmarkt in Salamanka In Salamanka entstand unter den Pferden und Eseln aus dem Markte eine Panik. Dreitausend Maulesel wurden scheu und gingen nach allen Stiftungen durch, wobei sie über 100 Per» Ionen, darunter mehrere schwer, verletzten.

Ausschreitungen streikender Manrer. Zu schweren Ausschreitungen kam es gestern nacht in den Giulini- Werken zu Ludwigshafen. Sechs Arbeitswillige hatten die Plätze der in einem Streik befindlichen Maurer einge­nommen. Gestern früh waren sie zur Arbeit erschienen. Da sie einen Angriff befürchteten, blieben sie während der Nacht in der Fabrik. Gegen 11 Uhr sammelten sich dann etwa 20 Streikende vor der Fabrik, welche eine bedrohliche Haltung einnahmen, die Laternen auslöschten und Anstalten machten, in die Fabrik einzudringen. Der Wächter holte die Polizei­mannschaft, die in ihrem gesamten Aufgebot erschien und die Fabrik umstellte. Hiebei kain es zu Tätlichkeiten, bet denen hüben und drüben mit Revolvern geschossen wurde, doch kamen erhebliche Verletzungen nicht vor. Kurz nach 12 Uhr