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MW 1,80 8RL, monatlich 60 Pfg., für au», ^ârtig» Abonnenten mit dem betrefseuden Postaufschlag.

Die einzelne Nummer kostet 10 Ps g.

chchmckt und verlegt ta der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Vie fünf gespaltene Petit-eile »der der« Kam» Id W», im Sieklamentell die Zelle 35 Pf-,

BetattheoriL Rebeftan: 6, ®#te*et M H««w

Nr. 214

Fernsprechanschlittz Nr. 605.

Dienstag den 12. September

Ner»spr«cha»schl«ß Rr. 605. 1905

Amtliches.

Stadtkreis Hrmau. Bekanntmachung.

Die elektrotechnische Lehranstalt deS Physt-

kaltschen Vereins zu Frankfurt a. M. veranstaltet in ihrem Institut in der Woche vom 25. bis 30. d. Mts., täglich vormittags von 10 bis 12 und nachmittags von 3 bis 5 Uhr, einen Kursus über Anlage und Prüfung von Blitzableitern.

Der Zweck dieses Kursus besteht darin, Mechaniker, Spengler, Schlosser, Dachdecker rc., welche sich mit der Her­stellung von Blitzableitern beschäftigen, in gemeinverständ­licher Weise mit den wissenschaftlichen und lechnischen Grund- Ltzen bekannt zu machen, welche zur sachgemäßen Her- iellung dauernd zuverlässiger Blitzableiter und zur sicheren Prüfung der Zuverlässigkeit derselben unbedingt erforder­

lich find.

Der Kursus beginnt mit Vorträgen über die theoretischen Grundsätze und schließt mit praktischen Uebungen in Bezug auf Konstruktion, Projektierung und Ausführung von Neu­anlagen und Untersuchung und Prüfung bestehender Ein­richtungen.

Die Vorträge werden in gemeinverständlicher Form ge­halten, sodaß zu ihrem Verständnis keine wissenschaftlichen Dorkenntnisse erforderlich sind.

Zur Sicherung eines guten Erfolges dieses Unterrichts wird für jeden Kursus nur eine beschränkte Anzahl von Teilnehmern ausgenommen; eventuell findet bei zahlreicher Beteiligung ein zweiter Kursus in der auf den ersten fol­genden Woche statt.

Das Honorar beträgt 30 Mk. und ist bei Beginn des Kursus zu entrichten.

Wir machen auf den Kursus mit dem Bemerken auf­merksam, daß Anmeldungen möglich st frühzeitig an das Sekretariat der Elektrotechnischen Lehranstalt des Physi­kalischen Vereins Frankfurt a. M., Stiftstraße Nr. 32, zu richten find.

Hanau den 6. September 1905.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus.

17546

Handelsregister.

Firma Huber & Co. in Hanau : Dem Kaufmann Hugo Spangenberg in Hanau ist Prokura erteilt.

Hanau den 8. September 1905.

Königliches Amtsgericht 5. 17553

Feuilleton.

Die Vorboten des Herbstes.

Bo« F. Kunze.

Wenn wir in diesen Tagen Wald und Flur durchwandern, so können wir uns der Empfindung nicht verschließen, daß daS reiche Leben der schönen Sommerzeit seinen Höhe- und Glanzpunkt überschritten hat, daß dem „was in Lust geblüht hat, die Lust vergangen ist," denn die vergängliche Natur schreitet abwärts. Zwar,

Noch blühen im Garten die Blümelein, Noch tanzen die Mücken im Sonnenschein,

Noch flattert, als ob es Sommer wär,

Der bunte Schmetterling umher," —

Doch das sind nur einzelne Ueberbleibsel von der leben­digen „Fülle des Sommers", mit der es jetzt zur Neige geht. Von Tag zu Tag beschreibt die liebe Sonne einen kürzeren Bogen, und rauhe Lüfte wehen über die kahlen Stoppelge- breite. Unangemeldet kommt der Herbst niemals, sondern er schickt uns seine wohlbekannten Boten, mancherlei Anzeichen, aus denen wir auf seine baldige Ankunft schließen können. In Wald und Feld verstummt ein lieblicher Sänger nach dem andern, denn

„Eh der Herbstwind saust ums Dach, Sind die Vögel aufgebrochen.

Blatt und Blüten, die verwehen, Mögen sie nicht fallen sehen."

Zuerst sucht in der Regel der trauliche „Adebar", der Storch, das Weite, denn er hat schon lange bei uns verweilt und hat seine sommerliche „Gastrolle" ausgespielt.

„Er rüstet sich zur Reise Weil über Land und See. Der Herbst kommt angezogen, Drum sagt er uns Ade."

Bald folgt chm auch die liebliche.Schwalbe, die mit zahl­reichen Genossinnen schon längst auf dem hohen Turmdache

Beschlich

in der Strafsache gegen den Handelsmann Georg Seelig in Hanau wegen Hehlerei.

Durch die Verhaftung des Angeschuldigten ist der Grund, aus welchem die Beschlagnahme seines im deutschen Reich be­findlichen Vermögens angeordnet worden ist, in Wegfall ge­kommen und wird daher die gedachte Beschlagnahme aufge­hoben gemäß § 334 St.-P.-O.

Hanau den 5. September 1905.

Königliches Landgericht, Aortenkammer.

gez. Hellbach. Varnhagen. Stoll.

Ausgefertigt. *

Hanau den 9. September 1905. 17554

(L. S.) Alberti,

als Gerichtsschreiber des Königl. Landgerichts.

Durch Beschluß des unterzeichneten Gerichts vom 4. September 1905 ist der Taglöhner Johannes Schäfer zu Langenselbold wegen Verschwendung und Trunk­sucht entmündigt. — E. 2/05 —

Langenselbold, 4. September 1905.

Königliches Amtsgericht. 17573

politische Rundschau.

Militärische Veränderungen. Für die Besatzung des Schutzgebiets Kiautschou und deren Stamm-Marineteile sind einige wichtige Veränderungen eingetreten, deren Ziel die Selbständigmachung der Marineteile ist. So wird aus den Stammkompagnien des 3. Seebataillons und der Stamm­batterie der Marinefeldbatterie unter Aufhebung ihrer Zu­teilung zum 2. Seebataillon ein selbständiges Bataillon ge­bildet, das die Bezeichnung 3. Stammseebataillon erhält: seine Uniform erhält die Abzeichen des 3. Seebataillons, die Uniform der Stammbatterie die Marinefeldbatterie. An Stelle der Stammkompagnie der Matrosenartillerieabteilung Kiautschou ist unter Aufhebung der Zuteilung zur 3. Ma­trosenartillerieabteilung mit dem 1. Oktober 1905 eine Stammabteilung der Matrosenartillerie Kiautschou zu zwei Kompagnien zu bilden, so daß eine Kompagnie neu zu er­richten ist; die Mannschaften dieser Stammabteilung tragen die Mützenbänder der Matrosenartillerieabteilung Kiautschou. Bei dieser sind ferner nach Maßgabe der verfügbaren Etats­stellen zwei weitere Kompagnien derart zn bilden, daß die 3. Kompagnie am 1. Oktober 1905 und die 4 Kompagnie nach Eintreffen des Ablösungstransports 1906 im Schutz-

die nötigen Neisevorkebrungen getroffen und so manche „eigene Angelegenheit" der zwitschernden Schar in zahlreichen „Konferenzen" mit durchberaten hat. Leider läßt eben der einziehende Nachfolger des auSquartierenden Sommers keinen längeren Aufenthalt zu; darum singt sie nochmals:

„Ade, du Laud, so lieb und wett, Wo ich fand manches Glück.

Wenn der Frühling wiederkehrt, Komm ich froh zunick l"

Wenn auch nun der bei uns stand haltende Sperling vergnügt sich äußert: „Die Schwalb' ist schon verreist; gut, daß sie fort, gut, daß sie fort“ —, so erfüllt uns Menschen jedoch ihr früher Abschied mit tiefem Weh, beim ein Lebe­wohl ist stets rührend, besonders das des herrlichen Sommers.

Ganz besonders bemerken wir das zunehmende Nachlassen des froh pulsierenden Lebens der schönsten Jahreszeit an der uns umgebenden Pflanzenwelt:

„Die Blumen an dem Bache,

Vom letzten Tau gestärkt,

Verblüh'n mit stillem Ache Allmählich, unvermerkt."

Wohl sind von dem reichen Blütenkranze des Sommers auf Aeckern und Wiesen, namentlich an Wegen und Rainen noch einzelne Kinder Floras zu sehen, z. B. die Schafgarbe, das Gänseblümchen, der Löwenzahn, der Wiesenklee und im Gatten die glühende Aster oder die „letzte Rose", doch sind es meist nur absterbende Spätlinge mit verkümmerten, un­scheinbaren Blüten.

„Wenn längst die Sonnenblumen sterben, Das Jahr enteilt mit schnellem Fuß, Dann strahlen sie in allen Farben

Und künden uns den Abschiedsgruß."

Am Walde draußen sieht man in augenfälliger Weise nicht minder die allmählige Ankunft des Herbstes. Zuerst gemahnen einzelne Birken durch ihre goldgelben Blätter an den baldigen Heimgang des Sommers, welch letzteren die weiße Dame im grünen Schleier bereits um Ostern an­meldete. Zwar ist in der zweiten Hälfte des September das ausgedehnte Blättermeer tat Forst noch grün, wenigstens er­

gebet zu erreichen ist. Beim Gouvernement Kiautschou war bisher eine Anzahl Jngenieuroffiziere vorhanden, darunter ein Jngenieuroffizier vom Platz, ohne daß für diesen eine besondere selbständige Pehörde geschaffen worden wäre, dies ist nunmehr durch Errichtung einer Fotti- fikation in Tsingtau für baß Schutzgebiet Kiautschou geschehen; sie ist durch den Jngenieuroffizier vom Platz, zurzeit Major Müller, früher als Hauptmann bei der Fprtifikation in Straßburg tätig, geleitet und untersteht dem Gouverneur des KiautschougebietS. Die Offiziere der Fortifikation tragen die Uniform des 3. Seebataillons; die Festungsbauoffizier und die Wallmeister dieser Behörde die Uniform ihres Dienstgrades nach dem Muster der Armee, jedoch mit Reichsadler und Reichsfarben wie die Marineinfanterie, daneben die Sommer­bekleidung des 3. Seebataillons mit Abzeichen, Knöpfen und Mützenbesatz ihrer sonstigen Uniform. Gegenwärtig befindet sich im Jngenieurkorps ein Major und ein Ober­leutnant auf dem Etat des Schutzgebiets, dazu zwei Festungs- bauleutnants, während ein Hauptmann und ein Oberleutnant des Jngenieurkorps zur Dienstleistung kommandiett sind.

Der Fonds für Unterseeboote. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Von einer neuen Verletzung des Budgettechts des Reichstags haben verschiedene Blätter, an­lehnend an die „Schleswig-Holsteinische Volkszeitung", be­richtet, daß die Germania-Werft für von ihr vor zwei Jah­ren anscheinend auf eigene Kosten in der Eckernförder Bucht ausgeführte Unterseebootsversuche nachträglich vom Reichs- Marineamt mit staatlichen Geldern bezahlt worden sei. Ebenso müßten neue derartige Uebungen aus noch nicht bereitgestellten Mitteln bestritten werden, endlich sei ein von Rußland wegen eines Konstruktionsfehlers abgelehntes Unterseeboot von der Germaniawerft abgenommen und offiziös als erstes deutsches Unterseeboot bezeichnet worden. Demgegenüber liegt der „Nordd. Allgemeinen Ztg." folgender Tatbestand vor: Das Reichsmarineamt bezahlte niemals der Germaniawerst auch nur einen Pfennig für früher von dieser vorgenommene eigene Versuche. Die für das Jahr 1905 von dem Reichstage für Unterseebootsversuche bewilligte Summe von P/t Millionen Mark wird für Versuche mit einem bei der Germaniawerft im Bau befindlichen Unterseeboot, das zur Zeit noch nicht vom Stapel gelaufen ist, verwendet werden. Der Beginn der Versuche wird sich wegen der int Interesse der Sicherheit der zukünftigen Besatzungen verlangten sehr eingehenden Vor­versuche und Erprobungen aller einzubauenden Apparate und Materialien noch voraussichtlich längere Zeit hinziehen und schwerlich vor dem Spätherbst beginnen können. — Ange­sichts der ganz besonderen Gründlichkeit und der Vorficht, die das Reichsmarineamt bei dem Bau seines ersten Untersee­bootes beobachten läßt, muß es als ein starkes Stück bezeich-

scheint um diese Zeit der Wald noch unverändert, doch sind in Wirklichkeit die braunen Schatten seiner Oberfläche dunkler und breiter geworden. Bon Tag zu Tag verändert sich das dunkelnde Laubdach, denn ein bedenklicher Zug ins Braune wird vorherrschend. Ja, wenn unser lieber Hettgott steht, daß er nichts mehr färben kann,

„Da nömmt 'r seine Topfe her

Un schött, was drönn ös, kreiz und quer

Hönn über alle Barge" — philosophiert der bekannte Sänger Rudolstadt-, Anton Sommer, und fähtt dann fort:

„Dröm wärds su bunt off amal hatt,

Galb, lila, tut un braune,

Su kammer'sch steh an jeden Wald

An jeden Busch und Zanne;

Un blitzt de Sonne noch berpi

Da steht's aus gerade fu

AIS war die Welt von Golde."

Ja, lange wird es nicht dauern, und der wette Wald legt allmählich sein buntes Kleid ab, denn:

„Es naht der Herbst: mit kaltem Hauch

Küßt er daS Blatt an Baum und Strauch

Uno — tot fliegt es im Winde.

Ihr Blätter, euer Wechselspiel,

Wie gleicht's dem Leben und dem Ziel

Von jedem Menschenkinde!

Die „fruchtbaren Bäume" des Gattens können sich getrost langsam ihres Blätterschmuckes entledigen, denn dadurch ge­lingt es ihrem buntscheckigen Segen, mehr für baß Mttrsch* liche Auge zur Geltung zu kommen. Ja,

„ES ist ein reicher Segen In Gärten und an Wegen;

Die Bäume brechen fast.

Wie voll doch alles hanget!

Wie lieblich schwebt und pranget

DeS Obstes liebste Last!"

Kein Wunder berat, daß jetzt der menschliche Fleiß tittss ist, Küche, Keller, Scheune und andere Vorratsräume für die schwere Winterzeit mit allerhand „Nahrung" zu füll«. War