Zweites Blatt.
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WmfeohaufeS in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kana».
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
EinrücknngSgeLLHr»
Die fünfgespaltene Petitzal« oder beten Raum lö Pfg» im RrÜameuleit die Zeil« 36 Psg-
Beranttvoril. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.
Ml. 212 Kernsprechankchlrisi Nr. 605.
Samstag den 9. September
Frr»sprech<mschl«tz Nr. 605.
1905
Hus Hab und fern.
8 Neuenhaßlau, 9. Septbr. Gestern fiel hier das P/a Jahre alte Kind des Landwirts Karl Weingärtner, das sich bei spielenden Kindern befand, in die Jauchegrube und ertrank, ehe ihn: Hilfe gebracht werden konnte.
r- Marburg, 8. Septbr. In der Waldwirtschaft zur Dreyersquelle bei Ockershausen wurden in der letzten Zeit
zwei Einbruchsdiebstäble verübt. Uhr der Wirt zuschließen wollte, des Waldes Schüsse auf ihn weise nur leicht streiften.
A Fttlda, 8. Septbr.
Als gestern abend um 10 gab man aus dem Dunkel ab, die ihn aber glücklicher-
Der Kreistag beschloß, ausführliche Vorarbeiten für den Bau einer normalspurigen
nebenbahnähnlichen Kleinbahn von Fulda über Giesel- Hainzell-Hauswurz nach Freiensteinau anfertigen zu lassen.
Breitenbach bei Bebra, 8. Septbr. Donnerstag nachmittag kurz nach 2 Uhr entstand in der Scheune des" Bahnarbeiters Jßleib Feuer, das von der allein zu Hause befindlichen Frau erst bemerkt wurde, als die Flammen schon tmporloderten. Das Feuer breitete sich, dank der reichen Nahrung, die es in der gefüllten Scheune fand, und anqe- facht durch einen starken Südwest, mit riesiger Schnelligkeit aus, so daß im Nu nicht nur das Wohnhaus des I., sondern auch mehrere dicht angrenzende Gebäulichkeiten in Flammen standen. Die Ortsfeuerwehr, deren Mitglieder meist auf dem Felde beschäftigt waren, war rasch zur Stelle, ihr gesellten sich zu die drei Feuerwehren (Pflicht-, Freiwillige und Bahnhofs-Feuerwehr) aus Bebra, die Wehren 'aus Lüdersdorf, Blankenheim, Weiterode und später die aus Rotenburg und Lispenhausen. Die Löscharbeiten, die unter der um- sichtigen Leitung des Oberbrandmeisters Herrn Sopp aus Bebra standen, waren sehr schwierige, zumal anfänglich noch Wassermangel bestand. Dank der unermüdlichen Tätigkeit der Mannschaften gelang es aber, mehrere sehr gefährdete Nachbargebäude zu retten und das Neberspringen des Feuers auf die jenseits der Hersfelder Straße stehenden Gebäude zu verhindern, wodurch noch größeres Unglück abgewendet wurde. Gegen 6 Uhr war die Gefahr einer weiteren Ausbreitung des Feuers beseitigt, so daß die meisten der auswärtigen Wehren entlassen werden konnten. Es sind im ganzen sechs Wohnhäuser mit den Scheunen und Nebengebäuden ein Raub der Flammen geworden. Die Namen der Geschädigten sind: jßleib, Anton Schade, Heinrich Schade, Beisheim, Georg Herwig, Bernhard Fey und Frl. Landgrebe. Der entstandene Schaden ist erheblich und wird nur zum Teil durch Versicherung gedeckt, da einige der Abgebrannten nur ungenügend, andere gar nicht versichert haben; zu den letzteren gehört H. Schade, sowie eine Witwe Brill. Jßleib, bei dem das Feuer zum Ausbruch kam, hat einen noch nicht lange fertig gestellten Erweiterungsbau nicht versichert; es konnte ihm auch nicht das geringste gerettet werden, so daß die Leute außer den Kleidern, die sie auf dem Leibe tragen, nichts ihr eigen nennen können. Es ist ihnen auch ein Darbetraq von 60 Mark, der zur Bezahlung einer fälligen Schuld bereitgelegt war, mitverbrannt. Die Entstehungsursache ist unbekannt; man geht aber wohl nicht mit der Annahme fehl, daß der Brand durch die aussprühenden Funken einer in einem Nach- bargehofte arbeitenden Dreschmaschine entstanden ist. Herr Landrat Tuercke-Rotenburg war bald nach Entstehung der Feuersbrunst auf der Brandstätte anwesend. (H. 2.) „ Hedberg, 7. Septbr. Der Verein Hessische >^o"skonferenz hielt heute in unserer Stadt seine 1 a9rc8ocrf ammlung ab. Nach einer Sitzung des Vorstandes unter dem Vorsitze des Pfarrers i. P. Leidhecker- Frankfurt fand um 10 Uhr in der Burgkirche die Haupt- verf ammlung statt, die durch Ansprache und Gebet des Direktors Professor Dr. Wurster vom Predigerseminar eröffnet wurde. Zwei hervorragende Männer auf dem Gebiete der äußeren Hewenmission hielten Vorträge. Zuerst sprach der Leiter der Rheinischen Mission, Missionsinspektor Hausleiter über das Thema: „Die Mission und der Hereroaufstand", der in sehr
* und ausführlicher Weise die Ursachen der Empörung Der zweite Referent, Missionsinspektor Schreiber aus Bremen sprach über: „Die Stellung der deutschen ^Eregierung zu den Missionsschulen". Die Grundlage
^^ die Missionsschulen, die die Missions- anilalten allenthalben gründen. Dadurch ist auch die Mission < der Kultur. Da die deutsche Kolonialverwaltung , . .'^" sehr wohlwollend gegenübersteht, so hofft man T Errichtung der staatlichen Kolonialschulen auf Wahrung der Rechte der Mission. - Der geplante An- sch uß der Geistlichen der Provinz Rhein- tue Hessische Missionskonferenz kam nicht zu Stande und wurde für nächstes Jahr vertagt Heute abend
8 Uhr fand öffentliche Versammlung im Saalbau statt. Professor Dr. Wurster eröffnete und begrüßte die Konferenz. Der evangel. Kirchenchor trug unter Leitung des Pfarrers Kleeberger vor: „Ehre sei Gott in der Höhe." Missionsinspektor Schreiber, der Leiter der norddeutschen Missionsgesellschaften, schilderte seine „Erfahrungen und Erlebnisse auf einer Inspektionsreise in Deutsch-Togo." In höchst interessanter Weise beschreibt er das religiöse, kirchliche, soziale, wirtschaftliche und intelektuelle Leben der Neger. Danach erfolgten Lichtbildervorführungen über die Mission auf Sumatra und Gesangsvorträge des Kirchenchors. Die Versammlung war von den Bewohnern Friedbergs und vielen Geistlichen stark besucht.
T. Atts dem Kreis Büdingen, 8. Septbr. Se. Majestät der Kaiser hat dem Kammerdirektor Korrel zu Büdingen wegen großer Verdienste um das Kriegervereinswesen den Roten Adler-Orden 4. Klasse verliehen. Kaufmann Söhnge in Ortenburg erhielt wegen der gleichen verdienstvollen Tätigkeit den Kronen-Orden 4. Klasse.
T. Büdingen, 7. Septbr. Die Erbauung unseres neuen Schulhauseß ist dem Privatdozenten Dr. Vetterlein aus Darmstadt übertragen worden. Mit dem Ausschreiben der Arbeiten soll demnächst begonnen werden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf über 170 000 Mk. Im Frühjahr 1907 hofft man den Bau (die Erbauung wurde 1903 beschlossen !) seiner Bestimmung übergeben zu können. — Mit dem Elektrizitätsw erke scheint es gehen zu wollen, wie mit dem Schulhause, schon vor Jahresfrist wurde die Errichtung eines solchen beschlossen, aber bis jetzt hat man sich nicht über die Pllktzfrage einigen können und mehr Licht täte doch unserem Städtchen sehr not.
X Klein-Welzheim, 8. Septbr. Ein Unglücksfall ereignete sich in unserer Nachbargemeinde Groß-Welzheim. Der 13jährige Sohn des dortigen Landwirts Gabriel Kümmel geriet nämlich beim Futterschneiden mit der rechten Hand aus Unachtsamkeit in die Maschinenwalze, welche ihm die Hand total zerquetschte. Im Kreis-Krankenhause zu Seligenstadt mußte zur Amputation der am meisten zerschmetterten Finger geschritten werden.
— Klein-Krostenbnrg, 8. Septbr. Zwischen Frank- furt a. M. und Stuttgart wird gegenwärtig eine neue Fernsprechleitung errichtet. Mit den desfallsigen Arbeiten ist man bereits bis Seligenstadt und Zellhausen vorgedrungen.
C Wallertheim, 8. Septbr. Ueber das Vermögen des unlängst nach Amerika ausgewanderten Schmiedemeisters Jakob Maus dahier wurde das Konkursverfahren eröffnet. Da die hinterlassene Ehefrau mit ihren Kindern sehr gerne das Schicksal ihres Mannes teilen und ihm in die neue Welt folgen wollte, aber nicht über das erforderliche Reisegeld verfügte, leistete ihr der Gläubigerausschuß einen angemessenen Zuschuß, damit sie das Reiseprojekt ausführen könne. Tatsächlich ist die Frau neuerdings mit den Kindern dem Manne und Vater nachgereist.
(?) Dom Mitielmaingebiete, 8. Septbr. Der durch das schauerliche Unwetter von gestern abend verursachte Schaden ist weit bettächtlicher, als sich anfänglich überblicken ließ. Die von Westen fast urplötzlich heranbrausende Windsbraut hinterließ allenthalben in Wald und Flur, in den geschlossenen Ortschaften und im Freien, in den Tälern und auf den Höhen bedeutende Spuren ihrer verheerenden Wirkungen. Die meisten Obstbäume sind vollständig ihrer mitunter sehr reichlichen Fruchtbehänge beraubt, falls sie nicht entwurzelt oder entästet wurden. Besonders hart mitgenommen wurden die Daumpflanzungen an den Staatsstraßen. Telegraphen- und Fernsprech leitunqen wurden zerstört, Neubauten teilweise umgestürzt,' Schornsteine zertrümmert und Dächer abgehoben. In den Weinbergen hauste der orkanartige Sturm in Verbindung mit dem Wolkenbruch artigen Regen furchtbar. Auf den Wiesen wurde das Grummet in wirren Knäueln umhergeschleudert und vielfach weithin fortgetragen. Unseren befiederten Sängern wurde geradezu schauerlich mitgespielt. Allenthalben trifft man Bachstelzen, Finken, Rotschwänzchen und namenlich auch Schwalben zu Dutzenden leblos am Boden liegen. Der Aufenthalt im Freien war überall mit großer Gefahr verbunden.
Offenbach a. M., 8. Septbr. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurde mitgeteilt, daß das Ministerium durch Verfügung vom 24. August dem Stadtverordneten- beschluß, soweit er die Aufhebung des Oktrois auf Fleisch betrifft, die Genehmigung versagt habe. In der Begründung heißt eS: Die Bedenken des Ministeriums wegen der Aufhebung des Oktrois, die es in der Verfügung vom 15. April d. J. geäußert hat, bestehen dermalen noch fort; überdies geht der neue Beschluß noch wesentlich weiter als der damalige und würde den Einnabmeausfall auf rund 130 000
Mark erhöhen. Die voraussichtlich nur vorübergehend Fleischteuerung könnte die dauernde Beseitigung der Verbrauchssteuer nicht rechtfertigen. Zu der durch die Bekanntmachung der Metzgerinnung angeregten Frage des Zusammenhangs der Fleischpreise mit dem Oktroi weist das Ministerium darauf hin, daß der Preis für 1 Pfund Schweinefleisch mit Beilage schon seit Anfang 1904 in Offenbach 90 Pfg. betrug, während er in den gleichfalls Oktroi erhebenden Städten Darmstadt, Gießen, Mainz und Worms zwischen 60 und 80 Pfennigen schwankte und erst in der letzten Zeit die in Offenbach schon seit anderthalb Jahren besteheilde Höhe erreichte.
Cholera.
Danzig 8. Septbr. Wie aus Marienburg gemeldet wird, sind drei neue choleraverdächtige Erkrankungen den Behörden zur Kenntnis gebracht worden. Es handelt sich um eine Frau aus Tessendorf, einen Kutscher und einen Arbeiter aus Marienbnrg, die in die Cholerastation eingeliefert wurden. Sonstige neue Fälle sind im Regierungsbezirk Danzig nicht oorgekommen.
Marienwerder, 8. Septbr. Die „Neuen Westpr. Milt." berichten: Bei dem Fährmann Beier in Kurzebrak ist Cholera amtlich festgestellt. Ein fünfjähriges Kind desselben und eine Fischersfrau Ziemens aus Cesewitz sind heut- an choleraverdächtigen Erscheinungen gestorben.
Marktbericht.
Hanau, 9. Septbr. (Lebensmittelpreise.) Geflügel: Tauben, das Pärchen 70 bis 1,00 Mk.; ein alter Hahn 1,30—1,80 Mk.; ein junger Hahn 70 bis 1,00 Mark; ein Huhn 1,20—1,50 Mk.; eine Ente 1,80—2,50Mk.; eine Gans 3,00—4,50 Mk., Fische: gew. Sorte 30 Pfg., bessere Sorte 3 5 u. 40 Pfg., Aal 90—1,00 Mk., Hecht 1,00 bis 1,20 Mk., Bresem 50—60 Pfg., Barben 50—60 Pfg., Barsch 60—70 Pfg. per ^Kilogramm; Gemüse: Meerettig die Stange 20—30 Pfennig; Blumenkohl, das Stück 20—50 Pfennig, Kopfsalat, Stück 5—10 Pfennig, Endivien, das Stück 10 bis 15 Pfg.; Rettig, das Stück 3—5 Pfg., Ober-Kohlrabi, das Stück 4—6 Pfg.; Wirsing, das Stück 10 bis 20 Pfennig, Weißkraut, Stück 10—40 Pfg.; Rotkraut das Stück 15—40 Pfennig, Sellerie, das Stück 10—15 Pfennig, Gurken, das Stück 3—10 Pfennig, gelbe Rüben, das Bündel 5—8 Pfg.; neue Bohnen, Pfund 20—25 Pfg., Spinat, Pfund 30 Pfg., Kartoffeln, Doppelliter 14-16 Pfg.; Obst: Trauben, Psd. 20—35 Pfg. ; Aepfel, 1 Pfd. 5-15 Pfg., Birnen, Pfd. 10—15 Pfg., Zwetschen, das Hundert 18 bis 22 Pfg., Rüste, das Hundert 1 M., Pfirsiche, Pfd. 50—60 Pfg., Citronen, daS St. 8—10 Pfg.; Paradiesäpfel, Pfd. 12—15 Pfg.; - Verschiedenes: Butter, das Pfund 1,20—1,40 Mark; Käse, 1 Stück 4—6 Pfg.; Eier, Stück 6—9 Pfg.; Zwiebeln, Pfund 8-^10 Pfg.; Radieschen, das Bündel 10 Pfg., Weizenmehl, 1. Sorte 20 Pfennig; 2. Sorte 18 Pfg.; 3. Sorte 16 Pfennig; 4. Sorte 14 Pfennig — ^» Kilogramm.
Hus aller Sielt.
Ein Opfer: Der Berge. Am 26. August hatte her Ingenieur Sauer aus Pforzheim eine Tour auf den Titlis unternommen und war seitdem vermißt worden. Nachdem mehrere Expeditionen ohne Erfolg nach ihm gesucht hatten, wurde wie uns ein Telegramm aus Engelberg (Kanton Unterm alben ob dem Wald) meldet, Sauer, welcher abgestürzt war, am Donnerstag tot am Galttberg, einen zum Titlis gehörigen Gipfel, aufgefunben und zu Tal befördert.
Lebend eingesargt. Nach Hof gelangte die Nachricht, daß eine 26jährige Jungfrau Marie Keilwitz plötzlich in Nürnberg infolge Schlaganfalls verschieden sei. Am nächsten Tage stand im „Hofer Anzeiger": Lieben „Verwanden usw. bringen die freudige Nachricht, daß unsre mit Telegramm von Nürnberg nach erfolgtem Schlaganfall totgesagte innigst geliebte Tochter, Jungfrau Marie Keilwitz, durch Gotte- Gnade dem Leben wiedergeschenkt wurde." Wie der „Sogt!., Anz." berichtet, soll die Jungfrau bereits eingesargt gewesen sein.
Tod dttrch einen Fliegenstich. Ein tragischer Fall trug sich in Leutschau zu. Die Gattin des Klausenburger Professors Böla Pater besuchte vorige Woche ihre in Leutschau wohnende Mutter. Bei einem Ausfluge in den nahen Wald wurde sie von einer Fliege im Gesicht gestochen, doch maß sie anfangs der Sache keine Bedeutnng bei. Als sie aber nach drei Tagm heftige Schmerzen zu fühlen begann, wurde wohl ein Arzt gerufen, es war jedoch schon zu spät. G^ stellte sich eine Blutvergiftung ein, an deren Folgen He unglückliche Frau unter schrecklichen Qualen verschied.