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Die fünf gespaltene PetttzeiK »der der« Äe» t^ Wß» im öreklaweuteil dir £eöt Ä P^
Derautwortl. Redakteur: < G chr»O*r t» Hana»
Nr. 207 N<r,.spr.cha>,schl,.tz N». 605. Mvutllg den 4. September Fernsprechanschlus! Nr. «05. 1905
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Die Einweihung der Vismuecksnule.
Als in den Julilagen des Jahres 1898 Me niederschmetternde Kunde „Unser Bismarck ist aus dieser Welt geschieden" durch die Lande ging, tauchte auch bald darauf überall der Gedanke auf, daß etwas geschehen müsse, daS Andenken des großen Entschlafenen zu ehren. Wer nicht eine einmalige Ehrung gedachte man dem großen Manne zu widmen, nein, so lange daS Werk, das er gebaut, so lange das deutsche Reich besteht, solle auch der Ruhm, der Name deS großen Werkmeisters neben der deutschen Einheit gepriesen werden. Die akademische Jugend, die deutsche Studentenschaft war es, die mit einer zündenden Kundgebung an das deutsche Volk hervortrat, um für den dahingeschiedenen Ml- reichskanzler ein bleibendes, würdiges und volkS- lümliches Wahrzeichen vaterländischen Dankes aufzurichten. In dem erlassenen Ausrufe hieß es: „Wie vor Zeiten die alten Sachsen und Normannen über den Leibern chrer gefallenen Recken schmucklose Felsensäulen auftürmten, deren Spitzen Feuerfanale trugen, so wollen wir unserem Bismarck zu Ehren auf allen Höhen unserer Heimat, von wo der Blick Über die herrlichen deutschen Landeschweift, gewaltige granitene Feuerträger errichten. Ueberall soll, ein Sinnbild der Einheit Deutschlands, das gleiche Zeichen erstehen, in ragender Größe, aber einfach und prunklos, auf massivem Unterbau eine schlichte Säule, nur mit dem Wappen und Wahlspruch
Kommt Ihr iber aut Ost-
deS eisernen Kanzlers geschmückt. Kommt Ihr vom Westen unseres Reiches hinüber zur Ostmark, führt Euch der Weg von der See zu den Alpen — überall wo Deutsche wohnen, werdet Ihr dasselbe Wahrzeichen sehen. Von der Spitze der Bismarcksäulen sollen aus ehernen Feuerbehältern Flammen weithin durch die Nacht leuchten, so oft unser Volk in gemeinsamer Feier seines verklärten Helden gedenkt." Diese Anregung zu der einzig dastehenden Ehrung des Schmieds der deutschen Einheit fiel auf fruchtbaren Boden, machtvoll breitete sich die Propaganda aus, überall bildeten sich Ausschüsse. Auch hier in H a n a u trat bald ein Ausschuß zur Errichtung einer BiSmarcksäule zusammen und bereits am 28. Mai 1900 konnte die Errichtung der Säule festgelegt werden. Es wurden Sammlungen in die Wege geleitet und nach Erledigung der schwierigen Platzstage konnte sich vor Jahresfrist, am 4. Sept. 1904, die Grundsteinlegung vollziehen zu der BiSmarcksäule, die StaR- und Landkreis Hanau gemeinsam zu errichten beschlossen hatten. Der Bau wurde rüstig gefördert und gestern, am 35.
Sedantage, mit festlichem Gepränge eingeweiht. Feucht und kühl brach der Festtag an, nur am Mittag hatte es den Anschein, als wollte die Sonne die düsteren Wolken verdrängen, um der festlichen Sttmmung zu ihrem äußeren Rechte ?a verhelfen. Doch diese Hoffnung war trügerisch, ie dauernde Regenperiode war nur für wenige Stunden unterbrochen worden, scheinbar, um die Vorbereitungen zu dem Festzuge nicht zu stören. Gegen 3 Uhr zog« dichte Menschenmassen nach dem Kurort Wilhelmsbad bezw. dem Stationsgebäude, an dem sich die Ausstellung zu dem Festzuge vollzog. Von allen Seiten rückten die Vereine mit ihren Fahnen, die Schulen mit ihren Zöglingen heran und gegen 4 Uhr konnte sich der imposante Zug, in dem neben der Schuljugend aus Hanau und der Umgegend wohl vierzig Vereine mit ihren Fahnen und vielen Tausenden von Mitgliedern vertreten waren, nach dem Standorte der Bismarcksäule in Bewegung setzen. Es war ein erhebender Anblick, diese Menschenmassen dahinziehen zu sehen, nach einem Denkmal, welches bestimmt ist, Zeugnis abzulegen von dem Geist der Einheit, der opferfreudigen Vaterlandsliebe, die eingepflanzt wurde durch die gewaltigen Taten Bismarcks, dem auch diese Ehrung galt. Auf dem gärtnerisch reizend hergerichteten Standorte der Säule angekommen, trug der aus den hiesigen städtischen Schulen gebildete, unter der Leitung des Lehrers Herrn M i l b a ch stehende, etwa 400 Köpfe zählende Knabenchor die Mèhulsche Hymne „Gebet für das Vaterland" vor. Dann bestieg Herr Gymnasialdirettor Dr. Brau n-Hanau die Rednertribüne, um mit weithin vernehmbarer Stimme die
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SU halten, die nachstehenden Wortlaut hatte:
Hochansehnliche Versammlung!
Morgen ist ein Jahr verflossen, seit wir an dieser Stelle versammelt waren, um feierlich den Grundstein zu legen zu dem Bau, den wir heute einweihen wollen. Als damals aus dem Munde von vielen Hunderten von Knaben das Lied zum Himmel emporstieg, „Der Herr ist unsere Zuversicht und Stärke", da gestalteten sich wohl bei manchem
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die Worte zum stillen Gebete, daß Gott das Werk in gnädigen Schutz nehmen möchte.
Und Gottes Hand hat über dem Bau gewaltet. Ohne Unfall ist er vollendet worden, und heute steht er anspruchslos und einfach und doch im Glanze erhabener Schönheit vor unserem Auge-
Darum erklingt unser erster Dank dem großen Weltenbaumeister, der Bau und Bauleute unter seinen gnädigen Schutz genommen hat: unser Dank erklingt allen denen, die die Anregung zu dem Bau gegeben und die ihn durch Wort und Tat gefördert haben, er gilt den wackeren Meistern, Gesellen, Lehrlingen und Handlangern, die im Frost des Winters, in der Glut des Sommers den spröden Stein behauen und gefügt haben, er gilt nicht zum geringsten dem Künstler, der einen Bau ersonnen hat, der in so klarer Weise dem Gedanken, aus dem er entsprungen ist, Ausdruck verleiht.
Denn dieser Bau soll sein ein Erinnerungszeichen, ein Sinnbild des Mannes, nach dem wir ihn benennen, und zugleich ein Bild seiner größten Schöpfung, des neuen deutschen Reiches,
er soll sein der Ausdruck unseres Dankes.
er soll sein ein Mahner für die kommenden Geschlechter.
Er ist ein Erinnerungszeichen. '
Er ist ein Sinnbild.
Sollen wir ihn eine Säule nennen?
Schon in der heiligen Schrift werden die hervorragendsten Träger hoher Gedanken mit Säulen verglichen. Bismarck ist eine Säule deS deutschen Reiches.
Oder nennen wir ihn einen Turm?
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Zu allen Zeiten haben die Dichter die tapiersten Kämpfer mit Türmen verglichen. Schon Homer nennt den riesigen Ajax einen Turm, und unser deutscher Dichter läßt br~ schwäbischen Ritter zu seinem Sohne sagen:
„Trotze du, ein fester Turm, Der vereinten Feinde Sturm!"
Wenn je einer, so hat DiSmarck wie ein unerschütterlicher Turm dagestanden, an dem sich die Wogen der Revolution wie die Feindschaft der äußerenGegner unseresDaterlandS brechen mußten. Ja, dieser Turm ist ein Bild des gewaltig« Mannes.
Wer der Bau ist auch ein Mbild der größten Schöpfung Bismarcks, des neuen deutsch« Kars» reiches.
Aus einer einzigen GesteinSart hergestellt, steigt er auf breitem, festem Unterbau in die Höh^ bâld gliedert er sich in einzelne Teile, runde und gerade Flächen, die sich fest aneinander anlehnen " " ien, wie die
und sich gegenseitig schützen und stütz, Volksstämme unseres deutschen Vaterlc
ander, und
oben schließen sich die Glieder in einer wuchtigen Kuppelung zu einer mächtigen Einheit zusammen und endigen in einem höchsten Gliede, daS ich der deutschen Kaiserkrone vergleichen möchte, denn wie von dieser höchsten Spitze die Flamme in das Land hinausleuchten sollen, so soll der Glanz des deutschen Kaisertums in alle Welt leuchten.
Und sehen wir uns die Steine dieses Bauer an! Ein ungefüger und rauher Stein ist dieser Basalt, schwer läßt er sich glätten, aber fest ist er, kaum verwittert und zerbröckelt er. Und doch sind diese roh behauenen Steine an ihren Kanten scharf zusammengefugt, ein lebet das Bild einer deutschen Mannes, der wohl seinen ManneStrotz zeigt, aber doch auch wieder willig sich dem Ganzen fügt.
Und ein anderes! Bei aller Regelmäßigkeit der Steine und der einzelnen Lagen sehen wir nirgends eine erzwungene Gleichheit, nein, groß imd klein sind in mannigfachem Wechsel gesetzt, jeder seine Stelle ausfüllend wie groß und Hem hoch und gering in unserem Vaterlands.
Wie sinnig ist es, daß dieser Turm getobt mitten in den Weg hineingepflanzt ist! Er läßt jedem rechts und links die Bahn frei, aber wer ihm nicht auSweicht, der kann sich an ihm den Schädel einrennen.
Ist es nicht ähnlich mit unserem Deutschen Reiche? Es.läßt jedem andern sein Recht, feine eigenen Wege, aber stolz und fest behauptet eS seinen Platz.
Aber dieser Erinnerungsbau, ein Sinnbild Bismarcks und des Deutschen Reiches, soll auch sein der Ausdruck unseres Dankes für dar, was Otto von Bismarck Großes an unserem Volke getan hat.
Daß wir diesen Dank gerade heute barbringen
bei der 35. Wiederkehr des Tages von
seinen ' ist eine glückliche Wahl. Denn wenn die Kaiserproklamation auch auf den 18. Januarfällt, der Gebuttstag des Deutschen Reiches ist doch in dem Herzen eines jeden, der die große Zeit miterlebt hat, der Sedantaa gewesen, denn da wurde der vorher schlummernde Gebanke der Wiederaufrichtung des Deutsch« Kaiserreiches in unzähligen Herzen wach, da begriff ein jeder, daß der verneinenden, vernichtenden Kehrseite, dem Sturze Napoleons und seines Kaiserreichs als bejahende, als schaffende Tat die Auflichtung des Deutschen Kaiserreiches folgen müsse. Darum feiern wir den Sedantag nicht als Schlachttag, auch nicht als Tag des Sieges über unsere Feinde, wir feiern ihn als den Tag, der uns den Morgenschimmer unserer nationalen Einheit brachte, denn auf "dieses Morgenrot mußte ver
Sonnenaufgang folgen.
Was wir dem großen Kanzler zu danken haben, das ist vor Jahresfrist an dieser Stelle so klar aus beredtem Munde ausgeführt worden, daß es überflüssig wäre, eS eingehend zu wiederholen. Ich will nur ganz kurz Hinweisen auf den Gegensatz zwischen der alten Zeit und unserem neuen Reiche, um zu zeigen, daß dieses nicht so sehr eine Umgestaltung als vielmehr eine großartige Neuschöpfung ist.
Zur Zeit, da die Männer, die heute im Greisenalter stehen, .Knaben waren, da fehlte es der deutschen Jugend nicht an Begeisterung, an Tatendrang, an Opfermut für daS Vaterland. Doch in der Nüchternheit und Unzulänglichkeit der damaligen politischen Verhältnisse ging durch die Herzen btt Jugend ein sentimentaler Zug, ein stilles Sehnen, ein Traumen von längstvergangenen goldenen Zeiten, wie sie die Dichter priesen und verherrlichten. Man versenkte sich gern in die geschwundenen Ideale von deS alten Reiches Herrlichkeit.
Wer aufmerksam die Blätter der Weltgeschichte liest, dem wird eS zur Gewißheit, daß jene goldene Zeit niemals existiert hat, daß das Träumen von ihr gleicht dem Träumen von einer fernen, glücklichen Insel, die nur in unserer Einbildung besteht, daß es in unserem Vaterland« niemals eine Zeit gegeben hat, die politisch besser und glücklicher gewesen wäre als unsere gegenwärtige trotz