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Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
verantwort!. R^akteurr G. Schrecker in Hanau.
Nt. 206 ffernsprechanschNitz Nr. 605.
Samstag den 2. September
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F«r»kprechM,schl«ft Nr. 605. 1905
Hus Fjanau Stadt und fand.
Nachdruck unserer Original Artikel ist gemäß § 18 des Urheberrecht- nur mit deutlicher Quellenangabe („Han. Anz.") gestattet.
Hana«, 2. September.
Beim Bismarckturm.
(Zur Einweihung der Bismarcksäule bei WilhelmSbad.)
Zur Rüste geht der frohe Tag.
Nach schwerer Arbeit ruht die schaffensfreudige Hand.
Und während nach des Tages Glut
Des kühlen Windes sanfter Hauch
Durch würzigen Duft den Odem neu belebt,
Die fristen Spuren der Ermüdung tilgt,
Läßt bei dem muntern Spiele der Gedanken
Der greise Kanzler seine Blicke streifen — Fernhin, zum Horizont, der jetzt
Im Strahlendiadem der Sonne glänzt.
Dankbaren S nnes schaut er das erhabene Bild.
Des Lebens Mittag ist für ihn vorüber,
Doch, was er sich als Lebensziel ersehnte,
In mühevoller Arbeit ist's getan.
Nach selbstgewählter Form die spröde Masse bildend, Bald sanft ermahnend, bald auch streng gebietend, Der anderen Kräfte und die eigne tëtaft nicht schonend, Wenn'S jpm Gelingen die Notwendigkeit gebot.
Hat er die Schar der wackren Helfer
Zu regem Eifer bei der Arbeit angespornt,
Zum gläubigen Hoffen ihren Mut gestählt, Wenn manchen wohl der Sorge bange Furcht, Wenn manchen auch der bange Zweifel schreckte, Ob nicht zu weit, nicht zu beschwerlich Der Weg zuck vorgesteckten Ziele sei.
In sich harmonisch, wohlgegliederl, In seinen Teilen festgefügt, in Gröhe einfach, schlicht Ist jetzt des deutschen Reiches Bau errichtet.
Und wie im Glanz der Abendröte Erstrahlt für ihn sein Lebenswerk, So oft der Beifall seines dankerfüllten Volkes, Bald lieblich murmelnd, wie die muntere Quelle, Bald stürmisch brausend, wie das wilde Meer, Bei ihm Erinnerung früherer Zeiten weckt.
So war es einst — nach tatenreichem Leben Ruht jetzt auch er in stillem Waldesfrieden aus. Doch, fein Gedächtnis stets zu ehren, Hat ihm, als Spende dankerfüllten Herzens, Sein Volk in allen Seilen des geeinten Reiches Ein schlichtes, deutsches Denkmal jetzt errichtet, DaS, wie das Werk, das er vollendet, Dem Sturm der Zeiten trotzen, In Flammenschrist den Namen Bismarck künden wird.
* Die Einweihung der Bismarcksä«le in Ver- dindung mit der Sedanfeier wird morgen nach dem vorgesehenen Programm von stch gehen. Sie verspricht ein imposantes Volksfest zu werden, das jedem, der es miterleben durfte, in dauernder Erinnerung sich einprägen wird. Das notwendigste Requisit aber, das die Feier brauchte, wäre sonniges warmes Wetter, das uns der Himmel hoffentlich noch bescheren wird, denn mit ihm kann ein derartiges Fest erst zur vollen Entfaltung kommen. Die Beteiligung wird voraussichtlich von nah und fern eine sehr große werden, was ja glücklicherweise in unserm schönen Wilhelmsbad mit seinen ausgedehnten Anlagen für die Teilnehmer keine Schwierigkeiten bieten wird. Hoffen wir daher auch noch von der Gunst des Wetters das beste.
* Kirchen-Kollekte. Am 3. September wird in den hiesigen Kirchen die Kollekte für die Anstalt Bethel bei Bielefeld abgehalten werden. 145 epileptische Angehörige des Regierungsbezirks Cassel sind im Jahre 1904 in Bethel verpflegt worden, für deren Unterhalt die Anstalt an Selbstkosten die Summe von 63 737 Mk. aufwenden mußte. Die aus unserem Bezirk dorthin gegangenen Einu ahmen an Pflege- und Kollektengeldern betrugen dagegen nur 59 821 Mk., sodaß ein Fehlbetrag von 3 916 Mk. verblieben ist, welcher aus freien Gaben gedeckt werden muß. Die Kollekte wird darum um so mehr den hiesigen evangelischen Gemeinden empfohlen, als Bethel noch mit einer Schuldenlast von P/a Millionen Mark belastet ist.
* Elektrische Straßenbahn. Wir sind in der Lage, "der einen weiteren Fortschritt der Angelegenheit der Er- richtung einer elektrischen Straßenbahn in Hanau berichten zu können. Der Magistrat hat nämlich die Eisenbahnbau- Gesellschaft Becker u. Co., G. m. b. H., in Berlin um Abgabe einer bindenden Offerte für die Uebernahme der Errichtung einer elektrischen Straßenbahn ersucht.
—d. Die Zahl der Blinden «nd Taubstummen in der Provinz Hessen-Nassau. Mit der am 1. De- jember d. J. stattsindenden Volkszählung sollen bekanntlich auch Erhebungen über die Zahl der mit körperlichen Ge
brechen behafteten Personen verbunden sein. Zum Teil haben solche Erhebungen bereits bei der Volkszählung am 1. Dezember 1900 stattgefunden, doch erstreckten sich dieselben nur auf die erblindeten und taubstummen Personen. Nach den hierüber jetzt vorliegenden Mitteilungen des Kaiserl. Gesundheitsamts sind die Ergebnisse der diesbezüglichen Erhebungen, soweit die Provinz Hessen-Nassau in Frage kommt, folgende: Blinde wurden gezählt 620 männliche, 467 weibliche, zusammen 1087. Von ihnen standen im AlterbiS zu 5 Jahren 11 m., 5 w., über 5—10 Jahre 17 m., 10 w., über 10—20 Jahre 59 m., 28 w., über 20—40 Jahre 114 m., 77 w., über 40—60 Jahre 177 m., 117 w., über 60 Jahre 240 m., 228 w. Im Deutsch en Reiche wurden Blinde gezählt 17 818 m., 16 516 w., zusammen 34 334. Taubstumme wurden in der Provinz Hessen-Nassau gezählt 848 männliche, 738 weibliche, zusammen 1586. Von ihnen standen im Alter bis zu 5 Jahren 32 m., 24 w., über 5—10 Jahre 80 m., 77 w., über 10—20 Jahre 160 m., 165 w., über 20—40 Jahre 329 m., 249 w., über 40—60 Jahre 170 m., 148 w., über 60 Jahre 74 m., 71 w. Im Deutschen Reiche wurden Taub st um me gezählt 26 368 m., 22 382 w., zusammen 48 750.
—d. Justiz- «nd Medizinalwesen in der Provinz Heffen-Naffau. Am 1. Januar 1905 betrug im Bezirke des Oberlandsgerichts Frankfurt a. M. die Zahl der Gerichtseinges^ssenen 1 267 532, der Amtsgerichte 51, der Landgerichte 5. Die durchschnittliche Einwohnerzahl eines Amtsgerichtsbezirks stellte sich auf 24 854, die eines Landgerichtsbezirks auf 253 506. Die Zahl der Richter betrug 226, sodaß durchschnittlich auf 1 Richter 5609 Einwohner entfielen. Rechtsanwälte wurden im,Oberlandgerichtsbezirk gezählt 258; es kamen durchschnittlich auf 1 Rechtsanwalt 4913 Einwohner. Im Bezirke des Oberlandtsgerichts Cassel betrug am 1. Januar 1905 die Zahl der Gerichtseingesessenen 898 148, die Zahl der Amtsgerichte 76, der Landgerichte 3. Die durchschnittliche Einwohnerzahl eines Amtsgerichtsbezirks stellte sich auf 11 818, die eines Landgerichtsbezirks auf 299 383. Die Zahl der Richter betrug 157, sodaß durchschnittlich auf 1 Richter 5721 Einwohner entfielen. Rech tsanwälte wurden im Oberlandesgerichtsbezirk 86 gezählt; es kamen durchschnittlich auf 1 Rechtsanwalt 10 444 Einwohner. In der Provinz Hessen-Nassau praktizierten im Jahre 1904 1433 Aerzte und 11 Zahnärzte. Apotheken, einschließlich Filialen, warm 236 verhanden. Auf 1 Arzt kamen 1904 10,26 Quadratkilometer, 1894 15,9 Quadratkilometer. Es kamen auf 1 Arzt Einwohner 1904: 1396, 1894: 1659, auf eine Apotheke 1904: 8478, 1894: 8629.
* Fernsprechverkehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf Bensheim, Fürth (Odenwald), Lindenfels (Odenwald) und in der verkehrsschwachen Zeit auf Lampertheim und Neckarsteinach ausgedehnt worden.
* Manöver der 21. Division. Der nordwestliche Teil unseres Landkreises ist nach neueren Bestimmungen für die Abhaltung eines eintägigen Manövers der 21. Division bestimmt worden. Am 6. Septbr. wird hiernach die 21. Division in dem Gelände, das begrenzt wird von Vilbel, Gronau, Niederdorfelden, Kilianstädten, Mittelbuchen, Hochstadt und Bergen, manöverieren. Der 7. Septbr. ist Ruhetag, am 8. Septbr. findet dann bekanntlich die Kaiserparade statt.
* Städtische Badeanstalt. Im Monat August 1905 wurden an Bädern abgegeben: Kl. I: 52, Kl. 11: 130, ÄL III: 729, Douchebäder 8, Römisch-Irische Bäder 28; zusammm: 947 Bäder. Die größte Zahl der abgegebenen Bäder betrug am 5. August 93, die kleinste Zahl der abgegebenen Bäder betrug am 29. August 8 Bäder.
* Der letzte Veteran in Hanau. (H anau, 1. Sept.) Ein Vierteljahrhundert ist verflossen, seitdem hier der letzte Veteran aus den Freiheitskriegen der Zeitlichkeit entrückt worden ist. Unser kürzlich verstorbener Chronist jperr I. Io b st hat über den Lebensgang dieses braven Mannes folgendes Ehienblatt in seiner geführten Chronik nicdergcschrieben: Heute, Mittwoch den 1. September, verschied zu Kesselstadt der pensionierte Waisenhausbuchhalter Franz L i m b e r t im Alter von 80 Jahren 8 Monaten. Derselbe war am 1. Januar 1800 zu Cassel geboren, trat, von dem Freiheitsdrange der damaligen Zeit beseelt, schon als 14jähriger Knabe in das kurhessische freiwillige Jäger- korps ein, machte in demselben einen Feldzug gegen Frankreich mit, wurde im Jahre 1815 als Fourier in das Regiment „Kronprinz", später 2. Linien-Jnfanterie-Regiment, ausgenommen und nahm an der Belagerung von Sedan teil,
war auch bei Mezieres, Charleville und Givet mit in Aktion Limbert erhielt die Denk- und Ehrenmedaille aus eroberten Geschütz. Später wurde er als Rechnungsführer bei den hiesigen Waisenhaus angestellt und vom Jahre 1839 ab ihn die Buchhalterstelle übertragen, welche er bis zu seiner an 1. Oktober 1868 erfolgten Pensionierung bekleidete. Limbev war der letzte unter der stattlichen Anzahl vor Veteranen, welche s. Z. in Hanau lebten. Am Freitas den 3. September, vormittag 11 Uhr, wurde derselbe von Hause seines Sohnes, Villa Louisita in Kesselstadt, auS, we er in letzter Zeit wohnte, beerdigt. Dem Leichenwagen voraus marschierte eine Abteilung Mannschaften des hier garnisonierenden Füsilier-Bataillons Nr. 80 (daS Bataillon war z. Z. im Manöver), dem schloffen sich eine große Anzahl Leidtragender dem Kondukte an. Der hiesige Krieger? verein war im Trauergefolge seines Ehrenmitgliedes durch den Vorstand vertreten ; eines seiner Mitglieder (Duchdruckerei» besitzer CH. Lechleder) trug im Zuge die Ehrenzeichen und Orden des Verstorbenen auf einem Kissen; überdies ließ der Verein von der hiesigen Zivilkapelle einen Trauermarsch dow Eingänge des Friedhofes bis zum Grabe ausführen und am Grabe selbst einen Choral spielen. Nach der Grabrede wurden von den erwähnten Füsilieren die üblichen drei Ehren- schüffe abgefeuert. Die große Zahl derjenigen, die ihn zur letzten Ruhe nach dem hiesigen Friedhofe geleiteten, zeigte deutlich genug, wie beliebt und geehrt er gewesen war. Sein Andenken wird stets in Hanau ein ehrenhaftes bleiben. R. L P.
* Turnerisches von Bruchköbel. Unter den hiesigen beiden Turnvereinen, Turngesellschaft und Turngemeinde, macht sich gegenwärtig eine lebhafte Bewegung zu Gunsten einer Vereinigung geltend. Im Interesse der Turnsache wäre eine solche Vereinigung, eine Verschmelzung zu einem Vereine, nur zu empfehlen, denn die beiden Turnvereine können vereint viel besser für ihre turnerischen Ideale wirken. Bei größeren Turnfesten sind beide Vereine zu schwach, mit einer leistungsfähigen Mannschaft erfolgreich in die Schranken zu treten, vereint jedoch wäre eine schöne* Riege aufzustellen. Nächstes Jahr findet in Hanau das Kreistnrnfest des Mittelrheinkreises statt, deshalb auf, ihr beiden Turnvereine! Vereinigt euch, damit eine würdige Riege für Bruchköbel in die Bahn tritt, denn großes Werk gedeiht nur durch Einigkeit!
* Oratorienverein. Der Oratorienverein beginnt mit den regelmäßigen Proben, wie aus dem Inserat ersichtlich, nächsten DienStag, am 5. September. Stimmbegabte Damen und Herren, welche dem Verein beizutreten wünschen, werden freundlichst gebeten, sich in den Proben oder bei dem Vorstand anmelden zu wollen. — Der Konzertplan 1905/06 kommt im Laufe nächster Woche zur Veröffentlichung und wollen wir nicht versäumen, jetzt schon darauf hinzuweisen.
* Menzel und die Frankfnrter Menzel-Aus- stellttNg. Ueber dieses Thema sprach gestern abend in der Aula der königlichen Zeichenakademie Herr Dr. Quilling in der ihm eigenen fesselnden und gründlichen Weise. Der beifällig aufgenommene Vortrag wurde durch Lichtbilder ergänzt und erläutert. Auf mehrfachen Wunsch wird der Vortrag am nächsten Dienstag in erweiterter Form wiederholt, sodaß das gesamte Material von 90 Lichtbildern vorgeführt werden kann. Da sich hierdurch die Dauer bei Vortrages auf P/s Stunde erhöht, so tritt nach pünktlichem Beginn, vormittags 10®/* Uhr, etwa um IP/t Uhr eine kurz^ Pause ein, wonach der Vortrag bis 121/* Uhr zu Ende geführt wird. Karten zu Mk. 1.— sind in den Hofbuchhandlungen zu haben. Die gesternt nicht benutzten Karten behalten für Dienstag ihre Gültigkeit.
* Silberne Hochzeit feiert morgen Herr Buchhändler Gustav Barth mann und Frau.
* Silberkurs. Nach den Vereinbarungen des Verbandes der Silberwarenfabrikanten Deutschlands beträgt für alle vom 1. bis 10. September eingehenden Aufträge der Preis für das k? 0,800 Silber 72 Mark.
* Sehenswürdigkeiten. „Museum der Wettrrmn- schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis ‘/»l Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet. — „Museum des Hanauer GeschichtSvereinS* (Altstädter Rathaus, eine Stiege hoch): (Geöffnet an Sonn- und Festtagen vormittags von 11—12ft» Uhr. Kinder unter 12 Jahren haben keinen Zutritt.
* Das Hahnenkammhans ist täglich geöffnet.
Wettspiel. Der erste Hanauer Fußballklub 1898 e. V. eröffnet Sonntag den 3. September die diesjährige Spielsaison mit Wettspielen seiner ersten und zweiten Mannschaft gegen die gleichen Mannschaften des Darmstadt« F.-Cl. „Olympia". Die Spiele beginnen um 3 Uhr auf dem Sportplatz des 1. Hanauer Fußballklubs an der schönen