Zweites Blatt.
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Viaichâhrkch 1,80 M., monatlich 60 ^, M ii* Märtig« toonnniten mit dem betretenden PostaufjchUig, DU einzelne Nummer tostet 10 Pfg.
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Gedruckt und verlegt in der Vuchdruckerei der verein, es. WaijmhaujeS in Hanau,
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
verantwort!. Redakteur: G. Schreck«« tu Hanau,
9?L 205 Uernsprechanschlutz Nr. 605.
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PoliMcke Rundschau.
Z«r silbernen Hochzeit des Kaiserpaares beabsichtigt der deutsche Kriegerbund eine Stiftung für die weitere Fortbildung der Zöglinge der vier Kriegerwaisen- häuser nach ihrer Entlassung zu begründen. Der Vorstand deS Bundes ersucht daher die Zweigvereine, zu diesem Zwecke Sammlungen zu veranstalten. Die Stiftung soll den Namen Kaiser- und Kaiserinspende tragen.
Die englische Flotte in der Ostsee. Dem englischen Vizekonsul Rose ging vom Höchstkommandierenden der englischen Kanalflotte Admiral Wilson nachfolgendes Schreiben zu: Ich bitte Sie, den Herren Landrat von Bötticher, Bürgermeister von Grätzel, Stadtverordnetenvorsteher Schiemann und alle Magistratsmitglieder und Stadtverordneten, sowie dem Kommandanten meinen aufrichtigen Dank zu übermitteln für die herzliche Bewillkommnung und Gastfreundschaft, welche den Offizieren und Mannschaften der Kanalflotte während des Aufenthaltes in Ihrem Hafen erwiesen wurde, und wollen Sie selbst meinen Dank für die große Unterstützung, die Sie mir haben angedeihen lassen, entgegennehmen." — Aus Swinemünde, 81. August, wird gemeldet: Trotz des starken Seeganges, der nur unmerklich nachließ, begannen die englischen Torpedoboote und Kohlenschiffe in den Vormittagsstunden den Hafen in langsamer Folge zu verlaffen, um sich mit den auf hoher See verankerten Schlachtschiffen zu vereinigen. Um 2 Uhr ging die unter dem Befehl des Admirals Winsloe stehende Torpedobootszerstörer- flottille mit dem Admiralschiff, Kreuzer „Saphir", und zwei Kohlenschiffen nach Flensburg in See. Kurz nach 3 Uhr lichtete auch die gesamte übrige Flotte die Anker und dampfte nach Neufahrwasser ab. Die Abfahrt vollzog sich bei schönstem Wetter, wenn auch hohem Seegang.
Der Ausstand in Deutsch-Südwestafrika. Mit den Woermann - Dampfern „Eduard Woermann" und „Alexandra Woermann" geht von Hamburg aus ein Truppen- und Pferdetransport, bestehend auS 70 Offizieren, Sanitätsoffizieren und Beamten, 750 Mann und 500 Pferden nach Deutsch-Südwestafrika ab. Die Verabschiedung erfolgte gestern mittag in üblicher Weise durch den Platzkommandanten General von Versen. Die Schiffe verließen gestern nachmittag 3 Uhr 30 Min. den Hafen. — Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am 24. August wurden im Gefechte bei Gorab in dm Zarisbergen verwundet: Reiter Wilhelm Kriews, ge- borm zu Großbeukenhagen, früher Kürassierregiment Nr. 2, leicht, Lendenbruch; Reiter Friedrich Uhlenhake, geboren zu Soest, früher Infanterieregiment Nr. 73, leicht, Fleischschuß im linken Unterarm. — Ferner Reiter Heinrich Steiner, geboren zu Coburg, früher Feldartillerieregiment Nr. 55, am 27. August tm Lazarett Windhuk an Typhus gestorben.
Feuilleton.
Bernhard Thiersch.
Der Dichter des Preußenliedes.
Ein Gedenkblatt zu seinem 50 jähr. Todestage am 1. September 1905.
Don Fr. B amb e rg kNogâsen).
Eine alte Dankesschuld soll jetzt Bernhard Thiersch, dem Dichter der preußischen Nationalhymne, abgetragen werden. Da das Lied Millionen treuer Preußen draußen im Felde im Wetter der Schlachten und daheim im Frieden bei froher Feier vaterländischer Ehrentage mit den edelsten Empfindungen für König * und Vaterland und mit dem stolzen Bewußtsein der Zugehörigkeit zu einem der ruhmreichsten Staaten der Welt erfüllt hat, so geziemt es sich wohl, seine- 50jährigen Todestages dankbar zu gedenken.
Bernhard Thiersch wurde am 26. August 1793 als der fünfte Sohn eines Landwirtes zu Kirchscheidungen geboren. Durch Vermittelung seines ältesten Bruders Friedrich, der Gymnasiallehrer in Göttingen war, erhielt er eine Freistelle in der alten Klosterschule Pforta, und die liebliche Umgebung der Thüringer Berge mag nicht wenig dazu beigetragen habm, in dem Jünglinge das dichterische Talent zu wecken und zu fördern. Nach wohlbestandenem Abiturientenexamen studierte er zu Göttingen, Leipzig und Halle Philologie. Seine erste Anstellung erhielt er 1816 in Gumbinnen und lauter in Lyk. Von dort folgte er 1823 einer Berufung ”a$ Halberstadt, wo er zum Geburtstage des Königs, am August 1830, für eine Harmoniegesellschaft der Stadt eine Hymne dichtete, die eine Bedeutung gewinnen sollte, wie \ einem Liede zuteil geworden ist. Es begann mit den Worten: „Ich bin ein Preuße, kennt ihr meine Farben."
Wie der Dichter selbst berichtet, wurde das Lied zum erstenmal nach der Melodie „Wo Mut und Kratt in deutscher
Oeqen die Sosdatenmisihandlitnqen. Daß der preußische Kriegsminister von Einem nach wie vor bestrebt ist, den Soldatenmißhandlungen nach Möglichkeit zu begegnen, beweist ein Beiehl, den er an sämtliche Regiments-Kommandeure der Armee erlassen hat, und welcher lautet: „Infolge der zahlreichen Fälle von Soldatenmißhandlungen und vorschriftswidriger Behandlung Untergebener durch Vorgesetzte, die in letzterzeit in unliebsamer Weise die Ocffentlichkeit beschäftigen, bringe ich den Herren Regiments-Kommandeuren meine Verfügung vom 1. Januar d. J. nachdrücklichst in Erinnerung. Im besonderen ist den Mannschaften der einzelnen Truppen-Verbände die strenge Weisung zu erteilen, jede Mißhandlung ^on feiten eines Vorgesetzten auf dem vorgeschriebenen Wege sofort zur Anzeige zu bringen, denn nur mit Hilfe der Mannschaften kann diesen Mißständen gesteuert werden." Die in Erinnerung gebrachte Verfügung des Ministers enthält die Bestimmung, daß die Vorgesetzten den Mannschaften überhaupt nicht zu nahe kommen dürfen, ihre Befehle und Weisungen vielmehr auS einer Entfernung von drei Schritt zu geben haben. •
Die Auslösung der schwedisch-norwegischen Union. Die schwedischen und die norwegischen Delegierten hatten gestern in Karlstad die erste Zusammenkunft. Nach Schluß der Sitzung, um 3 Ubr nachmittags, überreichte der schwedische Delegationssekretär der Presse folgende Mitteilung: „Nachdem die Delegationen Grüße gewechselt hatten, wurde bestimmt, daß jede De'egation für sich einen Vorsitzenden wählen soll. Die schwedische Delegation wählte Lundeberg, die norwegische Michelsen zum Vorsitzenden. Darauf wurde ein Uebereinfommen geschloffen, wonach jeder Vorsitzende abwechselnd einen Tag als solcher tätig sein solle. Auf Vorschlag der norwegischen Delegatton präsidierte in der heutigen Sitzung der Schwede. In der heutigen Sitzung wurde ferner beschlossen, zwei Sitzungen täglich abzuhalten, deren Abmachungen bis auf weiteres geheimgehalten werden sollen. Die nächste Sitzung wurde auf morgen 11 Uhr festgesetzt." Auf dem Platz vor dem SitzungSgebäude, der Freimaurerloge, hatte sich eine große Menschenmenge versammelt.
Englische Arbeiter über deutsche Zustände. Drei Arbeiter aus Birmingham hatten eine Studienreise nach Deutschland unternommen; sie teilten ihre Eindrücke jetzt in einer kleinen Schritt mit, die einer von ihnen M. I. Davis, Schriftführer deS Gewerkvereins der Messingarbeiter, verfaßt hat. Den Reisenden fiel, nach der „Köln. Ztg.", die Ordnung und Reinlichkeit auf, die in Berlin herrscht, daS muntere Wesen der dortigen Arbeiter, die vorzüglichen Schulen und das gute Aussehen der Ki.nder. Ein Vergleich zwischen einer Volksschule in Berlin und einer in Birmingham fällt entschieden zu Gunsten der Berliner aus, sowohl wegen des
Seele flammen" von einer Baritoustimme vorgetragen und erntete stürmischen Beifall. Eine eigene Komposition versuchte zuerst Greulich, die jedoch bald durch die Neilhardtsche, die wir heute noch singen, verdrängt wurde. Das Lied galt zunächst als Sologesang. AlS solcher wurde eS nach einigen Jahren zum erstenmal in Potsdam bei einem Hofkonzette von dem Königlichen Hofopernsänger Zschiesche gesungen. Beim Vorttag der ersten Strophe trat der König mit seiner Tochter Charlotte in eine Seitenloge, mochte er nun glauben, daß eS sich um eine Lobhudelei handelte, oder mochte daS Lied ihm als ein „politisches" erscheinen. Als jedoch die erste Strophe verklungen war, trat der König wieder vor, und als die letzte Strophe verklungen war, da stimmte er begeistert in den rauschenden Beifallssturm ein. Der Sänger wurde veranlaßt, daS Lied zum zweitenmal vorzutragen; ja man verlangte sogar eine brüte Wiederholung. Auf die Erklärung Zschiesche-, daß er seine ganze Stimme aufs Spiel setzen würde, wurde ihm seitens de« Intendanten die Ant- wott: „Sollten Sie Ihre Stimme verlieren, so erhalten Sie Ihr volles Gehalt als Pension."
Solchen Erfolg hatte das Lied vor dem Preußenkönige, und nicht weniger begeistert war die Aufnahme beim Preußenvolk e. Bei jeder Gelegenheit wurde es gesungen, so daß es der Berliner Witz bald das „zweite Gericht bei jedem Feste" nannte.
Aber wie das Lied auf der einen Seite unvergleichlichen Beifall fand, wie es in den folgenden Jahren des Revo- luttonSsturmes für unzählige ein Halt wurde, so fanden sich auch bald Neider, denen es Veranlassung zu absprechender Kritik gab. Zu diesen gehörte auch Hoffmann von Fallersleben. Mit Rücksicht darauf, daß der Text ursprünglich nur für einen Solovortrag mit begleitenden Brummstimmen be- sttmmt war, spottete er:
»3$ bin ein Preuße" singt nur einer, Die andern aber brummen drein.
Darauf entgegnete Thiersch treffend:
Unterrichts selbst wie wegen deS Aussehens der Kinder und der gesundheitlichen Maßregeln. „Wir sahen keine ungenügend genährten und ärmlich gemietheten Kinder, weder auf den Straßen no'ch in den Schulen", heißt eS: „Die Kinder bedürftiger Eltern erhalten Kleider und Schuhe von der städtischen Armenverwaltung oder Privatvereinen." Es wird dann hervorgehoben, daß in Birmingham bei einer Bevölkerung von 525 000 Seelen nur ein Arzt und eine Frau für den Gesundheitsdienst in sämtlichen Schulen angestellt sind, während Berlin mit annähernd 2 Millionen Einwohnern 30 amtliche Schulärzte zählt, deren jeder sieben Schulen zu besuchen hat. Mit Beziehung auf ihre eigene Deschâfttgung bedauern die Reisenden, daß in Birmingham so wenig Gelegenheit gegeben ist, die künstlerische Seite dabei zu pflegen. Sie sprechen sich weiter dahin aus, daß die Wehrpflicht durchaus kein ungemischtes Uebel sei, indem das eine feststehe, daß der militärische Dienst gute Folgen für die körperliche Verfassung habe. Die jungen Leute würden schon in der Familie besser besorgt und erzogen, die Schule und daS Heer täten das übrige. Deshalb könne man ihnen als Männern eine Freiheit lassen, mit der die Birminghamer Jugend von Kindheit an verdorben wird. Mehrfach kommt der Bericht auf die Achtung der Kinder vor den Eltern und die Macht der Familienbande in Deutschland zu sprechen. Es wird auch erwähnt, daß der Ehemann seine Frau mitnimmt, um seine Vergnügungen zu teilen. Die Kochkunst der deutschen Frauen wird gerühmt. Dann wird bemerkt, obschon gewiffe Lebensmittel in Deutschland entschieden teurer sind als in England, seien die deutschen Arbeiter bester genährt alS die englischen. — Diese Ausführungen können den Anhängern der Sozialdemokratte aufs neue klarmachen, daß es mit ihrer „Verelendungstheorie" nichts ist.
Der Aiisstllild in Deutsch-Ostafrila.
Die ersten brieflichen Nachrichten über die Empörung der Eingeborenen in den Matumbi-Bergen sind jetzt in der Heimat eingetroffen. Sie bringen interessante Einzelheiten über das rasche Fortschreiten des Aufstandes und über seine ebenso rasch gelungene vorläufige Unterdrückung. Die gestern erschienene Nummer des Deutschen Offizierblattes veröffent- licht einen aus K i l w a, 6. August, datierten Brief an ein« Hamburger Firma, dem wir die folgenden Mitteilungen entnehmen :
Am 30. Juli, vormittags um halb 12 Uhr, wurde hier bekannt, daß die Matumbi-Leute ihren Akiden bedroht und einen Mann desselben verwundet hätten; ferner hätten sie alle Baumwollfelder vernichtet und den Ansiedler Hopfer eingeschlosten. Sie wären dazu durch einen Zauberer aufgewiegelt worden, von dem man in Kilwa schon seit acht Tagen sprach. Dieser sagte auch in Mohorro u^p
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„Was ich vor langer Zeit gefangen, 3m kleinen Kreis, der mich verstand. Das flog, kaum hat el aulaeHungen, Mit eignen Schwingen hin ins Land. Und lo erklang's, wo Preußen wohnen, vom Sternen bis zum Vater Rhein, Und fangen es schon Millionen, So kann da« Lied kein Solo sein."
Und in der Tat wurde die Atte bald zu einem Massen» gesange, der die tiefsten Tiefen des patriotischen EmpfindenS in der Volksseele erregte imb die nachhaltigste Begeisterung für König und Vaterland zurückließ.
Der Sänger aber, der 1855 als Gymnasialdirektor in Dortmund starb, der die schlichte und doch sö unvergleichlich« Größe deS Preußentums so oft unS hat tief in das Herz eindringen lasten, der uns so manche Stunde der Begeisterung und Erhebung schenkte, er verdient es wohl, daß ihm ein würdiger Gedenkstein in seinem HeimatSorte an seinem 50jährigen Todestage (1. September) errichtet wird.
Das Denkmal, ein aus Lichtenberger Granit angefertigter» 4,5 m hoher Obelisk, trägt vorn die Inschrift: „Dem Dichter deS Preußenliedes Bernhard Thiersch"; darüber wird das Medaillon des Dichters angebracht, oben auf der Spitze aber ragt der preußische Adler empor. Auf der Rückseite sollen die wichtigsten Angaben über den Dichter und sein Lied sich befinden. Der DenkmalSplatz, der zu einem Hügel erhöht und von herrlichen Obstbäumen umrahmt ist, liegt etwa 100 Schritte vom Geburtshause entfernt. An dem Hause, daS an der Stelle des Geburtshauses 1872 neu angeführt ist, soll eine Gedenktafel angebracht werden, bil bekunden soll, daß hier der Gelehrte und Staatsmann Friedrich Thiersch, sowie sein Bruder, der Dichter des Preußenliedes, Bernhard Thiersch, geboren wurden.
Möge das preußische Volk allezeit seines DernhaH Thiersch gedenken und sich durch sein unvergleichliches Aei zu Liebe und Treue gegen Fürst und Vaterland begeistern lasten l