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Geruckt und verlegt m der Buchdruckerei bei verein, ev. DaifenhaufeS in Hanau.

General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.

tkturülkuugSgebühr»

Die fünf gespaltene Petttzeile oder beten Naum 16 Vf fr» im SreklameuteU bie Zeile 85 Pfg.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

verantwort!. Nedakteu,: 6. Schrecker in Hanau.

Nr. 193 Fernspr«chanschl«tz Nr. 605.

Freitag den 18. August

Fernsprechanschlutz Nr. 605. 1905

Hierzu Amtliche Beilage Nr. 13."

Eandkreis F)anau. Bek«mtiil«Ailgeil des Königlichen Landrntsanits.

F e st g e st e l l t: Die Rotlaufseuche in der Gemeinde Wolferborn, Kreis Gelnhausen.

Erloschen: Die Rotlaufseuche in der Gemeinde Leisenwald, Kreis Gelnhausen.

Tesundcne und verlorene Gegenstände re.

Gefunden: 1 wollene Pferdedecke mit gelben Streifen, t Päckchen mit weißer Spitze, einer Schildkrottspange und 4 gelben Sicherheitsnadeln, 1 gelber Damengürtel mit Melall­schnalle, 1 Brille, 2 weiße Taschentücher (das eine gez. A. B., das andere F. v. W.)

V erloren: 1 grauer leinener Geldbeutel mit 100 Mk., 1 Paar schwarze Damen-Glacehandschuhe, 1 Goldstoffgürtel mit Goldschnalle.

Hanau den 18. August 1905.

Hus F)anau Stadt und Eand.

Hanau, 18. August.

* Bom ehemaligen kurfürstlichen Hofe. In Schwerin ist, wie von dort gemeldet wird, die Gräfin A u gu st e v o n H e s s e n st e i n , 84 Jahre alt, gestorben. Die Gräfin war eine Enkelin des Kurfürsten Wilhelm I. von Heffen, dessen Verbindung mit der Reichsgräfin Caroline von Schlotheim 1790 bis 1805 fünf Kinder entsprossen waren. Caroline von Schlotheim, welcher Oesterreich 1811 den Namen einer Gräfin von Hessenstein verliehen hatte, starb erst 1847, eine Greisin von 80 Jahren, der sich viel­leicht noch mancher alter Casseler entsinnt. Der älteste ihrer Söhne, Graf Wilhelm von Hessenstein leitete erst als Ober- hofmarschall die Verwaltung des Hofes des Kurfürsten Wil­helm H. und ging dann in den diplomaüschen Dienst Mecklen­burg-Schwerins. Lange vertrat er Mecklenburg als Gesandter in Berlin. Seiner Ehe mit der Gräfin Angelika von der Osten-Sacken entsproß nur eine Tochter- die jetzt dahin­geschiedene Gräfin Auguste Hessenstein, und somit ist mit ihrem Tode sein Stamm nunmehr erloschen. Die Nach­kommen des zweiten Sohnes des Kurfürsten Wilhelm I. und der Caroline von Schlotheim, des 1836 jung gestorbenen Grafen Louis Hessenstein, kurhessischen Schloßhauptmanns, sind dagegen noch ziemlich zahlreich und zu ihnen gehört u.a.

Feuilleton.

Ein Sonntag-Nachmittags-Aiisflug nach Bad Nanhcivl und Friedberg.

Jetzt, da alle Welt Sonntags hinaus will, sich an den Schönheiten der Natur zu erfreuen und neue Stärkung zu holen für die kommende arbeitsreiche Woche, da wollte der Oratorienverein nicht zurückbleiben. Begünstigt vom schönsten Wetter führte er seinen auch hier bereits angekündigten Familienausflug nach Bad Nauheim und Friedberg am ver­gangenen Sonntag aus. War die Zahl der Teilnehmer auch nicht so stark wie man erwartet hatte und wie es bei der Stärke des Vereins wünschenswert erschienen wäre, so war es doch eine stattliche Schar, die sich kurz nach 1 Uhr nach­mittags am Nordbahnhofe zusammenfand.

Nach der Ankunft in Bad Nauheim wurde zunächst der Kurpark besichtigt, den man durch die rechts und links mit herrlichem Villenschmuck ausgestattete Bahnhofstraße schon nach wenigen Minuten erreichte. Der Park bot mit seinen schönen Anlagen, unter denen prachtvolle Baumgruppen und Sträucher auffielen, einen herrlichen Anblick. Unter schattigen Bäumen war dem müden Wanderer Gelegenheit gegeben, ein wenig zu rasten und sich in Muße der Schönheiten des Parks zu erfreuen. Der Weg führte uns zunächst zu den drei Sprudeln, die täglich etwa 2 500 000 Liter Solwasser

aus denen sich pro Tag 67000 Bäder bereiten lassen. Ihnen verdankt das Bad in erster Linie die Be- deutung, die es heute unter den Bädern von Weltruf einnimmt. Von den Sprudeln ging es gerade aus über die Brücke der fast ausgetrockneten Ufa. An ihrem rechten Ufer bachaufwärts me:chte man bald den kleinen, dann den großen Teich. Der Blick von dem Ufer auf den diesen Teichumkränzenden" Wald, das Teichhaus, die beiden Inseln, die sich munter tummelnden Schwäne, Enten und Fische, die sich lustig wiegenden Gondeln, alles dies bot dem Auge ein berücken­des schönes Bild und entlockte manchen Ausruf der Be-

die Gemahlin des bekannten Gelehrten Dr. Karl von Wesen- donck Frau Eveline von Wesendonck, geborene Gräfin von Hessenstein, eine Urenkelin des Kurfürsten und eine der schönsten Frauen der Berliner Hofgesellschaft durch ihren Gatten die Schwiegertochter Mathilde Wesendoncks, der hochherzigen Freundin Richard Wagners.

* Die Einteilung der Trichinenschaubezirke des Landkreises Hanau ist aus der heutigenAmtlichen Bei­lage" zu ersehen. Wir machen hierauf besonders aufmerksam.

Silberne Hochzeit feiern heute in Wilhelmsbad der Landtagsabgeordnete, Hauptmann der Landwehr und Vor­sitzender des Kreiskriegerverbandes Hanau, Herr E. Jung- h e n n und Frau Lina geb. Heintz. Aus diesem Anlaß brachte die Ulanen-Kapelle unter Leitung des Herrn Mustkdir. Urbach heute morgen dem Jubelpaar ein Ständchen dar. Für den Hanauer Kriegerverein, dessen Ehrenvorsitzender der Herr Jubilar ist, gratulierte Herr Hauptmann a. D. von Buttlar.

* Gasexplosion. Ein Kaufmann in der Nürnberger­straße bemerkte gestern abend in seiner Wohnung einen starken Gasgeruch. Als er beim Ableuchten der Leitung nichts fand, begab er sich in den Keller und stellte sich auf einen Stuhl, um die an der Decke liegende Leitung abzuleuchten. Kaum hatte er das Zündholz angesteckt, als auch schon ein Knall ertönte und der Kaufmann vom Stuhl herunterflog. Jeden­falls war durch die in der Straße vorgenommenen Erd­arbeiten unbemerkt ein Gasrohr defekt geworden, wodurch Gas entwich, das sich dann dem Rohr entlang in den Keller des Kaufmanns einen Weg gesucht hatte und hier beim Ent­zünden des Streichholzes explodierte.

* Neues Sommertheater Franz Merker. Heute Freitag abend hat Herr Merker seinen Benefiz- und Ehrenabend. Zur Aufführung gelangt das 4aftige Schau­spiel von SkowronnekI m F o r st h a u s e". In den Haupt­rollen find beschäftigt die Damen: Hansen, Dellmar, Frendies und Best sowie die Herren: Merker, Geist- hövel, Bern st ein, Erdmann, Grüning und Ranninger. Der Vorverkauf der Billete ist bis 6 Uhr abends im Zigarrengeschäft von Herrn Kollmann, Hammerstraße.

* KonzerthausGermania". Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, tritt von heute ab im Konzerthaus Germania" die Bittl'sche Virtuosengesellschaft, genannt die Altmühltaler", auf. Die Mitglieder der Gesellschaft leisten, wie aus den uns vorliegenden Zeitungsberichten hervorgeht, im Gesang wie in Musik nur Vorzügliches. Ueberall wird ihr Auftreten mit großem Erfolg begleitet.

* Nnfug. An der Marienkirche wurde gestern abend der Gelegenheitsarbeiter W., als er sich einer Uebertretung

wunderung. Insbesondere verfehlte der Anblick seine Wirkung nicht auf die anwesenden Damen, die gern am nahen Teichhause sich niedergelassen und sich an dem Tun und Treiben an und auf dem See am liebsten beteiligt hätten. Das Programm ließ jedoch einen längeren Aufenthalt am Teiche nicht zu und weiter gings mit der Hoffnung auch hier ein ander Mal länger verweilen zu können. Das nahe­gelegene Kurhaus mit seiner umfangreichen Terrasse hinter­ließ einen imposanten Eindruck. Durch die Viktoriastraße an der englischen Kirche vottiber führte der Weg eine kurze Strecke durch Felder, immer sanft emporsteigend. Hier hatte man eine freie weite Ausschau auch nach dem Vogelsberg bin und ein angenehm wehendes Lüftchen ließ die frei auf die Wanderer einwirkenden heißen Sonnenstrahlen weniger empfinden. Bald nahm uns der Wald wieder auf und ein schattiger Pfad ließ uns nach etwa einer viertel Stunde die Johannisberg-Restauration gewinnen. Hier erwartete uns eine sauber gedeckte Tafel, an der wir Ruhe und Erholung von dem fast 1'/-stündigen Marsche fanden. Vorzüglicher Kaffee und Kuchen wurden zu mäßigen Preisen hier ge­boten. War der Horizont auch nicht klar, so bot der reizvolle Blick auf den nahen Badeort auf Fttedberg und die fruchtbare Wetterau viel Interessantes und entrang dem Bewunderer des vor ihm sich ausbrei­tende Panoramas wohl auch den Ausruf: Solch einen Berg mit solch' einem Ausblick müßten wir bei unserm lieben Hanau haben." Nicht allzulange durften wir hier verweilen. Die schnell rollende Zeit mahnte zum Aufbruch. Der nahe Aussichtsturm lud zunächst noch zum Besuche ein. Die geringe Mühe des Aufstiegs zu ihm wurde durch die schöne nach allen Seiten, weit in die Ferne offene Aussicht reichlich belohnt.

Der Abstieg erfolgte vom Restaurant aus auf einem Wege, der zwar nichtkurgemäß" war, aber schnell hinab ins Tal führte. An der Parkstraße erreichte man wieder den Badeort. Diese Sttaße ist wegen des äußerst lebhaften Ver­kehrs und der auf der einen Seite befindlichen, zum Teil pompösen Gebäude und des auf der anderen Seite an­stoßenden Kurparkes wohl die interessanteste und bevor­zugteste. Bei der Kaufhalle verließen wir sie und gelangten

der gegebenen Vorschriften schuldig machte, von einem Schutz­mann angehalten und nach dem Namen gestagt. Der Be­amte erhielt nicht nur auf seine Frage einen falschen Namen, sondern mußte sich auch noch eines tätlichen Angriffs er­wehren. In der Glockenstraße skandaliette gestern abend ein Diamantschleifer, bedrohte die Leute und renommierte mit der Macht der Presse, die ihm zur Verfügung stände. Zu seinem Glücke beruhigte er sich später.

* Luftballon-Jubiläum. Käthchen Paulus, die wir schon so manchesmal in der verschiedensten Weise vom Zoologischen Garten in Frankfurt aus in die Lüfte steigen sahen, feiert am kommenden Sonntag ihre d r e i- hundertste Auffahrt. Die Direktion des Zoologischen Gartens wird diesen zweitletzten 50 Pfennig-Tag in diesem Jahr benutzen, um nochmals dem schaulustigen Publikum den eigenartigen und in gewissem Grad auf­regenden Anblick zu bereiten. Als scheinbares Fahrzeug wird Fräulein Paulus diesmal ein Fahrrad verwenden, das für die Luftfahrt mit Flügeln aus gestattet ist, deren Drehungen die Vorwärtsbewegung andeuten, besonders aber auf du Fahrttchtung ihr eine Einwirkung möglich machen sollen.

* Mainwafferwärme gestern abend 18 Grad.

*

Jg. Grotz-Auheim, 17* Aug. (Gerettet.) Vom sicheren Tode des Ertrinkens rettete am verfloffenen Diens­tag aus dem Main der auf dem Eisenwerk Marienhütte beschäfttgte 19 Jahre alte Karl Joseph Franz den 10jährigen Sohn des Werkmeistergehilfen S i l b e r e r auf der Königl. Pulverfabttk. Franz, der vom Baden nach Hause gehen wollte, Hötte auf einmal den Knaben Silberer laut um Hilfe schreien. Sofort endledigte sich Franz seiner Kleider, sprang in den Main und packte den schon mit dem Tode Ringenden am Kopfe und brachte ihn dann mit eigener Lebensgefahr ans Land. Mehrere ältere Leute, die dem Rettungswerk von der Kl.-Auheimer Brücke aus zusahen bewunderten die Ent­schlossenheit des 19jährigen Franz, wie er den Knaben vom sicheren Tode des Ertrinkens rettete.

0 Langenselbold, 17.August. (W a n d erv ersamm- l u n $.) Am Sonntag den 20. d. Mts. findet beim Wirt Heinrich Hamburger die Wanderversammlung des Bienenzucht-VereinsSomborn und Umgegend" statt, wozu auch die Bienenzüchter von Langenselbold und Umgebung freundlichst eingeladen werden; auch Mchtbienenzüchler dürfen sich an der Versammlung beteiligen.

Bergen, 16. August. (B e l e i d i g u n g s p r o z e ß.) Die sozialdemokratischeVolksstimme" war vor einiger Zeit wegen eines den Schulrektor Leuttner dahier beleidigenden Ar­tikels zu 250 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. Der Artikel kam in der damaligen öffentlichen Sitzung der Strafkammer vollständig zur Verlesung, woraus dieVolksstimme" für sich das Recht herleitete, den Artikel noch einmal abzudrucken. Ein Satz, den das Gericht als besonders beleidigend für Leutmer ettlärt hatte, war in gespertter Schttft wiederge­geben. Wegen dieses Wiederabdrucks wurde heute der Ver­

an der im Bau begriffenen evangelischen Kirche oorübe durch die ebenfalls durch Prachtbauten ausgezeichnete Kur- straße zu den Tttnkbrunnen, die von schönen Anlagen um­geben sind. Wir gingen an dem Postgebäude und an der neuen katholischen Kirche vorüber und betraten sodann den Promenadenweg auf Fttedberg zu. Vor dem etwa 10 Min. entfernten Gradierwerke lud der Ludwigsbrunnen mit seinem kohlensäure- und eisenhaltigen Wasser zu einem labenden Trunke ein. Da die Temperatur des munter sprudelnden Brunnens 10* C. ist, so ist ein mäßiger Genuß dieses Wassers unbedenklich. Jenseits des Gradierwerkes führte der Promenadenweg durch Felder und Auen. Bei munterem Geplauder verging die Zeit schnell und man erreichte bald das am Fuße des Friedberger Burgberges idyllisch gelegene Wirtshauszum kühlen Grunde". Wir stiegen sogleich den Schloßberg hinan. Die alte Burg mit ihren vielen Türmery dem schönen Burggarten und den altertümlichen Toren ge­währte einen hübschen malerischen Anblick. Wir wanderten nun in die Stadt hinein und kamen an der Burgkirche, dem Ritter Georg-Brunnen und dem Großherzoglichen Schlosse vottiber. Weiter sahen wir das Seminar und das Peter Müller-Denkmal, um dann hinter der Wache durch einen Torbogen die Kaiserstraße zu Betreten. Die Kaiserstraße führt diesen Namen nach einer Gedenktafel amRalhause zur Ettnne- rung an den am 1. Sept. 1874 erfolgten Einzug Kaiser Wilhelm I. in die Stadt Fttedberg. Sie ist die Hauptstraße der Stadt und durch ihre große Breite vorteilhaft ausge­zeichnet. Zu den Sehenswürdigkeiten Fttedbergs zählt in erster Linie die gothische ehemals katholische Kirche, deren Bestckttgung einen besonderen Genuß gewähtte. Sie ist im Aeußeren und Inneren gleich reichlich schön und erst vor wenigen Jahren gründlich renoviert worden. Hervorzuheben sind die herrlichen bunt gemalten Fenster, von denen eines Se. Majestät gestiftet hat, und der als Sakristei, sowie als Stand für den Kirchenchor dienende Raum, welcher von dem Hauptschiff durch zwei große Türen und einen diesen umschließenden Stand für den Lektor vollständig abgeschlossen ist. Die Wirkung der Gesänge des sonach verdeckt stehenden Kirchenchores soll eine ganz ergreifende sein. Bemerkenswett ist noch der durch ein Gitter abgeschlossene enge Raum