Erstes Blatt
Bezugspreis:
/vierteljährlich 1,80 Mk^ monatlich 60 Pfg., für aut» »ärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. X)i« einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Gerockt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. WatjeuhaujeS in Hanau.
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Mt- und Landkreis Hanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nurückungsgedühr l
Die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 1- M, im Reklamenteil die Zeile 35 Pfg.
Verantwort!. RHalteur: G. Schrecker in Hanau,
Mk. 169 Fernsprechanschlusi Nr. 605.
Freitag den 21. Juli Fernsprechanschltttz Nr. 665. 1905
--- ■ - ■ - .. ■ - ■ -
Amtliches.
^tadt- und Eandkreis Fjanau.
5s ist die Wahrnehmung gemacht, daß unter dem Namen „Sterilisol" ein Konservierungsmittel mit dem ausdrücklichen Hinweis in den Handel gebracht wird, daß es unbeanstandet Verwendung finden könne und in gesundheitlicher Beziehung völlig einwandsfrei sei. Demgegenüber ist durch die im chemischen Laboratorium des Kaiserlichen Gesundheitsamtes auSgeführten Untersuchungen festgestellt, daß Proben des Pr^arats etwa 2*/s °/o Formaldehyd enthalten haben. Nach einem von dem Minister der Medizinal-Angelegenheiten erforderten Gutachten der Königlichen Wissenschaftlichen Deputatton für das Medizinalwesen sind aber das Formalin sowohl wie alle Zubereitungen, welche diesen Stoff enthalten, als gesundheitlich bedenkliche Konservierungsmittel für Nah- rungS- und Genußmittel anzusehen. Bei der gewerbsmäßigen Zubereitung von Fleisch ist ferner die Verwendung von Formaldehyd auf Grund des § 21 des Fleischbeschaugesetzes lant Bekanntmachung des Herrn Reichskanzlers vom 18. Februar 1902 (R.-G.-Bl. 48) ausdrücklich verboten.
Um der Gefahr entgegenzutreten, daß das Sterilisol eine der öffentlichen Gesundheit nicht zuträgliche Verwendung findet, wird auf die mehrfach erfolgte Feststellung nicht einwandsfreier Zusammensetzung des „Sterilisols" hiermit aufmerksam gemacht.
Hanau den 19. Juli 1905.
Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.
P5785 I. V.: v. Schlieben, Reg.-Assessor.
Im Anschluß an den im Hanauer Anzeiger vom 12. Mai d. I. — Nr. 111 — im redaktionellen Teil aufgenommenen Erlaß der Herren Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten und der Landwirtschaft, Domänen und Forsten betr. die Herstellung von Büchsengemüsen bringe ich rur Behebung hervorgetretener Zweifel zur Kenntnis,
1) daß eine Erhitzung auf 100° für die Dauer von 10 Minuten sich als geeignet erwiesen hat, die schädlichen Keime und ihre Sporen in Nährflüssigkeiten abzutöten, 2) daß der Inhalt von Büchsen, die bei der Oeffnung einen verdächtigen Geruch erkennen lassen, im Haushalte unter keinen Umständen Verwendung finden darf. Hanau den 19. Juli 1905.
Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.
P 5823 I. V.: v. Schlieben, Reg.-Assessor.
Eandkreis Fjanau. .
SekmtmchiMN des Königlichen L«ndratsn«ts.
Unter dem Schweinebestande des Domänenpächters Schwarz zu Kinzigheimerhof ist die Schweinesettche festgestellt. Die Gehöftsperre ist angeordnet worden.
Hanau den 21. Juli 1905.
Der Königliche Landrat.
V 4721 J. A.: Conrad, Kreissekretär.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Hanau belegene, im Grundbuche von da Band 49 Blatt Nr. 2917 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Schreiners Julius Körner in Hanau eingetragene Grundstück:
Nr. 237 Kirchgasse Nr 23,
a) Wohnhaus mit Anhang rechts (A) und Seitenbau links (B) nebst Hofraum und Hausgarten — 4 ar 61 qm — 1500 Mk. Nutzungswert,
b) 2ter Seitenbau links (C)
— 480 Mk. Nutzungswert — c) Hintergebäude, Querbau (D)
— 150 Mk. Nutzungswert —
d) III. Settenbau links (R)
— 36 Mk. Nutzungswert — am 15. September 1905, vormittags 10 Uhr, ^rch das unterzeichnete Gericht, an der Gerichtsstelle, Zimmer Nr. 14, versteigert werden.
Hanau den 30. Juni 1905.
— Königliches Amtsgericht 2. 14055
Stadtkreis Fjanau.
Am Samstag den 22. Juli d. I., vormittags von 9 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des
Gewerbegerichts statt, in welcher Parteien etwaige Streitigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können. Hanau den 20. Juli 1905.
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
J. V.: B o h n ö. 14053
Städtische AMsmmttelnnMtâ
Langstraße Nr. 41.
Kostenfreie Arbeitsvermittelung werktäglich vorm. 8*/^—121/» Uhr, nachm. 3—6 Uhr.
Städtisches Arbeitsamt,
Rathaus Zimmer Nr. 12. Kostenfreie Auskunft in Sachen der sozialen Gesetzgebung (Unfall-, Invaliden-, Kranken- usw. Gesetze.) Hanau am 6. Juli 1905.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 2293
Königliche Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau.
Wir bringen hiermit zur Kenntnis, daß an der hiesigen Lehranstalt
1) ein Obstverwertungskursus für Männer in der Zeit vom 21. bis 26. August d. I.,
2) ein Obstverwertungskursus für Frauen in der Zeit vom 28. August bis 2. September d. Js. abgehalten wird. Die Kurse beginnen jedesmal an den zuerstgenannten Tagen vormittags 9^Uhr. Der Unterricht wird theorettsch und praktisch erteilt, sodaß die Teilnehmer Gelegenheit haben, die verschiedenen Verwertungsmethoden einzuüben.
Der Unterricht umfaßt: Obstweinbereitung und Behandlung desselben im Keller, Bereitung von Essig, Branntwein und Beerenwein; Schaumweinbereitung, Untersuchung des Mostes auf Zucker und Säure. — Bereitung von Gelee, Marmelade und Herstellen von Konserven und Obstsäften, Dörren des Kern- und Steinobstes und des Gemüses. — Obsternte. Aufbewahrung und Verpackung des frischen Obstes.
Das Honorar beträgt 6 Mk., für Nichtpreußen 9 Mk. — Unterkunft für die Frauen besorgt die Direktion, an welche auch die Anmeldungen zu den Kursen 'bis spätestens 14 Tage vor Beginn derselben zu richten sind.
Geisenheim a. Rhein den 3. Juli 1905.
Der Direktor ,
Prof. Dr. Wortmann.
Gefundene nnd verlorene Gegenstände rc.
Liegen geblieben in einem hiesigen Geschäft 1 Mark.
Verloren: 1 Paar blau und weiß karrierte Sommerpferdedecken.
Hanau den 21. Juli 1905.
Hus Fjanau Stadt und Eand.
Hanau, 21. Juli.
* Polizeiirrspektor Friedrich Feger t» Nach kurzem Krankenlager wurde gestern mittag der Kgl. Polizeiinspektor Herr Friedrich Feger durch den Tod abberufen. Mit ihm ist ein Beamter aus dem Leben geschieden, der es in hohem Maße verstanden hatte, in treuer gewissenhafter Pflichterfüllung sich die Achtung und Wertschätzung seiner Vorgesetzten, die ungeteilte Sympathie aller jener Kreise zu erwerben, die mit ihm dienstlich und außerdienstlich in Berührung kamen. Noch nicht 54 Jahre alt, wurde er ins Jenseits abgerufen. Geboren am 11. Dezember 1851 zu Falkenstein i. T., wurde er nach Ableistung seiner 12jährigen Dienstzeit bei der Gendarmerie in Fulda stationiert, kam dann als Assistent zur dorttgen Polizeidirektion und wurde 1889 nach Hanau als Polizeikommissar versetzt. In Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm am 21. Februar 1902, nach 13jähriger Tätigkeit als Kommissar, der Charakter als Polizeiinspektor verliehen. Neben der Erfüllung seiner Amtspflichten widmete er sich auch gemeinnützigen Bestrebungen, u. a. verliert der Tierschutzverein in ihm ein geschätztes Vorstandsmitglied. Mit Rat und. Tat jedermann gern zugänglich, abhold jeder Schroffheit im Verkeh^ vertraut mit der Eigenart unserer Bevölkerung, hat er sich hier in den Herzen der Einwohnerschaft ein dauerndes Denkmal gesetzt, sodaß sein Andenken stets in Ehren bleiben wird. Er ruhe sanft l
* befördert. UnterarztEhringh aus beim Ulanen- regtment Nr. 6 wurde zum Assistenzarzt befördert.
* Einquartierung. Am 27. ds. Mts. wird unsere Stadt größere Einquartierung von Darmstädter Dragonern, die nach der Senne marschieren, erhalten. Die Einquartierung wird sich, da viele Pferde unterzubringen sind, auch auf Kesselstadt und event. Dörnigheim erstrecken.
* Klub „Amieitia". Das bereits früher erwähnte Gartenfest des Klubs „Amieitia" findet am nächsten Sonntag im Gasthaus „zum Elephanten" statt. In dem musikalischen Teil des Programms wird u. a. ein Teil der Ulanenkapelle mitwirken, außerdem wird das Hanauer Sängerquartett durch den Vortrag hübscher Chöre die Festlichkett verschönern.
* Konzeptgarten Bürgerbräu. Das wegen Uni gunst der Witterung am Dienstag ausgefallene Konzert mit Schlachtenmusik und Illumination findet nunmehr, wie schon erwähnt, heute abend statt und dürfte sich ein Besuch desselben empfehlen.
* Für Musikfreunde. Seit einigen Tagen ist in dem Gasthaus zur „Stadt Bremen" ein Kunstwerk auf dem Gebiete der automatischen Musik ausgestellt. Der rührige Gastwirt Herr Carl Matthäus hat die gewiß bedeutenden Kosten nicht gescheut, seinen Gästen damit das Neueste zur Unterhaltung zu bieten. „Polyphon Rossini", ein Saiteninstrument, nicht zu verwechseln mit den orgelähnlichen Musikautomaten, muß selbst dem verwöhntesten Musikkenner Beifall abgewinnen. Die Vortragsweise ist geradezu verblüffend in der Technik, voll Sttmmung und wirklich tiefem künstlerischen Empfinden. Von der ergreifenden, hinreißenden Operntondichtung bis zur prickelnden neckischen Brettlmusik „arbeitet" das Instrument so exakt, daß man vergessen kann, mechanische Vorträge zu hören.
* Neues Sommertheater — Franz Merker. Der für heute auf Becks Felsenkeller geplante „Bunte-Abend" verspricht ganz besonders interessant zu werden, wie wir aus dem unS vorliegenden Spielplan ersehen. Daß Herr Merker nicht nur über ausgezeichnete Schauspielkräfte, sondern auch über ganz hervorragende Gesangskräfte verfügt, ist gelegentlich der Besprechung des 1. Bunten Abends einwandsftet von den Kritikern unserer Zeitungen lobend anerkannt worden. Sicher werden auch die Leistungen unseres Sommer- theaters ein zahlreiches Publikum zum Zeugen haben, umsomehr, da auch bet nicht ganz einwandsfreiem Wetter der Aufenthalt auf Becks Felsenkeller, gegenüber anderen Sommeretablissements, ein angenehmer ist, da der Zuschauerraum unseres Sommettheaters vollständig geschützt gegen irgendwelche Witterungseinflüsse liegt. — Wir wünschen Herrn Merker auch heute abend ein ausverkaustes Haus, besonders auch deshalb, weil er auf Wunsch vieler Theaterbesucher den Bunten Abend auf Freitag verlegt und denselben hervorragend künstlerisch ausgestattet hat.
* Konzerthaus „Germania". Das gegenwärtig unter reichem Beifall im Konzetthaus „Germania" auftretende Wiener Damenorchester „Apollo" gastiert nur noch kurze Zeit. Die schmucke Kapelle ist in ihrem Zusammenspiel ausgezeichnet, auch die jeweiligen Programms sind gediegen und mit gutem Geschmack zusammengestellt. Ein Besuch des beliebten Konzert-Etablissements kann daher jedermann empfohlen werden.
* Jubiläum. Am Mittwoch den 19. d. Mts. feierte Herr Karl Schwuchow bei der Firma Weinig & Sohn sein 26jähriges Arbeitsjubiläum. Reich bedacht von feiten ' der Prinzipale, der Arbeiter, Lehrlinge und Bekannten konnte der Jubilar das schöne Fest im Kreise seiner Fannlre feiern. , ,
* Ausflug. Am Sonntag den 23. d. M. veranstaltet der Vergnügungsverein „Germania" einen Ausflug ins Gasthaus zum Schwanen in Kesselstadt. Für Tanz und Unterhaltung ist bestens gesorgt, zumal Herr Müller, welcher ja allerseits bestens bekannt ist, den humoristischen Teck übernommen hat. , , , . ...
* Vom SPcflart-Touristen-Berein erfahren wir für die zweitägige Tour am 23. und 24. d. M. das folgende Programm ftir seine Wanderung:
Samstag den 22. Juli:
Nachmittags 4 Uhr 19 Minuten Abfahrt Hanau-Ost, Ankunft in Neustadt 7 Uhr 4 Minuten. Um 8 Uhr Be- sichtigung einer großen Weinkellerei in Neustadt. Ueber» nachten im Lamm.
Sonntag den 23. Juli:
Neustadt, Königsmühle, Nollenberg, Ober- und Mittel- Hambach, Ruine Maxburg (Hambacher Schloß), St. Martin mit Ruine Kropfsburg, Werderplatz mit Sieges- und FriedenS- denkmal, Waldhaus, Ludwigshöhe und Ruine Rietburg, Weyer und Ludwigsturm, Burrweiler, Gleiswei ier, Oren- fels, Albersweiler und per Bahn nach Annweiler (Ueber» nachten).
Montag den 24. Juli:
Von Annweiler nach Ruine Trifels, Ruine AneboS, Ruine Scharfenberg, Ruine Madenberg, alsdann über die Kaiserbacher Mühle, Kreis-Jrren-Anstalt, Magdalenenhof