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General-Anzeiger
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EHrrrckt und verlegt in der Buchdrucker«! de» verein, ev.
Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stabt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. verantwort!. Redakteur r ®. Schreck" in Hu.au.
Nr. 167 F«,nspr-cha»schl«tz Nr. 605.
Mittwoch den 19. Juli
Fernsprechanschlutz Nr. 605.
1905
Amtliches.
Stadtkreis F)anau.
Behufs Neudeckung wird die Neue Anlage zwischen Bebraer Bahnhofstraße und Nürnbergertor vom 19. d. M. bis 2. k. Mts. für den öffentlichen Fuhrverkehr gesperrt.
Hanau den 18. Juli 1905.
Königliche Polizei-Direktion.
Festgestellt: Die Rotlaufseuche in Frankfurt a. M., Offenbacherlandstraße. Der Rauschbrand bei einer Kuh in Wirtheim und die Schweineseuche in Breitenborn, beide Orte im Kreise Gelnhausen.
Hanau den 19. Juli 1905.
Hus Hanau Stadt und Tand.
Hanau, 19. Juli.
* Borfechterschule des 2. Bezirks vom Mittelrhein- Turnkreis. Unter dem Bezirks-Fechtwart Bleeker aus Frankfurt traten am letzten Sonntag 42 Fechtwarte und Vorfechter in der Turnhalle der Turngemeinde Bürgel zusammen. Dieselben vertraten folgende Vereine: Turnverein, Turngemeinde und Turn- und Fechtklub Frankfurt, Turnverein „Vorwärts" Bockenheim, Turngemeinde Darmstadt, Turngemeinde Worms, Turnverein Offenbach, Turn- und Fechtklub Hanau, Turnverein Fechenheim, Turngemeinde Bürgel und Turngemeinde Bornheim. Zweck der Veranstaltung war, neben praktischen Uebungen, Beratung zu halten über die künftige Handhabung des Fechtens bei Deutschen Turnfesten. Da die Fechtkunst in keinem anderen Turnkreise derartig entwickelt ist, wie im Mittelrheinkreis, und da der Ausschuß der deutschen Turnerschaft, wie aud) der letzte Deutsche Turnlag die Genehmigung eines Wettfechtens im Rahmen eines Deutschen Turnfechtens beschlossen hat, so fällt dem Mittelrheinkreis die Aufgabe zu, hierfür Vorschläge zu bringen. Diese Arbeit dürfte mm nächsten Deutschen Turntag 1907 in Worms den Abgeordneten vorgelegt werden können und beim nächsten Deutschen Turnfest 1908 in Frankfurt zum ersten Male zur praktischen Durchführung kommen. Man einigte sich auf folgenden Vorschlag: 1. Art: Florett und deutscher Säbel in fester Mensur; 2. Art: Florett und leichter Säbel, beide in loser Mensur. Diese Handhabung hat sich auch bei den letzten Kreisturnfesten bewähtt. Auch die prak- ttschen Vorführungen am letzten Sonntag trugen beiden Fechtatten Rechnung. Der Bezirks-Fechtwatt nahm zunächst ein Stoßfechten und ein Säbelfechten in fester Mensur nach der alten mittelrheinischen Ordnung vor, dann traten unter den Fechtwarten, beziehungsweise Vorfechtern Graf, Stresow aus Frankfurt, Otth und Zimmermann aus Offenbach, die italienischen Fechtmeistern unterstehen, die Teilnehmer in Riegen zum Fechten in loser Mensur an. Ein schönes Kür- fechten schloß den prattischen Teil der Veranstaltung. (Frkf. N.)
* 70. Geburtstag. Unser in allen Kreisen beliebter Mitbürger, Herr Hofuhrmacher August Elsaß wird morgen den 20. Juli 70 Jahre alt.
* Konzertgarten Bürgerbräu. Da das Wetter gestern nachmittag zu einem regnerischen umschlug, mußte das angesagte große Konzert leider abgesagt werden. Dasselbe findet bei günstiger Witterung nunmehr am nächsten Freitag statt, was noch besonders bekannt gemacht wird.
** Fahrraddieb. Gestern abend hatte ein Arbeiter von auswärts sein neues Fahrrad in der Altstadt an ein Haus gestellt. Ein anderer Radler, der auf ziemlich schäbigem, verrosteten Stahlrößlein daherkam, glaubte die Gelegenheit zu einem vorteilhaften Tausch wahrnehmen zu sollen, schwang sich auf das neue Vehikel und flog davon. Er wurde aber sofort von Radfahrern sowie dem Besitzer des Rades oer» folgt und da ihm der Weg verlegt war, warf er das Rad weg und wollte sich per Pedes salvieren. Auch das gelang chm nicht und bald hatte ihn die rächende Nemesis erreicht. Der dreiste Dieb, der auch das vertauschte alte Rad in Frankfurt a. M. gestohlen hatte, bezog hierauf unter dem Gefolge einer großen Menge Freiquattier im Polizeigefängnis.
* Kerb. Die Veranstaltungen der 1. Hanauer Karnevalgesellschaft erfreuen sich im Publikum einer besonderen Beliebtheit, dieselben bieten immer etwas Neues und haben daher stets einen großen Zuspruch. Wir können auch jetzt schon versichern, daß das diesjährige Sommerfest, welches in Gestalt einer echten Kerb am nächsten Sonntag den 23. Juli in sämtlichen Räumen des Deutschen Hauses stattfindet, noch alle seithettgen Sommerfeste übertreffen wird. Der schöne schattige Garten mit- Glashalle des Deutschen Hauses bietet einen angenehmen Aufenthalt und Schutz gegen die Sonnen- Ittahlen, woselbst bei Konzett der Kapelle des Thür. Ulanen« Regiments und Vergnügungen aller Arten für das Amüsement des Publikums groß und klein aufs beste Sorge getragen ist. U. a. findet ein großes Preiskegeln für Damen und Herren statt, wozu ausgewählte Preise zur Verfügung net>en. Das Kasperltheater in den bewährten Händen ihres e trogen Direktors bringt nur neue Glanznummern, u. a. eine große Pantomime „Le Raseur de Toulon". Ein Karussell
für unsere Kleinen fehlt auch nicht. Das erstklassige Panoptikum des Herrn Prof. Mazzi, in welchem nur die neuesten Sensationen ausgestellt sind, ist der Besichtigung nur zu empfehlen. Etwas ganz neues für hier zeigt uns der berühmte Hungerkünstler Socca, derselbe wird am Samstag abend im Beisein der Honorationen in einen Glaskasten eingeschlossen und wird uns am Sonntag eine Probe seiner Hungerexpettmente geben. Eine echte 'Bauernschänke mit Bratwurströsterei wird im großen Restaurationslokale einge- richtet und wird hier bei Konzert einer Bauernkapelle und Absingen origineller Chorlieder keine Langeweile aufkommen lassen. Für allerlei Kinderspiele rc. ist auch bestens gesorgt. Schließlich wird die Jugend auch noch durch ein Tänzchen auf ihre Rechnung kommen. Der rühttge Gastwirt Herr Ulfamer hat sich für das leibliche Wohl seiner Gäste aufs beste vorgesehen, auch gelangt ein prima Glas Kanzlerbräu zum Ausschank. Drum auf zur Kerb am nächsten Sonntag l
* Fussballklub Viktoria 1894, Am Sonntag den 23.
Juli veranstaltet vorgenannter Klub im Etablissement Bürgerbräu sein diesjähriges Gartenfest. Das Komitee wird bemüht sein, die Besucher durch Gefang, Preisschießen, Tambola, Kinderspiele, Tanz und sonstige Unterhaltungen zufrieden zu stellen. Auch wird der prächtige Garten des Etablissements den Besuchern Veranlassung geben, einige gemütliche Stunden dann zu verleben. Bemerkt fei noch, daß die Musik von der gesamten Kapelle der Großauheimer Feuerwehr (ca. 25 Mann) ausgeführt wird, welche noch anläßlich ihres letzten Konzerts in diesem Garten in guter Erinnerung sein dürfte. Im übrigen verweisen wir auf das Inserat im heutigen Blatte.
* Neues Sommertheater — Franz Merker. Heute abend 8 Uhr findet das Gastspiel des ersten Helden und Liebhabers Herrn Montz Geisthövel vom Stadttheater in Essen in dem Lustspiel „Der Herr Senator" in unserem Sommertheater statt und wollen wir nochmals empfehlend darauf hinweisen. Herr Geisthövel erfreut sich eines vorzüglichen künstlerischen Renommees und hofft Herr Merker durch derattige Gastspiele und streng künstlerijche Vorstellungen unser Sommertheater siegreich auf eine achtunggebietende Höhe zu führen, und auch den Teil unseres theaterliebenden Publikums zum Besuch seiner Aufführungen zu veranlassen, der dem neuen Unternehmen des Herrn Merker vielleicht noch skeptisch gegenübersteht. Der Vorverkauf ist bis 6 Uhr abends im Zigarrengeschäft Kollmann, Hammerstraße.
* Stenographentafl in Marburg. Der hessisch- nassauische (Main-Rheingau)-Verband Gabelsberger, der zurzeit 81 Vereine mit gegen 3400 Mitgliedern zählt, tagte am, vergangenen Sonntag in Marburg. Unter dem Vorsitze des Herrn Realschuldirektors Dr. Pitz aus Alsfeld wurde morgens von 91/» Uhr bis nach IP/2 Uhr im Museum die Vertreterversammlung abgehalten. In derselben wurden Fragen über innere Einrichtungen des erst kürzlich durch Verschmelzung vergrößerten Verbandes und besonders über die Ausbildung der Stenographielehrer erörtert. Mittags um 12 Uhr begann die Festsitzung, an welcher sich gegen 200 Stenographen beteiligten. Zu derselben hatten sich von den Herren des Ehrenausschusses u. a. Vizebürgermeister Siebert, Beigeordneter Schimpff, der Rektor der Universität und der Bataillonskommandeur von Müller eingefunden. Nach den üblichen Begrüßungen hielt Herr Professor Dr. Larfeld von Remscheid den Festvortrag über „Partikularismus und Einheitsbestrebungen auf stenographischem Gebiete". Redner führte aus, daß die partikularistisch veranlagten Deutschen es wohl auf polittschem und wirtschaftlichem Gebiete zu einer Einigung gebracht hätten, nicht aber auf dem der Stenographie. Während England und Amerika längst eine einheitliche Kurzschrift besitzen, gibt es in Deutschland noch eine ganze Reihe nach der Herrschaft ringenden Systeme, die jedoch alle bis auf das Gabelsbergersche und Stolze-Schreysche bei dem Wettbewerbe ausscheiden. Wann aber zwischen den beiden letztgenannten Schulen eine Verschmelzung sich vollzieht, läßt sich nach den bis jetzt gemachten Erfahrungen mit Bestimmtheit nicht Voraussagen. Die Statistik zeigst jedoch, daß das Gabelsbergersche System im Norden und selbst in Preußen mehr vordringt als das Stolze-Schreysche im Süden, so daß hoffentlich vielleicht schon nach einigen Jahren auch auf dem Gebiete der Stenographie wir uns eines geeinigten deutschen Vaterlandes erfreuen dürfen. — Von den Ergebnissen des Wettschreibens konnte das von der Aufnahme des Fcstvortrages noch im Laufe des Tages bekannt gegeben werden. Es erhielt den ersten Preis Herr Raspe-Bockenhenu, den zweiten Fräulein Engels-Frankfurt a. M.
)!( Fechenheim, 19. Juli. (Eingabe.) Der hiesige nationalliberale Verein wird demnächst dahier eine Umgabe an die Königs. Eisenbahndirektion in Umlauf setzen, laut welcher um Einlage zweier neuer Züge gebeten wird und zwar eines solchen um 10,30 vorm. ab Mainknr und 4 Uhr
nachm. ab Frankfurt. Die Eingabe soll auch in Bergen- Enkheim zirkulieren. Hoffentlich findet diese Unters stiften genug, um einem längst empfundenen Bedürfnis'einer besserer Zugverbindung endlich abzuhelfen.
)!( Bischofsheim, 19. Juli. (Rascher Tod.) Der 64 Jahre alte Hutmacher O. Müller von hier hatte sich, um den Zug zur Arbeitsstelle in Frankfurt noch rechtzeitig zu erreichen, sehr beeilt. Kaum hatte er, völlig echauffiert, im Wagen Platz genommen, als er von einem Schlaganfall betroffen wurde. Auf Station Mainkur, wo man ihn aus dem Wagen nehmen mußte, starb er bald darauf. Die Leiche wurde einstweilen nach dem Fechenheimer Friedhof verbracht.
):( Langendiebach, 18. Juli. (Kornernte.) Die Kornernte ist jetzt in hiesiger Gemarkung in vollem Gange, und verspricht dieselbe sowohl hinsichtlich des Stromes als auch der Körner einen guten Ertrag.
)( Niederissigheim, 18. Juli. (F e u e r.) Vorgestern brach auf dem Bederaum des dem Schuhmacher Ftttz Hemmecker gehörenden Wohnhauses Feuer aus, das den Dachstuhl stark beschädigte. Für etwa 2000 Mk. Schuh- rvaren sind mitverbrannt. Das Feuer brach in der Nähe des Schornsteins aus.
st. Windecken, 19. Juli. (Verunglückt.) Einem gräßlichen Unglück ist gestern der Ende der 30er Jahre stehende verheiratete Landwirst August Heil von hier zum Opfer gefallen. H. war in der Nähe des sog. Junkernwaldes mit dem Abmähen von Frucht beschäftigt, kam aber dabei so unglücklich an das Messer der Mähmaschine, daß ihm beide Füße oberhalb des Knöchels fast gänzlich durchgeschnitten wurden. Ein des Weges kommender hiesiger Einwohner fand den Bedauemswerten, bei dem noch zwei Jungen waren, die iwtbürftig die Wunden zugebunden hatten und veranlaßte seine Ueberbringung nach Hause. Nach Anlegung eines Notverbandes wurde der Verunglückte in das Landkrankenhaus nach Hanau verbracht.
):( Kochstadt, 18. Juli. (Gemeinsame Spritzenprobe). In Hochstadt fand unter Leitung des Bezirksbrandmelsters Köhler in Bergen eine gemeinsame Spritzenprobe der Feuerwehren von Bergen, Enkheim, Fechenheim, Hochstadt, und Bischofsheim statt.
* Maiuwafserwärme gestern abend 19 Grad.
, Gerichtsfaal.
Sitzung ver Strafkammer vom 17. Juli. Eine „dunkle" Begegnung.
Am Abend des 9. Januar ging der Lehrer H. zu Bleichenbach mit seiner Frau und deren Freundin von Gotthards, wo sie einen Besuch gemacht hatten, nach Bleichenbach zurück. Auf dem Weg zwischen Gotthards und Hofaschenbach begegneten ihnen drei singende Leute, von denen einer ganz nahe an die Frauen herankam, um ihnen ins Gesicht zu sehen. Der Lehrer machte mit dem Stock eine abwehrende Bewegung, wodurch er, wie er zugibt, den allzu Neugierigen getroffen haben kann. Die drei Burschen hielten nun den Lehrer fest, zerrten ihn eine Weile hin und her und einer von ihnen, der Joseph I., stieß ihm mit der eisernen Spitze seines Stockes in den Rücken, daß der Ueberzieher ein Loch erhielt. So hatte sich der Sachverhalt vor dem Schöffengericht zu Hünfeld ergeben, das die ganze Geschichte für einen recht rohen Exzeß hieli und die beiden Gebrüder Wilhelm und Hugo I. zu je zwei Wochen, ihren Vetter, den Joseph I., zu 1 Monat Gefängnis verurteilte. Hiergegen legte der Staatsanwalt wegen zu niedriger, die Angeklagten wegen zu hoher Strafe Berufung ein. Vor der Strafkammer stellt sich der Sachverhalt in einem für die Angeklagten bedeutend günstigeren Lichte dar. Es war sehr dunkel an dem Abend und die drei Burschen sahen den Lehrer und seine Begleitung erst, als sie ganz dicht vor ihm waren. Dies erweckte bei ihm den Glauben, die drei seien absichtlich so nahe an die Frauen hingetreten und er hielt eine Abwehr für notwendig. Dom Verteidiger wird ganz richtig darauf hingewiesen, daß der Lehrer dm Berg herunter kam, also von der Bergwand beschattet wurde und von den Entgegenkommenden nicht, oder doch nur sehr schwer zu sehen war, während die letzteren auf flachem Boden gingen und sich ihre Konturen so deutlicher abhoben, also viel besser geseben werden konnten. Die Angeklagten behaupten, sie hätten keinerlei böse Absicht verfolgt. Sie hätten nur wegen des Schlags den Namen des Mannes feststellen wollen, die ganze Sache sei ihnen sehr unangenehm gewesen, als sie bemerkten, daß es der Lehrer war, der ihnen noch dazu Gesangsunterricht erteilt. Der Josef I. will sich an dem Zerren überhaupt nicht beteiligt haben. Er hätte plötzlich bemerkt, daß es der Lehrer war und habe den andem ein Zeichm geben wollen, daß sie aufhörten, dabei habe er in der Dunkelheit den Lehrer gestoßen. Der Angeklagte will beim Fott- gehen noch gesagt haben, „nichts für ungut" und der Zeuge bestätigt ihm, daß er etwas murmelte, das wie eine Entschuldigung klang. Der Staatsanwalt zieht hierauf seme