Erstes Blott-
Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Psg„ für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Posiauffchlag. Die «mzelne Nummer kostet 10 Pfg.
EinruckuugSgcbühe r
GchrM und verlegt m der Buchdruckerei des verein, ev. ILaifeahaujeS in Hanau,
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Die sünsgespäliene Pctitzeile oder deren Ramu 15 'M im ReklauMtell die Zeile 35 Pfg.
VerankvorL Redaktmr: G. Schrecker in Henau,
Nr. 123 Fernsprecha«schl«tz Nr. 605.
Freitag den 26. Mai
Frrnsprechanschlusr Nr. 605
1905
Hierzu
Amtliche Beilage Nr. 6."
Amtliches.
Eandkreis ^anau.
BtkmtmchmW des Königliches Lmdmtsaiiits.
Diejenigen Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, in deren Gemeinden rc. Zir- und Abgänge alt Einkommen- und Ergänzungsfteuer bis jetzt vorgekommen sind, wollen mir die vorgeschriebenen Kontrollauszüge alsbald einreichen.
Eine Anzahl Bürgermeister ist noch hiermit im Rückstand.
Hanau den 24. Mai 1905.
Der Vorsitzende
der Einkommensteuer - Veranlagung?' - Kommission für den Landkreis Hanau.
St 3035 J. V.: v. Schlieben, Reg.-Assessor.
Saatenstand
um Vie Mitte des Monats Mai 1905 im Kreise Hanau, Land. Begutachtungsziffern (Noten): 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = mittel, 4 — gering, 5 — sehr gering.
Hmchtarten
Durch- schnittsrwten für den
Anzahl
der von den Lertraueusinännern abgegebenen Noten.
5t<iar
Siegle- turne.
benrl Pa 'ir'
1
2
3
4
51
1-212-3
3-414-5
Winterwegen
26
2,3
——
2
——
_
—
1
2
Sommerweizen
2,5
2,6
—
1
—
—
—
2
—
—
Winterspelz .
21
— ,n
—
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—
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—«
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——
Mnrerroggeu
2,7
2,4
2
1
1
2
—
Sommerroqqen
2,7
2,9
—
1
-—■-
—
—
—
Sommergerste
2,5
2,5
—
2
2
—
---
2
—
Hafer . . .
2,5
2,6
—
2
2
——
—
——
2
——
Bartos sein
2,8
2,8
—
-
1
—-
—
—
——
—
Klee . . .
3,1
2,7
—
1
4
—
—-
1
w
—
Luzerne . . Wiesen
2,7
2,5
——
2
—
—
—
—
3
(Bewässerung.)
24
2,2
2
—*
2
—
_
—
1
—•
—*
Andere Wiesen
2,8
2,6
—*
8
2
-
-
1
—
—
Wird veröffentlicht.
Hanau den 25. Mai 1905.
Der Königliche Landrat.
V 3462 I. A.: Conrad, Kreisfekretär
Feuilleton
Ache ^Mtariwn zu Den iitsjöjrizti Nstru- »Mhmßeii im hichze« Stuittycuttr.
Hanau, 26. Mai.
Mit der vorgestrigen Aufführung des „Freischütz" haben in diesem Jahre die zum Besten der Ferienkolonien im hiesigen Stadttheater veranstalteten Opernnufführungen ihr Ende erreicht. Wie schon kurz gemetdct, war auch diese Aufführung wieher eine äußerst gelungene und hinterließ, wie der herzliche, ja stürmische Beifall des wiederum vollbesetzten Hauses zeigte, den besten und stimmungsvollsten Schluß- eindruck von dem Gesamtunternehmen. Und so könnten wir mit einem „Ende gut, alles gut!" in des Wortes vollster Bedeutung und mit nochmaligem herzlichen Danke an das Komitee und die Darsteller unsere Berichte über die Vercm- staltungen schließen, wenn uns nicht eine besondere Ursache dazu nötigte, noch einmal auf das ganze Unternehmen zurückzukommen.
Unterm 20. Mai erschien in der Frankfurter „Volksstimme", dem sozialdemokratischen Parteiorgan, die Zuschrift eines ihrer Leser, die eine ganz eigenartige Kritik der ?lu^ führungen enthält, und daran schlossen sich einige noch be- ftemdendere redaktionelle Aeußerungen des Blattes an. Obwohl wir nun durchaus nicht annehnten, daß diese Kritik dem künstlerischen fRufe der Aufführungen und der gerechten Würdigung der Leistungen der Darsteller in den Augen eines unbefangenen, nicht Parteibrille . tragenden Beurteilers irgendwie schaden sonnte, so erfordert nicht nur die etwas kühne, um nicht zu sagen anmaßende Art, dies Unternehmen überhaupt zu diskreditieren, ein kräftiges Wort der Er- widerung, sondern wir erachten es auch als eine Pflicht gegen die Opferwilligkeit und die Mühen der Mitwirkenden, bin gegen Verwahrung einzulegen. Was zunächst die „Kritik" des Einsenders anbelangl, so beabsichtigen, wir durchaus rächt, alle einzelnen Ausstellungen desselben zu widerlegen — obwohl das durchaus nicht schwer fallen dürfte. Wir wollen zunächst nur auf ben großen Widerspruch Hinweisen, der sich daraus ergibt, daß der Einsender anfangs
Desfestlicht Wiß der Ztsdtrersrdsetes-Bttsasimlssg
vom 25. Mai 1905.
Anwesend die Herren: Küstner, stellvertr. Vorsteher; Craß, Eberhard, Förster, Heraeus, Hoch, Hock, Jost, Kehl, Koburger, Müller, Peteler, Reis, Schroeter, Schwabe, Spatz, Stübing, Voltz, Dr. Wagner, Dr. Wenke, Wolff; vom Magistrat: Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.
B r a n u t w e i n st e u e r.
Von der Finanzkommission ergeht an das Plenum ein Antrag, betr. Kenntnisnahme der nach dem 1892er Abkommell erhobenen Branntweinsteuer. Stadtv. S ch w a b c führt aus, von dem Mitgliede der Versammlung, Herrn Rechtsanwalt Eberhard, sei ein Rechtsgutachten über das »mit den Brennern getroffene 92er Abkommen eingefordert, das noch nicht eingegangen sei. Vorher habe die Firina M. Canthal Wwe. zur Feststellung ihrer steuerlichen Verpflich- tungen ihre sämtlichen Bücher zur Verfügung gestellt. Dies hat die Finanzkommission behnfs Beseitigung aller etwaigen Mißverständnisse akzeptiert unb legt nun dem Plenum folgenden Antrag zur Beschlußfassung vor:
Nachdem die Finanzkommission auf Veranlassung ihres Vorsitzenden des Herrn Kommerzienrats C a n t h a l den Beschluß gefaßt hatte, dessen Geschäftsbücher daraufhin einer Prüfung zu unterziehen, ob aus dem Abkommen von 1892, betr. Rückvergütung von Branntweinsteuer, die Stadt durch ihn geschädigt worben sei, hat der Prokurist dieser Firma auf die Aufforderung des Oberbürgermeisters einen Buch- auszug für. die Zeit vom 1. April 1903 bis 31. Januar 1905 eingereicht.
Dieser Buchauszug enthält a) sämtliche Quantitäten Branntwein, für welche die Firma M. Canthal Wwe. eine Dtüctvergütung der bezahlten Branntweinsteuer empfangen hat mit der Angabe des Ortes, wohin die bett. Sendung gegangen ist, b)bie£wlje des Spiritusgehalts dieser Sendungen, f) die durch Multiplikation des Quantums mit dem Gehalt sich ergebende Anzahl der Literprozente, d) die Berechnung der Steuer, welche die Firma auf Grund des tatsächlichen Gehalts ihrer Fabrikate zu beanspruchen hätte, e) die Steuer- rüdhergütung, welche die Firma tatsächlich erhalten hat.
Die Richtigkeit seiner Angaben in Bezug darauf, daß der tatsächliche Gehalt der ausgeführten Sorten den gemachten Angaben entspreche, versichert der erwähnte Prokurist, Herr Ernst Hartenbach. Er erbietet sich, die Richtigkeit seiner Angaben bei einem etwaigen gerichtlichen Verfahren eidlich zu erhärten. Die beigefügte Berechnung ergab, daß für üie vorerwähnte Zeit die Firma M. Canthal Wwe. 150.85 M. weniger Steuer zurückvergütet erhalten hat, wie sie auf Grund des tatsächlichen Gehalts der ausgeführten Brannt-
behauptet, daß er, da es sich um eine reine Dilettanteuoorstellung handle, der er übrigens „wohlwollend" gegenüberstehe, keinen strengen kritischenMaß- stab anlegen wolle, um dann sofort, in einer nach künstlerischer Sachverständigkeit klingenden, aber überaus kleinlichen, hämischen, ja mitunter alles Maß verrückenden grotesken Weise sowohl über die Einzelleistungen der Darsteller als auch über die „in den höchsten Verzückungen" sich ergehenden Berichielftattung der hiesigen bürgerlichen Zeitungen herzufallen. — Was das künstlerische .Gesamtniveau der Aufführungen anbetrifft, so ist darüber nicht nur von hiesigen musikalischen Sachverständigen, sondern auch von auswärtigen Bühnen- und Gesangsautoritäten übereiustkyunend ein so günstiges Urteil gefällt, daß man sich darüber mit dem bett. Einsender nicht zu streiten braucht. Dasselbe gilt von den künstlerischen Einzelleistungen der Darsteller. Daß hier nicht das absolute „Höchstmaß her Kunst" erreicht wurde, ist doch ganz selbstverständlich, das ist auch garnicht beansprucht, noch irgendwie behauptet worden, daß sich aber nicht nur recht ansehnliche, sondern sogar ganz auffallend gute künstlerische Leistungen zeigten, ist ebenso von autoritativer Seite erhärtet. Ganz besonders trifft dies auf die so hervorragend „wohlwollend" kritisierten Darstellungen des „Meister Stadinger" und der „Marie" im „Waffenschmied" zu. Doch der Einsender wird ja infolge dieser wesentlich anderen Meinung seinen „künstlerischen" Standpunkt kaum ändern, und das verlangt ja auch niemand, denn cs ist schließlich eines jeden Menschen persönliches Recht, nach seiner eigenen Auffassung zu urteilen, nur erhebe er dann nicht ben Anspruch darauf, für ganz objektiv genommen zu werden.
Noch viel verwunderlicher aber sind die redaktionellen Bemerkungen, die das Blatt der Kritik seines Leser > hinzu-, fügt. Als Motiv seiner Stellungnahme gibt das Blatt an, daß für den Besuch der Vorstellungen unter den hiesigen Arbeitern eine möglichst laute Reklame zu machen gesucht sei, „um diese zu veranlassen, ihr sauer verdientes Geld zu opfern, um sich auch einen solchen — Genuß zu bereiten." Bon einer besonderen Reklame in Arbeiterkreisen ist an den Stellen, die dafür in Betracht kommen könnten, nichts besannt. Und außerdem — da es „sich ja um ersparte Arbeitergroschen handelt, — fragen wir einmal: Wo bleibt denn der finanzielle Ueberschuß? Derselbe ist für die Ferienkolonie bestimmt also
weinforten zu beanspruchen gehabt hätte. Die Prüfung der Rechnung ist von mir dergestalt vorgenommen morden, daß sich dieselbe auf diejenigen Sorten erstreckte, welche nach einem Durchschnittssatz zur Berechnung gelangten, da für die.
übrigen der wirklich ermittelte Einzelgehalt maßgebend war.
Hierbei bin ich zu dem Resultat gekommen, daß die Firma M. Canthal Wwe. für Trinkbranntwein zu wenig Rückvergütung erhalten hat in der Zeit vom 1. April 1903 bis 31. März 1904 .....'..... 337.38 Mk.
für Cognac zuviel erhalten hat der gleichen Zeil . . . für Rum in der gleichen Zeit . mithin zu wenig erhallen hat .
in
174.46 Mk.
„ 201.37
26.91
//
. 136.01 Mks
für das Jahr 1903/04.
In der Zeit vom 1. April 1904 bis 31. Januar 1905 hat dieselbe zu wenig erhalten für Urins branntwein 177.43 Mk. zu viel erhalten für Cognac . . 153.11 Mk.
Rum . ........13.70 „ 166.81
mithin zu wenig erhalten.......10.62 Mk?
Für die Zeit, für die eine Prüfung verlangt worden ist, ergibt sich demnach ein Gesamtbetrag von 146.63 Mk. z u m Nachteil der Firma M. Canthal Wwe. Auf Grund dieser meiner Prüfung beantrage ich, die Finanzkommission wolle der Stadtverordneten-Versammlung vorschlagen, zu erklären, „daß eine Benachteiligung der Stadt durch die Firma M. Canthal Wwe. auf Grund des 1892er Abkommens in keiner Weise fiattgefunbeu hat." — Der Anttag wird oom Plenum einstimmig angeuoimnen.
Kinzigsteg in her Bu lau.
Der Hanauer Verschonerungsverein beabsichtigt- in de^ Bulau eine Ueberbrüdung der Kinzig, um das für Spazier-! ganze sehr geeignete Gebiet noch mehr zu erschließen. (Er hat ein Projekt" ausarbeiten lassen, das die behördliche Geri nehmigung gefunden hat. Die Kosten des Steges betragen, mindestens 1900 Mk. Mit Rücksicht auf eintretendes Hoch^ wasser und seine zerstörenden Wirkuttgen auf Bauwerke ist eine Verstärkung des Steges in Aussicht genommen, gegenüber dem ursprünglichen Projekt. Aus diesem Grund hnt auch der erwähnte Verein seinen ursprünglichen Anttag, ihm einen Beitrag von 200 Mk. zum Bau zu bewilligen, dahin, erweitert, daß er nunmehr einen solchen von 300 Mk. erbittet. Der Magistrat hat im Interesse der vielen Spazier-- ganger, die die Bulau besuchen, sich veranlaßt gesehen, dem gestellten Antrag zu entsprechen. — Stadtv. Dr. Wagner empfiehlt die Genehmigung, da die Bulau mit Recht ein beliebter Aufenthalt der Spaziergänger fei. Auf Wunsch des Stadtv. Spatz spricht Referent zugleich die Erwartung aus, daß die Anlage den Schutz des Publittims genieße und gleich so hergestellt werde, daß böswillige Jungen ihr nichts an->
I doch für einen Zweck, den wohl heute jeder einsichtsvolle I Mensch als einen ohne Einschränkung edlen und menschen- freundlichen ansehen muß, denn es kann doch auch der „Volks- stimme" am allerwenigsten verborgen fern, wie im 6 Misten Maße segensreich gerade diese.(Einrichtung schon für viele erholungsbedürftige und leidende Kinder — unb gerade für die Kinder der unbemittelten Volksklasfen im besonderem — geworden ist. Um so unbegreiflicher ist eine derartige Herabsetzung des ganzen Unternehmens sowohl wie der einzelnen Darsteller, die doch ihre Kräfte unter soviel Opfern an Zeit und Mühe in den Dienst dieses edlen Zweckes gestellt hâm. Aber hier scheint des Pudels Kern zu liegen. Man mittetet vielleicht auch schon in den Ferienkolonien eins der „vev» föhnenden kleinen Mittel", womit die Bourgeoisie das Prolet tariat ködern will, denen gegenüber man darum besonders mißtrauisch sein muß. Darum hat man wahrscheinlich allen Veranstaltungen, die diesen und ähnlichen wohltätigen Bestrebungen zugute fommen — Beispiele dafür gibt es ja viele — den Krieg erklärt. Dies scheint rms der wahre Beweggrund auch der berogten Polemik zu fein,, und dagegen soll hiermit aufs kräftigste Verwahrung eingelegt werden. Die Bemerkung der Volksstimme endlich, „daß die Zuschrift ihres Lesers einmal wieder das unverantwortliche Treiben der hiesigen Lokalblätter aufdecke, die durch unwahre Am preisung der Vorstellungen das Publikum täuschen," steht mit der oben gekennzeichneten Grundauffassung zu sehr im (Eüiflcmg, als daß wir ihr noch besonderen Werr beimefferf können. —
Jedenfalls wird aber das vorurteilsfreie Publikum, das sich am Schönen schlechthin erbaut, auch wenn es rächt von einer Partei approbier! ist, das aller Segnungen des Hirten sah auch ohne keiidenziose Veemflicmmg gerne erfreut, dem Komilee und sämtlichen Darstellern und Mikwirkenden für! alle ^üuherl und ?lnsttengungen, für den gebotenen Gentrh uw1 mast zu letz I auch für die erreichte —jedenfalls b®* deutende Förderung eines edlen Zweckes herzlich dankbar sein. Wir ]mb überzeugt, daß dieser Dank und diese be» ’Wigfe Anerkennung der unbefangen urteilenden Bürger» Ichafk alle sillitwirkenderi für igre Mühen in etwas entschädigen und dazu beitragen wird, daß sie auch in ähnlichen Fällen in Zukunft in ihrem Eifer und in ihrer Opfenmür^ keit -* trotz alledem — nicht erlahmen.