- Bette 6 ''"'''''-_____■ eine Vereinbarung dahin zu treffen, daß Schäden ' über 5000 Mk. gemeinsam getragen werden.
Nach den Erfahrungen, welche bei der von der Provinz Hannover für Landwirtschaftliche Betriebsunternehmer errichteten Hastpflicht-VtHtcherungsaustalt gemacht worden sind, kann angenommen werden, daß die Umlage, wenn sie überhaupt nötig wird, sich in bescheidenen Grenzen halten wird. VH. Entwicklung der .Hamroverschen Anstalt.
Die Anstalt, welche nach ähnlichen Grundsätzen errichtet und verwaltet wird, hat sich sehr gut bewährt. Sie wurde im Jahre 1896 mit 4000 Mitglieder eröffnet, am 1. Oktober 1904 betrug die Mitgliederzahl über 29 000.
An Beiträgen wurde nur eine Grundtaxe von 50 Psg. für kleinere, von 1 Mk. für größere Betriebe erhoben, und der Rest im Bedarfsfalle durch Umlage aufgebracht.
Ein Betrieb von 50 Hektar Grundbesitz hatte beispielsweise in Hannover durchschnittlich zu zahlen:
im Jahre 1896 . . . 18,00 Mk.
im Jahre 1897 . . . 1,00 „ (nur Grundtaxe) im Jahre 1898 . . . 1,00 „ (nur Grundtaxe) im Jabre 1899 . . , 2,50 „ im Jahre 1900 . . . 2,50 „ im Jahre 1901 . . . 2,50 „ im Jahre 1902 . . . 6,00 „
im Jahre 1908 . . . 6,00 „
Die jährliche Durchschnittsprämie betrug daher für einen Betrieb von 50 ha Grundbesitz nicht ganz 5 Mark.
Hieraus geht hervor, daß die Prämien sich im allgemeinen in sehr niedrigen Grenzen hielten. Nur im ersten Jahre, als neben den Kosten der ersten Einrichtung ein ganz ungewöhnlich hoher Schadenfall (über 23 000 Mk.) zu decken war, stieg die Prämie ziemlich hoch, aber sie konnte selbst damals einen Vergleich aushalten mit den Prämien, wie sie private Gesellschaften bei einer gleich umfassenden Versicherung als ständigen Beitrag erheben. Dabei ist noch zu berücksichtigen, daß die Hannoversche Satzung weder eine Vereinbarung mit -anderen Anstalten über gemeinsame Tragung großer Schäden noch eine Verteilung solcher Schäden auf 3 Jahre kennt. Nach unseren Satzungen hätte daher auch die hohe Prämie !des ersten Jahres nicht erhoben zu werden brauchen.
VIII. Schlußwort.
Nach allem tarnt auf eine gedeihliche Entwicklung unserer Anstalt mit Sicherheit gerechnet werben, sofern die erhoffte Beteiligung eintritt. Zweifellos wird die Entwicklung um so günstiger sein, je größer die Zahl der Mitglieder sein wird. An den Landwirten unserer Berufsgenossenschaft ist es nunmehr, dieser Einrichtung, die nichts anderes will, als den landwirtschaftlichen Interessen unseres Bezirks dienen, Vertrauen entgegenzubringen und sie durch zahlreicher: Beitritt zu unterstützen. Insbesondere muß bafstr gesorgt werden, daß baldmöglichst die nach den Satzungen erforderliche Mindestzahl von 1500 Mitgliedern und 1 Million Arbeitstagen beisammen ist, damit die Anstalt in aller Kürze den Betrieb aufnehmen kann. Zu diesem Zwecke wird auf ein eifriges gegenseitiges Werben für die Anstalt durch die Landwirte selbst bestimmt gerechnet.
An sämtliche Landivirte der Berufsgenoffenschaft ergeht somit nochmals die Aufforderung, baldigst den Beitritt zu erklären. Dies kann in die auf beut Bürgermeisteramt auflie- genden Listen geschehen. Für bereits anderweit Versicherte empfiehlt sich eine genaue Prüfung der Kündigungsbedingungen in ihrer Police und denmächstige rechtzeitige Kündigung. Ohne solche Vorsicht läuft unter Umständen der Vertrag lange Jahre ruhig weiter.
Politische Rundschau.
Parlamentarische Nachrichten. Die „Post" schreibt: „Soweit sich die Geschäftslage des Abgeordnetenhauses zurzeit beurteilen läßt, dürste dieses die ihm vorliegenden Gesetzentwürfe, Initiativanträge und Petitionsberichte sämtlich spätestens bis Ende dieses Monats erledigt haben. Voraussichtlich wird sich dann der Präsident die Ermächtigung ausbitten, die nächste Sitzung nach Bedarf an- zuberaumen. Ob solche Sitzungen noch ftaftfinben werden, hängt davon ab, ob vom Herrenhause die eine oder andere Vorlage mit Abänderungen roieber an das Abgeordnetenhaus zurückgeht. Dies scheint betreffs einiger der zur Beratung stehenden Gesetzentwürfe nahezu sicher. Was den Zeitpunkt dieser Schlußsitzungen des Abgeordnetenhauses anlangt, so nimmt man jetzt an, daß sie wahrscheinlich in die Woche unmittelbar nach dem Pfingstfest fallen werden, so daß die Session spätestens am 17. Juni geschlossen werden könnte. Man geht dabei von der Annahme aus, daß im Hinblick aus die Vermählungsfeierlichkeiten des Kronprinzen in der Woche vor Pfingsten schwerlich Sitzungen abzuhalten sein werden, daß aber die Anberaumung von solchen unmittelbar nach dem Pfingstfeste um so eher angängig sein wird, als ja die Pfingstpause bereits mit Anfang des nächsten Monats beginnen wird."
Die Börsenkommisfton ves Reichstags nahm zu den Paragraphen 68b den Antrag Gamp mit 10 gegen 9 Stimmen an. Die Rückforderung dessen, was bei oder nach der Abwickelung eines Geschäfts zu seiner Erfüllung geleistet wurde, findet auf Grund der Vorschrifteu des Paragraphen 51 Absatz 3 und des Paragraphen 66 nicht statt. Gegen die Forderungen aus Börsentermingeschäften ist eine Aufrechnung auf Grund anderer Börsentermingeschäfte auch zulässig, wenn diese Geschäfte nach dem Paragraphen 51 Absatz 3 und dem Paragraphen 66 ein Schuldverhältnis nicht begründen. Zu dem Paragraphen 68c wird ein Antrag Bnrlage angenommen : Wer ein Börsentermingeschäft in Wertpapieren abgeschlossen hat, welche nach dem Paragraphen 51 Absatz 3 oder dem Paragraphen 66 ein Schuldverhältnis nicht begründen, ist berechtigt, Befriedigung aus der für eine unwirksame Verbindlichkeit bestellten Sicherheit zu suchen, sofern der Besteller
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ihm gegenüber schriftlich erklärt, daß die Sicherheit zur Deckung von Verlusten aus den Börsentermingeschäften dienen soll und sofern die Sicherheit in barem Gelde, Banknoten oder solchen Wertpapieren bestellt wurde, wobei der Börsen- und Marktpreis amtlich festgestellt wird. Der Rest des Entwurfs wird ohne wesentliche Aenderung angenommen; damit ist die zweite Lesung beendigt. Die dritte Lesung findet morgen statt.
Der Vertrag zwischen dem König von Sachsen und der Gräfin Montignoso. Das „Dresdener Journal" meldet: Der Vertrag, den in Vollmacht des Königs Staatsminister Cito am 5. Mai in Florenz mit der Gräfin Montignoso abgeschlossen hat, ist vom Könige genehmigt worden. Die vollzogene Genehmigungsurknnde wurde gestern an die Gräfin abgesandt. Inzwischen ist der Gräfin auch die von ihr beantragte Entlassung aus dem sächsischen Staats- angchörigenverbande von der Kreishauptmannschaft Dresden erteilt worden. Nach dem Vertrage überläßt der König der Gräfin die Prinzessin Anna Monika Pia bis zum 1. Mai 1906. Danach verpflichtet sich die Gräfin^,die Prinzessin einer von: König hierzu abgesandten Vertrauensperson herauszugeben. Solange die Gräfin die Prinzessin in ihren Händen behält, wird ihr zu den Unterhaltungskosten ein Beitrag in gleicher Höhe wie die letzten Monate, gleich 200 Mark monatlich, gewährt. Ferner verzichtet die Gräfin auf die Staatsangehörigkeit und verspricht, daß sie auch künftig niemals die Aufnahme in den Verband eines deutschen Einzel- staates nachsucht. DZr König sagt zu, daß für die Zeit nach dem 1. Mai 1906 ein Wiedersehen der Gräfin mit den gemeinschaftlichen Kindern jedes Jahr einmal stattfinden soll. Das Nähere über Zeit, Ort und Ausdehnung der Zusammenkünfte u. s. w. zu bestimmen, behält sich der König vor. Für die Zeit vom 1. Juni ab wird die Rente der Gräfin auf Mk. 40 000 jährlich erhöht.
• Die Kaffern in Transvaal. Aus Johannesburg wird geschrieben: „Aus den bescheidenen arbeitswilligen Kaffern ist in den letzten Jahren ein frecher, arbeitsscheuer Mensch entstanden, dessen Auftreten keinen Zweifel darüber küßt, daß er sich mehr und mehr den: weißen Manne als ebenbürtig zur Seite stellen zu dürfen glaubt. Gouverneur Lord Milner veröffentlicht gerade jetzt einen Jahresbericht über die Schwarzen, welcher nicht viel von Fortschritten zu berichten weiß. Wohl nehme die Vielweiberei unter den Schwarzen ab unter dem Einfluß der auf jedes Weib zu zahlenden Taxe, doch nehme andererseits die Sittenlosigkeit in erschreckender Weise zu. Die Buren irrten, indem sie den Kaffern nicht als Menschen anerkennen wollten — aus selbstsüchtigen Motiven; doch hatten sie recht daran, den Kaffen: nicht als gleichberechtigt anzusehen. Als Kleidung erachtete man einen leeren Mehlsack, in welchen an den Ecken Löcher geschnitten wurden für die Arme, als völlig ausreichend und bervorragenb zweckmäßig. Darin gibt ihnen der Bericht recht. Der Gesundheitszustand der Kaffern verschlechtert sich zusehends und besonders die Fähigkeit, Witterungswechsel zuwiderstehen. Grund: das Tragen europäischer Kleidung. Der Bericht bringt auch zum ersten Male Angaben über das Geschlecht der Erwachsenen und die Zahl der Kinder, die sich bei der Volkszählung vor einem Jahre ergeben haben; es gibt 25 Prozent Männer, 29 Prozent Frauen und 45 Prozent Kinder;. dreieinhalb Prozent aller Schwarzen leben in Städten. — Einer der fundamentalsten Grundsätze in der Behandlung der Kaffern seitens der Burenbevölkerung ist in den letzte:: Tagen durch ein Urteil des Obergerichts in Prütoria über den Haufen geworfen worden, daß nämlich ein Kaffer unter den Gesetzen der alten Buren-Republik keinen Grundbesitz auf seinen Namen ins Grundbuch eintragen lassen konnte. Die gesamte Burenbevölkerung Südaftikas sieht in der Emanzipation des Kaffern, wie sie von der englischen Regierung gefördert wird, einen gefährlichen Rückgang der Autorität des weißen Mannes; und hinter den Buren stehen viele Tausende erfahrener Einwanderer aus allen Weltgegenden. Die Regierungen der südafrikanischen Staaten müssen sich bald darüber schlüssig werden, ob Südafrika ein weißes Land werden oder ob der Schwarze Meister- werden soll; gegenwärtig haben allerdings die Schwarzen die beste Aussicht, ihre kühnsten Hoffnungen in Erfüllung gehen zu sehen."
Der Kaiser in Wiesbaden.
Wiesbaden, 17. Mai. Se. Majestät der Kaiser wohnte der gestrigen Generalprobe des „Freischütz" im Königs. Theater von Ansang bis zum Schlüsse bei und verfolgte die Vorgänge auf der Bühne mit größter Aufmerksamkeit. Wenn man bedenkt, daß der Monarch gestern morgen eine Truppenübung besichtigte, zu der er, von Metz kommend, bereits um 8 Uhr in Morchingen anwesend war und die einige Stunden in Anspruch nahm, daß er hieran anschließend die Reise nach Wiesbaden antrat, so mu§ man die außerordentliche Spannkraft des Kaisers wirklich bewundern. Während der Pansen nahm der Kaiser in dem Foyer-Restaurant (im blauen Salon) einen Imbiß ein. Nach der Probe befahl er die Damen Müller nnd Hans und die Herren Sommer, Schwegler, Hofrat Dornewaß, Schick und Nietzsche zu sich in die Loge und drückte ihnen allen seine größte Anerkennung aus. Die ganze Aufführung habe ihn: außerordentlich gefallen. Außer bem Kaiser wohnten nur die Herreu General-Intendant v. Hülsen und Intendant v. Mutzenbecher der Probe bei. Von den Herren des Gefolges war niemand anwesend.
— Der Kaiser unternahm heute morgen gegen T’/s Uhr mit seinem militärischen Gefolge General der Infanterie v. Plessen, Generalleutnant von Scholl, Generalmajor Graf Moltke, Major von Friedeburg und Oberstallmeister Graf Wedel einen Spazierritt ins Nerotal. Hierbei spielte sich, wie ein Augenzeuge berichtet, eine kleine niedliche Episode ab. Ein kleines Mädchen aus einem Pensionat im Nerotal überreichte einen Blumenstranß mit einer Schleife in den englischen Farben, welchen ein Adjutant des Kaisers mit dankenden Worten entgegennahm. Nach der Rückkehr von bem Spazierritt hörte der Kaiser einen Vortrag des Reichskanzlers. Heute nachmittag nach 3 Uhr wird Se. Majestät mit den Herren des Gefolges eine Automobilfahrt in die Umgegend, wahrscheinlich nach Biebrich unternehmen, an welche sich gegen halb 7 Uhr ein Diner im Königlichen Schlosse schließen wird.
Wiesbaden, 17. Mai. Gestern nachmittag unternahm
___________18. Mai
der Kaiser gegen 4 Uhr, wie schon gemeldet, eine Automobilfahrt, auf der Seine Majestät von den Herren des militärischen Gefolges, General v. Plessen, Generalleutnant von Scholl, sowie den beiden Flügeladjutanten Generalmajor Moltke und Major v. Friedeburg begleitet wurde. Die Fahrt ging über Langenschwalbach, Schlangenbad, Eltville und dann zurück über Biebrich. Auf der Chaussee zwischen Eltville und Biebrich bemerkten die Insassen des Automobils den Dampfer „Rheingold", auf dem das Großherzogspaar von Hessen eine Rheinfahrt machte, jedoch war die Entfernung zu groß, um irgend etwas zu erkennen ober eine Verständigung möglich zu machen. Die Rückkehr erfolgte gegen 6 Uhr. Nach dem um 6^2 Uhr stattfindenden Diner begab sich der Kaiser zur Vorstellung des „Freischütz" ins Theater. — Der Kaiser hat dem badischen Minister v. Dusch beu Roten Adler-Orden 1. Klasse verliehen.
Die deutsche Mission in Fez.
Der deutsche Spezialgesandte Graf Tattenbach ist am 11. d. Mts. in Fez eingetroffen und dort von den Behörden des Sultans festlich empfangen worden. Wir werden nun abwarte::, zu erfahren, welche Lage er dort vorfindet und was er im deutschen Interesse auszurichten vermag. Daß der Reichskanzler auf die französische Anregung, in deutsch- sranzösische Besprechungen über die marokkanische Frage ein-' zutreten, nicht eingegnngen ist, hing, abgesehen von dem internationalen Charakter des deutschen Anspruchs aus wirtschaftliche Gleichberechtigung, offenbar auch mit dem Wunsche zusammen, zunächst ein genaues Bild von der Lage des Sultans in Fez, insbesondere von den an ihn gestellten Forderungen des französischen Gesandten Taillandier, zu erlangen. Die Presse Delcassès hatte z. B. behauptet, Taillan- büT sei nicht als Mandatar Europas in Fez aufgetreten. Dies ist indessen schon durch zuverlässige Nachrichten als unwahr erwiesen. Anderseits behaupten englische Zeitungen, Graff Tattenbach werde unter anderem fordern, daß für das marokkanische Heer deutsche Instrukteure angestellt würben. Auch das ist nicht wahr und soll nur dazu dienen, das deutsche Vorgehen zu verdächtigen, als ob wir nicht bloß den Standpunkt der offenen Tür vertreten, sondern ein Protektorat über Marokko anstrebten.
In Frankreich gefällt man sich vielfach barht, die Pause zu mißdeuten, die in den offiziösen Polemiken eingetreten ist und in Erwartung der Berichte des Grafen Tattenbach aus Fez eintreten mußte. Man stellt es so dar, als ob man in Deutschland das Interesse an Marokko allmählich verliere. Gelegentliche Aeußerungen in deutschen Blättern, daß wir wegen Marokkos keinen Krieg zu führen wünschten, werden dahin ausgelegt, daß es Deutschland mit dem Einspruch gegen die Delcassèsche Protektorats- und Monopolpolitik überhaupt nicht ernst sei. Ein Beweis für diese Auffassung soll sogar auch darin liegen, daß unser Kaiser bei der ®m=' weihuug des Denkmals in Gravelotte keine Rede gehalten hat. In Wahrheit könnte man viel eher behaupten, daß bei einer solchen Feier zum Gedächtnis gefallener Soldaten nur eine weihevoll friedliche Rede angemessen gewesen wäre, und daß unser Kaiser eine solche nicht halten wollte, um sich nicht der Mißdeutung auszusetzen, als ob nun alles zwischen Deutschland und Frankreich in schönster Ordnung sei.
Dies alles ist nur französischer Selbstbetrug, dem sich verantwortliche Staatsmänner, wie der Ministerpräsident Rouvier, gewiß nicht hingeben können. Wir erwarten von unserer Regierung, daß sie bei der Wahrung des deutschen Ansehens und unserer wirtschaftlichen Interessen ruhig und fest verbleibt und Frankreich nötigt, die zweideutige Del- cassèsche Politik preiszugeben.
Die deutsche Sondergesandtschast in Marokko.
Fes, 13. Mai. Der „Köln. Ztg." wird gemeldet: Heutes um 10 Uhr haben sich die Mitglieder der deutschen Sondergesandtschaft im Paradeanzug, abgeholt vom Zeremonienmeister und einer Eskorte, durch ein Spalier zum nahen Sommerpalais begeben, wo sie durch eine Musikapelle des Sultans mit der Sultanhymne empfangen wurden. Die fremden Militärmissionen salutierten. Graf Tattenbach und sein Gefolge überschritten einen weiten Hof, der rechts zu dem terrassenförmigen Garten abfällt und links in das Gemach des Sultans mündet. Der Sultan saß auf einem Sessel in der Nische, zu seiner Rechten standen seine Minister. Graf Tattenbach begrüßte den Sultan und drückte den Dank des Kaisers für den glänzenden Empfang in Tanger unter besonderer Hervorhebung der Begrüßung durch den Verwandten des scherifiischen Hauses aus. Der Gesandte betonte, daß der Besuch des Kaisers in Tanger ein Beweis der starken und dauernden Freundschaft des Kaisers für den Sultan gewesen sei und daß es der Wunsch des Kaisers sei, die durch zwei feierliche Verträge begründeten Beziehungen zwischen Deutschland und Marokko zu pflegen und weiter auszugestalten, wie immer dies im Interesse der beiden Staaten liege. Der Gesandte hob seine Genugtuung hervor, daß er, der schon in den ersten Jahren der Regierung des Sultans mit einer Sendung an ihn beauftragt war, wiederum einen solcher: ehrenvollen Auftrag erhalten habe. Er überreichte dem Sultan das Großkreuz des Roten Adlers mit der Kette und Brillanten sowie ein kaiserliches Handschreiben und vcrhiüpfte damit den Wunsch für eine lange unabhängige Herrschaft des Sultans über seinen Staat. Der Sultan dankte in äußerst freundlicher Weise für die Entsendung der außerordentlichen Mission und die Verleihung des Ordens und hieß den Gesandten und die Milgliederder Gesandtschaft tzerzlich willkommen. Darauf folgte die Vorstellung der Mitglieder. Graf Tattenbach ist mit der Antwort des Sultans sehr zufrieden und erhofft eine glatte Erledigung seiner Aufgabe. Der Machsen hat alle ftanzösischen Vorschläge, als mit den internationalen Verträgen unvereinbar, abgelehnt: nur für den Schutz der Grenze sollen 2000 marokkanische Soldaten unter ftanzösischen Instrukteuren aufgestellt werden. Es ist zu hoffen, daß Frankreich die Bereitwilligkeit des Machsen, im Grenzgebiet Ruhe zu schaffen, anerfennenjoetbc. Unsere Reise sowie die eines Herrn, der uns ohne Soldaten folgte, beweisen, daß der Machsen wohl imstande ist, selbst mit einer geringen Truppenzahl in den bisher unruhigen Gebieten Ruhe zu schaffen.