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Zweites Bla«!

Hanauer

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General-Anzeiger

Berückt und verlegt in der Buchdruckern des verein, eo.

WaiscnhaujeZ in Hanau.

7 Orgsn fut Stadt- «ad AMeis Kam.

Erscheint täglich mü Auèuahms der Sonn- intb Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 104 Fe» »sprech«», 'chlutz Nr. 605

Donnerstag den 4. Mai

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Die sünfgespal^ne Petllzeile oder deren Raunr IS Pfx^ im Reklammteil die Zeile 35 Pfg.

Verantwort Redakteur: G. Schrecker in H«na:u

Kernsprechanschlitß Nr. 605.

1905

Amtliches.

Stadtkreis Fjanau. Bekanntmachung.

Haftpflichtversicherung ver Landwirte.

Für alle in einem landwirtschaftlichen Betriebe vor- Vommenden Schäden hat bekanntlich die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft nicht aufzukommen, besonders nicht für diejenigen Beschädigungen, die nicht durch Unfall entstanden sind. Ferner werden durch die Unfallversicherung nur Personen-Verletzungen entschädigt, nicht aber auch Sachbeschädigungen.

Für alle Schäden außer durch Unfall herbeigeführte Personeuverletzungen oder Tötungen, haftet der Betriebs- Unternehmer mit feinem Vermögen.

Um die aus dieser Haftpflicht der landwirtschaftlichen Betriebsunternehmer entstehenden Nachteile zu mildern, hat die landwirtschaftliche Berufs-Genossenschaft eine H a f t- pflichtverficherungsanftalt errichtet, welche voraussichtlich mit dem 1. Juli 1905 ihren Betrieb auf­nehmen wird.

Der Beitritt zu dieser Anstalt, welcher für alle Landwirte von großen: Nutzen ist, muß schriftlich erklärt werden. Des kann bei unseren Vertrauensmännern, wie auch im Nathause Zimmer Nr. 12 erfolgen, woselbst auch jede gewünschte Aus­kunft über diese Haftpflichtversicherung erteilt wird.

In ihrem eigenen Interesse ersuchen wir die Landwirte, den Beüritt recht bald und zahlreich zu erklären.

Hanau den 19. April 1905.

Der Vorstand der hessen-nassauischen landwirtschaftlichen Berufsgenoffenschaft

, Sektion Hanau. 8080

Kriegervereine und Bottenvercin.

Durch die Tagesblätter geht eine Mitteilung über die Stellung der Kriegervereine zum Deutschen Flottenverein, die geeignet ist, die Kriegcrvereine in ein falsches Licht zu stellen. Schon die Ueberschrift „der Kriegerbund gegen den Flotten­verein" erweckt den Schein, als ob die Kriegervereine dem Flottenverein den Fehdehandschuh hingeworfen hätten. Wer­den Geist und die Bestrebungen unserer Kriegervereine kennt, der weiß von vornherein, daß eine solche Annahme ein Un­ding ist. In der Tat hat dann auch die „Kyffhäuser-Korre­spondenz" jenen Artikel bald berichtigt. Das Blatt des Kyffhäuserbundes der deutschen Landes-Kriegerverbände schreibt über diesen Gegenstand:

Nicht „Kriegervereine gegen ben Flottenverein", sondern .Kriegervereine und Flottenverein" müßte die Ueberschrift

Feuilleton.

Silber aus Schillers Leben.

Bon Robert Berndt.

(Nachdruck verboten.)

11. Auf der Höhe.

9 tun sind die goldenen Tage der Frucht gekommen und jedes Jahr bringt ein neues Meisterwerk. Heldengröße und Schicksalsmacht,' Frauenadel und Jugendfeuer, Bölkerleben und Seelenkämpfe ziehen in mächtigen Gestalten an den staunenden Augen vorüber, die beglückt des Reichtums inne werben, den diè geheimen Quellen des Genies ihnerr spenden. Sein Ruhm dringt durch das ganze alte Deutschland, durch alle seine 75 Länder, durch alle seine Stände, ins weltent­legene Winkelnest unb in die großen Harrptstüdte. Dringt auch in die Preußenstadt, auf der noch der Sonnenglanz friedericianischer Glorie ruht und wo die nüchternen Berliner mit Schillers Gestalten jubeln, mit ihnen leiben. Iffland lädt den Dichter ein, sich selbst einmal davon zu überzeugen, und gern folgt Schiller dem Rufe, denn ihn drängt es hinaus in die Welt, von der er noch so wenig gesehen, hinaus zu großen Schauplätzen der Geschichte, wie sie seine Muse liebt. Und so rollt am ersten Tage des Maien die Postkutsche mit dein Herrn und der Frau Hofrat und den beiden Jungen durchs Potsdamer Tor in Berlin ein, und zum ersten Male erblickt Schiller eine deutsche Stadt, die den Stempel einer großen geschichtlichen Vergangenheit trägt. Aber in dieser großen Stadt ist der Mann aus dem stillen Weimar nicht trcmd. Da sind alte Freunde; da ist Iffland, der einstige Mannheimer Intriguen durch doppelte Beeiferung wett zu machen sucht; da ist ein hochgemuter, schwärmerischer Prinz Louis Ferdinand, der bald mit beut alten Preußen fallen soll und der den Dichter ehrt und zu sich lädt; da ist die Königin, die schöne Luise, längst durch seine Dichtungen be­geistert, die ibn aufs wärmste empfängt und ihm ihre Weitesten vorstellt. Ist Dir Prophetengabe verliehen, v Dichter?

einer den Kriegervereine:: wenig freundlichen Zeitungsnach­richt lauten, wonach der Kriegèrbund sich dagegen ausge­sprochen haben soll, daß Kriegervereine geschlossen den: deutschen Flottenverein beitreten. Der Tatbestand ist folgender : Die Organe des deutschen Flottenvereins hatten sich an die Kriegerverbände und -Vereine gewandt, um sie zum korporativen Eintritt in den Flottenverein zu veranlassen. Hieraus ist an verschiedenen Stellen Mißhelligung und Hader entstanden. Unter anderm waren Zweifel darüber aufgetaucht, ob der Flottenverein als politischer Verein anzusehen wäre. In diesem Falle dürften natürlich Kriegervereine als solche ihm nicht angehören, weil politische Erörterungen in den Krieger­vereinen ausgeschlossen sind. Bei der Wichtigkeit der Frage hat sich der Gesamtvorstand des Deutschen Kriegerbundes in seiner Sitzung vom 24. Januar d. I. mit ihr beschäftigt.

Der Gesamtvorstand hat es dahingestellt, ob der Deutsche Flottenverein als politischer Verein anzusehen fei oder nicht, da die Entscheidung hierüber nicht Sache des Deutschen Kriegerbundes sei. Der Vorstand hat indes nicht außer Acht lassen können, düß die Stellung der bürgerlichen Parteien zum Deutschen Flottenverein verschieden ist; die einen find feine begeisterten Verehrer, den anderen gehen seine Forderungen zu weit, wieder andere verurteilen seine Bestrebungen. Da nun die Kriegervereine sich aus allen bürgerlichen Parteien zusammensetzen, so darf nach der Meinung des Gcsamwor- standes wegen der Einigkeit im Verein nur dann der Bei­tritt eines Vereins zum Flottenverein erfolgen, wenn alle Mitglieder damit einverstanden find. Sodann wurde in der Beratung darauf hingewiesen, daß der Beitritt zum Flotten­verein den Vereinen Kosten verursacht. Da es nun er- fahrungsgernäß den Kriegervereins-Organisationen schwer wird, ihre auf die Unterstützung notleidender Kameraden und deren Hinterbliebenen gerichteten Aufgaben zu erfüllen, so hat der Gesamtvorstand die Erwartung ausgesprochen, daß die Kriegervereine in erster Linie ihre Kräfte in den Dienst des Kriegeroereinswesens stellen. Erst, wenn diesen: genügt sei, unb der Verein noch Mittel zur Verfügung habe, formten für ihn andere Zweckbestimmungen in Frage kommen.

Diese Auffassung wird jeder billigen, der die Dinge un- befangen prüft. Der Gesamtvorstand hat deshalb beschlossen, daß die Landes-, Provinzial-, Regierungsbezirks- und Kreis­verbände davon absehen sollten, bei den ihnen unterstellten Vereinen für den korporativen Beitritt pim Deutschen Flottenverein zu werben. Ausdrücklich aber ist hinzugefügt, daß, wenn ein Verein aus freien Stücken als korporatives Mitglied beitrete, so könne ihm dies nicht verwehrt werden. Man sieht hieraus, daß non einer unfreundlichen Haltung der Kriegervereine zum Flottenverein und seinen Bestrebungen nicht die Rede sein kann.

Ahnst Du, daß dieser Flachskopf, wenn er ein Weißbart ge­worden sein wird, den Deutschen dein „Seid einig!" zurufen und dein Testament vollstrecken wird? ....

Doch es sind nicht nur die Großen, die Gelehrten, die .Künstler, die Schiller kennen und ehren. Wenn er durch die breiten Straßen geht, dann hört er seinen Namen um sich murmeln und manches Haupt sicht er sich vor ihm entblößen. Ins Theater, wo hintereinander alle seine letzten Meister­werke gegeben werden, strömen sie in hellen Haufen, und wenn er seine Loge betritt, dann erhebt sich diese vielhundert- köpfige Menge wie ein Mann und jubelt ihn: in leidenschaft­licher Begeisterung zu. So grüßt ein Volk seinen Dichter. Denke hier jenes Tages in Mannheim, da Du zum ersten Male an das Herz Deines Volkes pochtest. Denke an alle Bitterkeit und Not, die Du ertragen mußtest, und an all die wunderbaren Fügungen Deines Lebens. Du hast den schweren Kampf mit bem feindseligen Schicksale als Held durchgekänrpft und stehst nun auf der Höhe. Blicke, o blicke weit hinaus in Deines Volkes Land und Zukunft hinter Dir und spielt das letzte Lied.....

* *

12. Das Licht verlischt.

Das Schauspiel ist zu ®nbe. Goethe hat heute nicht mit­kommen wollen, er mußte allein gehen. Vielleicht hätte er auch nicht gehen sollen. In Fieber kommt er nach Hause. Ach! es war kein ungewohnter Zustand für ihn. " Seit Jahren ist die Krankheit sein treuer Gast, seit Jahren sieht er den: Tode ins Antlitz, er weiß, daß seine Tage gezählt sind; weiß es und ist zum Sterben bereit. Aber seine Kin­der! Das ist der Gedanke, der ihn quält.

Die Schatten ziehen sich dunkler um ihn zusanuncu. Vier­undzwanzig Stunden lang lag er besinnungslos im Fieber. Endlich erwacht er wieder. Er läßt sich seine Jüngste, seine klenre Emilie, ans Bett bringen, wendet ihr den Kopf zu, faßt sic an der Hand und blickt ihr mit unaussprechlicher Wehmut ins Gesicht. Und er beginnt bitterlich zu meinen und winkt, daß man die Kleine wegbringe.

Der arme, schwache Leib kämpft einen letzten schweren Kampf. Aber der Geist bleibt siegreich. Immer lauter offenbart er sich, gleichsam schon in überirdischer Schönheit.

Diese Tatsache tritt noch schärfer hervor, wenn man die im dritten Geschäftsbericht des Preußischen Landes-Krieger­verbandes veröffentlichten Grundsätze betrachtet, die der Ge- samtvorstand in der erwähnten Sitzung ausgestellt hat. Der Gesamtvorstand hat danach klipp und klar betont, daß es in den nationalen Aufgaben des Kriegervereinswesens liege, ebenso wie der Deutsche Flottenverein dafür einzutreten, daß das Verständnis für die Notwendigkeit einer starken Flotte im Volke geweckt und daß unsere Flotte möglichst bald zu einem ausreichenden Schutze deutschen Handels und deut­scher Industrie und zu einem machtvollen Hilfsmittel der deutschen Friedenspolitik ausgebaut werde. Es wurde ferner darauf hingewiesen, daß nicht allein das Blatt des Deutschen Kriegerbundes, die „Parole", sondern sämtliche deutschen Kriegerzeittlngen und alle deutschen Landes-Kriegerverbände bisher in diesen: Sinne eifrig tätig gewesen sind und auch künftig tätig sein werben.

Politische Rundschau.

Das deutsche Kaiserpaar in Venedig. Der Kaiser und die Kaiserin mit den Prinzen begaben sich gestern vormittag S’/a Uhr mit einem Motorboote in die Giardini Pubblici zum Besuche der internationalen Kunst­ausstellung. Der Besuch dauerte über eine Stunde. Der Kaiser kaufte ein Bild von Emanuele Bruguoli und eine Marmorbüste uon Francesco Jerace an. Nach dem Ver­lassen der Ausstellung machte das Kaiserpaar eine Spazier­fahrt int Park, der die Ausstellungsgebäude umgibt. Um 9 Uhr 40 verließen sie, nachdem sie sich von dem Bnrgcr- meifter verabschiedet hatten, in beut Motorboot die Giardini Pubblici. Die Kaiserin unternahm gestern eine Fahrt auf bem Canale Grande und besuchte mehrere Kirchen. Am Nachmittag blieben der Kaiser und die Kaiserin an Bord. — Der Kaisernahm gestern das Frühstück bei der Gräfin Morosini ein.

Schisssbektegungett. Laut Meldung des „W. T. B." ist S. M. S. „Loreley" am 1. Mai wieder in Konstanti­nopel eingetroffen. — S. M. S. „Wolf" hat am 1. Mai in Kamerun die Heimreise angetreten und geht zunächst nach Sao Thoms. — S. M. S. „Hausa" ist mit beut Zweiten Admiral des Kreuzergeschwaders am 2. Mai in Tsingtau eingetroffen. — S. M. S. „Luchs" ist am 1. Mai in Kiukiang am Jangtse angekommen und geht heute von dort nach Hankau.

Der König von Sachse» in Wien. Bei der gestern zu Ehren der Anwesenheit des Königs von Sachsen in der Hofburg stattgchabtèn Tafel brachte der Kaiser folgenden Trinkspruch aus: Eurer Majestät Besuch ist mir

Sein Tod bekräftigt sein Leben. Karoline, die Schwägern:, tritt an sein Bett und fragt nach feinem Befinderi; „Immer besser, immer heiterer," antwortet der Schwergeprüfte. Unbi so, mit dem heiteren Lächeln eines seligen Geistes, sitzt. Schiller am letzte:: Abend, den er auf der Erde verleben sollte, am offenen Fenster und saugt die nnlde Maienlust ein. Die Sonne will sich neigen und sendet ihre sanften Abend- strahlen über die Bäume der Esplanade. So grüßt er mit einem letzter: Blicke das beledende Gestirn und den lieben Tag, grüßt er die Stadt, die dem Vielumtriebenen eine Hei- mat bot, grüßt er sein Land. Dann, still und geduldig, kehrt er zu feinern Schmerzenslager zurück.

Die Sonne geht unter und geht auf; mrd als sie ant nächsten Tage die volle Kraft ihrer Wärme über die ftied- liche Fürstenstadt an der Ilm sendet, breitet sich eine voll-! kommerre Ruhe verklärend üher das Antlitz des Dulders.

Friedrich Schiller ist nicht mehr-------—1

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Bei Nacht haben sie ihn auf bem alten .Kirchhofe vor bet, Jakobskirche ein gesenkt, lautlos, in eine dunkle Gruft.

Aber sein Leichnam ward heraufgeholt und bei den Fürsten Weirnars, zur Seite des großen Freundes, mhm^ reich beigesetzt. Unb sein Geist schritt, einem Helden gleich, durch sein Volk dahin, führte es im Befreiungskanrpfe, tröstete es in schwerer: Tagen bitterer Not, wob Süd und. Norden mächtig zusammen.

„Er war Unser!" So klang über feinem Grabe bet mächtigste Grabgesang, den je ein Dichter einem Dichter geweiht hat. „Er war Unser!" riefen die Deutschen sich hoffnungsreich und stolz zu, als sie hundert Jahre nach seiner Geburt den heißen Wunsch der Einigung des Vater«! landes noch immer nicht erfüllt sahen. Und „Er war unser! also fingen und sagen wir auch heute, wo wir seiner. Hilfe bedürfen :m Stampfe um die ewigen Güter unseres Volkes. ' )

DuMoMLsches.

tteVeEttMpst. Tochter des Hauses: „Denken Se sich, Köchin, mein Bräuttgam hat ein Automobil!" — Köchin „Pah, der meinige fährt sogar im Unterseeboot !"