grilngf in Nr. 99 des „Wider.
Freitas den 28. April 1905
Zas Wattn Skin m ben Wmmen.
Wien, 26. April.
Die Angeklagte Klein schildert die weiteren Vorgänge in der Mvrdnâcht. Sie bestätigt, daß sie sich damals in großer Geldverlegenheit befunden und daß sie Sikora um ein Darlehen ersucht habe. Er habe von ihr die Unterzeichnung eines Reverses verlangt, laut welchem sie sich bereit erklären mußte, ihn in ihrer eigenen Wohnung zu empfangen und ihm dort ein Schäferstündchen zu gewähren. Der Kaufpreis für diese Liebesnacht sollte 60000 Kronen betragen. Sikora habe sich ihr gegenüber „schmutzig" gezeigt und sich bei seinem Besuche am 3. Oktober geweigert, ihr das Geld zu geben. Sie sei deshalb sehr erregt gewesen und habe in dieser Erregung wohl ihrem in der Küche sich aufhattenden Mann gegenüber geäußert, sie sei imstande, Sikora umzubringen. Sie habe das aber nicht wörtlich so gemeint, sondern es nur so aufgefaßt wissen wollen, daß sie imstande wäre, dem Sikora eine „Watschen" zu geben. Ihr Mann habe sie aufgefordert, auf jeden Fall Geld zu beschaffen, wenn nicht anders, so durch die Ermordung Sikoras. Sie habe darauf zu ihrem Manne gesagt: „Geh, Freunder!, verlange doch nicht, daß ich auf solche Weise Geld beschaffen muß." Sie sei darauf weggegangen. Nach einer Stunde etwa sei sie zucückgekehtt, habe Ihren Mann wieder in der Küche angetroffen und beim Betreten der Stube bemerkt, daß Sikora nicht mehr aus der Ottomane lag. Bei nasserem Zusehen habe sie bemerkt, daß Sikora getötet und seine Leiche unter den Divan geschoben war. Nun sei sie in großer Erregung hinausgegangen und habe ihrem Manne heftige Vorwürfe gemacht; allein dieser habe gesagt: „Mache keine Geschickten, jetzt ist es geschehen. Sieh nur rasch zu, daß du dein Geld bekommst !" Während dieser Schilderung gerät die Angeklagte in heftige Gemütsbewegungen, sie bricht in Tränen aus und ruft mit vor Tränen erstickter Stimme: „Das alles wäre nicht geschehen, wenn mein Mann damals, wie ich es gewollt habe, den Sikora hinausgeworfen hätte, als er das Geld nicht Herausgeber: wollte!" Der Präsident weist nunmehr darauf hin, daß die Angeklagte zunächst in romantischer Weise den Verdacht auf andere Personen gelenkt habe. — V o r s.: Wir stehen nun vor der Tatsache, daß Sie heute alle Schuld von sich abwälzen und Ihren Mann als den einzigen Täter beschuldigen. Was' ist dem: nun das Richtige? — Angekl. Klein: Ich kann nur wiederholen, daß ich unschuldig bin und daß mein Mann den Mord aUtin ausgeführt hat 1 — Hierauf trat eine mehrstündige Pause ein.
Nach Wiedereröffnung der Sitzung um 5 Uhr nachmittags folgt sodann das
Verhör des Angeklagten Klein.
Er beantwortet die Fragen des Präsidenten mit zögernder, heiserer Stimme. Er hat in Wien die Volks- und die Bürgerschule und später die Fachschule der Ziseleure absolviert. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit als Gehilfe machte er einen Versuch, sich zu etablieren. Dieser Versuch mißlang jedoch. Klein geriet in Zahlungsschwierigkeiten und wurde in Untersuchung gezogen. Im Frühjahr 1904 ging erjedoch abermals an die Errichtung eines eigenen Geschäftes, da ihm und seinem Kompagnon Ferdinand Pitsch von den: schon erwähnten Bronzewaren-Fabrikanten Joseph Bauer materielle Unter- ftützrmg Zugesichert worden wär. Bauer war jedoch karger, als die beiden Kompagnons erwartet hatten. Es stellten sich wieder Zahlungsschwierigkeiten ein, und nun suchte Klein durch eine reiche Heirat Geld zu schaffen. Klein gibt zu, daß die in der Annonce seiner Frau angekündigte große Mitgift ihn reizte, und bestätigt auch, daß er, nackdem ihm Frau Wem ihr Sparkassenbuch über 6000 Kronen vorgezeigt hatte, sein bis dahin bestandenes Verhältnis mit einem anderen Mädchen rückgängig machte. Er bestreitet jedoch, daß er feine Frau etwa nur geheiratet habe, um sich von ihr er
Feuilleton.
Die Forelle.
Von Eugen Jsolani.
(Nachdruck verboten.)
Die Forelle ist der liebliche gastronomische Spätling der Saisoll. Wenn die Zeit der gesellschaftlichen Abfütterungen zur Neige geht, wenn „vom Eise befreit sind Bäch' und Flüsse," dann werden die Forellen in den silberklaren Felsbächen gefangen, um auf die Tafel der Feinschmecker gebracht zu werden.
Grimod de la Reyni^re, der berühmte französische Gastrosoph, der die Zeit einteilte nach den Delikatessen, welche sie auf den Tisch des Feinschmeckers liefert, führt in seinem gastronomischen Kalender die Forelle schon als Märzgericht auf. Er bevorzugt allerdings die Seeforelle, und meint, Forellen seien, falls sie aus dem Genfer See stammen, ein Göitergericht, das sich, wie er sarkastisch hinzufügt, „die Armeelieferanten allerdings auch in Paris bisweilen zu verschaffen wissen. — Kunstgerecht in kurzer Brühe gesotten und mit Genfer Sauce ungerichtet, die nicht bloß an ihre Herkunft erinnert, sondern ihnen auch am besten zusagt, bilden diese schönen Forellen eine Zierde der auserlesensten Tafeln. Man bittet die Gäste dazu scholl vierzehn Tage vorher, und nicht jeder wird dazu eingelabeu, der da möchte."
Bei uns beginnt die Hauptzeit der Forelle indessen erst mit dem April und währt bis zum September, in welchen Monaten die in ben Bächen gefangenen Forellen am schmackhaftesten sind. Freilich sorgen die Forellenzüchte- reien auch für den Vorrat zu früherer Zeit und noch in späteren Monaten, aber beni Feinschmecker verrät es dock die Zunge, ob die Forelle ihr fröhliches Dasein im Gebirgsbache dahingebracht oder in den Brutapparaten der Züchtereien zur Welt gekommen ist.
nähren zu lassen, vielmehr habe er die feste Absicht gehabt, sich redlich in seinem Bronzewarengeschäft zu ernähren, allein die Verhältnisse seien stärker gewesen als er, und bald nach der Hochzeit habe er mit seinen: Kompagnon Pitsch vis-â-vis de rien gestanden. Er sei dann allerdings an seine Frau herangetreten, um von ihr Geld zu erlangen; jedoch habe er damals immer noch an die reiche Mitgift geglaubt und erwartet, daß ihre Verwandten einspringen sollten. Erst als sich yerausgestellt habe, daß von ihrer Seite eine andere Hilfe nicht zu erwarten sei, habe er ihr in höchster Verzweiflung zugerufen: Es ist mir alles eins, wie du Geld verdienst, nur mutzt du Geld verschaffen. Er habe dabei im Auge gebabt, daß sic wie früher in den Zeitungen annoncieren und auf diese Weise Herrenbekanntschaften anknüpfen werde, durch die sie, ohne gerade ehrlose Verpflichtungen einzugehen, zu Gelde kommen würde. Keinesfalls habe er die Absicht gehabt, gewissermaßen den Zuhälter seiner Frau zu spielen und aus ihrem ehebrecherischen Verkehr materiellen Nutzen zu ziehen. Das würde seiner ganzen Erziehung und Vergangenheit widersprochen haben. Auch hätte er auf diese Weise niemals so viel Geld erhalten können um sein Geschäft über Wasser zu halten. Auf weiteres Befragen gibt der Angeklagte noch zu, daß er mehrfach den Versuch gemacht habe, den Fabrikanten Bauer in einen näheren Verkehr mit sich und seiner Frau zu ziehen, doch habe ihn dabei keineswegs das ihm von der Anklage unterstellte Bestreben geleitet, seine Gattin etwa an den Bauer zu verkuppeln. Bauer sei vielmehr ein alter Bekannter von ihm gewesen und der Verkehr erscheine ferner um deswillen nicht gesucht, weil Bauer ja der Hauptlieferant seiner Firma gewesen sei. — Der Vorsitzende geht nunmehr auch mit chm die Vorgänge in der Mordnacht und den folgenden Tagen durch. Auf Befragen gibt Klein zu, am 3. Oktober bei feiner Heimkehr den Zettel, der ihm die Anwesenheit Sikoras ankündigte, auf dem Küchentische gefunden zu haben. Er sei der Meinung gewesen, dieser Sikora sei ein ungarischer Graf und Kavallerie-Offizier, der seine Frau nach ihrer Erzählung aus dem Kloster entführt und der ihr eine bedeutende Summe Geldes versprochen habe. Er habe sich entfernt, um seine Frau rächt zu stören, und habe sie nachträglich verständigt, daß er spät nach Hause kommen werde. Tal- sachlich sei er bis 2 Uhr morgens ausgeblieben. Bei seiner Rückkehr habe er seine Frau in der Küche stehend angc- troffen. Sie habe ihm gesagt, in das Gassenzimmer seien Mieter cingezogen, sic mußten daher in der Küche nächtigen. Er habe sich darüber keine weiteren Gedanken gemacht und mit seiner Frau in der Küche geschlafen. Irgend etwas Auffälliges habe er bis dahin nicht bemerft.
Die Vorgänge in der MorSnacht.
Vorsitzender: Wir kommen nunmehr zur Mordtat selbst. Was wissen Sie davon? Angeklagter Klein (mit lauter, fester Stimme): In keinem fünfte der Anklage bekenne ich mich schuldig. (Große Bewegung im Auditorium.) Der Angeklagte kommt bann nochmals auf sein Vorleben zu sprechen und ertlärt mit weinerlicher Stimme: Ich habe mich immer bemüht, ehrlich durchs Leben zu formtreu. Mein einziges Unglück hat darin bestanden, daß ich meine frühere Braut, ein anständiges Mädchen, habe sitzen lassen und die Klein geheiratet habe. Bezüglich der Mordtat selbst bemerft der Angeklagte, er habe die Tat nicht vollbracht. Der Präs, hält ihm nun vor, daß es doch unwahrscheinlich sei, daß er am nächsten Tage die Unordnung im Zimmer nicht bemerft haben will. Weiter fragt ihn der Prä s., ob er nicht auch die.Kisten bestellt habe, die zur Aufnahme der Leiche Sikoras bestimmt waren. Der Angekl. erklärt, er habe die Kisten im Auftrage seiner Frau bestellt, weil diese ihm gesagt habe, sie wolle sich aus Böhmen Mehl und Kartoffeln schicken lassen. Der Präs, konstatiert bemgegemiber, daß beide Kisten genau nach Maß bestellt waren und in-
Schon der römische Dichter AnsoniuS, der zu Kaiser Valentinians Zeitens lebte und von diesem zum Erzieher seines Sohnes Grattan gemacht wurde, war ein Freund der Forelle, die er besonders auf seinen Reisen in Deutschland zu schätzell gelernt hatte und die er auch poetisch verherrlicht hat. Vielleicht hat diese Verherrlichung den Anlaß gegeben, daß man schon bei den Römern der Kaiserzeit den Versuch machte, die Forelle zu züchten, ein Versuch, der freilich mißlang, da den Römern die Existenzbedingungen der einzelnen Fischarten noch ziemlich unbekannt waren und ihre Zuchtversuche sich zumeist darauf beschränkten, die Fische die sie in anderen Ländern fanden, in ihren Gewässern auszusetzen, indem sie erwarteten, daß sich die Fortpflanzung dann ergeben würde. Die Bachforelle aber bedarf zum Gedeihen eines besonders klaren Wassers und steinigen Bodens. So ist den berühmten Feinschmeckern der römischen Kaiserzeit der Fisch zumeist versagt geblieben, der bei uns wegen seines ungemein zarten Fleisches als ' der feinste Tafelfisch gilt. Erst in späterer Zeit wurde bie Bachforelle mich in Italien heimisch.
Indessen auch im Geschmack herrscht die Mode. Die Gourmets der früheren Zeit bevorzuglen die ganz kleinen Forellen, während es heute als gastronomische Unsitte gilt, Forellen unter einem Viertel-Kilo Gewicht zu verzebren. Noch Brillat-Savaier gibt in seinem berühmten Buche „Physiologie des Gesch,nacks" die Anweisung: Wenn Ihnen jene kleinen Forellen unter die Hände kommen, die kaum mehr als ein Viertelpfund wiegen und aus den klaren Bergbächen kommcil, welche in weiter Ferne von der Hauptstadt rieseln, vergessen Sie nicht, sie im feinsten Olivenöl zu backen, das Sie erhalten können. Gehörig gewürzt und mit Zitronenscheiben belegt, ist dies einfache Gericht einer Eminenz würdig." Für die letztere Bezeichmmg gibt übrigens der berühmte Gastrosoph die Erklärung, daß "ihm einst ein Italiener gesagt, daß man in dessen Heimat von einem guten Gericht nicht sage, es sei ein Bissen für einen König, son-
einander paßten. Ein Angestellter des Klein habe sogar beim Anblick der Kisten bemerkt, sie sähen aus wie ein Sarg. Der Angekl. erzählt nun. daß er am 6. Oktober, also zwei. Tage nach dem Morde, etwas von der Tat erfuhr. An diesem Tage habe ihm seine Frau aufgeregt gestanden, daß sie ihm ein Geheimnis zu entdecken habe. Es sei eine Leiche im Zimmer, sie habe jemand umgebracht. Den Namen Sikora habe sie nicht genannt. Kniefällig habe sie ihn gebeten, niemand etwas zu sagen. (Bewegung.) (Präs.: Warum haben Sie eine Anzeige rmterlassen? Angeklagter Klein: Ich hatte damals den Kopf verloren, Meine Existenz war ohnehin schon ruiniert, und ich habe mir gesagt, das beste ist es jetzt, mit der Frau durchzubrennen. Präs.: Ein anderer Mann würde eine Frau, bei der er nichts mehr zu verlieren hatte, am Kragen gepackt und sie dem nächsten Wachtmann übergeben haben mit den Worten: Das ist eine Mörderin Damit war die Vernehmung des Angeklagten Klein beendet
Es wird nun nochmals Frau Klenr aufgerufen. Der Präsident hält ihr vor, daß sie, wenn sie auch die Tat selbst nicht ausgeführt hat, so doch sich der Anstiftung schuldig gemacht habe. Sie solle nun doch endlich ein offenes Geständnis ablegen. Die Angekl. Klein erwidert: Ich bleibe bei meinen Angaben. Mein Mann ist der Mörder. (Anhaltende Bewegung im Auditorium.) — Rechtsanwalt Dr. E l b o g e n (Bert, des Angekl. Klein): Frau Klein, bekennen Sie sich mehr schuldig, als Ihr Mann? — Angell. Klein: Das zu entscheiden, ist Sache der Geschworenen, ich bin nicht Richter.
Die Koufrontaliötr dee vewerr Angeklagte«,
Den Höhepunkt der heutigen Sitzung bildete die Gegen* Überstellung der Kleinschen (Tjegatten. Präs.: Frau Klein, jetzt ist der Moment gekommen, wo ich Sie fragen muß, ob Sie nun bei alledem bleiben, was Sie heute hier vorgebracht haben. Können Sie dabei bleiben, daß Sie Ihrem Mann auf einen Zettel niedergeschrieben haben, daß Sie den Sikora umbringen wollten, und daß Ihnen Klein darauf erwiderte^, einen solchen Unsinn wirst du doch nicht tun, und daß, als Sie dann von dem Morde Mstand nähmen, Ihr Man»: hineingegangen ist und den Mord ausgesuhrt hat? Angekl. Klein: Ich kann ihm das ins Gesicht sagen. — Prä:.: Tun Sie es. Die Angekl. Klein tritt daraufhin aus der Anflagebanl heraus und geht auf ihrer: dicht vor den Geschworenen stehendell Mann zu. Dieser hatte, als er wieder in den Saal geführt wurde, ben Blick von seiner Frau ab- aeivendet und bemüht sich während der gangen Dauer der Konfrontation, sie nicht anzusehen. Frau Klein hält nunmehr ihrem Manne das alles ins Gesicht vor, iuas sie bei ihrer Vernehmung angegeben hat. Der Angeklagte Klein schweigt dazu. Darauff erklärt ihm Frau Klein weiter : „Ich. Habe gewußt, daß Du ein weites Gewissen hast, aber daß. du gar kein Gewissen haft, hatte ich lckcht geglaubt. Wärest du èin Mann von Charakter gewesen, so stände ich nicht hier. Darm hättest du den Mann, der bei unr war, chnfach, hinausgeworsen und mich hättest du durchgeprügelt." In diesem Moment fährt der Angeklagte Klein erregt auf' und erklärt mit gittember Stimme: Es ist unglaublich, daß Briefe Frau zu dem einen Verbrechen, das sie begangen hat, noch ein zweites Verbrechen Häuft/ nämlich ihren Mann, der ün» schuldig ist, des Mordes zu begidjtiqcn.
Hierauf werden um 8 Uhr abends die Verhandlungen nhv gebrochen und auf Donnerstag vertagt.
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Wien, 27. April.
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• Die heutige Beweisaufnahme beginnt zunächst mit der
Vernehmung ver Gerichtsärzte
Diese werben zuerst über den Gesundheitszustand der Fram Klein vernommen. Sie geben an, die Angeklagte sei eine überaus geweckte unb schlagfertige Person, die aber nwralifd) bern für einen Kardinal, denn die Italiener, so erklärte jener Gourmet, sind der Meinung, daß die Könige keine Feinschmecker sein sönnen, weil ihre Mahlzeiten von allzu kurzer Dauer und allzu großen Feierlichkeiten seien. An anberer Stelle seiner „Physiologie des Geschmacks" rühmt Brillat- Savaier die Forellen des Furens. Das ist ein kleines Flüßchen, das oberhalb Rossillon entspringt, an Belley vorbeifließt und sich oberhalb Peyrieux in die Rhone ergießt. Die darin gefangenen Forellen haben ein rosenrotes Fleisch.
Ein anderes berühmtes Werk der Gourmanditen, Joseph Königs „Geist der Kochkunst", das der berühmte Feinschmecker K. F. von Rumohr herausgab, erzählt, daß Weine abzusieder:, „waS zwar nicht übel ist, doch einer Forelle aus den Hochgewässern vieles von der unbeschreiblichen' Feinheit ihres Geschmackes benimmt. Ich würbe immer vorzieherif sie in ihrer eigenen Brühe aufzuträge:: und nichts anderes als frische Butter und gutes Brot ba$n zu geben."
Bei uns ißt man die Forellen heutzutage zumeist blau gekocht, mit frischer Butter und Zitrone, seltener unb keineswegs als Ergebnis höherer Kochkunst, gebacken.
Die Hauptsache bei bei1 Zubereitung der Forellen bleibt aber, daß sic bis zu dem Augenblick, da sie gekocht werden sollen, im fristen Wasser lebend bleiben. Deshalb speist man sie auch in Gebirgshäuser»: am besten, wo es als Gewohnheit gilt, dem Gaste die Forelle, die er speisen will, vor der Zubereimng lebend zu zeigen. Freilich ist auch dabei der Gast nicht vollkommen sicher, nur friste lebende Forellen bereitet zu bekommen, wie jener Schweizer Gastwitt ^bewies, in dessen Forellenbasstn ein paar lebende Fischlein Herumschwaminen, von welchen bann bie Gäste, , welche Forellen verzehren wollten, sich diejenigen, die sie wünschten, selbst herausftschen konnten. Die herausgefifchtm wurden dann in bie Küche gebracht.