Erstes Blatt-
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SÜrnSt und Verlegt in der Buchdruckerei d«Z verein, es, WmierchauieH iu Hanan»
General-Anzeiger
Amtliches Organ für Mt- md FanRreis Kana».
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Bellage
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Die sMsgrspâur Petitzxüe oder deren NâUR 15 M-
DeranKvsrü. Nedaktrur: V. Schrecker « Ha««<
Nr. 97
Fsnrsprechanschlich Nr. 605
Mittwoch den 26. April
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Fe^njprechanschlust Nr. 605
1905
AmtticheS.
Landkreis kjanau.
ItkmiitmchiiWkil des Königlicheil LnndratsnmtS.
Den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern lasse ich mit der nächsten Post eine Anzahl von Flugblättern, Beitrittslisten und Satzungsabdrücken der neuen Haftpfficht- Vettfichevitngsnnftalt der Hessen-Nassauischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft zugeben. Ich ersuche Sie, für möglichste Verbreitung der Drucksachen Sorge zu tragen und wenigstens die größeren Landwirte Jbrer Gemeinden persönlich auf die Vorteile der neuen Versicherungsanstalt, die wiederholt schon im Kreisblatt besprochen worden sind, hin- zuweisen. Die BeitriLtsanmeldltNflen ersuche ich möglichst frühzeitig, jedenfalls aber vor dem 1. Juli d. I. einzusenden, damit mit diesem Termin die Eröffnung der Anstalt, welche von der Gewinnung von mindestens 1500 Mitgliedern abhängig ist, erfolgen kann.
Hanau den 25 April 1905.
Der Königliche Landrat.
I.-Nr. U 741 v. Beckerath.
Die Mühlenbesitzer Friedrich Hofman» in Kahl a. M. und Franz Joseph Zang in Aschaffenburg beabsichtigen den Anschluß ihres gemeinschaftlichen, im Kahlfluß — oberhalb der Naßmühle — bei Großkrotzenburg belegenen Mühlenwehres am rechten Ufer herzustellen.
Dieses nach den §§16 und 25 der Gewerbe-Ordnung genehmigungspflichtige Unternehmen wirb mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Beschreibung und Zeichnungen der beabsichtigten Veränderung im Bureau des Kreisausschusses hier zur Einsicht ausgelegt sind und daß etwaige Einsprüche gegen die Anlage binnen 2 Wochen, vom Tage der Veröffentlichung ab, schriftlich. in zweifacher Ausfertigung beim Unterzeichneten angebracht werden können.
Termin zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen ist auf
Samstag den 13, Mai d. Js., vormrittags 11 Uhr, in das Kreisausschußbureau anberaumt, wozu die Interessenten hiermit eingeladen werden.
Hamm den 22. April 1905.
Der Königliche Landrat.
I .-Nr. A2000 v. Beckerath. 8253
Feuilleton.
Der Waffenschmied.
(Dichtung und Dtusik von Albert Lortzing.)
Ein Geleitwort zu den im Mai 1905 im Hanauer Theater stattfindenden Aufführungen dieser Oper.
Von Marl Fr. Appel.
3. Fortsetzung.
3. Akt.
Eine kurze Einleitung im Orchester stellt die musikalische Verbindung zwischen dem zweiten und dem dritten Akt her. Sie erinnert durch ihre Motive an den polternden Sta - d im g e r der Weinbergszene, schildert zwischendurch die niedergedrückte Stimmung dec Marie, wie sie nachher gleich bei Beginn des dritten Aktes in dem Spinnlied: „Äch wir armen, armen Mädchen, sind gar so iibel d r a n" zum Ausdruck kommt, dann greift sie wieder zurück auf das, was Stadinger von Georg vernommen hat: „3 ch b in ein F i n d e l kin d", und unter dem Nachklang dieses Gedankens legt sich allmählich der Sturm in Sta- dingers Herzen: in einem zarten, piano verhallen seine zornigen Eirrwürfe.
Der Vorhang hebt sich. Marie sitzt am Spinnrad und singt die eben erwähnte Arie: „Ach wir armen Müd- chen." Stadinger erscheint mit Brenner. Dieser lucht seinen Schwager dazu zu.veranlassen, jetzt doch endlich dem Konrad die Hand Maries zu geben, nachdem derselbe sich doch gestern im Äampf mit den Rittern den Dank des Vaters verdient hätte. „Schweig' mir mit dem Kapitel still", erwidert Stadinger „jetzt will ich erst einmal die ganze En tsü hrun gs g eschi ch te klar rorsfen; denn gestern abend habe ich mich so geärgert, daß ich mich nicht mehr auf alles besinnen kann". Georg, Konrad und Irmen-
Hus Hanau Stadt und fand.
Hanau, 26. April.
* Kontrollverfammlung. Donnerstag den 27. April, vormittags 9 Uhr, in Hoch st ad t (Ausgang nach Bischofsheim): sämtliche Mannschaften von Dörnigheim und Bischofsheim; vormittags 11 Uhr: die Mannschaften von Hochstadt und Wachenbuchen; nachmittags 5 Uhr in Windecken (Schloßberg): die. Mannschaften von Eichen, Marköbel mit Hirzbacherhof, Ostheim, Oberdorfelden, Butterstadt und Baiersröderhof.
* Vom Kaifermanöver verlautet, daß der Kaiser am 7. September in Homburg v. d. H. eintrifft. Am 8. September dürfte die große Kaiserparade sein, während Samstag den 9. oder Sonntag den 10, die Enthüllung des Kaiser Wilhelm-Denkmals im Homburger Kurpark stattfinden dürfte. Am 9. September soll großes Kaisermahl im Homburger Kurhaus unb. am 10. September Feldgottesdienst im Kurpark stattfinden. Doch stehen, wie der „Taunus-Bote" meldet, die Daten, nicht unumstößlich fest.
* Ertrag der Kirchenkollekten im Jahre 1904, Die im Jahre 1904 erhobenen Kirchenkollekten im Konsistorial- bezirk Cassel haben folgendes Ergebnis gehabt: 1) Für bedürftige Gemeinden des Konsistorialbezirks Cassel zur Bestreitung von Kirchen- und Pfarrhausbaukosten 30 015,02 Mk. (Wachenbuchen erhielt von dieser Summe 1500 Mk.) ; 2) für andere kirchliche oder Wohltätigkeitszwecke 33 407,73 Mk., zusammen 63 422,75 Mk.
* Kal. Pulverfabrik. Der Abschied mit der gesetzlichen Pension bewilligt dem Major M i eßner, Direktor der Pulverfabrik bei Hanau, mit der Aussicht auf Anstellung im Zivildienst und der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des 2. Fußartillerieregiments.
* Verabschiedet. v. Tempsky, Kommandeur der !2- Inf. Brig. (früher in Hanau), wurde in Genehmigung seines Abschiedsgesuches zur Disposition gestellt.
~ Schillers Nachkommen. Auch in dem in der bayrischen Rhön gelegenen Orte Bonnland rüstet man sich, die Gedächtnisfeier an Schillers 100. Todestag am 9. Mai würdig zu begehen. Hat ja doch die jüngste Tochter Schillers, Henriette Emilie Luise, die längste Zeit ihres Lebens als Gemahlin des Freiherrn Heinrich Adalbert von Gleichen, genannt von Rußwurm, auf dem Schlosse Greifenstein ob Bonnland verbracht. Viele ältere Einwohner des genannten Ortes können sich noch recht lebhaft auf Schillers Tochter erinnern, die sich durch ihre Liebenswürdigkeit und Güte die allgemeine Verehrung erworben hatte. Die Firmen und Kranken fanden in der Freifrau Emilie v. Gleichen eine unermüdliche Wohltäterin, und noch heute sprechen voll Ehr- traut werden herüeigerufen und nachdem alle erschienen sind, findet die Schilderung des gestrigen Ueberfalles statt, dessen Opser Marie war. — „Ja, ohne Konrad wäre dein Kind verloren gewesen", so schließt Brenner die Erzählung, „darum mußt du dich dankbar gegen ihn erweisen. Gib ihm das. Mädel, sonst nimmt sie der Ritter mil Gewalt." Alle bestürmen den Stadinger mit derselben Bitte, da stürzt atemlos der gute A d e l h o f herein. Er weiß jetzt, daß Konrad mit dem Grafen Liebenau identisch ist und will dies dem Vater Mariens mitteilen. Es entwickelt sich das prächtige Sextett: „Gut, daß ich Euch noch treffe! Hu was bin i gelaufe,man will Euch armeMann verrate und verkaufe!" Die Verbiindeten des Grafen erkennen die Gefahr und fallen dem A d e l h o f rasch ins Wort, so oft er anhebt „D e r Konrad und d e r R i t t e r sind —." Schließlich nimmt ihn Konrad beiseite und erinnert ihn an seine „Ritter- pflicht", wonach er unter keinen Umständen den Grafen Liebenau verraten dürfe. A b e l h o f, geschmeichelt durch das ihm entgegengebrâchte Vertrauen, sucht nun bent Gespräch eine andere Wendung zu geben und redet den größten Unsinn. Jetzt wird er von Stadinger und allen anderen zum Besten gehalten. Adelhof ruft ausgebracht: „Ich finde mich in Eure Kniffe nicht hin ein und bin es endlich mü d', der Narre hierzu sein." — Seine Meinung „Ich gl au b', es w ü r' f ü r m i ch e i n Glück, kehrt' ich nach Schwaben bald zurück" findet allseitige Zustimmung und damit schließt diese Nummer in einem wirkungsvollen siebenstimmigen Satz. — Nachdem Adelhof das Haus Stadingers verlassen, macht Marie bei ihrem Vater den letzten Versuch, ihn zu ihrer Verlobung mit Konrad zu bewegen. — Aber alles ist vergebens — 'Stadinger bleibt „ein Starrkopf." Da eilt Brenner ins Zimmer und teilt seinem Schwager mit, daß unten auf der Straße Harnische und Pickelhauben blitzten; dec Graf sei im Anzuge. — Gleich darauf kommt Georg mit derselben Nieldung und schließlich erscheint ein Diener des hohen S t a d t r a t e s mit einem Schreiben, in welchem Stadinger ausgefoxdert wird, „zur Aufrechterhaltung der Ruhe in unserer
erbieiung die noch lebenden Unterstützten von der „guten alten gnädigen Frau" oder oont „Schillerschfräle", eine Bezeichnung, die wohl Zeugnis für die Popularität der Tochter Schillers gibt. Aus ihrer Ehe entsproß ein Sohn, Heinrich- Ludwig, der als Maler sich einen Namen machte. Er verstarb als Königl. bayrischer Kämmerer, Inhaber vieler unb; hoher Orden und Ehrendoktor der Universität Jena am 10. Juli 1901 zu Weimar. Seine Leiche wurde nach der Fa-< miliengruft in Bonnland überführt, die auch die sterblichen Ueberreste seiner Mutter birgt. Der einzige noch lebende direkte Nachkomme Schillers ist nun Reichsfreiherr Alexander v. Gleichen, genannt von Rußwurm, in weiten Kreisen bekannt ob seiner umfassenden literarischen Tätigkeit. Sein« Ehe blieb bis jetzt kinderlos und fast scheint es, als ob ev der letzte direkte Nachkomme des größten deutschen Dichters bleiben sollte.
* Marrenkirchenchor. Heute Mittwoch den W. April, abends 8 Uhr, Probe im Stadtschloßsaale.
6 Verbot des Glockenläutens auf den Rhein- schiffen. Die Rheinstrombauverwaltung beabsichtigt, ähnlich wie auf der Stromstrecke der Bonner Klinik, wo das Läuten mit der Schiffsglocke verboten ist, für den ganzen Bezirk dasselbe Verbot zu erlassen. Der Verein der Rheinschiffahrtsinteressenten stimmt diesem Verbote bei.
* Geschäftsjubiläum. Heute am 26. April 1905-’ sind es 2 5 Jahre, daß die Herren Bernhardt Kronen- b e r g e r aus Groß-Auheim und Paul Schaffrath aus- Klein-Steinheim bei der Firma A. Grubener hier iw Arbeit stehen.
* Doppelselbstmord. Im benachbarten Geislitz bei Gelnhausen machte vor etwa 8 Tagen eine junge Frau ihrem. Leben durch Erhängen ein Ende. Vorgestern wurde .nun; auch, wie unser ^-Korrespondent mitteilt, der Schwiegervater der Frau, ein Arbeiter H. aus Geislitz, bei der Klosterwiese als Leiche aus der Kinzig geländet. Die beiden Selbstmord--' fälle sollen in ursächliche Zusammenhänge stehen.
Wieder eingefunden hat sich der gestern von tm^ als vermißt gemeldete Schuhmacher L.
H. Die Jrrg locke in Gersfeld. Die vielen Gäste, dis in jedem Frühjahr und Sommer aus der Schwüle und bent Staub der Städte zur Stärkung und Erholung in bene malerisch schon gelegenen Städtchen Gersfeld auf längere oder! kürzere Zeit sich Ruhe gönnen, hören allabendlich um 10 Uhr von des Turmes hoher Zinne eine Glocke läuten. Unwille kürlich fragt der Neuling des Rhöngebirges : „Wozu dies Geläute?" Der alte Rhönbesucher und der zur Auskunft- stets bereite Bewohner des herrlichen Luftkurortes antworten: „Für die auf dem Gebirge Verirrten." Schöne Einrichtung) in Gersfeld," tönt es aus dem Munde des Fremdlings. Daher heißt diese Glocke „die Jrrglocke." Sie ist unter den vier
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lieben Stadt den Gesellen Konrad sogleich zu verheiraten." Stadinger ist ein viel zu biederer und braver Bürger, besitzt auch ein viel zu ausgeprägtes Autoritätsgefühl, als daß er einer Aufforderung seiner Stadtväter sich widersetzen könnte^ zumal einer solchen Aufforderung, mit deren Befolgung er leine Vaterstadt vor dem Ausbruch von Unruhen und Fehden bewahren kann. Eiligst befiehlt er seiner Tochter, sich in der nahen Kapelle mit Konrad trauen zu lassen. Während das Brautpaar und alle anderen, die eben um ihn versammelt: waren, abgehen, um die Vorbereitungen zur Hochzeit zu treffen, bleibt Stadinger allein zurück. Ein Scherz, den sich schnell noch Georg in seiner jugendlichen Fröhlichkeit mit ihm geleistet hat, erinnert ihn an seine eigene goldene Jugendzeit, und nun fingt er das allbekannte, beliebte Lied „Auch ich war ein Jüngling mit lockigem Haar".
Während einer
Verwandlung
hat sich die Trauung des jungen Paares vollzogen. Stadinger steht im Hofe vor seinem Hause und erwartet mit Brenner den Brautzug. — Unter den Klängen eines groß angelegten Marsches,' der — nebenbei bemerkt — in feinern Haupt-Motiv und in seinen Klangeffekten deutlich an Richard Wagners „F ei er li ch e r Zug zum Münster" erinnert*), enüvickèlt sich vor den Augen des erstaunten Sta
ch Damit soll nicht gefast fein, daß Lortzing sich mit frembett Federn geschmückt habe. Der „Waffenschmied" ist schon 1846 zum ersten Male ausgefübrt worden, während Wagner seinen „Lohen» grin" 1847 ge'chrieben bat und erst 1850 (durch Lisch in Weimar), wr ersten Aufführung brachte. Eine Anlehnung Lortzingk sn Wagner ist hur al o gan, unmöglich; anderseits halte ich er auch für vollüand'g auSgc'chloßen, daß Richard Wagner sich für feinet „Ellas Brautzug' in ^engrin" das Motiv und bessert Instrument tatton bei Lortzm' geholt habe. Wir hah ,u es al so in dem vorliegen« dem in der bildenden Kunst.
? us^' oft zu beobachtenden ZufalL zu iniu Zwcr von einander ganz unabhängig schaf« 1 ™ V^^"?/"^^" Ged anken (hier den feierlichen Hoch«
zeits^ug) mi t denselben Gefühlen und Empfindungen ver° a r j u t e li uv ö zur Darstellung dieser gleichartigen Empstn- düngen auch auf dieselben AuödrucksmitteL verfallen her vorhandenen großen AuswaLl in virse» Mitte»».