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General-Anzeiger
Amtliches Organ für Mt- vnd AMreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
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EinrLSuugSgebühr t
Die fünf gespalten« Petitzelte oder der« Kaum 15 M- im Raicunemeil die Zeile 35 Pfz.
Verantwort!. Redâtt: G. Schrecker ta Hcurcm.
Nr. 92
Fernsprechanschlutz Nr. 605
Dienstag den 18. Avril
Fernfprechanschlutz Nr. 605
1905
Politische Rundschau.
Der deutsche Kaiser verblieb gestern vormittag, wie Ms Giardini gemeldet wird, an Bord der „Hohenzollern" und hörte die Vorttäge des Chefs des Militärkabinetts und des Marinekabinetts. Die Kaiserin unternahm gestern morgen von Taormina aus einen Ausflug auf den Monte Venere.
Preisftiftttttgen für die 19« Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Münzen in den Tagen vom 29. Juni bis 4* Juli 1905» Für die 19. Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, welche in den Tagen vom 29. Juni bis 4. Juli d. Js. in München stattfinden wird, liegen schon eine größere Anzahl von Preisstiftungen vor. So hat Se. Majestät der Kaiser wieder eine Porzellanvase für die Hauptprüfimg von Kraftwagen mit Spiritus- betrieb für Lastenbeförderung gestiftet. Auch Se. Königliche Hoheit der Prinzregent Luitpold von Bayern hat eine Ehrengabe und Se. Königliche Hoheit Prinz Ludwig von Bayern, der derzeitige Präsident der Gesellschaft, eine solche für graubraunes Gebirgsvieh gestiftet. Die Stadt München hat zur Erhöhung der Preisliste 20 000 Mk., das Königliche Staatsministerium des Innern 13 600 Mk. und Ehrenpreise, der landwirtschaftliche Kreisausschuß für die Oberpfalz und von Regensburg 2900 Mk., dit Zentrale für Spiritusverwertung 2400 Mk., das Reichs-Marine-Amt 500 Mk. zur Verfügung gestellt. Die letztere Preisstiftung des Reichs-Marine-Amts kommt ausschließlich in der Gruppe Dauerwaren zur Verteilung. Sodann haben der Verein zur Förderung der Pferdezucht in Bayern, der Deritsche Fifcherei-Verein, der Verband der Landwitte zur Hebung der Schweinezucht in Minden-Ravensberg je einen Ehrenpreis und der Verein bayerischer Spiritus- und Branntwein-Produzenten 400 Mk., die Vereinigung der Züchter eines schweren Arbeitspferdes in Deutschland 800 Mk., die Hildesheimer Züchter-Vereinigung zur Zucht des hannover-braunschweigischen schwarzweißen Landschweines 350 Mk., und eine Ehrengabe, die Landwirtschaftskammer für die Provinz Westfalen für Schweine 200 Mk. als Preise zur Verfügung gestellt. Schließlich kommen hierzu noch Stiftungen von Privatpersonen, welche besonderes Interesse an dem Gedeihen der Gesellschaft haben.
Der Antrag der rnssifchen Regierung, daß Finnland an den russischen Staatsschatz von 1905 bis 1908 für militärische Bedürfnisse alljährlich 10 Millionen Mark zahle, wurde von den finnländischen Landständen mit der Einschränkung angenommen, daß die Zahlung nur für 1905 geleistet werden soll.
Reformbewegung in Rutz land. Die Akademie der Wissenschaften in Petersburg reichte gestern der unter dem Vorsitz des Geheimrats Kobeko tagenden Kommission inen Vorschlag ein, in dem die Notwendigkeit betont wird, daß schon jetzt die Presse durch vorläufige Maßnahmen bis zur Ausarbeitung des neuen Zensurgesetzes vom übermäßigen Drucke befreit werde.
Die ArcikkMWß miter Sc« italimif^ii Gscnbahiim.
iu werden. Der
Rom, 17. April. Kammer. Das Haus beginnt mit der Beratung des Projekts betreffend den Betrieb der Eisenbahnen durch den Staat. Caopinna tritt dafür ein, der Regierung unumschränkte Vollmacht Zuzugestehen als Kundgebung gegen ben Versuch des Eisenbahlwerjonals, dem Parlamente seinen Willen autzudrängem (Lebhafte Zustimmung.) Alessio besagt im Namen der radikalen Partei, daß dèr Ausstand der Eisenbahnangestellten, der den Charakter einer Auflehnung angenommen habe, der Kammer die notwendige Ruhe des Urteils genommen habe, um über das schwere 'Problem der Regelung des Eisenbahnbettiebes schlüssig zu werden. Der Redner bemerkt schließlich, die Haltung der Bahnbediensteten tommt einer Empörung gegen die Volksvertretung und gegen den Staat gleich. Die râkale Partei kann diese Ernponrng gegen den Staat, der der Ausdruck des Rechts und der Hingabe der Bürger ist, nicht zulassen. (Lebhafter Beifall.) urnaboldi erklâtt, er sei zwar gegen den Staatsbetrieb, er werde aber für die Artikel betreffend die Aufsicht über die Angestellten stimmen, da sie ein Mittel darstellen, um der Querung in den Augenblicken, wo sie hohe Interessen des Fundes zu vetteidigen habe, die dazu nötige Kraft zu geben. ^Dlojanm (Republ.) betont, Fortis habe gestern einen Be- Billigkeitssinns gegeben. Der Redner wünscht, jedermann auf allen Seiten bei seiner Abstimmung und â sonstigen Vorgehen sich daran ein Beispiel nehme, ^s handle sich darum, schließt Colojanni, ein Mittel zu fin- k™ ^ter Achtung des Rechts und der Gerechtigkeit eurer Dem Lande und der Volkswirtschaft Italiens schädlichen
Bewegung ein Ende zu machen. Colojanni führt in seiner Rede weiter aus: Die Forderungen der Eisenbahnange- ' stellten sind übertrieben und ungerechtfertigt, was auch durch die ruhige, ganz reservierte Haltung der sozialistischen Depu- tietten bewiesen wird. Wenn diese wirklich überzeugt wären, daß die Forderungen der Ausständigen gerechtfertigt sind, wiirde ihr Verhalten ganz anders fein. Im Gegenteil erklärten einige der angesehensten sozialistischen deputierten in ' der Presse, die Ansprüche der Eisenbahner seien übertrieben. (Sehr lebhhaster Beifall.) Die Sitzung wird hierauf unterbrochen.
Rom, 17. April. Telegramme aus den Provinzen melden: Auf allen Bahnhöfen herrscht vollkommene Ruhe. Ueberall ist nur ein Teil der Eisenbahnangestellten aller Klassen ausständig. Außer dem Minimaldienst, der für den Fall des Ausstandes bereits in allen Einzelheiten geregelt ist, ist es auf vielen Bahnhöfen möglich, auch andere Ziige abzulassen.
Rom, 17. April. (Agenzia Stefani.) Der heutige erste Tag des Eisenbahner-Ausstandes brachte einen Mißerfolg der Ausständigen. Zahlreiche Züge verkehren. Auf allen Linien arbeitet die Hälfte des Personals weiter. Diejenige Beamtenkategorie, die die größte Zahl der Stteikenden stellt, ist die der Heizer und Maschinisten. In Rom ist der Eisenbahn- Verkehr heute abend fast wieder normal. Die Eisenbahn- Gesellschaften versichern, morgen werde er völlig normal sein. Die Bahnverbindung mit allen Verkehrszentren ist gesichert. In Venedig, Novara und in anderen Orten arbeitet das gesamte Personal weiter. Der Marineminister richtete zwischen ben Hafenplätzen Italiens einen Post- und Pastagierdienst durch Torpedoboote ein. Das Marineministerium stellt der Industrie die zum Bettiebe der Fabriken erforderlichen Kohlen zur Verfügung. Die wirtschaftlichen Vereine ganz Italiens protestieren lebhaft gegen den Alisstand.
Lugano, 17. April. Die italienische Behörde untersagte den Fernsprechverkehr mit der Schweiz. Gespräche mit Como und Mailand werden nicht meb" vermittelt.
Hus aller Welt.
Genickstarre. In Lüdenscheid mürbe bei einem aus Ungarn kommenden Ziegelarbeiter Genickstarre festgestellt. Ein Kollege desselben erkrankte gleichfalls unter verdächtigen Erscheinungen. Beide wurden isoliert im Krankenhause unter- gebracht.
Eine recht ergötzliche Geschichte passierte dieser Tage einem Herrn aus der Umgegend von Heudeber. Im Begriff, zu verreisen, will er sich vorher, schnell noch rasieren lassen. Es wird zum Barbier gesandt, her jedoch nicht gleich zu finden ist. Nun wird es inzwischen die höchste Zeit — es muß daher unrasiert abgereist werden. Da trifft aber auch der Barbier beim Zuge noch ein. Schnell wird Messer und Seife hervorgeholt und mit dem Einseifen im Coupee begonnen. Man hofft in den bis zum Abgang des Zuges noch fehlenden Minuten fertig zu werden. Doch, o weh! Der Zug setzt sich in Bewegung. Infolge der schwankenden Bewegung ist es nicht möglich, mit dem Mester zu hantieren, und so bleibt der „eingeseifte" Herr sitzen bis zur nächsten Station.
Helene Bötzlaus Ehe. Im Prozesse der Frau Therese Arndt al Raschid, geb. Hautz, welche gegen ihren Ehemann Omar al Raschid Bey Klage erhoben und Antrag gestellt hatte, es möge gerichtlich festgestellt werden, daß ihre mit dem Beklagten im Jahre 1863 auf Helgoland geschlossene Ehe heute noch fortbesteht, demnach die im Jahre 1886 von dem mittlerweile zum Islam übergetretenen in Konstantinopel mit der Schriftstellerin Helene Böhlau geschlossene zweite Ehe rechtsungültig sei, hat das Oberlandesgericht München eben-
falls Urteil gesprochen. Bekanntlich hatte das Landgericht München I in erster Instanz mit Urteil vom 24. Oktober 1904 die Ehe der Klägerin als heute noch zu Recht bestehend anerkannt und den von Konstantinopel aus derselben zugesendeten Scheidebrief deS Beklagten unter Hinweis auf den Artikel 80 des Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch für rechtsungültig erklärt und zwar mit der Begründung^ daß ottomanische Staatsangehörige, solange sie sich auf Deutschem Reichsgebiet aufhalten, die in dieser Hinsicht geltenden Gesetze zu respektieren haben. Gegen dieses Urteil hatte der unterlegene Beklagte Berufung zum Oberlandesgericht eingelegt, welche gestern kostenfällig verworfen wurde.
Ein neuer Perlenfund in einer Auster. Erst unlängst wurde die allgemeine Aufmerksamkeit auf Perlenfunde Austern durch den Streitfall gelenkt, ob auf die Perle, die ein Gast in einem Restaurant in einer Auster findet, er oder der Wirt das Eigentumsrecht hat. Jetzt wird ein neuer Perlenfund aus London gemeldet: Eine Fischhändlerin in Kettering hat das seltene Glück gehabt, in einer Auster, die sie für einen Kunden öffnete, nicht weniger als zehn Perlen zu finden. Sie bemerkte den reichen Inhalt der Auster, als eine der Perlen herausfiel, und war klug genug, die Auster sofort beiseitezulegen und dem Kunden eine andere zu geben.
in
Als sie die Auster genauer untersuchte, fand sie weitere neun Perlen. Sie hatte die Austern von Liverpool bezogen. Ein Juwelier erklärte, daß die Perlen, die in der Größe sehr verschieden sind, von vorzüglicher Beschaffenheit wären. Die größte Perle ist größer als eine dicke Erbse.
Ein alter heidnischer Friedhof. Auf der Feldmark von Graebscken bei Breslau ist ein alter heidnischer Friedhof aufgedeckt worden. Bisher sind gegen 300 Grabstätten bloßgelegt. In jeder Grabstätte befanden sich mehrere Urnen, Teller, Schüsseln, Töpfe und Schalen, ferner bronzene Nadeln, Broschen und andere Schmuckgegenstände.
Ranbanfall im Eisenbahnzug. Der Direktor der Köln-Bonner Kreisbahnen, der in der vergangenen Nacht den Schnellzug Duisburg-Köln beniitzte, wurde bei der Abfahrt onn Duisburg von zwei jungen Burschen in seinem Wagenabteil 1. Klasse zu Boden geschlagen, geknebelt und seiner gesamten Barschaft sowie seiner goldenen Uhrkette beraubt. Die Strolche bedrohten den Direktor, wenn er sie verraten sollte, mit geladenen Revolvern. Kurz vor Einlaufen des Zuges in die Station Düsseldorf sprangen die Verbrecher aus dem Zuge. Der schwer verletzte Direktor wurde nach Köln geschafft. Der Düsseldorfer Polizei gelang es nach eifrigen Bemühungen, die Täter heute vormittag festzunehmen.
Das Petroleum als Heilmittel. In großen Mengen getrunken ist das Petroleum ein Gift, in kleinen Quantitäten wirkt es dagegen unschädlich; wo die Grenze ist, läßt sich schwer sagen, ès sind schon drei Mettelliter getrunken worden, ohne daß der Tod eintrat. Als Arzneimittel wird das Petro- leum vielfach äußerlich gebraucht zum Abtöten gewisser Hautparasiten, auch ist es ein altes Volksmittel gegen Rheumatismus. Früher hat man es vielfach innerlich gegeben bei chronischem Bronchialkatarrh, es ist jedoch außer Mode gekommen, bis es neuerdings in Amerika und namentlich in Pennsylvanien wieder häufig angewendet wurde. Ein dortiger Arzt hat es mit gutem Erfolg bei Luftröhrenentzündung mit Atembeschwerden verwendet; an sich selbst probierte er es als inneres antiseptisches Mittel. Es beseitigte dabei vorzüglich chronische Verdauungsstörungen und Blähungen. Es wurden täglich einige Tropfen des rohen Petroleums oe- nommen und diese Kirr mehrere Jahre ohne jegliche Beschwerden seitens des Magens fortgesetzt Das wurde nicht aufgesaugt, sondern passierte unzersetzt den Verdauungskanal. Seine Wirkung ist in der Weise zu verstehen, daß es die Entwicklung von 'krankmachenden Keimen hemmt, ähnlich wie dies sein Verwandter, das Naphthalin, tot
iettoleum
Vereins- u. Vergnügungsnachrichten
für Dienstag den 18. April.
Konzerthaus „Germania": Streichenden der Damenkapelle „Lohengrin", liungemeinbe: Von 5— O' i Uhr: Turnen der Mädchen-, Frauen- und JiiaendaileUimq.
Tumoerfn: Abends von 7—9 Ubr: Turnen.
Turnqesettlchafl: Abends von 7—9 U' r: Turnen der Juczendabteilung.
To. Männer- und I nalinySverein: 'tünglmasverem: Libelbesprechung; Iungiraueuverein: Flick bend (Cv. Veceinsbans).
Dram.-L"er. Veiein Ha aut Dereinsabend im „Carlsberg".
Kaih. Kasino „Eimrach " iVerein«l. „mm Braustüb't") : Dereintabeud. Gesauqvereia „Sumser": Singstunde in der „Stadt Bremen". Ge'anoverem „(Sintro^t": Singstunde.
've angverein „Me!om wia" : Singstunde in der „Karchaune". Gewerbe- und Huudwer'ec-Veren: Vercinsabend in der „Kartbaune*. Kegelklub der Seestarr-Toniisten: Gasthaus „iur guten Quelle".
Verein der Bayern: VeremSabeud im Gastbaus „mr Soni e". Süddeutscher Klub: Klubabend m der Restauiarion „ÜUlemanta". Demschnnt oniler Handlungsgehilfen-Derband, Ortsgruppe Hanau, Ver« einSabeird im „Carlsberg". Zithrrverein Hanau: Probe in der „Allemania".
Aihlelenklnb „Germania": Riegenstemmen und Dtusterriegenarbeiien (Restauration „umt großen Kurfürsten").
"Stemm* mn Ring-Klub „G,che": Abends 9 Uhr" Stemmen, Ringen unb Steinstoßen (Restauration „zum Sandhof").
Versteigerung^- re. Kalender
für Mittwoch den 19. Avril.
Holzversteioerunqm : 1) in der König!. Oberförsterei Salmünstec; Termin vormittags von 81/* Uhr ob im Gastbausr „zum Löwen ' zu Salmünster (f. Nr. 86 „Han. AnA".> — 2) in der Kömgl. Oberförsterei Wolf-ana; Termin vorm!lt"gs von 10 Uhr «6 im Gasthaus „zu den 8 Rindern" in Hanau (f. Nr. 81 „Hau. An,.").
Nachn ittags von 2 Ubr ab sollen im Saalbau „zum dentschen Haus" eine Partie silberne und versilberte Gegenstände, sowie sonst verschiedenes durch den beeid. Senator und Auktionator Herrn Fr. Kämpfer gegen Barzahlung versteigert werden.
Auszüge aus dem Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Cassel.
Somborn. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen die in der Gemarkung von Somborn (Kreis Gelnhausen) belegenen, im Grundbuche von Somborn zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Bäckers Franz Adam Grimm in Somborn eingetragenen Grundstücke am 26. Mai 1905, vormittags 9 Uhr, durch das Königliche Amtsgericht zu Meerholz — Zimmer Nr. i — versteigert werden.