Einzelbild herunterladen
 

Erstes Blâ

anauer

Bezugspreis:

Merteljähklich 1,50 Ml., monatlich 60 Pfg,, für aus- wütige Adonueuteu mit dem betreffenden Postaufschlag.

Die emjüne Nummer kostet 10 Pfg.

druckt und -erlegt in der Buchdruckern deS »«ein, w, Waisenhauses in Hanau.

Gellcml-Anzeigtr

Amtliches Orga» für Stadt- md KaadKreis Kaum.

Erscheint tâgüch mit Ausnahme der Sonn- wd Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Eiuruckuugsgebüh« <

Die Mfgchmliene Petrtzetie oder been Raum ^ im RrÜamatteil die Zeile 35 Pfg,

üktoiilMtiL Nüâur: Ä. Schrecker « Haiâ

Nr. 88

Fernsprechanschüch Nr. 605

Donnerstag den 13. April

Fepnsprechanschlntz Nr. 60»,

1905

BäBbBHwSQ

Amtliches.

Stadtkreis Ijânau.

Polizeiverordnunft

zur Ergätizctng der Polizeiverordnung berr» die EttUrèrnng Ker Äatrinen-Gruben in Ser Stadt Oana« vom 21. Juni 1894.

Auf Grund der §§ 5 und 6 der allerhöchsten Verord­nung über die Polizeiverwaltung in den neuerworbenen LandeSteilen vom 20. September 1867 (Ges.-S. S. 1529) und der W 143 und 144 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (Ges.-S. S. 195) wird mit Zustimmung des Magistrates der Stadt Hanau für den Stadtkreis Hanau nachstehende Polizeiverordnung erlassen:

Art. I.

Der § 9 der Polizeiverordnung betr. die Entleerung der Sattüieiigmben in der Siadt Hanau vom 21. Jimi 1894 erhält folgende Ergänzung:

"§ 9 a.

Die Entleerung der Latrinenabsuhrsässer auf die im Stadt­bezirke belegenen Ländereien darf nur in einer Entfernung von mindestens 150 Meter von den nächsten bewohnten Ge­bäuden erfolgen. Ausnahmen von dieser Vorschrift können seitens der König!. Polizei-Direktion unter der Bedingung Mgetasscn werden, daß die Entleerung der Fässer und Dün­gung der Ländereien nur zur Nachtzeit ftattfinber.

Andererseits ist die Königl. Polizei-Direktion befugt, über die Entleerung der Latrinenabssthrfässer auf das Land er­forderlichenfalls durch Bcfamtimadnmg weiiergehcndc Anord­nungen zu erlassen, welche wie die Vorschriften dieser- Ver­ordnung zu befolgen sind.

Art. II.

Zuwiderhandlungen gegen die vorstehenden Bestimmungen werden entsprechend dein § 14 der Polizeiverordnung vom 21. Juni 1894 mit Geldstrafe bis zu dreißig Mark, im Un vcrmögeussalle mit entsprechender Haft geahndet.

Art. IIL

Diese Polizeiverordnung tritt 1 Woche nach ihrer Ber- kündigung imHanauer Btueiger" in Kraft.

Hanau den 10. April 1905.

Kgl. Polizei-Direktion. J? 1252 v. Beckerath.

Gefundene und verlorene Gegenstände re.

Verloren: 1 feines Stickscherchen.

Zugelaufen: 1 deutschgekreuzter brauner Jagdhund W. Geschl.; abzuholen beim Bürgermeister in Dörnigheim.

Hanau den 13. April 1905.

Hus Hanau Stadt und fand.

Hanart, 13. April.

Beamtenpetsonal-Nachrichteir.

Erna n n t: der Rechtsanwalt Dr. Bartels in Cassel gum Notar, die Regierungs -Bureau -Hilfsarbeiter Simon, Rühling, Sorg und der Regierungszivilsupernumerar Claus zu RegiernngSsekretären, der Unteroffizier Tennig­keit zum Schutzmann bei der Königl. Polizeiverrvaltung zu Hanau.

Bestellt: der Pfarrer GöbelS zu Hanau zum Mit- gliede des Vorsteheramts des vereinigten evang. Waisenhauses in Hanau.

U e b e r t r a g e n : dem Forstmeister Abesser die Ober- sörsterstelle Neuhof vom 1. April d. I. ab.

Versetzt: der Postpraktikant H o ch st r a t e von Harmu nach Marburg, die Ober Telegrnphenassistenten Görres von Castel nach Hanau, Werner von Elberfeld nach Hanau.

Verliehen: dem Regierungs- und Schulrat Müh l- mann aus Merseburg eine Regierungs und Schulratstelle ^i der Königl. Regierung zu Cassel, dem Kreisbaumspektor ^eh. Baurat Scheele zu Fulda aus Anlaß des Uebertritts in den Ruhestand der Königl. Kronenorden 3. Klasse.

Pensioniert: der Direktor der Königlichen Zeichen­akademie Professor Wiese in Hanau vom i. April d. J. ^^ auf seinen Antrag.

sFohmmeskirche. Freitag ben 14. April, vorlmt- tagâ 10 Uhr, Prüfling der Konfirmanden des Herrn Pfarrer a m b er t, nachmittags 2 Uhr des Herrn Pfarrer Bär.

* ^ontfottv^jamntiund, Freitag den 14. April, vormittags 9 Uhr, in H an a u (Paradeplatz): Ersatzreservisten

der Jahresklassen 1901, 1902, 1903 und 1904, sowie die gedienten Mannschaften der Jahresklasse 1892 ausschließlich derjenigen Wehrleuie, welche in der Zeit vom 1. April 1892 bis 30. September 1892 eingestellt sind; vormittags 11 Uhr: Gediente Mannschaften der Jahresklassen 1893 und 1894.

* Ernannt» Der Herr Oberpräfident zu Cassel hat dell Gärtner Ernst Koppenhöfer zu Gelnhausen zum Lokalbeobachter für den rechts der Kinzig gelegenen Teil des Weinbaubezirks Gelnhansen und für die Gemarkung Langen­selbold, Landkreis Hanau, ernannt.

* Erledigte Pfarrftelle. Bewerber um die infolge Versetzung ihres seitherigen Inhabers zur Erledigung ge­kommene Pfarrstelle zu Quentel, Klasse Lichtenau, können ihre Meldungsgesuche durch Vermittelung ihres zuständigen Superintendenten an Königl. Konsistorium in Cassel ein- reichen.

* Elektrische Siratzerrbahtt. Ueber das Projekt der Errichtung einer elektrischen Straßenbahn können wir benchren, daß der Magistrat beschlossen hat, sechs Firmen, nämlich die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft in Berlin, Siemens-Schuckert, Lahmeyer u. Co., die Aki.-Ges. sürBahn- bau und-Betrieb in Frankfurt a. M., die Hannoversche Eisen- bahn-Hoch- und Tiesbaugescllschaft und die Eisenbahnbau- Gesellschaft Becker u. Co., G. m. b. H., in Berlin, zur Abgabe von Offerten aufzufordeni. Dem Ausschreiben würbe folgende Linienführung zugrunde gelegt:

»).S tadtl inien:

1. Linie: Ostbahnhof (Bahnunterführung), Ehrensäule, Au- heimerweg, Mrubergerstraße, Markt, Hammerstraße, Pa­radeplatz/Theater, Bangertstraße, Vorstadt bis zurKinzig- brücfe;

2. Linie: Wesrbabnhof, Vor bem Kmmltor, Karratplaß, Krä- merstraße, Markt, hier einmündend in Linie 1;

3. Linie: Ausgehend von Linie 1 am Theater nach der Sclnrnftraße,"Nordstraße bis zur Wilhelmsbrücke (umNord- und Kleinbahnhof zu erreichen);

b) V o r o r t l i n i e n:

1. Linie: Von Klein-Steinheim über Groß-Steinhenu, Älain- brücte, am Bahndamm entlang und entweder links herum burd; den sogenannten großen Viadukt und die Stein- Heimer Landstraße bis an die ehemalige hessische Ludwigs­bahn (umsteigen) und jenseits weiter "durch die Neue An­lage nach dem Westbahnhofe, hier einmündend in die Stadtlinie 2, aber am großen Viadukt rechts herum nach der Bahnunterführung und auf der Höhe dieser einmün­dend in die Stadtlinie 1;

2. Linie: Von Großauheim auf der Landstraße nach Hanau nnb einmündend auf der Höhe der Bahnunterfilyrung in Stadtlinie 1 bezw. Borortlinie 1;

3. Linie : Ausgehend von Stadtlinie 1 an dem Zusammen­treffen des Auheimermeges und der Leipzigerftraße, auf dieser bis an die Staatsbahn bei der Station Pulver­fabrik.

Die V o r o r t l i n i e n find E v e n t u a l k i n i e u. Ihre Ausführung hängt noch von Verhandlungen mit den be­teiligten Gemeinden und den Staaten Hessen und Preußen wegen Benutzung der Mainbrücke sowie der preußisch-Hessischen Eisenbayndireklion wegen Kreuzung der Bahntracen ab. De- trcebshos und Werksrätte sind gedacht an der Ecke Leipziger­straße und Waldstraße im Zusammentreffen der ersteren mit dem Auheimerweg. Die Stromznführung soll oberirdisch er­folgen, das Äkufhüngen der Drahte an Masten beziehungs­weise Rosetten.

* Jahres-Hmtshalt ver Kal. Zeichenakasemie. Der Jahres-Haushalt der Königl. Zeichmatademie für 1904 stellte sich wie folgt: Der Staatszuschuß für die Unter­haltung der Anstalt betrug Mk. 83 115. Die Einnah­men aus Schulgelderu ergaben Mk. 13 400. Die Aus­gaben betrugen für Lehrer- und Beamtenbesoldungen und Remunerationen Mk. 73 750, für Unterhaltung des Ge­bäudes und seiner Umgebung Mk. 4100, für Unterrichts­mittel, Heizung, Beleuchtung und sonstigeSächliche Aus­gaben" Mk. 18 125.

* Reifeprüfung. Die Reifeprüfung an der Ober­realschule dahier haben bestanden: 1) Alfred d e Hod y aus Saargemünd, 2) Karl Küster aus Oberneisen, 3) August Nold aus Freiendiez, 4) Thomas Schindler aus Hanau, 5) Wilhelm U t j ch aus Gosenbach.

§ HanZfertigkeitsunterricht. Ist der Knaberi- volksschule (1. Bezirksschule) sind gegenwärtig wieder wie üblich die le^tjädrigen Erzeugnisse des Handfertigkeitsunter--- richts der im Kinderhort untergebrachter'. Knaben tmb Mäd­chen ausgestellt. Die in zwei Räumen untergebrachte Aus­stellung ist sehr reichhaltig und macht schon äußerlich den besten Eindruck. Dieser wird aber noch verstärkt, wenn man die einzelnen Gegenstände, speziell die der Oberstufen, einer genaueren Besichtigung unterwirft. Geschicklichkeit, Fleiß und Sinn für Sauberkeil und Genauigkeit sind hier in einer Weise vereinigt, die die uneingeschränkteste Anerkennung ver­

dient. Die Ausstellung zerfällt im großen ganzer! in vier Abteilungen: Papp-, Stäbchen- (Naturholz-), Hobelbank- arbeiten und Modellieren. Letzere zwer Unterrichtsfächer sind erst seit vorigem Herbst eingeführt. Die Stäbchenarbeiten dürften von den vorigen Jahren her fchon bekannt sein, es sei nur bemerkt, daß die überaus zahlreicher! Dinge, Haus- Haltungsgegenstände und Geräte aller Art, erfreulichen Eifer und liebevolle Sorgfalt der kleinen Arbeiter verraten. Deu besseren Papparbeiten geht eine Unterrichtsstufe voraus, wo die Kinder nur mit Schere und Kleister zu arbeiten haben. Es werden verschiedengestaläge Stücke Bunt­papier ausgeschnitten und in den mannigfaltigsten Gruppierungen auf braunes Packpapier geklebt, rvodurch vielerlei einfache und kompliziertere Muster entstehen, schließ­lich durch Faltungen auch hübsche Gegenstände. Haben die Kinder auf diese Weise die nötige Romine im Umgang mit Papier, Schere und Kleister und neben einer geübten Hand vor allen Dingen ein gutes Augenniaß erlangt, dann geht der Unterricht zur Anfertigung von praktischen Gebrauchs­gegenständen über. Es sind hier ausgestelll Srnndenpläne, Schreibtaseln, Notizbuchdeckel, Schalen mit schrägen Wänden, Sparbüchsen, einfach und kompliziert, Handschuh-, Taschen­tuch- unb andere Kästchen mit und ohne Gelenk, Postkartei!- ständer, Koffer, mehrgliedrige Mappen mit Leinwand, Photo­graphierahmen und vieles mehr. Die Ausführung dieser durchaus nicht leicht herstellbaren Sachen, ist eine tadellose und sowohl der Fachmann als der Laie wird diese Erzeug­nisse mit Entzücken und Bewunderung aus der Hand legen, mit Bewunderung umsomehr, als doch alle Teile ausschließ­lich von den Kindern selbst her- und zusauunengepellt find, während man eigentlich vermuten könnte, daß ein geübter Fachmann der Schöpfer sei. Wie schon bcmerft,. wurden seit Herbst auch die Hobelbaukarbeiten cnigefüfü'L Die Leistungen sind in Anbetracht der km-zen Unterrichtszeit höchst aner- kennensmenc. Der Uuterrichtsgang ist natürlich auch hier systematisch. Der Beaâeitung einfacher Leisten und Brettchen, die sich die Kinder übrigens vom Stück selbst abschueiden müssen, folgt die Zusammensetzung dieser zu vorläufig ein­fachen Geräten und Gegenständen. Ein höchst interessanter Zweig des Handfcrügkeitsunterrichts ist das gleichfalls neu Angeführte Modellieren. Die Kinder müssen hier nach voryH- gegangcner Anleitung mit Hilfe des ModellierholzeS Gegen­stände direkt aus der Natur nachformen und es ist wohl gerade dieser Unterricht wie feilt anderer geschaffen, Forrnen- und Schönheitssinn, Anschauungsvennögen und eigene Gestal­tungskraft zu wecken und zu fördern. Es ist deshalb sehr erfreu(id), daß sich für diese Arbeiten ein besonders reges Interesse" der Knaben erkennbar macht. Die vielen ausge­stellten Dinge aus bem Leben und aus der Natur, Früchw, Pflanzenteile usw. lassen auch schou recht schöne Erfolge er­kennen und man darf wohl von der Zukunft in dieser Be­ziehung noch vieles und schönes erwarten. Seit kurzem werden auch die Mädchen in einigen Unterrichtsfächern, besonders Papparbeiten unterrichtet. Als Unterichtsleiter fungieren die Lehrer Kretschmer in der Vorstufe für Papparbeiren und in den Stäbchenarbeiten, Wagner in Papparbeiten, Berthold in Modellieren und Knauf in Hobelbank- arbeiten. Die Mädchen werden von den Lehrern F ü 11 e r und Zwicker unterrichtet. Wir können einen Besuch der Ausstellung auf das wärmste empfehlen. Es wird sicher ein jeder die Ueberzeugung gewinnen, daß der Handferligkeics unterricht nicht nur in erziehlicher Wirkung obenan stein, sondern auch als Vorbereitung für einen späteren Beruf durch die erlangte Uebung der Hand und des Auges unb den angeregten Sinn für die Arbeit an sich nicht zu imtev- schätzen ist.

* Wittst^t^iif« Im Monat März 1905 be­trug in Hanau der Durchschnittspreis für 100 kg Weizen Mk. 17.25, Roggen Mk. 13.79, Gerste Mk. 17., Hafer Mk. 14.42, Erbsen (gelbe) zum Kochen Mk. 20., Speise- Bohnen (weiße) Mk. 29.13, Linsen Mk. 38, Eßkartoffetn Mk. 6.19, Richtstroh Mk. 4.17, Krummstroh Mk. 3.16, Heu Mk. 7.20, Rindfleisch im Großhandel Mk. 124.; im Kleinhandel für 1 k? von der Keule Mk. 1.50, vom Baucke Mk. 1.30, Schweinefleisch Mk. 1.63, Kalbfleisch Mk. 1.48, Hammelfleisch Mk. 1.35, Speck (geräuchert) Mk 2.08, Eßbutter Mk. 2.43, Ger ein Schock 60 Stück Mk. 3.94.

* Ladenpreise. Im Monat März 1905 be­trug in Hanau der Durchschuittspreis für 1 kg Mehl zur Speifebereitung aus Weizen 34 Pf., Roggen 24 Pf., Gerstelc- Graupe 44 Pf., -Grütze 38 Pf., Hafergrütze 43 Pf., Hirse 35 Pf., Reis, Java (mittlerer) 48 Pf., Kaffee, Java , minierer (roh) 2 Mk. 40 Pf., gelber (in gebrannten Bohnen) 2 Mk. 80 Pf., Speifesalz 20 Pf., Schweineschmalz 1 Mk 55 Pf-